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Eduard Frauenfeld sen.

Persönliche Daten
Ausbildung, Studienreisen, internationale Aufenthalte
Beruflicher Werdegang, Lehrtätigkeit
Auszeichnungen und Ämter
Mitgliedschaften
Vita
Stellenwert
Werke
Primärquellen
Sekundärquellen
Anmerkungen
Persönliche Daten
* 07.12.1816 - † 05.03.1874
Geschlecht: m
Geburtsort: Wien
Land: Österreich
damaliger Name: Kaisertum Österreich
Sterbeort: Wien
Land: Österreich
damaliger Name: Österreich-Ungarn
weitere Namen: Frauenfeld d.Ä.
Religionsbekenntnis: Röm. - Kath.
Berufsbezeichnung: Stadtbaumeister
Familiäres Umfeld: Vater: Phillipp F. (*ca.1777), Maurerpolier, dann Baukontrollor
Mutter: Magdalena, geb. Platner (*ca.1777)
Schwester: Anna, verh. mit Baumeister Bernhard Kledus (1792–1862
Ehe (1851) mit Rosa Theresia Elisabeth, geb. Sauer (1827-1901)
Kinder: Rosa Anna (*1852), verehel. Keller; Eduard (1853–1910), Baumeister; Eugenie (Jenni) (*1854); Cornelia Anna (Nelly) (1858–1941); Robert (*1860); Richard (*1861), Baumeister; Alfred (1863–1927)
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Ausbildung, Studienreisen, internationale Aufenthalte
o.J.Maurer- oder Baumeisterlehre
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Beruflicher Werdegang, Lehrtätigkeit
1847Baumeisterkonzession
ab 1861protokollierte Baufirma
1864Bauunternehmen in Konkurs
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Auszeichnungen und Ämter
1847Bürger von Wien
1859Mitglied der Wiener Baucommission zur Revision der Bauordnung (Ersatzmann)
1861Goldenes Verdienstkreuz (anlässlich Fertigstellung Abgeordnetenhaus)
1868Allerhöchste Anerkennung (für den Bau der Elisabethkirche)
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Mitgliedschaften
ab 1847Bau- und Steinmetzmeister Genossenschaft
1860Künstlervereinigung „Eintracht“
ab 1861Genossenschaft der bildenden Künstler Wiens
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Vita
Eduard Bauernfeld wurde 1816 in Wien geboren. Sein Vater war zunächst Maurerpolier und sodann Baukontrollor. Wo Frauenfeld eine Lehre absolvierte, ist nicht bekannt. Jedenfalls erhielt er im Jahr 1847 die Baumeisterkonzession und gründete eine Baufirma. Er erwarb sich sehr schnell einen guten Ruf, sodass er auch von etlichen bekannten Architekten, wie Th. Hansen oder H. Ferstel, mit repräsentativen Bauausführungen beauftragt wurde.

Frauenfeld war jedoch nicht nur als ausführender Baumeister tätig. Er erbaute auch etliche Miethäuser nach eigenen Entwürfen, sodass er sich – wie es damals durchaus üblich war – auch den Titel eines Architekten zulegte, ohne ein akademisches Studium abgeschlossen zu haben.

Frauenfelds fachmännische Tätigkeit und profunde Professionalität wurde seinerzeit sehr geschätzt. So wurde er als Ersatzmann in die Wiener Baucommission zur Revision der Bauordnung berufen und für die Ausführung des Abgeordnetenhauses sowie der Ausführung der St.Elisabethkirche in Wien 4 erhielt er Auszeichnungen.

Allerdings musste Frauenfeld im Jahr 1864 für seine Firma den Konkurs anmelden, was zur Folge hatte, dass er aus der Baukommission ausscheiden musste und auch keine weiteren Bauaufträge mehr erhielt. Die Firma wurde jedoch nicht aufgelöst und in der Folge übernahm sie Frauenfelds Sohn Eduard gemeinsam mit Architekt Felix Boyer von Berghof und baute sie zu einem erfolgreichen Unternehmen aus (Fa. Frauenfeld & Berghof).

Der Vater, Eduard Frauenfeld sen., starb im 58. Lebensjahr in Wien an Leberverhärtung.
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Stellenwert
Eduard Frauenfeld war ein viel beschäftigter Baumeister. Neben zahlreichen Bauausführungen plante und errichtete er in den Jahren 1847 bis 1864 etliche Miethäuser in den ehemaligen Vororten Wiens vor allem in Wieden (Wien 4), Margareten (Wien 5) sowie Mariahilf (Wien 6).

Entsprechend den Ansprüchen, die an Miethäuser in den ehemaligen Vororten gestellt wurden, plante Frauenfeld schlichte und daher kostengünstige Wohnhäuser, die vor allem dem wachsenden Wohnraumbedarf der Bevölkerung dienen sollten. Die Gebäude sind glatt verputzt, die additiv eingeschnittenen Fenster waren zum Teil nur durch Putzrahmungen, zum Teil durch gerade Fensterverdachungen von der Fassade abgehoben. Gesimse – entweder zwischen den Geschossen oder nur zwischen Sockel- und Hauptgeschoss – bilden das horizontale Gegenstück zu den vertikalen Fensterreihen.

Bemerkenswert ist, dass Frauenfeld dennoch bestrebt war, jedem Haus eine individuelle Note zu verleihen, indem er die Fassadenflächen durch – streng begrenzte – Dekorfelder belebte. Zumeist schmückte er die Parapetfelder der Fenster mit zartem vegetabilen oder geometrischen Dekor (z.B. Wien 4, Mühlgasse 21, 1852). Zum Teil erhielten die Fenster oberhalb des Sturzes ebenfalls Dekorfelder (Miethaus „Zum weißen Adler“, Wien 3, Ungargasse 9, 1859). Eher außergewöhnlich ist die Anbringung dekorierter Rosetten in der mittleren Achse des Miethauses (Wien 4, Mühlgasse 24 / Schikanedergasse 9, 1852).

Die Gebäude erhielten zumeist rustizierte bzw. genutete Sockel, beim Haus, Wien 6, Giradigasse 6 (1860–1861) folgte Frauenfeld dem neuesten Trend, indem er die ganze Fassade mit einem Netzwerk aus Nutungen überzog.

Eduard Frauenfeld gehört zu den Baumeistern, die in der Mitte des 19.Jahrhunderts mit fachlichem Wissen und Können sowohl ausführend als auch entwerfend erfolgreich tätig waren. Die Häuser sind nicht nur durch den gezielt eingesetzten Dekor, sondern auch durch gute Proportionen optisch ansprechend gestaltet, und die soliden Ausführungen haben dazu beigetragen, dass sich der Großteil der Gebäude bis heute erhalten hat.
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Werke

WOHN-/GESCHÄFTSBAUTEN:
1847Wohnhaus, Wien 2, Große Mohrengasse 27 (1852 v. J.Dallberg adaptiert)
1847Wohnhaus, Wien 2, Große Mohrengasse 29
1852Miethaus, Wien 4, Mühlgasse 15 / Schikanedergasse 7
1852Miethaus, Wien 4, Mühlgasse 24 / Schikanedergasse 9
1852Miethaus, Wien 4, Mühlgasse 21
1853Miethaus, Wien 3, Landstraßer Hauptstraße 32 (Adaptierung und Gartentrakt)
1854Wohnhaus, Wien 4, Wiedner Hauptstraße 63 / Schönburgstraße (nicht erhalten)
1858Wohnhaus, Wien 9, Währinger Straße 16 / Berggasse 2 (Fassade später verändert)
1857Miethaus, Wien 5, Wehrgasse 2 / Margaretenstraße 66 (Bauherr)
1858Miethaus, Wien 5, Wehrgasse 1 / Margaretenstraße 68
1858Miethaus, Wien 9, Türkenstraße 3
1859Wohnhaus „Zum Roten Rössel“ / „Zum grünen Gatter“, Wien 1, Wollzeile 22 / Schulerstraße 17 (Aufstockung)
1859Miethaus „Zum weißen Adler“, Wien 3, Ungargasse 9
1859Miethaus, Wien 6, Linke Wienzeile 102 (1884 Aufstockung v. Karl Stöber)
1860–1861Miethäuser, Wien 6, Girardigasse 5, 6, 7, 9, 10
1864Miethaus, Wien 4, Wiedner Hauptstraße 39 / Schlüsselgasse 1 (Neufassadierung; 1842 erbaut)
1872–1873Palais Erzherzog Carl Ludwig, Wien 4, Favoritenstraße 7 (Umbau und Neugestaltung; Pläne von Heinrich Ferstel)
A.20.JhVilla, Wien 4, Weyringergasse 8 (nicht erhalten)

ÖFFENTLICHE BAUTEN:
1837–1840Dominikanerkirche Santa Maria Rotunda, Wien 1, Postgasse 4 (Choranbau)
1848Klosterkirche der Ursulinen zur hl. Angela Merici, Wien 18, Gentzgasse 18–20

als Bauunternhemer (Auswahl):
1859–1868Pfarrkirche St. Elisabeth, Wien 4, St. Elisabeth-Platz (Arch. H. Bergmann)
1858Griechisch-orthodoxe Kirche mit Pfarrhof und Schulhaus, Wien 1, Fleischmarkt 13 (Umbauten; Architekt Th. Hansen)
1656–1869Evangelische Pfarr- und Friedhofskirche, Wien 10, Triester Straße 1 (Arch. Th. Hansen)
1859–1865Nordbahnhof, Wien 2, beim Praterstern (Arch. Theodor Hoffmann; nicht erhalten)

NICHT REALISIERTE PROJEKTE:
1859Krankenhaus Rudolfstiftung, Wien 3, Boerhaavegasse 8 (Gewinner des Wettbewerbs gemeinsam mit Arch. Joseph Horky und Baumeister Eduard Kaiser; das Krankenhaus wurde 1860 nach überarbeiteten Plänen von Horky und Zettl ohne Beteiligung Frauenfelds errichtet; nicht erhalten)
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Primärquellen

NACHLÄSSE UND ARCHIVE:
WStLA (Biogr.Sammlung; Verlassenschaftsabhandlung); Wr.Ringstraßenarchiv; Archiv Baumeisterinnung; Pfarrmatriken St. Peter; Paulaner
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Sekundärquellen

LITERATUR:
F. Aichelburg: Das Wiener Künstlerhaus 1861–2001. Bd.1 Wien 2003
A. Caravias: Wiener Baukunst 1848–1859. Diss. TH Wien 1944
F. Czeike: Wiener Bezirkskulturführer III. Landstraße. Wien 1984
K. Eggert: Der Wohnbau der Wiener Ringstraße im Historismus 1855–1896. Die Wr.Ringstraße, Bd.7, Wiesbaden 1976
A. Kieslinger: Die Steine der Wiener Ringstraße - ihre technische und künstlerische Bedeutung. Die Wr.Ringstraße, Bd.4, Wiesbaden 1972
P. Kortz: Wien am Anfang des 20.Jh.s 2 Bde Wien 1906
Kunsthistorische Arbeitsgruppe GeVAG: Wiener Fassaden des 19.Jh.s [6. Bezirk]. Wien 1976
K. Mollik / H. Reining / R. Wurzer: Planung und Verwirklichung der Wiener Ringstraßenzone. Die Wr.Ringstraße, Bd.3 (Textband), Wiesbaden 1980
ÖKT 44: G. Hajos: Die Profanbauten des III., IV. und V. Bezirks. Wien 1980
M. Paul: Technischer Führer durch Wien. Wien 1910
H. Pemmer / F. Englisch: Landstraßer Häuserchronik. Wien 1958 (Typoskript)
E. Springer: Geschichte und Kulturleben der Wiener Ringstraße. Die Wr.Ringstraße, Bd.2, Wiesbaden 1979
R. Schmidt: Das Wiener Künstlerhaus 1861–1951. Wien 1951
O. Wittenhofer: Die Fassaden der Wiener Wohnhäuser in der ersten Hälfte des 19.Jhs. Diss.Uni.Wien 1948 (mit Verzeichnis der Bauten im 1. bis 9.Bez.)
R. Wagner-Rieger: Das Wiener Bürgerhaus des Barock und Klassizismus. Wien 1957
R. Wagner-Rieger: Wiens Architektur im 19.Jh. Wien 1970

NACHSCHLAGEWERKE:
Dehio Wien/1 (I.Bez); Dehio Wien/2 (II.–IX.u.XX.Bez.)

LEXIKA:
AKL
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Anmerkungen
In der Literatur wird zumeist nicht zwischen Werken von Frauenfeld sen. und jun. unterschieden.
Eingegeben von: Inge Scheidl
Eingegeben am: 01.10.2012
Zuletzt geändert: 16.12.2012
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