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Anton Baumgarten

Persönliche Daten
Ausbildung, Studienreisen, internationale Aufenthalte
Beruflicher Werdegang, Lehrtätigkeit
Mitgliedschaften
Vita
Stellenwert
Werke
Primärquellen
Sekundärquellen
Anmerkungen
Persönliche Daten
* 26.10.1820 - † 05.04.1887
Geschlecht: m
Geburtsort: Tata-Tovaros
damaliger Name: Totis
Land: Ungarn
damaliger Name: Kaisertum Österreich
Sterbeort: Wien
Land: Österreich
damaliger Name: Österreich-Ungarn
weitere Namen: Anton v. Baumgarten, Baumgartner, Paumgarten, Antal, Baumgarter
Religionsbekenntnis: Röm. - Kath.
Berufsbezeichnung: Architekt und Stadtbaumeister
Familiäres Umfeld: Vater: Anton (Antal) Inbaumgart (Baumgartner), Maurer
Mutter: Anna, geb. Algeyer
1. Ehe (1849) mit Joanna Cecilie Caroline Gager
Kinder: Helene (*1852); Gisela (*1853); Karl Emmerich Michael Joseph Rudolf (später v. Paumgarten?) (1854–1911)
2. Ehe (1879) mit Katharina Schwarz
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Ausbildung, Studienreisen, internationale Aufenthalte
1838Reifeprüfung Gymnasium
1838–1840Akademie der bildenden Künste (bei Pietro Nobile)
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Beruflicher Werdegang, Lehrtätigkeit
1861Baumeisterkonzession
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Mitgliedschaften
ab 1861Bau- und Steinmetzmeister-Genossenschaft
ab 1864Österr. Ingenieurverein (= ab 1865 Österr. Ingenieur- und Architektenverein)
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Vita
Anton Baumgarten wurde 1820 in Totis, heute Tata, Ungarn, als Sohn eines Maurers geboren. Spätestens 1838 ist er nach Wien gekommen, denn in diesem Jahr ist der Beginn seines Studiums an der Akademie der bildenden Künste bei Pietro Nobile dokumentiert. Allerdings besuchte er die Akademie nur zwei Jahre und praktizierte wahrscheinlich anschließend bei einem Baumeister, denn im Jahr 1861 erhielt er die Baumeisterkonzession.

Baumgarten wurde schnell zu einem gefragten Architekten und Baumeister, der nicht nur vom Großbürgertum sondern auch vom Adel in Wien sowie außerhalb der Stadt Aufträge erhielt. Einer seiner ersten Aufträge war die Errichtung eines Palais in Belgrad, das er für den Fürst Michael Obrenowitsch in romantisch byzantinischen Stil errichtete. In den 1870er Jahren war er in Budapest tätig. Aus dieser Zeit ist die Errichtung des Palais Esterhazy (1871) und eines Wohnhauses (um 1875) bekannt.

Der Hauptschwerpunkt seiner Tätigkeit lag jedoch in Wien, wo er vor allem eine Reihe repräsentativer Miethäuser – zumeist in der Inneren Stadt – erbaute.

Anton Baumgarten war zweimal verheiratet und hatte drei Kinder. Er starb im 67.Lebensjahr im Allgemeinen Krankenhaus in Wien an Hirnschlag und wurde in der von ihm errichteten Urnenkapelle in Baden (NÖ) bestattet.
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Stellenwert
Anton Baumgarten war in den Jahren 1860–1880 in Wien tätig, einer Zeit, als die Schleifung der Stadtmauer und die folgende Stadterweiterung eine rege Bautätigkeit mit sich brachte. Er hat sich mit der Errichtung repräsentativer Miethäuser schnell als Architekt und Baumeister des Großbürgertums und Adels einen Namen gemacht und erhielt Aufträge in neu entstanden Stadtteilen, wie etwa im so genannten Salzgries, einem Areal der Stadterweiterung in der Nähe des Donaukanals. Die Miethäuser zeigen noch die additive Achsenreihung, die Fenster erhielten jedoch sehr plastisch hervortretende grade oder segmentbogenförmige Überdachungen. Entsprechend der vornehmen Lage in der Nähe des Stadtzentrums wurden die Fassaden zusätzlich vielfach dekoriert. So waren die Fenster von Pilastern flankiert und in den Supraporten sowie in der Parapeten ist kleinteiliger Dekor zu finden. Fast zu einem Markenzeichen wurde bei ihm der Einsatz von Balustern innerhalb der Fensterzonen (Wien 1, Opernring 23 / Eschenbachgasse 1, 1862). Zumeist bilden ausgeprägte Konsolgesimse den Abschluss der Fassaden. Bei Eckhäusern wählte Baumgarten turmartige Rundungen, die durch Balkone und reicher Stuckierung ausgezeichnet wurden (Wien 1, Rudolfsplatz 3 / Heinrichsgasse 6, 1861) oder es finden sich abgeschrägte Ecken, die durch mehrgeschossige Erker belebt werden (Wien 1, Rudolfsplatz 1 / Gonzagagasse 10, 1861–1862). Eine weitere Variante stellte die Hervorhebung der äußeren Achsen der Fassaden durch Verdoppelung der Fenster dar (Wien 1, Gonzagagasse 12 / Werdertorgasse 10, 1863).

Später griff Baumgarten entsprechend dem allgemeinen Trend Formen der Renaissance auf und betonte häufig die Mittelachse der Fassaden mit zumeist mehrgeschossigen Erkern oder Balkonen mit Schmiedeeisenbrüstungen (Wien 1, Petersplatz 4, 1874–1876).

Bemerkenswert ist das Haus Wien 1, Johannesgasse 20–22 / Schubertring 1 (1865), das er gemeinsam mit Johannes Garben errichtete. Das streng symmetrisch konzipierte Gebäude wurde mit den Formen der Neu-Wiener Renaissance instrumentiert und reich mit Karyatiden, Säulen und allegorischen Stelenputten geschmückt. Turmartig überhöhte Eckrisalite fanden zweifellos ihr Vorbild in Theophil Hansens Heinrichshof visavis der Oper.

Einen interessantren Einblick in die Probleme, die die Stadterweiterung, die Schleifung der Stadtmauern und die erforderlichen neuen Bodennivellierungen mit sich brachten, ist das ehem. Wickenburg-Palais, Wien 1, Gonzagagasse 1 / Morzinplatz 3 / Salzgries 2 (1862). Das Gebäude ist im Erdgeschoss mit Verkaufsgewölben ausgestattet, das erste Stockwerk wurde von Graf Wickenburg bewohnt und die Wohnungen in den darüber liegenden Stockwerken wurden vermietet. Nach der Schleifung der Stadtmauer ist dieses Areal um 1860, im Zuge der Errichtung des Franz-Josefs-Kais angelegt worden. Allerdings konnte zu Baubeginn das Straßenniveau des Bauplatzes noch nicht definitiv bestimmt werden. Als das Palais fertig war, ragte das Haus daher sechs bis sieben Fuß über das Niveau des Straßengrundes. Als Behelfslösung wurde daraufhin der Grund um das Haus herum angeschüttet und eine gemauerte Rampe aufgeführt. Wahrscheinlich hat sich Baumgarten wegen dieser „Fehlplanung“ einige Kritik anhören müssen. Eine zeitgenössische Karikatur zeigt das Gebäude auf einem Hügel stehend und die Bewohner mittels Leitern zu ihren Wohnungen klettern.

Beim letzten bekannten Haus, das Baumgarten errichtet hat, zeigt sich, dass er – stets auf der Höhe der Zeit – dem neuesten Trend zu Barockmotiven folgte (Wien 8, Laudongasse 37, 1882).

Anton Baumgarten gehört zu jenen Baumeistern, die im Schatte der großen Ringstraßenarchitekten in Vergessenheit gerieten, obwohl sie wesentlichen Anteil an der Gestaltung des Stadtgebiets im Bereich der Ringstraße haben. Er errichtete vornehme und monumentale Miethäuser, die dem Glanz der neu angelegten Straße gerecht wurden.
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Werke

WOHN-/GESCHÄFTSBAUTEN:
1855Miethaus, Wien 9, Währinger Straße 12 (um 1910 durch Neubau ersetzt)
1859Miethaus, Wien 3, Löwengasse 2B / Obere Weißgerberstraße 14 (linker Teil der Fassade abgeschlagen)
1861Miethaus, Wien 1, Rudolfsplatz 3 / Heinrichsgasse 6
um 1861Palais Obrenowitsch, Belgrad / Beograd, SRB
1861–1862Miethaus, Wien 1, Rudolfsplatz 1 / Gonzagagasse 10
1861Miet- und Geschäftshaus, Wien 1, Rudolfsplatz 7 / Gonzagagasse 8 (Fassade abgeäumt)
1862Ehem. Wickenburg-Palais, Wien 1, Gonzagagasse 1 / Morzinplatz 3 / Salzgries 2 (mit Baumeister Wilhelm Grohs)
1862Wohnhaus Adolf Pollak, Wien 1, Opernring 23 / Eschenbachgasse 1
1863Miethaus, Wien 1, Gonzagagasse 12 / Werdertorgasse 10
1863–1864Miethaus, Wien 1, Kärntner Ring 10 / Akademiestraße 9
1863–1865Ehem. Todesco-Haus, Wien 1, Kärntner Ring 14 / Dumbastraße 2
1863–1867Miethäuser, Wien 3, Kolonitzgasse 5–11
1864Miethaus, Wien 1, Rudolfsplatz 2
1865Miethaus, Wien 1, Johannesgasse 20–22 / Schubertring 1 (mit Johannes Garben)
1865Miethaus, Wien 1, Salztorgasse 2 / Salzgries 4 (Fassade abgeräumt)
1868Miethaus, Wien 1, Babenbergerstraße 9 / Getreidemarkt 20 (Gliederung abgeräumt)
1868Miethaus, Wien 6, Getreidemarkt 11 / Gumpendorferstraße 2
1871Palais Esterhazy, Budapest, VIII, Puskin utca (ehem. Esterhazy u.), H
1871Miethaus, Wien 9, Schlickgasse 4
1873Wohnhaus, Wien 1, Philharmonikergasse 6 (in das Hotel Sacher integriert, 1874–1876 von Wilhelm Fränkel erbaut)
1874–1876Miet- und Geschäftshaus, Wien 1, Petersplatz 4
1875Miethaus, Wien 1, Maysedergasse 5 / Albertinaplatz 2
um 1875Wohnhaus Györy, Budapest, Szep utca 4, H
1881Miethaus, Wien 2, Vereinsgasse 15 (Adaptierung)
1881Miethaus, Wien 22, Schiffmühlenstraße 70 (Adaptierung)
1882Miethaus, Wien 8, Laudongasse 37
um 1885Wohnhaus, Wien 6, Turmburggasse / Mollardgasse (Nr. unbek.)
o.J.Miethaus, Wien 1, Salztorgasse 5 / Gonzagagasse 6

ÖFFENTLICHE BAUTEN:
1857–1858Ehemaliges Israelitisches Taubstummeninstitut, Wien 3, Juchgasse 22 (1962 umgestaltet)
1864Hotel „Österreichischer Hof“, Wien 1, Fleischmarkt 2 (1900 von Ludwig Schmidl vollständig umgebaut)
1867Urnenkapelle am Helenenfriedhof, Baden bei Wien, Steinbruchgasse 14, NÖ
1872Hotel Continental, Wien 2, Praterstraße–Taborstraße (nicht erhalten)
1881Reitschule und Pferdestall, Wien 2, Taborstraße 76 (nicht erhalten)
1882Kanzlei und Werkstätte, Wien 1, Führichgasse 3

INDUSTRIE-/GEWERBEBAUTEN:
1882Stall und Wagenremise, Wien 3, Matthäusgasse 6 (nicht erhalten)
1883Magazingebäude Wien 2, Zwischenbrücken 139 (heutige Adresse unbekannt)

NICHT REALISIERTE PROJEKTE:
1870Börse (Wettbewerb)
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Primärquellen

NACHLÄSSE UND ARCHIVE:
Wr.Ringstraßenarchiv; Archiv Baumeisterinnung; HHSTA; Archiv Adler; Stadtarchiv Budapest; Pfarrmatriken St.Stephan, Leopoldstadt; Maria Rotunda; Pfarrarchiv Diözese Raab, Komitat Komoran; WStLA
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Sekundärquellen

LITERATUR:
K. Eggert: Der Wohnbau der Wiener Ringstraße im Historismus 1855-1896. Die Wr.Ringstraße Bd.7, Wiesbaden 1976
A. Kieslinger: Die Steine der Wr.Ringstraße – ihre technische und künstlerische Bedeutung. Die Wr.Ringstraße, Bd.4, Wiesbaden1972
Kunsthistorische Arbeitsgruppe GeVAG: Wiener Fassaden des 19.Jh.s [6. Bezirk]. Wien 1976
M. Mojzer: Werke deutscher Künstler in Ungarn. Baden-Baden/Straßburg 1962
K. Mollik / H. Reining / R. Wurzer: Planung und Verwirklichung der Wr.Ringstraßenzone. Die Wr.Ringstraße, Bd.3 (Textband)
ÖKT 44: G. Hajos: Die Profanbauten des III., IV. und V. Bezirks. Wien 1980
E. Springer: Geschichte und Kulturleben der Wr.Ringstraße. Die Wr.Ringstraße, Bd.2
M. Paul: Technischer Führer durch Wien. Wien 1910
M. Wibiral / R. Mikula: Heinrich von Ferstel. Die Wr.Ringstraße, Bd. 8/3, Wiesbaden 1974

HINWEISE AUF WERKE:
Wiener Bauindustriezeitung
2.1885, Bautenalbum T.201 (Palais Esterhazy, Budapest)

NACHSCHLAGEWERKE:
Dehio Wien/1 (I.Bez); Dehio Wien/2 (II.–IX.u.XX.Bez.); Dehio NÖ/Süd A–L; Dehio NÖ/Süd M–Z
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Anmerkungen
In etlichen Quellen wird das Geburtsjahr mit 1822 angegeben. In der Parte (1887) wird der Tod im 65.Lebensjahr festgestellt (das bedeutet Geburtsjahr 1822). Das hier angegebene Geburtsjahr (1820) und Sterbejahr (1887) stammt aus dem Tauf- und Matrikelbuch Totis, Diözese Raab, Komitat Komorn.
Eingegeben von: Inge Scheidl
Eingegeben am: 31.10.2011
Zuletzt geändert: 26.05.2015
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