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Josef Andreas Kranner

Persönliche Daten
Ausbildung, Studienreisen, internationale Aufenthalte
Beruflicher Werdegang, Lehrtätigkeit
Auszeichnungen und Ämter
Mitgliedschaften
Vita
Stellenwert
Werke
Primärquellen
Sekundärquellen
Anmerkungen
Persönliche Daten
* 13.06.1801 - † 20.10.1871
Geschlecht: m
Geburtsort: Praha
damaliger Name: Prag
Land: Tschechien
Sterbeort: Wien
Land: Österreich
damaliger Name: Österreich-Ungarn
Religionsbekenntnis: unbekannt
Berufsbezeichnung: Stadtbaumeister u. Steinmetz
Familiäres Umfeld: Vater: Johann Ludwig K., Baumeister (ca.1764-1828)
Sohn: Johann Josef (*1835)












































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































Vater: Johann Ludwig K. (ca.1864-1828), Baumeister
Sohn: Johann Josef (*1835)
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Ausbildung, Studienreisen, internationale Aufenthalte
o.J.Polytechnikum in Prag
1822Studienreise nach Deutschland, Frankreich, Italien
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Beruflicher Werdegang, Lehrtätigkeit
1830Baumeister in Prag
1835Steinmetzmeister
ab 1856Baumeister der Wiener Votivkirche
1859Baumeisterkonzession in Wien
ab 1859incorporiert
ab 1861Dombaumeister von St. Veit in Prag
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Auszeichnungen und Ämter
Ohne Datum
Franz Josef Orden
gold. Verdienstkreuz mit der Krone
gold. Verdienstmedaille
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Mitgliedschaften
1851korr. Mitglied des Royal Institute of British Architects
ab 1859Bau- und Steinmetzmeister Genossenschaft
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Vita
Josef Andreas Kranner wurde 1801 auf der Kleinseite (Malà Strana) als Sohn des Hofbau- und Steinmetzmeister Johann Ludwig Kranner in Prag geboren. Er besuchte das Polytechnikum in Prag, wo er ein Schüler von Ludwig Kohl war. Seine praktische Ausbildung erhielt er in der väterlichen Werkstätte. (Der in einigen Quellen behauptete Besuch der Akademie der bildenden Künste in Wien konnte nicht verifiziert werden).

Im Jahr 1822 begab sich Kranner auf Wanderschaft durch Deutschland und Italien, wo er Kontakte mit dem Maler Léopold Robert hatte, der ihn auf die wichtigsten mittelalterlichen Bauwerke Frankreichs aufmerksam machte. Daraufhin reiste Kranner nach Südfrankreich und arbeitete schließlich einige Jahre in Paris als Steinmetzgehilfe. Durch diese Tätigkeit und dem gleichzeitigen Besuch der baugewerblichen Abendschule erwarb er das Verständnis für die gotische Architektur und die notwendigen technischen Fertigkeiten im Steinschnitt und Steinbau.

1826 kehrte Kranner nach Prag zurück und übernahm die Leitung des Umbaues der St. Wenzelskirche auf der Herrschaft Plass in eine Familiengruft für den Fürsten Clemens Metternich. Zwei Jahre später übernahm er die väterliche Werkstätte und modernisierte sie nach französischem Vorbild durch die Anschaffung bzw. Erfindung diverser Steinbearbeitungsmaschinen. Kranners Pläne und Erzeugnisse wurden denn auch auf der Londoner Weltausstellung 1851 prämiiert. Der Versuch, Wasserleitungsrohre aus Stein herzustellen, endete allerdings mit einem finanziellen Mißerfolg.

Kranner war eine äußerst vielseitige Persönlichkeit. Er erarbeitete Pläne für die Kirche zur Ehre der Slawenapostel Cyrill und Method im Prager Vorort Karolinenthal, er war technischer Mitarbeiter an der Karstbahn und bemühte sich durch die Beteiligung an den „Archäologischen Blättern“ und an E. Wocels: „Grundzüge der böhmischen Alterthumskunde“ (1845) um die Würdigung der böhmischen Altertümer.

Auf Grund seiner profunden Kenntnisse der gotischen Steinmetzkunst wurde Kranner 1855 in das Baukomitee für die Votivkirche berufen und er wurde in Folge auch Kirchenbaumeister.
1857 erlebte Kranner einen Rückschlag in seiner glänzenden Karriere. Obwohl Kultusminister Leo Graf Thun explizit Kranner als Dombaumeister von St. Stephan vorschlug, wurde Leopold Ernst bevorzugt. Die Unterstützung Graf Franz Thun-Hohensteins verhalf ihm jedoch 1861 zur Ernennung zum Prager Dombaumeister, wodurch definitiv sein Ruf als Meister der Neogotik gefestigt wurde.

1858 übersiedelte Kranner endgültig nach Wien und zeigte auch hier seine vielseitigen Interessen: Er nahm an den Beratungen über die Reform des Architekturstudiums und des Zeichenunterrichtes in den Realschulen teil, und beteiligte sich auch an Diskussionen über die Reform des Hochschulsystems und baugesetzlicher Verordnungen. 1864 war er Mitglied der eingeladenen Gruppe von neun Experten, die die Wiener Bauordnung überprüften.

Hoch angesehen starb Kranner im 71.Lebensjahr in Wien. Sein Begräbnis fand auf dem alten Friedhof auf der Schmelz in Wien statt.
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Stellenwert
Josef Kranners frühe Architekturausbildung war noch vom Klassizismus geprägt: in den Architekturschulen der österreichischen Monarchie war noch ausschließlich das Studium der klassischen Kunst obligat.
Zeichnungen und Bauaufnahmen, die Josef Kranner während seines Studiums bei Ludwig Kohl (1746-1821), einem bekannten Maler, Radierer und Zeichenlehrer, anfertigte, regten ihn jedoch zum Studium und zur Auseinandersetzung mit der gotischen Kunst in Prag an. Aber die ersten wirklichen Kontakte mit dem Gothic Revival hatte Kranner in Frankreich, nämlich in Paris: „K. [...] wandelte sich jedoch durch westlichen Einfluß zum Neugotiker, welchen Stil er in Böhmen als erster Architekt vertrat, wobei seine handwerkliche Schulung als Steinmetz den Tendenzen der Neugotik sehr entgegenkam“ (Wagner-Rieger). Diese Klarstellung von Renate Wagner-Rieger ist sehr wichtig, weil sie fast alle Meister der Neogotik betrifft, deren Ursprung die Steinmetz-Ausbildung war.

Entscheidend für Kranners künstlerische Laufbahn wurde 1839 das Projekt für die Ostseite des Altstädter Rathauses in Prag, als er mit dem großen Vertreter des Klassizismus Pietro Nobile in Konkurrenz trat. Für Nobile war der Entwurf eine vereinzelte Anwendung des gotischen Baustils, für Kranner hingegen markierte dieses Projekt den Beginn einer erfolgreichen künstlerischen Karriere als Neogotiker, obwohl er den Wettbewerb nicht gewinnen konnte (mit dem Umbau wurden Sprenger und Bergmann beauftragt).

Kranners Kenntnisse des gotischen Stils führten in den folgenden Jahren zu mehreren Aufträgen für die Erstellung von sakralen Einrichtungen, vor allem Altäre. Das war ein typisches Einsatzgebiet für Neogotiker, und gleichsam als „Fingerübungen“ anzusehen, bevor der Schritt zur Errichtung eines Gebäudes gewagt werden konnte.

Nicht immer wurden allerdings seine neogotischen Kenntnisse geschätzt. Die Wahl der Neogotik für die Pläne der Kirche in Karolinenthal kostete 1851 Kranner nämlich den Auftrag: der gotische Baustil galt als „germanisch“ und deshalb als nicht geeignet, die Kirche der beiden Apostel - Symbol der religiösen Bekehrung der Slawen - zu vertreten.

Der erste Kontakt von Kranner mit Wien war der Wettbewerb für die Breitenfelder Kirche (1852); sein neogotischer Entwurf eines Steinbaues gewann, allerdings wurde er nicht realisiert (die Kirche wurde erst Jahrzehnte später, 1893, von Alexander Wielemanns errichtet). Als Experte des „Spitzbogenstils“ wurde Kranner 1855 in das Baukomitee für die in Wien zu erbauende Votivkirche gerufen und anschließend kam der Auftrag, der ihm hohes Ansehen verschaffte: die Bestellung zum Leiter der Bauhütte der Votivkirche.
Im Bereich der Ringstraße zeigte sich Kranner bei der Ausführung einiger Gebäude und Denkmäler (z.B. die Sockel der Reiterdenkmäler auf dem Heldenplatz) als vielseitiger Künstler.

Mindestens zwei Episoden bestätigen auch die technische Kompetenz von Kranner: als er Leiter der Steinmetzarbeiten an der Wiener Hofoper war, konstruierte er eine Dampfmaschine zur schnelleren Bearbeitung der Gesimssteine. Darüber hinaus wird in vielen Quellen berichtet, dass Kranner im Zuge der Errichtung der Karstbahn beim Tunnelbau mit Hilfe seiner verbesserten Steinbohrmaschinen eine für jene Zeit „wahre Riesenaufgabe“ zu lösen vermochte.
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Werke

WOHN-/GESCHÄFTSBAUTEN:
1860-1862ehem. Haus Pollak, Wien 1, Gölsdorfgasse 4 / Franz-Josefs-Kai 37 (Bauleitung; Projekt H. Ferstel)

ÖFFENTLICHE BAUTEN:
1845-1847Franzensdenkmal in Prag / Praha, CZ (mit Josef Max)
1849-1852Denkmal zur Erinnerung an die Verteidigung von Temesvár / Timisoara, RO (mit Josef Max)
1852österr. Karstbahn, I, SLO (Mitarbeit)
1853-1854Rathaus in Leitmeritz / Litomerice, CZ (Umgestaltung)
1856-1871Votivkirche, Wien 9, Rooseveltplatz (Ausführung)
1861-1871St. Veitsdom, Prag / Praha, CZ (Vollendung, zum Teil ausgeführt)
Ohne Datum
Wiener Staatsoper, Wien 1 (Steinmetzarbeiten)
Denkmäler für Erzherzog Karl und für Prinz Eugen, Wien 1, Heldenplatz (Steinmetzarbeiten)
Elisabethkirche, Wien 4, Elisabethplatz (Steinmetzarbeiten)
Gruftkapelle für Pasquale Revoltella, Triest / Trieste, I

INNENRAUMGESTALTUNG/DESIGN:
1860Inneneinrichtung Altlerchenfelder Kirche (Ausführung; Projekt E. Van der Nüll)

NICHT REALISIERTE PROJEKTE:
1839Projekt für die Ostseite des Altstädter Rathauses in Prag
1851Entwurf für die Kirche der Slawenapostel in Karolinenthal, Prag / Praha, CZ
1852Beteiligung am Wettbewerb für die Breitenfelder Kirche
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Primärquellen

PUBLIKATIONEN:
E. Wocel: Grundzüge der böhmischen Alterthumskunde. Prag 1845 (Mitarbeit)

NACHLÄSSE UND ARCHIVE:
Archiv Baumeisterinnung; Archiv Adler; Archiv Künstlerhaus; Wr. Ringstraßenarchiv; WSt.LA
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Sekundärquellen

LITERATUR:
W. Aichelburg: Das Wiener Künstlerhaus 1861-2001. Bd.1, Wien 2003
J. Hulák: Josef Kranner. Praha 2002
A. Kapeller: Josef Andreas Kranner (1801-1871). Ein gotischer Idealist, in: H. Salfellner (Hg.): "Das Wesen Österreichs ist nicht Zentrum, sondern Peripherie". Gedenkschrift für Hugo Rokyta (1912-1999). Furth im Wald 2002, S.143-159
P. Kortz (Hrsg.): Wien am Anfang d. 20. Jh., 2.Bd., Wien 1906
S. Kronbichler-Skacha: Die Wiener Beamtenarchitektur und das Werk des Architekten Hermann Bergmann (1816-1886), in: Wiener Jahrbuch für Kunstgeschichte, 39.1986, S.163-203
J. Sisa: Neo-Gothic Architecture and Restoration of Historic Buildings in Central Europe. Friedrich Schmidt and his School. In: Journal of the Society of Architectural Historians 61.2002, S.170-187
A. Kieslinger / E. Mejchar: Die Steine der Wiener Ringstraße, in: R. Wagner-Rieger (Hrsg.): Die Wiener Ringstraße. Bild einer Epoche. Bd.4. Wiesbaden 1972
M. Pötzl-Malikova: Die Plastik der Ringstraße, in: R. Wagner-Rieger (Hrsg.): Die Wiener Ringstraße. Bild einer Epoche. Bd.9,2. Wiesbaden 1976
W. Krause: Die Plastik der Wiener Ringstraße, in: R. Wagner-Rieger (Hrsg.): Die Wiener Ringstraße. Bild einer Epoche. Bd.9,3. Wiesbaden 1980
M. Wehdorn: Die Bautechnik der Wiener Ringstraße, in: R. Wagner-Rieger (Hrsg.): Die Wiener Ringstraße. Bild einer Epoche. Bd.11. Wiesbaden 1979

HINWEISE AUF WERKE:
ABZ
10.1845, S.148/Ephemeriden (Brunnen in Prag)
12.1847, S.193/Ephemeriden (Skizzen und Modell für ein Denkmal in Prag zur Erinnerung der Verteidigung gegen Schweden 1648)
23.1858, S.1-2 (Votivkirche)

NACHSCHLAGEWERKE:
Dehio Wien/1 (I.Bez); Dehio Wien/2 (II.-IX.u.XX.Bez.)

LEXIKA:
Wurzbach; ThB; ÖBL; Czeike; H. Sturm (Hrsg.): Biographisches Lexikon zur Geschichte der böhmischen Länder. 4 Bde Wien 1974ff
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Anmerkungen
Eingegeben von: Diego Caltana
Eingegeben am: 01.03.2011
Zuletzt geändert: 22.05.2011
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