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Peter Mollner

Persönliche Daten
Beruflicher Werdegang, Lehrtätigkeit
Auszeichnungen und Ämter
Mitgliedschaften
Vita
Stellenwert
Werke
Primärquellen
Sekundärquellen
Anmerkungen
Persönliche Daten
* ca.1732 - † 30.08.1801
Geschlecht: m
Geburtsort: Wien
Land: Österreich
damaliger Name: Habsburger Monarchie
Sterbeort: Wien
Land: Österreich
damaliger Name: Habsburger Monarchie
Religionsbekenntnis: Röm. - Kath.
Berufsbezeichnung: Fortifikations- u. bgl. Stadtbaumeister
Familiäres Umfeld: Ehe (1766) mit Theresia Dorn
Kinder: Maria Anna Theresia (*1766), verehel. Barth; Karl (1767–1808), Baumeister; Mathias (1771–1807), Steinmetzmeister; Johann (1772–1807), Steimetzmeister; Franz (*1773), Zimmermann; Philipp (*1780), Steinmetzmeister
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Beruflicher Werdegang, Lehrtätigkeit
1766Baumeisterkonzession
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Auszeichnungen und Ämter
nach 1777k.k. Fortifikationsbaumeister
o.J.Mitglied des Äußeren Rats
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Mitgliedschaften
1766Bau- und Steinmetzmeister Genossenschaft
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Vita
Peter Mollner wurde 1732 in Wien geboren, über seine familiäre Herkunft liegen keine Informationen vor. 1766 erhielt er die Baumeisterkonzession. Er war nicht nur bürgerlicher Baumeister, sondern auch Fortifikationsbaumeister: in dieser Rolle war Mollner Nachfolger des Hofbaumeisters Ferdinand Mödlhammer (1714–1777).

In den ersten Jahren seiner Tätigkeit war er mit Sakralbauten beschäftigt: 1766 baute er die Pfarrkirche Ladendorf (NÖ) und 1769 arbeitete er mit dem Hofingenieur Jean Baptiste Brequin zusammen, um die Bauschäden in der von Nikolaus Pacassi errichteten Gardekirche zu beheben. 1768 datiert sein erstes identifizierbares Wohnhaus (Wien 1, Schönlaterngasse 8). Er hatte gute Beziehungen zum Hof, von dem er auch etliche Bauaufträge bekam. So errichtete er etwa 1772 „Der bürgerlichen Tischler Herberg“, Wien 1, Ballgasse 8, ein Haus, das auf Anordnung Maria Theresias als Herberge für arbeitslose Gesellen bestimmt war.

Mollner entfaltete in den folgenden Jahren eine überaus reiche Tätigkeit in Wien und Niederösterreich. Ein wichtiger Beitrag für die Wiener Theatergeschichte wurde sein Engagement für den Bau des Theaters in der Leopoldstadt (des ersten Wiener Vorstadttheaters), für welches er 1781 den Grundriss lieferte.

Mollner pflegte gute Beziehungen nicht nur zum Hof, sondern auch zu den vornehmsten Baumeistern Wiens (etwa Franz Duschinger, Joseph Reymund d.Ä. und der Familie Wasserburger). Außerdem war er Mitglied des Äußeren Rates, der als ein Teil des Stadtrates aus Repräsentanten der Zünfte gebildet worden war und als Kontrollorgan fungierte.

Peter Mollner starb im 69.Lebensjahr in Wien.
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Stellenwert
Peter Mollner ist einer der bekanntesten Baumeister des späten 18.Jahrhunderts. Er wirkte vor allem in der Übergangsphase vom Spätbarock zum Frühklassizismus. Da seine Bauten noch vor 1800 entstanden, wurden sie jedoch fast immer umgestaltet (oder überhaupt abgerissen). Das gilt besonders für die Wohnbauten, die – außer wenigen Ausnahmen – in den folgenden Dezennien aufgestockt, neu fassadiert bzw. umgebaut wurden.

Im Allgemeinen errichtete Mollner seine Bauten im Einklang mit dem zu dieser Zeit typischen „josephinischen Plattenstil“ (nach einer Bezeichnung von Renate Wagner-Rieger, die damit ein äußerst schlichtes Spätbarock definiert). Ein gut erhaltenes Beispiel davon ist die schon erwähnte Tischlerherberge „Der bürgerl. Tischler Herberg“, Wien 1, Ballgasse 8 (1772/73): Sie besitzt eine einfache Fassade mit konkavem Knick und durch Parapete vertikal verbundene Fenster.

1773–1776 war Mollner mit dem Bau des alten Trattner’schen Freyhofs bzw. Trattnerhofs am Graben beschäftigt. Das (1909 demolierte) imposante 5-geschossige vielachsige Gebäude mit schlichtem Dekor (es beschränkte sich auf Lisenen und Fensterverdachungen) war eines der ersten Zinshäuser in Wien, das auf Initiative des k.k. Hofbuchdruckers und Buchhändlers Johann Thomas v.Trattner auf einem Baugrund von einst 6 Häusern errichtet wurde.

In seinen späteren Jahren setzte sich Mollner noch einmal mit einem großen Miethaus auseinander. Das „Pasqualatihaus“ (Wien 1, Mölkerbastei 8) wurde 1791–1798 durch Vereinigung und Umbau zwei kleinerer Wohnhäuser errichtet. Der daraus entwickelte mächtige Wohnhausblock hat eine gut proportionierte Fassade mit segmentförmigen Fensterbekrönungen. Insgesamt scheint Mollner mit seinen, mehrere Parzellen zusammenfassenden Gebäuden den Weg zur Entstehung des großen Zinshauses des 19.Jahrhunderts vorbereitet zu haben.

Mit starkem städtebaulichen Akzent profiliert sich das Projekt der an Stelle des „Köllnerhofs“ neu angelegten Köllnerhofgasse, Wien 1: die von ihm zwischen 1792 und 1793 errichteten Wohnbauten definieren mit homogener schlichter Fassadengestaltung wie Kulissen diese geradlinige Straße.

Als Kirchenbauer wirkte Mollner vorwiegend außerhalb der Stadt. Sein bekanntester Sakralbau in Wien war die griechisch-orthodoxe (nichtunierte) Kirche zur Hl. Dreifaltigkeit. Das Gebetshaus wurde 1782–1787 am Fleischmarkt (Wien 1) als einfacher Saalraum erbaut. Gemäß den Vorschriften des Toleranzpatents Kaiser Josephs II. bewahrte es die Erscheinung eines Wohnhauses. Es wurde im Hof des Graf Stockhammerschen Palais errichtet und hatte keinen direkten Zugang zur Straße. 1858 wurde der Gebetsaal durch das von Theophil Hansen projektierte Gebäude ersetzt.

Andere von Mollner errichtete Sakralbauten befinden sich heute ausschließlich in Niederösterreich, etwa die Pfarrkirche Ladendorf. Diese wurde 1766 als spätbarocker zentralisierender Bau errichtet. Der Hochaltar stammt aus dem 18. Jahrhundert und wurde aus der griechisch-unierten Kirche zur hl.Barbara in Wien 1 in die neu errichtete Kirche übertragen.
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Werke

WOHN-/GESCHÄFTSBAUTEN:
1768Wohnhaus, Wien 1, Schönlaterngasse 8/Jesuitengasse 1 (später verändert)
1769Miethaus „Zur Weintraube“, Wien 3, Landstraße Hauptstraße 42
1772–1773„Der bürgerl. Tischler Herberg“, Wien 1, Ballgasse 8
1773–1776Trattnerhof, Wien 1, Graben (1912 durch den neuen Trattnerhof von R. Krausz ersetzt)
1775Dompropsthof, Wien 1, Singerstraße 22/Franziskanerplatz 2 (Umbau)
1783Schwindhof, Wien 1, Fleischmarkt 15/Hafnersteig 10 (Umbau)
1788Draschkowitzhaus, Wien 1, Neuer Markt 9 (später verändert)
1791–1798Pasqualatihaus, Wien 1, Mölkerbastei 8/Schreyvogelgasse 16
1792–1793Köllner Hof, Wien 1, Köllnerhofgasse 1–3 (1841 Zubau)
1792–1793Miethaus, Wien 1, Köllnerhofgasse 2–4
1793Miethaus, Wien 3, Rennweg 17 (Planerstellung)
1794–1795Generali-Hof, Wien 1, Graben 13 (mit E. Koch; 1831 von J. Klee verändert)
1796–1797Miethaus, Wien 6, Stiegengasse 11
1799Miethaus, Wien 1, Schönlaterngasse 9 (Aufstockung und Umgestaltung)
o.J.Miethaus, Wien 8, Alser Straße 49 (auch Besitzer)

ÖFFENTLICHE BAUTEN:
1766Pfarrkirche, Ladendorf, NÖ
1769–1770Kaiserspitalskirche (Gardekirche), Wien 3, Rennweg 5 (Umbau; nach Plänen J.B. Brequin)
1771–1772Wallfahrtskirche, Rauchenwarth, NÖ (Erweiterung)
1778–1781Pfarrkirche, Stockerau, NÖ
1781Leopoldstädter Theater, Wien 2, Jägerzeile (heute Praterstraße 31, im 2.WK zerstört) (Grundriss)
1782–1787Griechisch-Orthodoxe Kirche zur hl.Dreifaltigkeit, Wien 1, Fleischmarkt (1856–1858 von L. Förster u. T. Hansen neu errichtet)

INNENRAUMGESTALTUNG/DESIGN:
1782Hochaltar der Michaelerkirche (Mitarbeit; Hauptprojekt von J.B. d’Avrange)
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Primärquellen

NACHLÄSSE UND ARCHIVE:
Archiv Adler; Archiv Baumeisterinnung; Wr.Ringstraßenarchiv; WStLA; Dompfarre St.Stephan (Matrikenstelle)
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Sekundärquellen

LITERATUR:
Kunsthistorische Arbeitsgruppe GeVAG: Wiener Fassaden des 19.Jh.s [6. Bezirk]. Wien 1976
ÖKT 44: G. Hajos: Die Profanbauten des III., IV. und V. Bezirks. Wien 1980
ÖKT 41: G. Hajos: Die Kirchen des 3. Bezirks, Wien 1974
R. Wagner-Rieger: Das Wiener Bürgerhaus des Barock und Klassizismus. Wien 1957
R. Wagner-Rieger: Wiens Architektur im 19.Jh. Wien 1970

NACHSCHLAGEWERKE:
Dehio Wien/1 (I.Bez); Dehio Wien/2 (II.–IX.u.XX.Bez.); Dehio NÖ/Nord; Dehio NÖ/Süd M–Z

LEXIKA:
Czeike; ThB
Oesterreichische National-Encyklopädie, 5.Bd. Wien 1836

INTERNETLINKS:
http://www.michaelerkirche.at/content/michaelerkirche/articles/2010/09/20/a2702/print?drucksicht=1
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Anmerkungen
Eingegeben von: Diego Caltana
Eingegeben am: 01.05.2012
Zuletzt geändert: 15.06.2012
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