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Carl Hasenauer


Quelle: Archiv Künstlerhaus

Persönliche Daten
Ausbildung, Studienreisen, internationale Aufenthalte
Beruflicher Werdegang, Lehrtätigkeit
Auszeichnungen und Ämter
Mitgliedschaften
Vita
Stellenwert
Werke
Primärquellen
Sekundärquellen
Neue Medien
Anmerkungen
Persönliche Daten
* 20.07.1833 - † 04.01.1894
Geschlecht: m
Geburtsort: Wien
Land: Österreich
damaliger Name: Kaisertum Österreich
Sterbeort: Wien
Land: Österreich
damaliger Name: Österreich-Ungarn
Titel: Architekt, Prof.
weitere Namen: Matthias Carl Borromäus
Karl
Freiherr von
Religionsbekenntnis: Evang.
Berufsbezeichnung: Architekt
Familiäres Umfeld: Vater: Johann Christof H. (ca.1805–1885) aus Ödenburg, k.k. Hof-Zimmermeister
Mutter: Karoline Preschnofsky (+1894)
Ehe (1863) mit Victoire Freiin Genotte-Merkenfeld
Kinder: Richard; Risa, verh. Traenke; Carl
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Ausbildung, Studienreisen, internationale Aufenthalte
1843–1847Vereinigte protestant. Hauptschule in Wien
1847–1848Realschule im Blochmannschen Institut, Dresden, D (Abgangzeugnis April 1848)
1848als Maurerlehrling bei Baumeister Philipp Brandl (März), Graveur- u. Ornamentschule d. Akademie d. bild. Künste Wien (von Mai bis Ende Juli)
1848–1849Collegium Carolinum, Braunschweig, D (Zeugnis September 1849)
1850–1854Akademie d. bildenden Künste Wien (Architekturklasse bei Sicardsburg und van der Nüll)
1850Studienreise Oberitalien
1851k.k. Elementar-, Zeichen- und Modellierschule in Wien
1851Studienreise Paris und London, Lehrbrief des Bau- und Steinmetzmeistergewerbes
1852Studienreise Bayern
1855–1856Studienreise Frankreich und Oberitalien
1862Studienreise England, Schottland, Belgien
1863Studienreise Unteritalien
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Beruflicher Werdegang, Lehrtätigkeit
ab 1855selbständiger Architekt
1858Konzession als Stadtzimmermeister
vor 1863Baumeister-Konzession
bis 1882Vizepräsident der Wiener Bau-Gesellschaft
1882Zurücklegung der Konzessionen
1884–1894Professor und Leiter d. Spezialschule für Architektur an der Akademie der bildenden Künste Wien
1892–1894Rektor der Akademie der bildenden Künste Wien
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Auszeichnungen und Ämter
1854Großer Preis für Architektur an der Akademie
1864Preis d. Kunstausstellungsfonds der Akademie der bildenden Künste Wien
1867–1871Gemeinderat für Innere Stadt, Liberaler
1870Ritterkreuz des kgl. Ordens der Krone von Italien
1873in Freiherrenstand erhoben
1873Commandeur d. schwed. Nordstern-Orden II. Kl., ottoman. Medjidie-Orden 3.Kl.
1874Offizierskreuz d. königl.belg. Leopolds-Orden, Ritterkreuz d. franz. Ehrenlegion
1876im Aktionskomitee f. Weltausstellung Paris 1878
1878Medaille 1.Klasse Weltausstellung Paris
1879Professorentitel, Gold. Medaille 1.Klasse d. intern. Kunstausstellung München
ab 1885in Ministerial-Commission für Kunstangelegenheiten
1885Allerhöchste Anerkennung (anläßl. Enthüllung d. Tegetthoff-Monuments)
1886Ritterkreuz d. (österr.) Leopold-Ordens (f. Hermes-Villa)
1888goldene Staatsmedaille d. Jubiläum-Kunstausstellung in Wien, Ehrenzeichen f. Kunst- und Wissenschaft,
1891Ritter d. Ordens d. eisernen Krone II.Kl. (f. Hofmuseen)
1910Benennung der Hasenauerstraße, Wien 18
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Mitgliedschaften
ab 1861Genossenschaft der bildenden Künstler Wiens (1867 ausgetreten, 1871 neuerlich eingetreten, 1878 Vorstand, 1889 Ehrenmitglied)
ab 1864Österr. Ingenieur- und Architektenverein (1867 ausgetreten, neuerlich eingetreten 1873)
ab 1865Wr.Bauhütte
ab 1866wirkl. Mitglied der Akademie der bild. Künste Wien
ab 1867Ehrenmitglied des Royal Institute of British Architects in London
ab 1873korresp. Mitglied von Insigne Artistica Congregatione dei Virtuosi al Pantheon in Rom, Kurator der Stiftung Athenäum in Wien, Ehrenmitglied der Société des Architects du Departement du Nord
ab 1874auswärtiges Mitglied der kgl. Akademie der Künste Berlin
ab 1884Kurator d. österr. Museums f. Kunst u. Industrie
ab 1885Mitglied d. Accademia Santa Lucca Rom
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Vita
1833 wurde Matthias Carl Borromäus Hasenauer, Sohn des aus Ödenburg stammenden k.k. Hof- und Stadtzimmermeisters Christoph H., in Wien geboren. Seine schulische Ausbildung erhielt er in der protestantischen Hauptschule in Wien, daran anschließend besuchte er eine Realschule in Dresden. Im Frühjahr 1848 kehrte er nach Wien zurück, ließ sich zunächst als Lehrling bei Baumeister Philipp Brandl aufdingen und schrieb sich auch an der Graveur- und Ornamentschule der Akademie der bildenden Künste ein. Da durch die Wirren der Revolution jedoch der Unterricht zum Erliegen gekommen war, ging Hasenauer nach Deutschland zurück, um dort seine Ausbildung am Collegium Carolinum in Braunschweig fortzusetzen. Nachdem er diese beendet hatte und wieder in Wien war, begann er an der Akademie der bildenden Künste bei August Sicard von Sicardsburg und Eduard van der Nüll mit dem Studium der Architektur. Daneben unternahm er Reisen ins Ausland, nahm Zeichenunterricht und arbeitete auch praktisch als Maurerlehrling, 1851 wurde er als Geselle frei gesprochen. Nach Abschluss seiner Studien an der Akademie begab er sich auf eine längere Studienreise, die ihn nach Frankreich und Oberitalien führte. Hasenauer, der auch als Lehrling im väterlichen Betrieb aufgenommen worden war, konnte 1858 die Konzession des Stadtzimmermeisters erlangen und besaß auch die eines Stadtbaumeisters.

Erste Arbeiten Hasenauers waren vor allem Villenbauten, seinen Eltern errichtete er ein Haus in Mödling, NÖ (Enzersdorfer Straße 11, 1858). 1860 beteiligte er sich an dem internationalen Wettbewerb um die Wiener Hofoper und gewann den 3.Preis, bei der Konkurrenz um die Florentiner Domfassade errang er den 2.Preis (1864). Diese Erfolge brachten Anerkennung für den jungen Architekten, 1866 wurde er auch als wirkliches Mitglied in die Akademie der bildenden Künste aufgenommen und im Jahr darauf mit den Bauten für die Weltausstellung in Paris betraut, die er in einer Art „Palaststil“ ausführte. Ab diesem Jahr war er auch Mitglied des Wiener Gemeinderats.

Hasenauer war es 1867 gelungen, in die ursprünglich auf die Architekten Theophil Hansen, Heinrich Ferstel und Moritz Löhr beschränkte Konkurrenz für die Hofmuseen aufgenommen zu werden. Keiner der eingereichten Entwürfe wurde jedoch angenommen, da sie entweder nicht den Bedingungen des Programms oder künstlerisch nicht entsprachen. Es kam zu einem neuerlichen Wettbewerb, der zwischen Löhr und Hasenauer entschieden wurde, da nur sie der Anforderung getrennter Museumsbauten nachgekommen waren. Inzwischen war es zu heftigen Agitation aus Teilen der Künstler- und Architektenschaft gegen Spruch und Vorgangsweise des Preisgerichts und auch gegen Hasenauer wegen dessen nachträglicher Zulassung gekommen. Betroffen von diesen Angriffen zog er sich aus ihren Interessenvereinigungen zurück (später bat man ihn um den Wiedereintritt). Um die Auseinandersetzungen zu beenden, erfolgte die Berufung Gottfried Sempers als künstlerische Autorität. Semper gab der Planung eine neue Richtung, denn seine Bauidee war ein monumentales „Kaiserforum“: „Die Hofburg soll beherrschender Centralpunkt der Gesamtanlage sein, mit den beiden Segmentflügeln und dem vorgelagerten Thronsaaltrakt, dem sich die Museumsbauten unterordnen“, Triumphbögen sollten die Ringstraße überspannen und die Museen mit dem Sitz des Kaiserhauses verklammern. Der Kaiser beauftragte Semper mit der Planung, er sollte jedoch eines der vorhandenen Projekte berücksichtigen und Semper entschied sich für das von Hasenauer. Nach einem gemeinsam ausgearbeiteten Plan sollten die Museen und das Kaiserforum erbaut werden.

1871, als mit dem Bau der Museen begonnen wurde, war Hasenauer jedoch als „Chefarchitekt“ mit den Arbeiten für die Wiener Weltausstellung von 1873 betraut worden. Für private Aufträge war in diesen Jahren wenig Zeit geblieben, für Baron Pereira hatte er den Azienda-Hof, ein Wohn- und Geschäftshaus (Wien 1, Graben 31, 1868, zerstört 1945) errichtet, für Graf Lützow ein Palais (Wien 1, Bösendorferstraße 13, 1869) und nach seinem Entwurf wurde das Leopoldstädter Kinderspital (Wien 2, Obere Augartenstraße 26–28, 1869) erbaut. Nach Abschluss der Weltausstellung – er wurde für seine Verdienste in den Freiherrenstand erhoben – konnte er sich nun intensiv dem Bau der Museen widmen und es kam zu Differenzen mit Semper. Der hatte im Anfangsstadium den Bau allein geleitet und weitreichende Korrekturen durchgeführt. Hasenauer fühlte sich jedoch als Schöpfer der Museen – u.a. stammte auch das dominierende Kuppelmotiv von seinen Entwürfen – und sah seine Leistung zu wenig anerkannt. In der Folge widmete er sich vor allem der Innendekoration der Bauten, die ein Höhepunkt in historistischer Raumausstattung und -gestaltung wurde. Die Zusammenarbeit der beiden Architekten gestaltete sich weiterhin schwierig und bewirkte 1876 das Ausscheiden Sempers. Den noch gemeinsam begonnenen Bau des Burgtheaters, dessen Anordnung hinter dem konzipierten Volksgartenflügel der Hofburg auf Hasenauer zurückgeht, führte dieser nun alleine weiter, wie er auch den Entwurf für die geplante „Volksgartengruppe“, einen Geschäfts- und Wohnkomplex an der Löwelstraße (Wien 1), weiter ausarbeitete. Eine aufwendige Architekturkomposition, die vorsah, die Häusergruppe mit Terrassen und einem vorgelagerten Arkadengang auszustatten. Ab 1880 konzentrierte sich seine Tätigkeit dann auf den Bau der Neuen Hofburg, er erstellte auf Grundlage des Entwurfs mit Semper die Baupläne und hatte auch bis 1893 die Bauleitung inne. Kaiser Franz Joseph betraute ihn mit dem Auftrag, ein Jagdhaus im Lainzer Tiergarten, die Hermes-Villa, zu errichten (1882). Neben seinen Arbeiten für das Kaiserhaus war Hasenauer auch mit Denkmalsarchitektur befasst, vor allem mit der Sockelgestaltung (u.a. Maria Theresien-Denkmal, Wien 1, 1880–88), und war in den verschiedensten Aktionskomitees und Preisgerichten tätig.

Über die private Seite Hasenauers ist nur wenig bekannt. Er hatte 1863 Victoire, Tochter des Barons Genotte v. Merkenfeld, geheiratet. Das Paar hatte zwei Söhne und eine Tochter. 1879 war Hasenauer bereits der Titel eines k.k. Professors verliehen worden, doch erst nach dem Rücktritt Theophil Hansens (1884) wurde er von der Akademie der bildenden Künste zum Professor der Spezialschule für Architektur berufen. Neben seiner Lehrtätigkeit übte er für die Studienjahre 1892/93 und 1893/94 auch die Funktion des Rektors aus, als er noch mitten im Schaffensprozess Anfang Jänner 1894 verstarb. Er stand im 61.Lebensjahr, war Träger zahlreicher Auszeichnungen und Ehrungen gewesen und wurde in einem prunkvollen Trauerzug, der an seinen „hervorragendsten Bauwerken“ vorbeizog, zunächst am evangelischem Friedhof Matzleinsdorf bestattet und später in ein Ehrengrab am Wiener Zentralfriedhof überführt.
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Stellenwert
Carl Hasenauers erste bekannte Bauten, Villenbauten, stehen deutlich unter dem Einfluss seiner Lehrer Sicardsburg und van der Nüll. Wie sie war er dabei bestrebt, den Baukörper unregelmäßig zu gliedern, die Fassaden abwechslungsreich zu gestalten und mit unterschiedlich hohe Dachansätzen, -formen und -neigungen eine bewegte Silhouette zu erzielen. Noch in der romantischen Tradition des frühen Historismus verwendete er dafür bevorzugt gotische Stilelemente, wie verschiedene Giebelformen, Rechteckfenster mit abgesetzten Bekrönungsgesimsen (Villa in Mödling, NÖ 1855), verbindet diese fallweise aber auch mit von der frühen Renaissance geprägten Motiven (Villa Zang in Meidling, Wien 12, 1863). Zimmermannsarbeiten wie Holzveranden, Fachwerk und Laubsägedekor wurden den Bauten integriert (einst bei Villa Gerold, Wien 17, 1861, Haus der Eltern, Mödling, Enzersdorferstraße 11, 1858), lockerten, wie auch vorgelagerte offene Loggien, die Ansicht auf und gaben den Bauten das „malerische“ Aussehen.

Ebenfalls stark beeinflusst von der Sicardsburg/van der Nüll-Schule mit ihrer Vorliebe für die dekorative Behandlung der Fassaden und der Freiheit im Gebrauch historischer Stilformen zeigt sich auch sein Projekt für das Wiener Opernhaus. Die innere Disposition wies eine für einen Theaterbau außerordentlich günstige Raumanordnung auf, die Außenerscheinung war von einem Überreichtum an Formen und Ornamenten bestimmt. Die Fülle von Motiven wurde in origineller und oft auch überraschender Zusammensetzung dargeboten, wie die Übernahme des Bogenmotivs vom Carl-Theater (Sicardsburg und van der Nüll, 1847) für die Hauptfront, doch kam es dabei auch zur Verzerrung von Proportionen. In einer zurückhaltenden Formensprache war dagegen sein Entwurf für die Museenkonkurrenz gehalten. Hasenauer hatte eine Vierflügelanlage geplant, deren rechteckiger Hof durch einen Mittelbau zweigeteilt wurde, er sollte einen Saal und das überkuppelte Stiegenhaus beinhalten. Der Kuppelbau war in die Gliederung des Baublocks mit Risaliten und Rücklagen organisch einbezogen. Die langen Flügel wiesen gleich hohe rundbogige Fenster in den Hauptgeschossen auf, darüber war ein Lichtgaden von halbkreisförmigen Fenstern für die Oberbelichtung der dort situierten Säle geplant. Die vielen rundbogigen Fenster, teils in Serlianaform, teils von Säulchen unterteilt, lockern die Fronten auf und die Kuppel in der Mitte sollte sich über einem belichteten Tambour erheben, ähnlich einer barocken Kuppel. Eine bewegte Dachlinie und kleinteilige Fassadengestaltung in Formen der Spätrenaissance zeichnen diesen Entwurf aus. Das überarbeitete 2.Projekt zeigte sich dann viel stärker aufgegliedert, es zerfällt in verschiedene Baueinheiten. Die Vor- und Rücksprünge weisen unterschiedliche Räumlichkeit auf, die Fassaden wurden unterschiedlich gegliedert, und auch die Höhenabstufung der Bauteile ergab keine eindeutige Steigerung zur Kuppel hin. Das Kunstmuseum sollte an der Ringstraßenfront im Segmentbogen noch eine 2-stöckige Loggia erhalten. Semper griff für die gemeinsam zu erbauenden Museen dann auch auf Hasenauers erstes Projekt zurück und übernahm vom zweiten nur das Motiv der hier von vier tabernakelartigen Trabanten umgebenen Tambourkuppel.

Die wenigen in diesem Zeitraum von Hasenauer entworfenen privaten Bauten zeigen ebenfalls Formen der Renaissance. Für das Palais Lützow (Wien 1, Bösendorferstraße 13, 1870) nahm sich Hasenauer Formen der italienischen Hochrenaissance zum Vorbild. Die Unterteilung in zwei Zonen, einen hohen rustizierten Sockelbereich und darüber die Hauptgeschosse, in denen nur die Mitte durch den mächtigen, säulengeschmückten Portikus und ein figurenbekröntes Beletagenfenster hervorgehoben wird, verleiht dem Bau eine geschlossene Monumentalität, die das ausladende Kranzgesims unterstreicht. Auch der Azienda-Hof (Wien 1, Graben/Goldschmiedgasse, 1868, zerstört), bei dem zwei Häuser durch eine glasgedeckte Passage miteinander verbunden waren, zeigte Renaissanceformen und den für Wohnbauten neuen Typus des dreizonigen Aufbaus. Die Mitte war betont durch das von Säulen gerahmte Portal in der rustizierten Sockelzone, auf dessen Sturz Karyatiden den Balkon der 1.Etage trugen. Die Hauptgeschosse waren – im Wohnbau damals noch ungewohnt – durch Riesenpilaster zusammengefasst und ihre Wandflächen mit rotem Adneter Marmor getäfelt (in der Goldschmiedgasse mit Rohziegelwerk).

Hasenauer fiel mit der Bestellung zum Chefarchitekten der Wiener Weltausstellung die Aufgabe zu, die funktionellen Stahl-Eisenkonstruktionen mit einer ansprechenden architektonischen Fassung zu umgeben, um dem Bedürfnis nach Repräsentation nachzukommen. Für die Gebäude wählte er italienische Renaissanceformen und umgab das Geviert des Ausstellungsgeländes mit einer Loggia-Arkade nach Art der Arkadenhöfe in Renaissancebauten. Den Monumentalportalen zu Rotunde und Industriepalast hingegen verlieh er die Gestalt von Triumphbögen in einen dem strengen Barock verwandten Stil.

Beim Burgtheater sind die Formen der Instrumentierung ebenfalls dem strengen Barock wie auch der italienischen Hochrenaissance entlehnt. Die Gesamtdisposition des Bauwerks geht auf Semper zurück. Dem hohen Bühnenhaus ist der segmentbogig vorschwingende Zuschauerraum mit dem herumgelegten Foyer vorgelagert, der nach seinem Plan lediglich eine Nische in der Mitte erhalten sollte. Hasenauers Eingriff mit dem geradflächigen Mittelrisalit als Schauseite hat dem Segmentbogen die räumliche Wucht genommen und damit die Idee Sempers umgedeutet. In den weit ausladenden Seitenflügeln sind die repräsentativen Aufgänge zu den Logen mit gedeckten Durchfahrten untergebracht, sie verbreitern gleichzeitig die Fassade korrespondierend zum gegenüberliegenden Rathaus. Hasenauer stattete den Bau sowohl innen wie außen opulent mit skulpturalem und malerischem Schmuck und Dekor im Sinne eines Gesamtkunstwerks aus (Bühne, Zuschauerraum und anliegende Räume wurden in Zweiten Weltkrieg zerstört). Im Zusammenhang mit dem Burgtheater errichtete das Architektenduo auch einen Zweckbau, das Dekorations- und Kulissendepot in Wien 6, Lehargasse 6–8 (1873), eine eiserne Ständerkonstruktion aus radial angeordneten, übereinander gestellten Gußeisensäulen. Hasenauer war auf technische Aufgaben dieser Art durch seine Ausbildung bei Sicardsburg/van der Nüll gut vorbereitet und hatte vermutlich entsprechenden Anteil an der konstruktiven Gestaltung des Baus.

Für Kaiser Franz Joseph errichtete Hasenauer auch einen Privatbau, die im Lainzer Tiergarten gelegene Hermes-Villa (Wien 13, 1882). Dieser in seiner Grundkonzeption noch symmetrisch angelegte Bau erhielt durch die asymmetrische Durchbildung der Eckpavillons aber den von der Zeit erwünschten malerischen Gesamteindruck. Stilmerkmale der französische Renaissance und des Manierismus inspirierten ihn zu Dach- und Giebelformen. Er griff damit stilistische Vorgaben seiner Akademielehrer auf, besonders deutlich beim runden Treppenturm. Die weitgehend sichtbaren Wandflächen zieren glasierte, rot-gelb gemusterte Ziegelplatten und der Gartenfront wurde eine zarte gusseiserne Arkadenloggia vorgelagert, die ihr einen diaphanen Charakter von zierlicher Leichtigkeit verleiht.

Die architektonischen Arbeiten Hasenauers zeigen eine Tendenz zu Flächigkeit, Geradlinig- und Rechtwinkeligkeit mit einer kleinteiligen, dekorativ gestalteten Oberfläche, starke Räumlichkeit und Plastizität lagen ihm weniger. Die große dekorative Begabung, die ihn auszeichnete, konnte er am besten bei der Innendekoration zum Ausdruck bringen, wie er es bei dem kostbaren und aufwendigen Raumensemble von Stiegenhaus und Kuppelhalle des Kunsthistorischen Museums unter Beweis stellte.
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Werke

WOHN-/GESCHÄFTSBAUTEN:
um 1855Villa, Mödling, Dechant Albert Kowatschitsch-Gasse 7, NÖ (Zubauten von 1905)
1858Einfamilienhaus, Mödling, Enzersdorfer Straße 11, NÖ (für Hasenauers Eltern)
1861Villa Ranzoni, Nachdemsee Nr.14, Altmünster am Traunsee, OÖ (umgebaut)
1861Villa Gerold (ehem. Lindenhof), Wien 17, Geroldgasse 7 (umgebaut, Dekor abgeschlagen)
1863Villa Zang, Umbau, Wien 12, Grünberg (nicht mehr existent?)
vor 1868Landhaus in Pötzleinsdorf (heute Wien 18)
1868–1869Wohn- und Geschäftshaus „Azienda-Hof”, Wien 1, Graben 31 (im Krieg zerstört)
1870–1872ehem. Palais Lützow, Wien 1, Bösendorferstraße 13
o.J.Villa Weiß am Traunsee, OÖ

ÖFFENTLICHE BAUTEN:
1871–1891Kunsthist. und Naturhist. Museum, Wien 1, Burgring 5 und 7 (mit Gottfried Semper)
1872Tribünen der Galopprennbahn, Wien 2, Freudenau
1872–1873ehem. Leopoldstädter Kinderspital (heute Lehrlingsheim d. Stadt Wien), Wien 2, Obere Augartenstraße 26–28
1872–1873ehem. Pavillon der Weltausstellung?, Wien 2, Prater, Messegelände 246 (jetzt Bildhaueratelier)
1873ehem. Kulissen- und Dekorationsdepot d. Hoftheater (Semper-Depot), Wien 6, Lehargasse 6–8 (mit Gottfried Semper)
1874–1888Burgtheater, Wien 1, Universitätsring 2 (mit Gottfried Semper)
1879–1885Sockel des Tegethoff-Denkmals, Wien 2, Praterstern (Bildhauer Karl Kundmann)
1880–1923Neue Hofburg, Wien 1, Heldenplatz (mit Gottfried Semper)
1880–1888Sockel des Maria Theresien-Denkmals, Wien 1, Maria Theresien-Platz (Bildhauer Kaspar Zumbusch)
1882–1886Hermes-Villa, Wien 13, Lainzer Tiergarten
1883–1884Neuer Spitalstrakt für Barmherzige Brüder, Wien 1, Große Mohrengasse 9
1889architekton.Teil des Grillparzer-Denkmals, Wien 1, Volksgarten (Bildhauer Rudolf Weyr und Carl Kundmann)

INDUSTRIE-/GEWERBEBAUTEN:
1867Weltausstellungsbauten in Paris
1871–1873Weltausstellungsbauten in Wien

INNENRAUMGESTALTUNG/DESIGN:
1873–1891Innenausstattung des Kunst- und Naturhistorischen Museum
um 1888bronzene Standkandelaber an Rampen des Burgtheater, Wien 1, Universitätsring 2
zahlreiche Innenraumgestaltungen und -ausstattungen

NICHT REALISIERTE PROJEKTE:
1861Wettbewerb Wiener Opernhaus (3.Preis)
1864Wettbewerb Fassade Sta.Maria del Fiore, Florenz (2.Preis)
18671.Konkurrenzprojekt f. Museen
vor 1868Projekt für Adelscasino auf Burgring
18682.überarbeitetes Museumsprojekt
1872Häuserkomplex „Volksgartengruppe“, Wien 1, Löwelstraße (mit Gottfried Semper)
1877Häuserkomplex „Volksgartengruppe“, Wien 1, Löwelstraße
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Primärquellen

NACHLÄSSE UND ARCHIVE:
Stadtpfarre AB, Wien 1; Archiv Künstlerhaus; ABK (Teilnachlass); WSt.LB (Konvolut Karl Weiss; persönl. Nachlass Haenauers); Wr.Ringstraßenarchiv
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Sekundärquellen

LITERATUR:
Auswahl:
Ausstellungskatalog: Die großen Architekten der Ringstraßenzeit, ihre Vorläufer und Nachfahren auf dem Lande. Bad Vöslau 1986
F. Aichelburg: Das Wiener Künstlerhaus 1861–2001. Bd.1 Wien 2003
F. Czeike: Carl v. Hasenauer. Der persönl. Nachlaß i. Archiv d. Stadt Wien. In: Jahrbuch d. Verein f. Geschichte d. Stadt Wien 19/20, 1963/1964, S.251ff
W. Doderer: Nekrolog. In: Allg. Bauzeitung 1894, S.29ff
K. Eggert: Der Wohnbau der Wr.Ringstraße im Historismus. Die Wr.Ringstraße, Bd.7. Wiesbaden 1976
K. Eggert: Die Hermes-Villa i. Lainzer Tiergarten b. Wien. In: alte und moderne Kunst 8.1963/64, H.66, S.2ff
G. Frodl (Hg.): Geschichte der bildenden Kunst in Österreich, 19.Jh. Bd.5, München u.a. 2002
Hist. Museum d. Stadt Wien (Hg.): Das ungebaute Wien 1800 bis 2000. (Ausst.Kat.) Wien 1999
H.-C. Hoffmann / W. Krause u.a.: Das Wr.Opernhaus. Die Wr.Ringstraße, Bd.8/1. Wiesbaden 1972
A. Kieslinger: Die Steine d. Wr Ringstraße. Die Wr.Ringstraße, Bd.4. Wiesbaden 1972
P. Kortz: Wien am Anfang d. XX. Jhds. Ein Führer i. techn. und künstler. Hinsicht. Bd.I.u.II., Wien 1905
A. Lehne: Wiener Warenhäuser 1865-1914. Wien 1990
Th. Lott: K.K. Akademie d. bild. Künste Wien. Bericht über die Studienjahre 1876/77 bis 1891/92. Wien 1892
C. Lützow: Carl Freiherr von Hasenauer. Nachruf. In: Zeitschrift d. Österr. Ingenieur- und Architektenvereins 46.1894, S.103–105. Wien 1894
K. Mollik u.a.: Planung und Verwirklichung der Wiener Ringstraße. Die Wr.Ringstraße, Bd.3. Wiesbaden 1980
M. Oberhammer: Sommervillen im Salzkammergut. Salzburg 1983
M. Paul: Technischer Führer durch Wien. Wien 1910
J. Pemsel: Die Wiener Weltausstellung von 1873 und ihre Bedeutung für die Entfaltung des Wiener Kulturlebens in der franzisko-josephinischen Epoche. Phil.Diss. Wien 1984
U. Planner-Steiner u.a.: Friedrich v. Schmidt, Gustav Semper, Carl v. Hasenauer. Die Wr.Ringstraße, Bd.8/2. Wiesbaden 1978
R. Schmidt: Das Wiener Künstlerhaus 1861–1951. Wien 1951
E. Springer: Geschichte u. Kulturleben d. Wr.Ringstraße. Die Wr.Ringstraße, Bd.2. Wiesbaden 1979
W. Wagner: Die Geschichte der Akademie der Bildenden Künste in Wien. Wien 1967
M. Schwarz, u.a.: Landhaus und Villa in Niederösterreich. 1840–1914. Wien 1982
R. Wagner-Rieger (Hg.): Die Wiener Ringstraße. Bild einer Epoche. Bd.1–15. Wiesbaden 1969ff
R. Wagner-Rieger: Geschichte der Architektur in Wien. Vom Klassizismus bis zur Secession. In: Geschichte der bildenden Kunst in Wien, Bd.3, Wien 1973
R. Wagner-Rieger: Wiens Architektur im 19.Jh. Wien 1970
M. Wehdorn: Die Bautechnik der Wr. Ringstraße. Die Wr.Ringstraße. Bd.11. Wiesbaden 1979
G. Weissenbacher: In Hietzing gebaut. 2 Bde, Wien 1996–1998

HINWEISE AUF WERKE:
Auswahl:
Architektonische Rundschau
2.1886, H.4, T.25 und 3.1887, H.8, T.57, H.11, T.82-83 und 4.1888, H.4, T.28 ( Hofburgtheater, Wien 1)
5.1889, H.3, T.20–21, H.7, T.50–51 (Kunsthistorisches Museum, Wien 1)

Der Bautechniker
37.1917, S.42 (Jagdschloss in Lainz/Hermes-Villa, Wien 13)

Neubauten und Concurenzen
3.1897, S.88, T.67 (Neues Hofburggebäude, Wien 1)

Wiener Bauindustrie-Zeitung
2.1884, T.104, 110, 137, 148, 153 (Hofburgtheater, Wien 1
3.1885, S.134 (Maria Theresien-Denkmal, Wien 1)
4.1886, S.41, T.17 (Tegetthoff-Denkmal, Wien 2)
6.1888, S.11–13 (Maria Theresien-Denkmal, Wien 1) / S.48, T. 7 und 8 (Villa in Mödling, Dechant Albert Kowatschitsch-Gasse 7, NÖ) / T.69–71 und T.77–70 (Hofburgtheater, Wien 1)
7.1889, S.298, T.56–57 (Villa Gustav Ranzoni bei Gmunden, OÖ) / S.430, T.84 (Grillparzer-Denkmal, Wien 1 Volksgarten / S.358–359, T.69–70 (Villa Gerold in Neuwaldegg, Wien 17, Geroldgasse 7 / S.399, S.430, S.509–510, T.97–100 (Naturhistorisches Museum, Wien 1)
8.1890, S.87, T.12 (Geschäfts- und Miethaus am Graben, Wien 1 / ehem. Azienda-Hof)
9.1891, S.533, T.99 (Palais des Freiherrn Drasche / Palais Lützow, Wien 1, Bösendorferstraße 13)
10.1892, S.323, T.59 (Glashof im neuen k.k. Burgbau)

Wochenschrift d. Österr, Ingenieur- und Architekten-Vereins
13.1888, S.259 (Maria Theresien-Denkmal, Wien 1) / S.388–390 (Das neue k.k. Hofburgtheater, Wien 1)

Zeitschrift für bildende Kunst
14.1889, S.25–31, S.65–70 (Das neue k.k. Hofburgtheater, Wien 1)
16.1891, S.365–367 (Kunsthistorisches Museum, Wien 1)

Zeitschrift d.österr. Ingenieur- und Architekten-Vereins
16.1864, S.203, T. 13 und 14 (Villa Zang am Grünberg i. Meidling, Wien)
24.1872, S.69–71, T.7 (Gebäude d. Weltausstellung 1873 i. Wien, Hauptgalerie) / S.391, T.28 (Weltausstellung, Industriepalast)
70.1918, S.185 (Kunsthistorisches Museum, Wien 1)

NACHSCHLAGEWERKE:
Dehio Wien/1 (I.Bez); Dehio Wien/2 (II.–IX.u.XX.Bez.); Dehio Wien/3 (X.–XIX.u.XXI.–XXIII.Bez.); Dehio NÖ/Süd M–Z
L. Eisenberg: Das geistige Wien. Wien 1893
C. v. Lützow / L. Tischler: Wiener Neubauten. 3 Bde, Wien 1876–1891
S. Waetzoldt: Bibliographie zur Architektur im 19.Jh. Nendeln 1977
G. Renner: Die Nachlässe in den Bibliotheken und Museen der Republik Österreich. Wien 1993

LEXIKA:
Czeike; ThB; Neue deutsche Biographie; ÖBL
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Neue Medien
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Anmerkungen
Eingegeben von: Jutta Brandstetter
Eingegeben am: 01.10.2012
Zuletzt geändert: 15.12.2012
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