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Carl Friedrich Gröger

Persönliche Daten
Ausbildung, Studienreisen, internationale Aufenthalte
Beruflicher Werdegang, Lehrtätigkeit
Mitgliedschaften
Vita
Stellenwert
Werke
Primärquellen
Sekundärquellen
Anmerkungen
Persönliche Daten
* 12.06.1823 - † 09.05.1876
Geschlecht: m
Geburtsort: Charova, heute Teil von Krnov
damaliger Name: Krotendorf bei Jägerndorf, Schlesien
Land: Tschechien
damaliger Name: Kaisertum Österreich
Sterbeort: Wien
Land: Österreich
damaliger Name: Österreich-Ungarn
weitere Namen: Karl G.; Karl Friedrich G.
Friedrich G.
Religionsbekenntnis: Röm. - Kath.
Berufsbezeichnung: Stadtbaumeister
Familiäres Umfeld: Vater: Anton Gröger, Bauer
Mutter: Beate, geb. Bader
Ehe mit Adelheid Christine, geb. Wenz (ca.1826–1895)
Kinder: Theodor (1856–1889), Buchdruckereibesitzer; Emma (ca.1860–1947), verehel. Frühwirth
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Ausbildung, Studienreisen, internationale Aufenthalte
o.J.Lehre bei einem Baumeister oder Maurer
1849Akademie der bildenden Künste
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Beruflicher Werdegang, Lehrtätigkeit
1861Baumeisterkonzession
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Mitgliedschaften
ab 1861Bau- und Steinmetzmeister Genossenschaft
ab 1866Österr. Ingenieur- und Architektenverein
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Vita
Carl Friedrich Gröger wurde 1823 in Krotendorf bei Jägerndorf, österr. Schlesien / Charova, heute ein Teil von Krnov, CZ geboren. Er durchlief zunächst eine praktische Ausbildung bei einem Baumeister oder Maurer. Spätestens 1849 kam er nach Wien und besuchte – allerdings nur ein Jahr – bei Sicardsburg und van der Nüll die Akademie der bildenden Künste. Möglicherweise war er sodann in den 1850er Jahren in Ungarn tätig, sein Sohn Theodor wurde nämlich 1856 in Ungarn geboren. Im Jahr 1861 erhielt Gröger die Baumeisterkonzession, im gleichen Jahr wurde er Mitglied in der Bau- und Steinmetzmeister Genossenschaft, 1866 wird er als Mitglied des Österr. Ingenieur- und Architektenvereins genannt.

Carl Friedrich Gröger war auch als ausführender Baumeister tätig, so errichtete er beispielsweise für Karl Tietz 1871 das Miethaus in Wien 1, Börsegasse 12. Er starb im 53.Lebensjahr an einem Wassererguss im Gehirn in Wien und wurde am Friedhof Pötzleinsdorf begraben.
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Stellenwert
Carl Friedrich Gröger war in den 1860er und frühen 1870er Jahren tätig, einer Zeit, in der sich der Übergang von einer früh- zur späthistoristischen Gestaltungsweise vollzog. Dementsprechend erhielt etwa das Miethaus Wien 5, Rüdigergasse 7 (1862) eine glatte Fassade, bei der die betont geschlossene Front durch Einzelformen rasterartig aufgegliedert erscheint. Die in die Fassade gleichmäßig eingeschnitten Fenster erhielten flach reliefierte Umrahmungen und auf zarten Konsolen aufruhende Verdachungen. Der Dekor bleibt innerhalb der Fensterrahmen und beschränkt sich mit vegetabilen, kleinteiligen Ornamentformen auf die Parapetfelder sowie auf die Fensterstürze. Profilierte Kordongesimse zwischen den einzelnen Stockwerken betonen die symmetrische Geschlossenheit.

Bei dem Miethaus Wien 1, Nibelungengasse 11 / Eschenbachgasse 10, das Gröger im Jahr 1870 erbaute, zeigte sich, dass er sich nun am Kanon des strengen Historismus orientierte. Formen der Neo-Renaissance, wie Dreiecksgiebel und flache Pilaster verleihen der Fassade stärkere Plastizität und ein deutlich ausgeprägter Rundturm an der Ecke des Gebäudes unterstreicht mir einem markanten Balkon mit Balusterbrüstung den neuen Trend.

Das Miethaus Wien 6, Kaunitzgasse 3–5 / Eggerthgasse 11 (1874) zeigt paradigmatisch die bei den Ringstraßenbauten maßgeblich gewordene dreiteilige Konzeption des Baukörpers: Das Erd- bzw. Souterraingeschoss – das Gebäude berücksichtigt den abschüssigen Verlauf der Eggerthgasse – ist mit dem Mezzanin zu einem genuteten Sockel zusammengefasst und durch ein Zahnschnittgesims abgeschlossen. Das darüber liegende Hauptgeschoss besteht aus zwei Stockwerken und ist durch ein Gesims vom obersten Geschoss getrennt. Bemerkenswert ist, dass Gröger die Situierung des Gebäudes städtebaulich berücksichtigt: Bei der Einmündung der Eggerthgasse in die Kaunitzgasse wurde ein kleiner Platz mit einem Stiegenaufgang ausgebildet. Die dadurch notwendige Abschrägung der Gebäudeecke bildete er zu einer repräsentativen, dem Platz zugewandte „Schaufassade“ aus. Sie besteht aus drei Achsen, ist mit Formen der Neorenaissance reich dekoriert und im 1.Stockwerk ist die Mitte durch eine aufwändig gestaltete Ädikulanische und einer auf einem Sockel stehenden Figurenplastik betont.

Carl Friedrich Gröger hat nicht viele, aber qualitätvolle und je nach Lage repräsentative Miethäuser für eine eher gehobene Klientel geschaffen. Er ist heute völlig unbekannt, dass er aber zu Lebzeiten geschätzt wurde, zeigt nicht zuletzt der Auftrag von Erzherzog Carl Ludwig für umfangreiche Adaptierungsarbeiten bei seinem Palais sowie die Errichtung eines Stallgebäudes (Wien 4, Favoritenstraße 7, 1864; 1872–1873 von H. Ferstel Umbau und Neugestaltung; nicht erhalten).
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Werke

WOHN-/GESCHÄFTSBAUTEN:
1862Miethaus, Wien 5, Rüdigergasse 7
1864ehem. Palais Erzherzog Carl Ludwig, Wien 4, Favoritenstraße 7 (Adaptierungen am Gassentrakt und Erbauung eines Stallgebäudes; 1872–1873 von H. Ferstel Umbau und Neugestaltung; nicht erhalten)
1867Miethaus Wien 3, Ungargasse 26
1869–1870Miethaus, Wien 1, Nibelungengasse 13
1870Miethaus, Wien 1, Nibelungengasse 11 / Eschenbachgasse 10
1874Miethaus, Wien 6, Kaunitzgasse 3–5 / Eggerthgasse 11
1874Miethaus, Wien 5, Ziegelofengasse 25
1875Miethaus, Wien 5, Zentagasse 24
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Primärquellen

NACHLÄSSE UND ARCHIVE:
Archiv Baumeisterinnung; Wr. Ringstraßenarchiv; ABK; Landesarchiv Troppau; Sterbematrik Pfarrarchiv Paulaner; MA 43 Gräberdatenbank
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Sekundärquellen

LITERATUR:
Kunsthistorische Arbeitsgruppe GeVAG: Wiener Fassaden des 19.Jh.s [6. Bezirk]. Wien 1976
ÖKT 44: G. Hajos: Die Profanbauten des III., IV. und V. Bezirks. Wien 1980

NACHSCHLAGEWERKE:
Dehio Wien/1 (I.Bez)
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Anmerkungen
Im Dehio 1 werden die Häuser in der Nibelungengasse einem Adolf Gröger zugeschrieben. Diesen Baumeister gibt es nicht. Der Irrtum scheint durch einen Lesefehler der Unterschrift von Carl F. Gröger entstanden zu sein.
Eine Verwandtschaft mit den Baumeistern Gustav und Guido Gröger ist nicht nachweisbar.
Eingegeben von: Inge Scheidl
Eingegeben am: 01.10.2012
Zuletzt geändert: 15.12.2012
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