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Josef Lippert

Persönliche Daten
Ausbildung, Studienreisen, internationale Aufenthalte
Beruflicher Werdegang, Lehrtätigkeit
Auszeichnungen und Ämter
Mitgliedschaften
Vita
Stellenwert
Werke
Primärquellen
Sekundärquellen
Anmerkungen
Persönliche Daten
* 1826 - † 15.08.1902
Geschlecht: m
Geburtsort: Arad
Land: Rumänien
damaliger Name: Kaisertum Österreich
Sterbeort: Gutenstein, Niederösterreich
Land: Österreich
damaliger Name: Österreich-Ungarn
Titel: Primatial-Architekt
weitere Namen: Josef Erwin L. Ritter v. Granberg
József L.
Religionsbekenntnis: Röm. - Kath.
Berufsbezeichnung: Architekt
Familiäres Umfeld: Ehe mit Josefine L.
Sohn: Stephan
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Ausbildung, Studienreisen, internationale Aufenthalte
o.J.Zimmermeister-Ausbildung
1849Akademie der bildenden Künste
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Beruflicher Werdegang, Lehrtätigkeit
nach 1857Primatialarchitekt
o.J.General-Architekt des Malteser-Grosspriorats in Böhmen und Österreich
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Auszeichnungen und Ämter
1869Ritterstand v. Granberg
o.J.Commandeur des päpstl. Silvester-Ordens
o.J.Orden der Eisernen Krone III.Cl.
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Mitgliedschaften
ab ca.1855Österreichischer Kunstverein
ab 1861Genossenschaft der bildenden Künstler Wiens
o.J.Eintracht
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Vita
Josef Lippert wurde als József Lippert in Arad im damaligen Banat, Ungarn (heute Rumänien) als Sohn eines Realitätenbesitzers geboren. Die Familie stammte ursprünglich aus der Schweiz war aber im ungarischen Kulturraum bestens integriert. Nach einer Vorbildung als Zimmermeister trat Lippert 1849 für ein Jahr in die Akademie der bildenden Künste in Wien ein. Nach vielen Quellen war er ein Schüler von Leopold Ernst.
Nach dem Studienjahr bereiste Lippert Norddeutschland und Dänemark, studierte namentlich die alten Holzkirchen Skandinaviens und machte architektonische Studien in England, Frankreich und Italien.
Lippert beschäftigte sich jedoch auch mit der Bauaufnahme wichtiger mittelalterlicher Baudenkmäler - viele davon wurden in den „Mittheilungen der k.k. Central-Commission in Wien“ veröffentlicht. Seit 1855 wurden seine Zeichnungen auch in zahlreichen Ausstellungen im österreichischen Kunstverein (der 1850 unter starker Beteiligung von Künstlern und Architekten gegründet wurde) präsentiert.

1857 bekam Lippert den ersten Auftrag von János Simor, Bischof von Györ und späterer Erzbischof von Esztergom sowie Primas von Ungarn, für die Restaurierung des Domes in Györ. In den folgenden Jahren wurde Simor der wichtigste Auftraggeber Lipperts, dem als „Primatialarchitekt“ die angesehensten kirchlichen Bauaufgaben im damaligen Ungarn ihm zugeteilt wurden. 1864 wurde Lippert zum Dombaumeister der Pressburger Krönungskirche der ungarischen Monarchen (Martinsdom), welche von Grund auf restauriert werden sollte, gewählt.

Lippert entwarf auch mehrere sakrale Geräte, alle im Geist der mittelalterlichen Kunst so etwa 1862 einen Reliquienschrein für die Hand des hl. Königs Stephan für die Burgkapelle in Buda.

Der Ruf seiner Kompetenz für sakrale Bauten erreichte auch Tschechien, wo er einige entsprechende Aufträge ausführen konnte, wie beispielsweise die Cyrillkapelle in der Basilika Mariä Himmelfahrt und St. Kyrill und Method in Velehrad.

Auch in Wien war man auf Lippert aufmerksam geworden. 1864 wurde er vom Landkomtur Eugen Graf von Haugwitz mit Bauarbeiten in der Deutschordenskirche und -haus im 1. Bezirk, Singerstraße 7 beauftragt. 1866 arbeitete Lippert ein zweites Mal in Wien am Entwurf der Inneneinrichtung in neogotischen Formen für die Elisabethkirche im 4. Bezirk (Gebäudeentwurf H. Bergmann).
Im selben Jahr wurde Lippert vom Kaiser mit dem Prädikat von Granberg geadelt.
Josef Lippert starb im 76.Lebensjahr in Vorderbruck bei Gutenstein, Niederösterreich.
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Stellenwert
Josef Lippert war nicht nur ein Kirchenbaumeister, aber im Grunde wurden alle seine Werke im kirchlichen Bereich in Auftrag gegeben. Er war jedoch auch ein vielseitiger Autor indem er sich mit der Rezeption der historischen Stile im Spätklassizismus, in der Neogotik sowie der Neo-Renaissance auseinandersetzte. In vielen Fällen wurde dies durch die Kontingenz diktiert: Lippert arbeitete viel häufiger bei Restaurierungen und Vollendungen von bestehenden Gebäuden, als als Hersteller von Original-Werken.

Die Auftraggeber schienen stets eine klare Vorstellung gehabt zu haben, wie die Renovierungen erfolgen sollten, wie z. B. bei der Regotisierung der ehem. Krönungskirche - dem Martinsdom - in Bratislava. 1865 legte Lippert seine Pläne für die Regotisierung vor, die er laut Wurzbach sogar von Violett-le Duc vorher prüfen liess. Der Martinsdom erhielt durch Bauarbeiten bis 1877 sein heutiges Aussehen, als man die barocken Elemente weitgehend entfernte und das Gebäude in den ursprünglichen Zustand im gotischen Stil zurückversetzte.

Für die Deutschordensritter sollte Lippert die Kirche in Wien teilweise regotisieren. Damals wurden am Giebel über den Kirchenfenstern die bereits schadhaften Fialen und Figuren entfernt. Lippert gab dem Turmhelm eine neogotische Formulierung, erneuerte die Gewölbe beider Apsiden sowie das Aussehen der nördlichen Blendfenster. Auch die südlichen Maßwerkfenster wurden von ihm überarbeitet.

Bei der Vollendung der Basilika in Esztergom (1869) hingegen blieb Lippert dem Projekt von Hild verpflichtet. Er bewahrte das originale klassizistische Erscheinungsbild und bei der Gestaltung des Kircheninneren bezog er sich auf Renaissance-Modelle.

Bei dem Primatialpalais in Esztergom ersetzte Lippert die bestehende Barockresidenz aus dem Jahr 1778 mit einem Neubau in einem gemäßigten Neorenaissance-Stil, ganz in Einklang mit dem Trend der Zeit (1881-1883). Das Gebäude ist ein dreigliedriger Komplex, dessen Mittelteil durch die Anwendung der Kolossalordnung bei Pilastern und Säulen sowie durch ein Attikageschoss und ein Kuppeldach bestimmt ist.
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Werke

ÖFFENTLICHE BAUTEN:
1857Dom in Raab / Györ, H (Restaurierung / Regotisierung)
1862Cyrilkapelle in Welehrad / Velehrad, CZ
1864-1868Deutschordenskirche und -haus, Wien 1, Singerstraße (Restaurierung / Regotisierung)
1865-1877Martinsdom in Preßburg / Bratislava, SK (Restaurierung / Regotisierung)
1869Dom in Gran / Esztergom, H (Vollendung, Projekt v. J. Hild)
ca.1870Zentralseminar in Budapest (Nebengebäude)
1881-1883Primatial-Palais in Gran / Esztergom, H
o.J.Seminar in Kremsier / Kromeriz, CZ

INNENRAUMGESTALTUNG/DESIGN:
1861Taufstein (Stiftskirche Heiligenkreuz)
1866Inneneinrichtung St. Elisabeth-Kirche, Wien 4.
1869Innere Ausgestaltung Dom in Gran / Esztergom, H
o.J.Reliquienschrein für die Hand des hl. König Stephan (Burgkapelle, Buda)
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Primärquellen

NACHLÄSSE UND ARCHIVE:
Wr. Ringstraßenarchiv; OESTA
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Sekundärquellen

LITERATUR:
G. Adriányi / R. Haas / K.J. Rivinius / H.J. Scheidgen (Hg.): Im Gedächtnis der Kirche neu erwachen: Studien zur Geschichte des Christentums in Mittel- und Osteuropa. Wien 2000
D. Wiebenson / J. Sisa (Hg.): The Architecture of Historic Hungary. Cambridge (Mass.) 1998
H. Stekl: Adel und Bürgertum in der Habsburgermonarchie 18. bis 20.Jahrhundert. Wien 2004

NACHSCHLAGEWERKE:
Dehio Wien/1 (I.Bez); Dehio NÖ/Süd A-L;
L. Eisenberg: Das geistige Wien. Wien 1893;

LEXIKA:
Czeike; ÖBL; ThB; Wurzbach;
O.v.Krücken / I. Parlagi (Hrsg.): Das geistige Ungarn. Biographisches Lexikon. Bd.2, Wien 1918
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Anmerkungen
Eingegeben von: Diego Caltana
Eingegeben am: 01.03.2011
Zuletzt geändert: 22.01.2014
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