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Ferdinand Fellner I


Adolf Eckstein (Hrsg.) Künstler-Album, 1889

Persönliche Daten
Ausbildung, Studienreisen, internationale Aufenthalte
Beruflicher Werdegang, Lehrtätigkeit
Auszeichnungen und Ämter
Mitgliedschaften
Vita
Stellenwert
Werke
Primärquellen
Sekundärquellen
Anmerkungen
Persönliche Daten
* 15.03.1815 - † 25.09.1871
Geschlecht: m
Geburtsort: Wien
Land: Österreich
damaliger Name: Kaisertum Österreich
Sterbeort: Wien
Land: Österreich
damaliger Name: Österreich-Ungarn
weitere Namen: Ferdinand Joseph
Ferdinand Fellner d.Ä.
Ferdinand Fellner sen.
Religionsbekenntnis: Röm. - Kath.
Berufsbezeichnung: Architekt
Familiäres Umfeld: Vater: Josef F. (ca.1770–1843), Stadtzimmermeister
Mutter: Anna Maria, geb. Reister (ca.1779–1831)
Bruder: Jacob (1809–1871); Hofzimmermeister
Ehe (1846) mit Caroline Anna Josephine (Lina), geb. Perl (1828–1895)
Kinder: Ferdinand Jacob (Ferdinand II., 1847–1916), Architekt; Anna Maria Karoline (*1848), verehel. Schenk; Robert Jacob (*1850); Otto Jacob (1851–1904); Max (1853–1881); Auguste, verehe.Conraetz; Karoline (Lina), verehel. Brünner; Richard Jacob Ferdinand (*1861); Rudolf Jacob Marie Ferdinand (1864–1866)
Enkel: Ferdinand Fellner III. (1872–1811)
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Ausbildung, Studienreisen, internationale Aufenthalte
1829–1835Polytechnisches Institut Wien
1834–1837Akademie der bildenden Künste (bei P.Nobile; ohne Abschluss)
ca.1837–1839zweijährige Studienreise, u.a.nach Italien
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Beruflicher Werdegang, Lehrtätigkeit
ab 1848Selbständiger Architekt
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Auszeichnungen und Ämter
1835Gundelpreis (1.Preis, für auf Architektur angewandte Mathematik)
ab 1848wirkl. Mitglied der Akademie der bildenden Künste
1861–62 u.1868–70Gemeinderat des Bezirks Rossau (Wien 9)
o.J.Bürger von Wien
o.J.Verwaltungsrat der Wiener Baugesellschaft
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Mitgliedschaften
o.J.Niederösterr. Gewerbeverein
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Vita
Ferdinand Fellner I. wurde 1815 in der Rossau, damals ein Vorort von Wien (heute Teil des 9. Bezirks) geboren. Er entstammt einer alteingesessenen Zimmermeisterfamilie, schon der Großvater betätigte sich als Zimmermeister, der Vater war bürgerlicher Stadtzimmermeister und Ferdinands älterer Bruder Jacob war als k.k.Hofzimmermeister viel beschäftigt. Der junge Ferdinand hingegen beschloss, Architektur zu studieren. Er besuchte zunächst das Polytechnische Institut in Wien und absolvierte einige Kurse an der Akademie der bildenden Künste, wo u.a. Pietro Nobile zu seinen Lehrern zählte.

Fellner verließ 1837 die Akademie, um eine zweijährige Studienreise anzutreten. Wo er nach seiner Rückkehr nach Wien seine Praxisjahre absolvierte, die für eine selbständige Architektentätigkeit erforderlich waren, ist nicht bekannt.

Im Jahr 1848 wurde ihm die Errichtung der NÖ Landesirrenanstalt übertragen (Wien 9, Lazarettgasse 14, nicht erhalten), womit seine beachtliche Karriere begann. Er wurde einer der führenden Spezialisten im öffentlichen Nutz- und Kommunalbau und errichtete beispielsweise eines der frühesten Realschulgebäude Wiens (4, Waltergasse 7, 1853–1855, später erweitert), das Bürgerversorgungshaus in Währing (9, Währingerstraße / Spitalgasse,1858–1860, nicht erhalten) sowie die Handelsakademie der Wiener Kaufmannschaft, das erste fertiggestellte öffentliche Gebäude der Ringstraßenzone (1, Akademiestraße 12, 1860–1862; 1902 Aufstockung von E. Frauenfeld).

Zu seinen bedeutendsten Bauaufgaben zählte auch die Errichtung einer Reihe von Interimstheatern, die aus Holz gefertigt wurden, und daher zumeist bald wieder Bränden zum Opfer fielen. Für diese Arbeiten zog er den Zimmermeisterbetrieb seines Bruders Jacob heran, so wie auch für das Holzgerüst der Triumphpforte, die anlässlich der Rückkehr des Kaisers aus Ungarn (1852) als ephemere Huldigung errichtet wurde. Der wichtigste Theaterbau war das Wiener Stadttheater (1871–1872), das von dem Journalisten Max Friedländer gemeinsam mit dem ehemaligen Burgtheaterdirektor Heinrich Laube im Gegensatz zu den Kaiserlichen Hoftheatern als bürgerliches Theater gegründet wurde. Da Fellner bei der Errichtung schon schwer krank war, wurde das Gebäude allerdings von Fellners Sohn, Ferdinand II. vollendet, der bereits seit 1866 im Atelier seines Vaters tätig war. Obwohl das Gebäude als Steinbau errichtet worden war, brannte es nur zwölf Jahre später aus. Das Theater wurde in der Folge vom Sohn Ferdinand II. gemeinsam mit seinem Büropartner H. Helmer als Konzert- und Ballhaus Ronacher wieder errichtet.

Fellner errichtete vor allem in der Inneren Stadt auch etliche Miet-, Wohn- und Geschäftshäuser und wirkte am Zustandekommen der Wiener Bauordnung mit. Darüber hinaus war er auch als Gemeinderat an kommunalen Agenden interessiert.

Obwohl er zu Lebzeiten nicht nur sehr erfolgreich wirkte, sondern auch allseits geschätzt und anerkannt war, ist es auffallend, dass er keine Auszeichnungen oder Orden erhalten hat. Ferdinand Fellner I. starb nach längerer Krankheit im 57.Lebensjahr in Wien und wurde am Grinzinger Friedhof beigesetzt.
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Stellenwert
Ferdinand Fellner I. gilt als Vertreter des romanischen Historismus, einer Strömung, die in der Mitte des 19.Jahrhunderts die Abkehr von der nüchternen, zweckmäßigen Bauweise der Jahrzehnte davor intendierte. Ziel war, die Fassaden mit reicherem Dekor malerisch zu beleben, wobei einerseits nach wie vor spätklassizistische Formulierungen, zum Teil aber auch mittelalterliches wie auch byzantinisches Vokabular aufgriffen wurde.

Obwohl Ferdinand Fellner bedeutende Monumentalbauten schuf, ist von diesem Œuvre keines der Gebäude mehr im Original erhalten. Bei der Handelakademie (Wien 1, Akademiestraße 12 / Bösendorferstraße 3, 1860–1862) lässt sich jedoch noch deutlich Fellners Gestaltungsweise erkennen. Plastisch ausgebildete polygonale Pfeiler, die bis in die Dachfläche reichen, sowie ein Gebälk mit Zahnschnitt-, Rundbogen- und Kassettenfries zeigen romantische Anklänge an die Tudorgotik. Allerdings entspricht die ausgeprägte Vertikalisierung des Gebäudes nicht den ursprünglichen Intentionen Fellners, sondern wurde erst durch die Aufstockung Eduard Frauenfelds jun. im Jahr 1909 bewirkt.

Die Miethäuser, die Fellner vor allem in den 1860er Jahren errichtete, stattete er mit reichem Dekor, wie Säulchen, Karyatiden, Erker auf Volutenkonsolen, Rundbogenfenster, Scheinbalustraden etc. aus, das zunächst ebenfalls eine romantische Zusammenstellung einzelner Motive erkennen lässt (ehem. Haus Liebig, Wien 1, Graben 20 / Naglergasse 1, 1857–1858), während er später mit Neorenaissance-Formulierungen dem Trend zur „Stilreinheit“ des strengen Historismus folgte.

Insgesamt erhielten die Gebäude ein sehr repräsentatives Erscheinungsbild und nicht zuletzt scheint Fellner mit dieser monumentalen Gestaltungsweise auch auf die Bedeutung des Miethauses im Großstadtambiente hinweisen zu wollen. Damit reagierte er nämlich auf eine Schrift von H.Ferstel und R.Eitelberger („Das bürgerliche Wohnhaus und das Wiener Zinshaus“, Wien 1860), die generell das Einfamilienhaus als beste Wohnform auch im Großstadtbereich propagierte. Fellner hingegen verteidigte das Miethaus allein schon aus pragmatischen Gründen, indem er argumentierte, dass für die große Masse der Handwerker und Arbeiter nur auf diese Wiese ökonomisch vertretbare Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt werden könnten.

Wie sich schon bei der Planung für seinen ersten Auftrag, die nicht mehr erhaltene NÖ Landesirrenanstalt (Wien 9, Lazarettgasse 14, 1848) gezeigt hat, lag Fellners Stärke und Begabung vor allem in der Lösung von Grundrissen und der inneren Strukturierung der Bauten. Insbesondere die innere Disposition des Stadttheaters konzipierte Fellner für damalige Verhältnisse äußerst fortschrittlich und zukunftsweisend.

So wie Fellners Großvater eine Zimmermeisterdynastie begründet hat, war Fellner I. der Gründer einer bedeutenden Architektendynastie, wobei vor allem der Sohn Ferdinand II. gemeinsam mit dem Partner H.Helmer ein überaus erfolgreiches Atelier betrieb. Und nicht zuletzt die Innovationen des Vaters Fellner I. bei der Planung des Stadttheaters haben den Grundstein für den Erfolg der „Theaterarchitekten Fellner & Helmer“ gelegt.
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Werke

WOHN-/GESCHÄFTSBAUTEN:
1857Wohnhaus, Wien 1, Tuchlauben 17 (Neufassadierung)
1857–1858Haus Liebig, Wien 1, Graben 20 / Naglergasse 1
1860Miethaus, Wien 1, Friedrichstraße 2 / Kärntnerstraße 46
1860Wohn- und Geschäftshaus, Wien 1, Seilerstätte 2 / Singerstraße / An der Hülben (mit Bernhard Kledus)
1861Palais des Regiments- und Hofkammerrats Oswald Philipp, Wien 1, Bräunerstraße 5 (Aufstockung, Fassadenumgestaltung, neuer Hoftrakt; erbaut vor 1563)
1861Wohn- und Geschäftshaus, Wien 1, Riemergasse 13 (mit Baumeister Johann Handler)
1862Haus Hainisch, Wien 1, Operngasse 2 / Hanuschgasse 1
1862Miethaus, Wien 3, Obere Viaduktgasse 4 / Obere Weißgerberstraße 30
1863Miethaus, Wien 1, Gonzagagasse 3 / Salztorgasse 4 (mit Anton Baumgartner; Dekor abgeschlagen)
1864Miethaus, Wien 1, Stubenbastei 1 / Dr. Karl-Lueger-Platz 3 (nicht erhalten)
1869–1870Miethaus, Wien 1, Nibelungengasse 15 / Babenbergerstraße 7
1874Palais Württemberg, Wien 9, Strudelhofgasse 10 (Umgestaltung des noch nicht vollendeten Palais von Heinrich Adam)

ÖFFENTLICHE BAUTEN:
1848NÖ Landesirrenanstalt, Wien 9, Lazarettgasse 14 (nicht erhalten)
1851–1852Altes Rathaus, Gemeinderatsitzungssaal, Wien 1, Wipplingerstraße 8
1852Triumpfbogen anl. des Kaisers Rückkehr aus Ungarn, Wien 2, Praterstraße (ephemer)
1853–1855Bundesrealgymnasium Wien 4, Waltergasse 7 / Graf Starhemberggasse 12 / Schaumburgergasse 9 (1871 Erweiterung von Georg Haussmann)
1856Thalia-Theater, Wien 16, Lerchenfelder Gürtel (nicht erhalten)
1857–1860Knaben- und Mächenschule, Wien 17, Elterleinplatz 5 (später Erweiterung)
1858–1860Bürgerversorgungshaus Währing, Wien 18, Währinger Straße / Spitalgasse (nicht erhalten)
1860–1862Handelsakademie, Wien 1, Akademiestraße 12 / Bösendorferstraße 3 (1909 Aufstockung von E.Frauenfeld)
1860Treumanntheater, Wien 1, Franz Josefs-Kai (1863 abgebrannt)
1865Arena-Theater in Baden, NÖ (nicht erhalten)
1871–1872Wiener Stadttheater, Wien 1, Seilerstätte 9 / Himmelpfortgasse 25 (1884 ausgebrannt; 1887–1888 als Konzert- und Ballhaus Ronacher von Ferdinand Fellner II. wieder errichtet)

NICHT REALISIERTE PROJEKTE:
1843NÖ Statthalterei Wien 1 (Wettbewerb)
um 1856Bank- und Börsengebäude in der Herrengasse (Wettbewerb)
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Primärquellen

PUBLIKATIONEN:
F. Fellner: Wie soll Wien bauen? Zur Beleuchtung des bürgerlichen Wohnhauses der Herren R.v.Eitelberger und H.Ferstel. Wien 1860

NACHLÄSSE UND ARCHIVE:
ABK; TUAW; WStLA; Pfarrarchive Rossau; St.Ulrich; HHSTA
Pläne und Fotos im Museum Wien
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Sekundärquellen

LITERATUR:
Anonym: Triumphbogen und Zelt am Praterstern. In: ABZ 17.1852, S.241f, Abb.293f
A. Caravias: Wiener Baukunst 1848–1859. Diss. TH Wien 1944
K. Eggert: Der Wohnbau der Wiener Ringstraße im Historismus 1855-1896. Die Wr.Ringstraße Bd.7, Wiesbaden 1976
R. Eitelberger: Kunst und Künstler Wiens. Wien 1878
H.-C. Hoffmann: Die Wiener Handelsakademie – das erste öffentliche Gebäude der Ringstraße und sein Architekt Ferdinand Fellner d.Ä. In: alte und moderne Kunst 12.1967, H.94, S.14ff
A. Kieslinger: Die Steine der Wiener Ringstraße – ihre technische und künstlerische Bedeutung. Die Wr.Ringstraße, Bd.4, Wiesbaden 1972
K. Mollik / H. Reining / R. Wurzer: Planung und Verwirklichung der Wiener Ringstraßenzone. Die Wr.Ringstraße, Bd.3 (Textband), Wiesbaden 1980
ÖKT 44: G. Hajos: Die Profanbauten des III., IV. und V. Bezirks. Wien 1980
M. Paul: Technischer Führer durch Wien. Wien 1910
E. Springer: Geschichte und Kulturleben der Wiener Ringstraße. Die Wr.Ringstraße, Bd.2, Wiesbaden 1979
O. Wittenhofer: Die Fassaden der Wiener Wohnhäuser in der ersten Hälfte des 19.Jhs. Diss.Uni.Wien 1948 (mit Verzeichnis der Bauten im 1. bis 9.Bez.)
R. Wagner-Rieger: Das Wiener Bürgerhaus des Barock und Klassizismus. Wien 1957
R. Wagner-Rieger: Wiens Architektur im 19.Jh. Wien 1970
R. Wagner-Rieger: Geschichte der Architektur in Wien. Vom Klassizismus bis zur Secession. In: Geschichte der bildenden Kunst in Wien. Bd.3, Wien 1973

HINWEISE AUF WERKE:
Allgemeine Bauzeitung
30.1865, Abb.741 (WH. Hainisch)

NACHSCHLAGEWERKE:
Dehio Wien/1 (I.Bez); Dehio Wien/2 (II.–IX.u.XX.Bez.); Dehio Wien/3 (X.–XIX.u.XXI.–XXIII.Bez.)
A. Eckstein (Hg.): Künstler-Album. Wien 1890

LEXIKA:
ThB; Czeike; ÖBL; AKL
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Anmerkungen
Todesdatum bei Eckstein, Künstler Album, falsch.
H.-C. Hoffmann schreibt dasProvisorisches Abgeordnetenhaus „Schmerlingtheater“, Wien 9, Währinger Straße 2–4 irrtümlich Fellner zu. Es wurde 1861 von L. Zettl geplant und errichtet.
Eingegeben von: Inge Scheidl
Eingegeben am: 01.10.2012
Zuletzt geändert: 26.05.2015
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