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Johann Ferdinand Hetzendorf von Hohenberg


"Modellsaal d. Wr. Akademie" v. M.F. Quadal (Ausschnitt)

Persönliche Daten
Ausbildung, Studienreisen, internationale Aufenthalte
Beruflicher Werdegang, Lehrtätigkeit
Auszeichnungen und Ämter
Mitgliedschaften
Vita
Stellenwert
Werke
Primärquellen
Sekundärquellen
Neue Medien
Anmerkungen
Persönliche Daten
* 07.02.1733 getauft - † 14.12.1816
Geschlecht: m
Geburtsort: Wien
Land: Österreich
damaliger Name: Habsburger Monarchie
Sterbeort: Wien
Land: Österreich
damaliger Name: Kaisertum Österreich
Titel: k.k. Hofarchitekt
weitere Namen: Hetzendorfer, Hözendorfer, Hetzendorff
Religionsbekenntnis: Röm. - Kath.
Berufsbezeichnung: Theatermaler und Architekt
Familiäres Umfeld: Vater: Johann Samuel Hetzendorfer (Hözendorf) (1696–1742), Maler u. Theaterarchitekt
Mutter: Theresia Ursula Nefzer (*1708)
Schwester: Agnes Christine (*1734), Josepha Maria (1739–1798, verehl. m. Franz Anton Conrad v. Hötzendorf, Ur-Großeltern von Feldmarschall Franz Conrad v.Hötzendorf)
1.Ehe (1759) mit Eleonore Gundinger (ca.1719–1792, Witwe eines Malers)
2.Ehe (1792) mit Rosalia (Rosina) Müllner (1752–1810)
Kinder: Josef Anton Franz (1758–1811); Johann (*1793– vor 1811)
Enkel:Johann Samuel (1787–1836)
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Ausbildung, Studienreisen, internationale Aufenthalte
o.J.wahrscheinlich Ausbildung als Theatermaler
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Beruflicher Werdegang, Lehrtätigkeit
1770–1773Professor und Leiter der Architekturschule der Akademie d. Maler, Bildhauer u. Baukunst
1773–1816Direktor der Architekturschule der vereinigten Akademie d. bildenden Künste Wien (1786 Neuorganisation bzw. Neuregelung)
ab 1776Hofarchitekt f. Bauten außerhalb d. Linienwalls (Schönbrunn, Hetzendorf, Laxenburg)
ab 1783fürstl. Kaunitzscher Architekt
1789–1793Hofarchitekt für Bauten in der Inneren Stadt, Augarten und Prater
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Auszeichnungen und Ämter
1758Ehrenmitglied d. röm. kayserl. Franciscischen Akademie freyer Künste in Augsburg
1766Verleihung d. Reichsadelsstandes „von Hohenberg“
1775Titular-Hofarchitekt
1804Ehrenbürger von Wien
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Mitgliedschaften
ab 1768Mitglied Wiener Kupferstecherakademie u. Akademie d. Maler, Bildhauer u. Baukunst (ab 1772 Vereinigte Akademie der bildenden Künste Wien)
ab 1773Mitglied der Academie de France in Rom (=kgl. franz. Akademie f. Baukunst, als erster Deutscher aufgenommen)
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Vita
Johann Ferdinand Hetzendorf wurde 1733 in Wien geboren. Sein Vater Johann Samuel Hetzendorfer und auch die Mutter stammten aus Sulzbach in der Oberpfalz. Der Vater war als Maler, vor allem Theatermaler, tätig. Als er starb, war Johann Ferdinand erst 9 Jahre alt. Über die Jugendjahre und Ausbildung des jungen Hetzendorf ist nichts bekannt, die immer wieder geäußerte Vermutung, er wäre Schüler der Akademie gewesen, ist ebensowenig belegbar wie die in Zusammenhang damit erwähnten Reisen durch Italien und Deutschland. Es ist naheliegend, dass er ebenfalls eine Ausbildung zum Maler absolvierte, da er am Beginn seiner Laufbahn wie sein Vater als Theatermaler auftrat. Im Herbst 1758 wurde er Ehrenmitglied der römisch-kayserlichen Franciscischen Akademie in Augsburg, es gibt keine Information, was dafür ausschlaggebend war. Festdekorationen für die Vermählungsfeierlichkeiten des späteren Joseph II. (1760) in den Redoutensälen und dem Theater der Hofburg waren sein erster kaiserlicher Auftrag. 1766 wurde Hetzendorf in den Adelsstand mit dem Prädikat von Hohenberg erhoben, das er nun zur Namensnennung bevorzugte. In diesem Jahr wurde er mit der Neuausstattung des Schönbrunner Schlosstheaters betraut, wie er auch weiter auf dem Gebiet der Ausstattungskunst mit Entwürfen für Altäre, Festgerüste und -dekorationen tätig blieb. 1768 bewarb er sich um die Aufnahme als Mitglied in die „K.K. Zeichen- und Kupferstecherakademie“, wenig später wurde er zum Professor an der Architekturschule der „Wiener Akademie der Maler, Bildhauer und Baukunst“ ernannt. (Ende 1772 wurden dann auf Betreiben von Kanzler Kaunitz die verschiedenen Akademien zur Vereinigten Akademie der bildenden Künste Wien zusammengeschlossen.)

Um 1770 legte Hetzendorf eine Entwurfsskizze für den Schönbrunner Schlossberg vor. Kanzler Fürst Kaunitz, enger Berater Maria Theresias, war am Konzept der Ausgestaltung des Schönbrunner Parks und der Auswahl der Künstler beteiligt. Er war ein Förderer Hetzendorfs, den er als Protektor der Akademie bereits bei der Vergabe der Professur unterstützt hatte, und nun erhielt dieser auch den Auftrag zur Vollendung des Schönbrunner Parks (1772), der bedeutendsten künstlerischen Aufgabe, die damals in Wien zu vergeben war. Sein dafür ausgearbeiteter Entwurf empfahl ihn nicht nur für die Direktorsstelle der Architekturschule an der nun Vereinigten Akademie der bildenden Künste in Wien, er wurde auch als erster Deutscher zum Mitglied der königlich französischen Akademie der Baukunst in Rom erwählt. An der Akademie in Wien reformierte er den Architekturunterricht, der nun in drei aufeinander aufbauende Klassen unterteilt wurde. Hetzendorf erhielt den Titel eines Hofarchitekten und wurde im Jahr darauf dauernd in den kaiserlichen Dienst übernommen, wo er als Hofarchitekt für die Bauten außerhalb der Linie: Schönbrunn, Hetzendorf und Laxenburg zuständig war. Die Arbeiten in Schönbrunn blieben nicht nur auf die Parkgestaltung beschränkt, für das Schloss errichtete er die Freitreppe zum Garten neu, baute für Maria Theresia einen Aufzug ein, wie auch die Gloriette einen Aufzug auf die Aussichtsplattform erhalten hatte. Unter Joseph II. wurden dann jedoch die Ausgaben für Schönbrunn stark eingeschränkt und nur mehr Adaptionen vorgenommen.

Hetzendorf war während seiner Arbeiten für den Hof auch mit privaten Aufträgen beschäftigt. Er war dabei vor allem für den Bankier Baron Fries tätig, bei dessen Vöslauer Schloss (NÖ, ab 1773) er verschiedene Umbauten vornahm und die Innenräume neu adaptierte. Auch bei der Gestaltung des Gartens, der nach dem Vorbild englischer Gartenanlagen mit zahlreichen Attraktionen von szenisch-theatralischer Wirkung ausgestattet war, wurde er herangezogen. 1783 erbaute er für den nun zum Grafen erhobenen Bankier auf den Gründen des aufgelassenen Königinklosters ein herrschaftliches Wohnhaus mit angeschlossenen Miethäusern (Wien 1, Josefsplatz 5 / Bräunerstraße 11–11a). Bei Fertigstellung löste der Bau wegen seiner revolutionären Schlichtheit und Abkehr von den traditionellen Ordnungen eine heftige kritisch-polemische Kontroverse aus. Von Kanzler Kaunitz (Hetzendorf war seit 1783 auch fürstlich Kaunitzscher Architekt) war er mit der Errichtung der Pfarrkirche in Austerlitz (Slavko, CZ, 1786–90) beauftragt worden und schuf mit diesem Werk das programmatische Beispiel einer josefinischen Kirche.

Durch die josefinische Kirchenreform war Hetzendorf nicht nur mit Umbauten aufgehobener Klöster zu Verwaltungsgebäuden betraut worden, Joseph II. übertrug ihm auch die Umgestaltung und „Regotisierung“ von Augustiner- und Minoritenkirche (ab 1784). Im Jahr 1789 wurden die Tätigkeitsbereiche der Hofarchitekten neu geordnet und Hetzendorf war nun für die Bauten der Inneren Stadt, im Augarten und Prater zuständig, vorübergehend hatte er sogar die Leitung des Hofbauamts inne. Andauernde Kompetenzstreitigkeiten mit der General-Hofbaudirektion führten jedoch 1793 zu seiner Versetzung in den Ruhestand, aber mit Belassung der vollen Bezüge und fallweiser Wiederverwendung. In der folgenden Jahren war er vor allem mit Arbeiten für die romantische Anlage des Parks von Laxenburg, NÖ beschäftigt, dem Franz II. (ab 1804 Kaiser Franz I.) damals sein Hauptinteresse zugewandt hatte. Daneben hatte er auch für die Parkanlage eines privaten Auftraggebers, Freiherr von Braun, in Schönau a.d.Triesting, NÖ (um 1800) einen großen Grottenbau, genannt „Tempel der Nacht“, entworfen.

Bewegt wie sein berufliches verlief auch sein Privatleben. 1759 heiratete Hetzendorf die wesentlich ältere Eleonore Gundinger, Witwe eines Malers und Mutter des gemeinsamen Sohnes Josef Anton. 1792 sah sich Hetzendorf veranlasst, seinen Sohn auf Grund dessen enormer Schulden durch die Veröffentlichung in der „Wiener Zeitung“ pro prodigo – also zum notorischen Verschwender – zu erklären und jegliche Haftung dafür abzulehnen. Josef Anton ging daraufhin in Konkurs und befand sich sechs Jahre später, beim Tod seiner Frau Karoline (+1798) im Versorgungshaus in Ybbs. Das Kind aus dieser Verbindung, den damals 11-jährigen Johann Samuel, nahm Hetzendorf bei sich auf. Hetzendorf war zu dieser Zeit bereits wieder verheiratet, denn zwei Monate nach dem Ableben seiner ersten Frau hatte er Rosalia Müllner geehelicht, mit der er einen Sohn, ebenfalls mit Namen Johann, hatte. Hetzendorfs zweite Frau starb 1810, das gemeinsame Kind Johann ist vermutlich noch vor ihr oder aber vor Ende 1811 verstorben. Auch der ältere Sohn Josef Anton verstarb 1811, denn in dem Testament, das Hetzendorf am Ende dieses Jahres verfasste, wurde nun Enkel Johann Samuel zum Universalerben eingesetzt. Hetzendorf war vermögend, er hatte sich mit seiner ersten Frau unternehmerisch betätigt und zweimal zwei kleine, einfache Häuser erworben, durch Umbauten zu einem ansprechenden großen vereinigt und dann verkauft. Auch beim Umbau der Minoritenkirche (1785) erwarb er eines der an die Kirche angebauten Häuser, das er jedoch für den eigenen Bedarf adaptierte. Architekt Hetzendorf starb mit 83 Jahren in seinem Haus an Harnblasenentzündung, bestattet wurde er am Pfarrfriedhof Mariahilf. Der Enkel lebte fortan als Privatier und Eigentümer des vom Großvater ererbten Hauses.
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Stellenwert
Das Schaffen Johann Ferdinand Hetzendorfs weist ihn als eine ungemein vielseitige und vielschichtige Künstlerpersönlichkeit aus. In seiner Anfangszeit war er auf dem in der Barockepoche stark ausgeweiteten Gebiet der Ausstattungskunst tätig, wobei es sich bei den Bühnendekorationen, mit denen er als Dekorations- und Theatermaler befasst war, meist um Architekturmalereien handelte. Seine frühen Werke sind von bewegt gegliederter, räumlicher Gestaltung, wie der Hochaltar für Heiligenkreuz-Gutenbrunn, NÖ (vor 1757) und die kirchlichen Festdekorationen für die Orden der Piaristen und Salesianerinnen (1768), und fußen noch im Spätbarock. Die Umgestaltung des Innenraums des Schönbrunner Schlosstheater (Wien 13, 1766) wurde von ihm in Rokokoformen ausgeführt. Kupferstiche Hetzendorfs aus dieser Zeit (1770) waren deutlich von den szenographischen Architekturveduten Piranesis beeinflusst, die Hetzendorf auch als Inspirationsquelle für die Entwurfsskizze zur Ausgestaltung des Berghanges im Schönbrunner Schlosspark dienten. Rostrasäulen, Obelisken, antikisierende Triumphbögen und Reiterstandbilder sollten die Zwickelfelder des terrassierten Hanges schmücken. Der dann ausgearbeitete Entwurf, in der Tradition barocker Gartenanlagen gehalten, zeigt auf der Bergeshöhe inmitten eines großen Wasserbassins einen Aussichtspavillon, nach Art barocker Lustgebäude. Am Berghang waren mehrere Terrassen mit Treppen, Brunnen und Figuren vorgesehen, Zickzack-Wege an den Seiten sollten sie verbinden. Auch das große Parterre sollte mit Brunnen und Statuen ausgestattet werden, da jedoch nicht genügend Wasser für die vielen Brunnen zur Verfügung stand, wurde das Projekt vereinfacht.

Die 1775 fertiggestellte Gloriette auf der Berghöhe präsentiert sich als breit gelagerter, luftiger Arkadenbau in strengen, kubischen Formen, mit überhöhtem Mittelrisalit in der Art eines Triumphbogens und zwei Seitenflügeln. Hetzendorf hatte sich bei diesem Bau mit den neuen klassizistischen Strömungen westeuropäischer Prägung auseinandergesetzt, in denen die Architektur mit Elementen der antiken Baukunst und auch Palladianischen Lösungen belebt wurde. Statt einer barocken Auflösung zum Bildprospekt hatte er die Arkadenreihen der Gloriette an den Ecken verfestigt, den Bau dadurch zusammengeschlossen und aus seiner Umgebung isoliert. Architekturteile vom Renaissanceschloss Neugebäude (Wien 3, wurde ab 1774 als Pulvermagazin genutzt), die hier eine Wiederverwendung fanden, unterstreichen den klassischen Charakter des Baus, die Vasennischen beruhen auf französischem Einfluss. Inhaltlich bezog sich das Ausstattungsprogramm des Schönbrunner Parks in herrscherlicher Selbstpräsentation auf die Verbindung der Habsburger zum römischen Kaisertum, mit Rom als Zentrum des römischen Weltreichs, als dessen Erben und Nachfolger sich die Habsburger in ihrer Funktion als Kaiser des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation sahen. Die Gloriette als triumphaler Ehrentempel des gerechten Krieges ist dementsprechend mit Reichsadler und Waffentrophäen geschmückt. Beim Obeliskenbrunnen steht die aufragende, klare Form des Obelisken – Symbol für Standfestigkeit und Stabilität – gegen die Wildnis eines zerklüfteten Grottenbergs, erfundene Hieroglyphen erzählen die Geschichte des Hauses Habsburg. Die „Römische Ruine“ (1778 vollendet) umfasst auf drei Seiten ein rechteckiges Bassin und wirkt wie ein halb in den Boden versunkenes antikes Gebäude. Auch hier ließ sich Hetzendorf von Radierungen Piranesis mit antiken Ruinen als Überresten einer heroischen Zeit inspirieren und verwendete wiederum Architekturteile von Schloss Neugebäude, um ihr das besondere antikische Aussehen zu verleihen. Mit dem ursprünglich „Ruine von Karthago“ genannten Bau sollte nach barocker Tradition der Sieg Roms über Karthago versinnbildlicht werden, er entsprach damit nur bedingt der Vorstellung eines Baus von romantischem Stimmungsgehalt.

Der künstliche Felsenberg, den Hetzendorf für den Garten des Baron Fries in Vöslau, NÖ (1776) entwarf, war von Ideen englischer Gartengestaltung angeregt und als landschaftlicher Überraschungseffekt in die regelmäßige Gartenstruktur hineinversetzt. Erbaut aus pittoresk geformten Felsenformationen belebten ihn Grottennischen mit ägyptischen Gottheiten, Steintreppen, Wasserfällen und mehr. Auf der Spitze befand sich ein ruinöses Bauernhaus und ein Kirchturm, bei dem erstmals gotische Stilelemente zur Anwendung kamen. Der 20 Jahre später errichtete „Tempel der Nacht“ im Park von Schönau a.d. Triesting, NÖ (1796) stellte dagegen einen Höhepunkt phantastischer Romantik dar.

In seinen architektonischen Arbeiten hatte Hetzendorf stilistisch die klassizistischen, auf Einfachheit und Strenge ausgerichteten Kriterien übernommen. Sie bestimmten die Umgestaltung der gartenseitigen Aufgangstreppe des Schönbrunner Schlosses (1776), die mit rechtwinkelig gebrochenen Treppenarmen und reichlich verwendeten gekoppelten Säulen das angestrebte strenge Aussehen erhielt. Eines seiner architektonischen Hauptwerke dieser stilistischen Richtung ist das für den Bankier Fries errichtete herrschaftliche Wohnhaus (heute Palais Pallavicini, Wien 1, Josefsplatz 5, 1783), bei dem der Architekt in Abkehr von der Ordnung barocken Bauens zunächst ein niedriges Halbgeschoss für Wohngemächer vorsah und erst darüber die hohen, prunkvollen Repräsentationsräume anordnete. Nach außen strebte er einen geschlossenen Baublock an, verzichtete auf die Betonung der Mittelachse und kam mit der Horizontalgliederung und einem ausgewogenen Verhältnis von Fensteröffnung, Wand und Dekor Formulierungen des Revolutionsklassizismus nahe. Hohe Vasen waren an den Ecken und beiderseits des Tores aufgestellt. Der fortschrittliche, betont schlichte Bau rief heftigste Kritik hervor, man nahm Anstoß an der kastenmäßigen Form und dem Fehlen sowohl einer Gliederung als auch einer Betonung des Mittelteils. Unter dem Druck der öffentlichen Meinung wurde dann das Portal mit Karyatiden (von Franz Anton Zauner) und einem gesprengten Giebel umrahmt, die kritisierten Vasen entfernt (stehen nun im Park von Schloss Vöslau, NÖ) und auch die einfache Umrahmung der Fenster verändert. Ein bedeutendes Werk des Klassizismus ist auch die im Auftrag Kanzler Kaunitzs errichtete Pfarrkirche in Austerlitz (Slavkov u. Brna, CZ, 1786), mit der Hetzendorf nicht nur beispielhaft die Umsetzung der religiösen und ästhetischen Zielsetzungen der josephinischen Kirchenreform im Kirchenbau demonstrierte, sondern auch zeigte, wie klassizistische Formensprache für die Vermittlung religiöser Inhalte zu verwenden sei.

Hetzendorf war zwei Jahre vor Austerlitz bereits mit Kirchenbauten befasst gewesen und zwar mit den Umbauten von Augustiner- und Minoritenkirche (Wien 1, Augustinerstraße 7 bzw. Minoritenplatz, 1784), die er im Auftrag Joseph II. durchführte und bei denen der „gotische“ Gesamteindruck gewahrt bzw. wiederhergestellt werden sollte. Künstlerisches Hauptanliegen dabei war es, den Kirchenraum klar und übersichtlich zu gestalten. Bei der Hallenkirche St.Augustin kam es zur Entfernung zahlreicher Einbauten, wie Nebenkapellen, Grabmonumente etc., neue Fenster wurden ausgebrochen und vorhandene für die bessere Belichtung vergrößert, die Pfeiler und Kapitelle uniform gestaltet. Kanzel, Empore und Hochaltar wurden in gotisierenden Formen erneuert. Größerer Eingriffe bedurfte es bei dem komplizierten, unsymmetrischen Innenraum der Minoritenkirche, den Hetzendorf mit neu eingezogenen Wänden, die die beiden Ostecken abschrägen, zu einer symmetrischen dreischiffigen Halle mit Ovalabschluss umbaute. Von den verschiedenartigen gotischen Pfeilern übernahm er jene Form, die im 14.Jh. durch das Aufsetzen eines neuen Bündelpfeilers auf den alten Rundpfeiler eine Art hohen Sockel ausgebildet hatte, als Ausgangspunkt für die einheitliche Gestaltung der Pfeiler. Er projizierte diese Gliederung auch auf die Innenwände und sorgte damit für einen deutlichen Horizontalakzent im Aufbau. Die so zusammengeschlossene, mächtige Halle wurde mit einem gotisierenden Altar ausgestattet, der sich dem stilistisch einheitlichen Gesamteindruck einer „veredelten Gotik“ einordnen sollte.

In seinen späten Jahren war Hetzendorf mit Arbeiten für Laxenburg, NÖ, befasst. Seine Erfahrungen als Theaterausstatter nutze er für die Errichtung phantasievoller und erfindungsreicher Lustgebäude im Park von Laxenburg, wie der „Einsiedelei“, die innen ein mechanisches Theater barg, der „chinesischen Brücke“ mit einem Aussichtspavillon oder dem „Wachthaus“, das über und über mit Augen bemalt war. Höhepunkt dieser Arbeiten war das „Haus der Laune“, ein surreales Gesamtkunstwerk voller Symbolik. Seine Kenntnisse gotischer Architektur brachte er in den Entwurf für den sogenannten „Vereinigungsbau“ (1807) ein, der für die romantische Anlage der Ritterveste „Franzensburg“ geplant war. Letzte Arbeiten waren Entwürfe zum Ausbau der Front der Wiener Hofburg gegen die Vorstädte (1804 und 1809), für die er repräsentative, klassizistische Formen wählte.

Hetzendorfs architektonisches Schaffen ist durch große stilistische Vielfalt ausgezeichnet. Seine Anfänge lagen im Spätbarock, bald übernahm er jedoch die neuen klassizistischen Tendenzen und verhalf ihnen auch zum Durchbruch. Parallel zu seinen streng klassizierenden Werken setzte er sich auch mit Formen des Mittelalters auseinander. Die unterschiedlichen gestalterischen Lösungen eröffneten der Architektur nun völlig neue Möglichkeiten und bildeten die Grundlage für eine stiloffene Haltung. Hetzendorfs Wirken markiert den Endpunkt einer Bautradition und setzte die Zeichen für das Baugeschehen kommender Zeiten.
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Werke

WOHN-/GESCHÄFTSBAUTEN:
1776–1778Schloss Vöslau, NÖ, Umbauten
1783–1784Palais Fries / Pallavicini, Wien 1, Josefsplatz 5

ÖFFENTLICHE BAUTEN:
ab 1770Ausgestaltung des Schönbrunner Schlossparks, Wien 13
1775Gloriette im Schönbrunner Schlosspark, Wien 13
1777Entwurf des Neptunbrunnens im Schönbrunner Schlosspark, Wien 13 (Ausführung Wilhelm Bayer)
1776–1777Restaurierung der hofseitigen und Erneuerung der gartenseitigen Freitreppe von Schloss Schönbrunn, Wien 13
1776–1777Brücke zum „Gatterhölzl“, Wien 12, Hohenberg-/Grünbergstraße (abgebrochen, 1964 Neubau der Maria Theresien-/Tivoli-Brücke)
1776–1778Grotte im Schlosspark Vöslau, NÖ (nicht erhalten)
1777Obeliskenbrunnen im Schönbrunner Schlosspark, Wien 13,
1778Römische Ruine (ursprgl. „Ruine von Karthago“) im Schönbrunner Schlosspark, Wien 13
1786–1790Pfarrkirche zu Austerlitz, CZ
1789Umbau der Dächer der Nebengebäude des Schönbrunner Schlosskomplexes, Wien 13
1792Kirche St. Anna, Verl, Grafschaft Rietberg, Nordrhein-Westfalen, D
1796„Tempel der Nacht“ im Park von Schönau, Schönau a.d. Triesting, NÖ
um 1800Lustgebäude für Park von Laxenburg, NÖ, Einsiedelei, chinesische Brücke, Wachthaus, Haus der Laune
1807Stall und Reitschulanlage für Schloss Laxenburg, NÖ

INNENRAUMGESTALTUNG/DESIGN:
1755Titelblatt des Matrikelbandes von 1755 der Universität Wien
vor 1757 Entwurf für Hochaltar der Kirche Heiligenkreuz-Gutenbrunn, NÖ
1760Festdekoration der Redoutensäle u. des Theaters der Wiener Hofburg, Wien 1
1766-1767Ausstattung des Schönbrunner Schlosstheaters, Wien 13, Schloss Schönbrunn
1768Festgerüst für Piaristenkirche, Wien 8, Jodok Fink-Platz
1768Festgerüst für Salesianerinnenkirche, Wien 3, Rennweg 8-10
1770-1771Altarentwürfe für Margaretener Pfarrkirche St. Josef, Wien 5, Schönbrunnerstraße / Ecke Ramperstorffergasse (Haupt- und Nebenaltäre)
1773Festdekoration für St.Michael, Wien 1, Michaelerplatz 5
1773Aufzugmaschine für Maria Theresia im Schönbrunner Schloss (nicht erhalten)
um 1776Aufzug in Gloriette, Schönbrunner Schlosspark, Wien 13
1776–1777Hochaltar Lichtentalerkirche, Wien 9, Entwurf (Ausführung Steinmetzmeister Franz Jäger sen.)
1776–1778Innenausstattung Schloss Vöslau, NÖ
1777–1778Grabdenkmal für Kammerzahlmeister Otto Adam v. Mayer (+1778) in Michaelerkirche, Wien 1 Michaelerplatz 5
1782–1786Salesianerinnen-Kirche, Wien 3, Rennweg 8–10, Umbauten
1784–1785Augustinerkirche, Wien 1, Augustinerstraße 3, Umbau (einstiger Hochaltar nun in Kirche von Sarasdorf, NÖ)
um 1784Hochaltar Pfarrkirche Laxenburg, Schlossplatz, NÖ
1785–1786Minoritenkirche, Wien 1, Minoritenplatz 2a, Umbau
1790Trauergerüst für Joseph II.
1790Triumphpforte für Leopold II.
1790Trauergerüst für Erzherzogin Elisabeth
1792Trauergerüst für Königin Maria Luise
1792Trauergerüst für Leopold II.
1802Umgestaltung barocker Stuckdecken, Palais Schwarzenberg, Wien 4,
1814Triumphpforte für Franz II.
Kupferstiche von Architekturphantasien, Skizzenblätter

NICHT REALISIERTE PROJEKTE:
um 1775Entwurf für Gartenanlage in Laxenburg, NÖ (zugeschrieben)
1776Entwurf für klassizistische Umgestaltung des Schönbrunner Schlosstheaters, Wien 13
1778Entwurf für Kapelle des Theresianums, Wien 4
1780Trauergerüst für Maria Theresia
1807Entwurf für Vereinigungsbau in Laxenburg, NÖ
1804 und
1809Pläne für Erweiterungsbau der Wiener Hofburg
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Primärquellen

NACHLÄSSE UND ARCHIVE:
ABK; Archiv Adler; Matriken der Pfarren: Maria Treu in Wien 8, Schotten, Franziskaner und St.Stephan in Wien 1; WSt.LA
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Sekundärquellen

LITERATUR:
Ausstellungskatalog: Österreich zur Zeit Kaiser Josef II. NÖ Landesausstellung Melk 1980
Ausstellungskatalog: Die großen Architekten der Ringstraßenzeit, ihre Vorläufer und Nachfahren auf dem Lande. Bad Vöslau 1986
A. Caravias: Wiener Baukunst 1848–1859. Diss. TH Wien 1944
F Dahm / E. Bachler: Die römische Ruine i. Schlosspark v. Schönbrunn. Wien 2003
G. Frodl (Hg.): Geschichte der bildenden Kunst in Österreich, 19.Jh. Bd.5. München u.a. 2002
F.v.Haan: Genealog. Auszüge a.d. Sperr-Relationen d. nö und k.k. nö Landrechtes. In: Jb.d. heraldisch-genealog. Gesellschaft „Adler“. Wien 1914
E. Hainisch: Der Architekt Joh. Ferd. Hetzendorf v. Hohenberg. In: Wr. Jahrbuch f. Kunstgeschichte 12/13.1949
E. Hainisch: Der Klassizismus des Architekten Joh. Ferdinand Hetzendorf v. Hohenberg i. seiner Mittelstellung zw. Spätbarock u. Romantik. Diss. Wien 1925
B. Hajos: Die Schönbrunner Schloßgärten. Wien 1995
G. Hajos: Romantische Gärten der Aufklärung. Engl. Landschaftskultur d. 18. Jh.s in u. um Wien. Wien 1989
P. Harrer: Wien, seine Häuser, Menschen und Kultur. Wien 1951. (Typoskript)
Hist. Museum d. Stadt Wien (Hg.): Das ungebaute Wien 1800 bis 2000. (Ausst.Kat.) Wien 1999
W. Hofmann (Hg.): Der Zauber der Medusa. Ausstellungskatalog Künstlerhaus. Wien 1987
P. Kortz: Wien am Anfang d. XX. Jhd.s. Ein Führer i. techn. u. künstler. Hinsicht. Bd.I u.II. Wien 1905
Kunsthistorische Arbeitsgruppe GeVAG: Wiener Fassaden des 19.Jh.s [6. Bezirk]. Wien 1976
H. Lorenz (Hrsg.): Geschichte der bildenden Kunst in Österreich, Barock. Bd.4. München u.a. 1999
ÖKT 2: H. Tietze: Die Denkmale der Stadt Wien (XI.–XXI. Bezirk) Wien 1908
ÖKT 14: M. Dreger: Die Baugeschichte der k.k. Hofburg in Wien. Wien 1914
ÖKT 41: G. Hajos: Die Kirchen des 3.Bezirks. Wien 1974
K. Mollik u.a.: Planung und Verwirklichung der Wiener Ringstraße. Die Wiener Ringstraße. Bd.3, Wiesbaden 1980
M. Paul: Technischer Führer durch Wien. Wien 1910
M. Poch-Kalous: Johann Martin Fischer. Wien 1949
M. Pötzl-Malikova: Katalog St.Michael. Wien 1949
A. Schnirch: Die Kirchen und Kapellen Wiens. Wien 1921
K. Schoeller: Die Architekturausbildung an der Akademie d. Bild. Künste i. Wien unter Peter Nobile (1818–1849), Dipl. Arbeit. Wien 2006
W. Steinböck: Wien u. Berlin in der Architektur d. Klassizismus in der Zeit v. 1780–1830. Graz 1960
H. Tietze: Wiener Gotik im 18.Jh. In: Kunstgeschichtl. Jahrbuch d. k.k. Zentralkommission, Bd.3, 1909, S.162ff
W. Wagner: Die Geschichte der Akademie der Bildenden Künste in Wien. Wien 1967
R. Wagner-Rieger: Die Wiener Architektur des Klassizismus. In: alte und moderne Kunst, Heft 81/1965
R. Wagner-Rieger: Wiens Architektur im 19.Jh. Wien 1970
R. Wagner-Rieger: Die Anfänge der klassizistischen Architektur in Wien. In: Mitteilungen der Gesellschaft für vergleichende Kunstforschung 1960, H. 1
R. Wagner-Rieger: Geschichte der Architektur in Wien. Vom Klassizismus bis zur Secession. In: Geschichte der bildenden Kunst in Wien. Bd.3, Wien 1973
R. Wagner-Rieger: Das Wiener Bürgerhaus des Barock und Klassizismus. Wien 1957
O. Wittenhofer: Die Fassaden der Wiener Wohnhäuser in der ersten Hälfte des 19.Jh.s. Wien 1948
G. Weissenbacher: In Hietzing gebaut. 2 Bde, Wien 1996–1998

NACHSCHLAGEWERKE:
Dehio Wien/1 (I.Bez); Dehio Wien/2 (II.–IX.u.XX.Bez.); Dehio Wien/3 (X.–XIX.u.XXI.–XXIII.Bez.); Dehio NÖ/Süd A–L
H. Jäger-Sunstenau: Die Ehrenbürger und Bürger ehrenhalber der Stadt Wien. Wien 1992;

LEXIKA:
Czeike; Neue deutsche Biographie; ThB; G.K.Nagler: Neues allg. Künstler-Lexikon. 2. unver.Aufl. 1905, Wien; ÖBL
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Neue Medien
http://deu.archinform.net
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Anmerkungen
Divergierende Angaben des Geburtsjahres: 1732 bei Hainisch, ThB, Neues dt. Biogr. Lex., ÖBL. 1733 bei Czeike, Jäger-Sustenau und Taufmatrik Maria-Treu Wien 8. Die Angabe in der Taufmatrik von J.F. Hetzendorf, der Vater Johann Samuel Hetzendorfer sei Professor an der Akademie der bildenden Künste, ist dort nicht aktenkundig. Als Geburtsjahr des Vaters wird im Neuen dt. Biogr. Lex. 1694 angegeben, lt. Totenbeschauprotokoll des WStLA starb er 1742 mit 46 Jahren, damit wäre das Geburtsjahr 1696.
In vielen Lexika und Nachschlagwerken ist Hetzendorf unter seinem Adelsprädikat Hohenberg aufzufinden.
Eingegeben von: Jutta Brandstetter
Eingegeben am: 01.10.2012
Zuletzt geändert: 15.12.2012
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