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Louis Remy

Persönliche Daten
Ausbildung, Studienreisen, internationale Aufenthalte
Beruflicher Werdegang, Lehrtätigkeit
Auszeichnungen und Ämter
Mitgliedschaften
Vita
Stellenwert
Werke
Sekundärquellen
Anmerkungen
Persönliche Daten
* 19.02.1776 - † 09.04.1856
Geschlecht: m
Geburtsort: Reichshoffen, Alsace
damaliger Name: Reichshofen, Elsass
Land: Frankreich
damaliger Name: Königreich Frankreich
Sterbeort: Wien
Land: Österreich
damaliger Name: Kaisertum Österreich
weitere Namen: Louis Gabriel Freiherr v. R.
Ludwig
Religionsbekenntnis: unbekannt
Berufsbezeichnung: Architekt
Familiäres Umfeld: nicht bekannt
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Ausbildung, Studienreisen, internationale Aufenthalte
nicht bekannt
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Beruflicher Werdegang, Lehrtätigkeit
o.J.Direktor der k.k. General-Hofbaudirektionskanzlei
1833prov. Sekretär der k.k. Akademie der bildenden Künste in Wien
1835–1848Sekretär der k.k. Akademie der bildenden Künste in Wien
1843Pensionierung
1847Vizepräsident der Akademie der bildenden Künste in Wien
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Auszeichnungen und Ämter
1816Akademischer Rat der Akademie der bildenden Künste in Wien
o.J.k.k. Regierungsrat
o.J.Ritter des königl. französischen Ritterordens vom Hl. Ludwig
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Mitgliedschaften
1813Akademie der bildenden Künste in Wien (Ehrenmitglied)
1835Accademia delle belle arti in Florenz
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Vita
Ludwig Remy wurde als Louis Gabriel 1776 in Reichshofen, Elsass (heute Reichshoffen, F) geboren. Er dürfte aus einer belgischen Familie stammen – das ist aber alles, was über seine Jugendzeit bekannt ist. Zur Zeit der Loslösung der österr. Niederlande wurde er gemeinsam mit vielen anderen in kaiserliche Hofdienste übernommen. Seit ca. 1793 in Wien, begann seine beachtliche Karriere: k.k. Regierungsrat, Direktor der k.k. Hofbaudirektionskanzlei im Hofbauamt, Sekretär der k.k. Akademie der bildenden Künste und schließlich Vizepräsident derselben.

Sein einzig nachweisbares Gebäude ist das nicht mehr existierende Glashaus im Burggarten (1823). Von Remys Bauproduktion ist sonst kaum noch etwas vorhanden; seine Tätigkeit im Hofbauamt bestand vorwiegend aus ephemeren Architekturen (Festdekorationen, Triumphbogen). Sein großes Verdienst hatte er eigentlich als Stadtplaner, nachdem die Sprengung eines Teils der Basteien durch Napoleon im Jahr 1809 eine Erweiterung des Hofburgterrains erlaubten.

Ab 1833 konnte er dank seiner führenden Rolle in der Akademie Einfluss durch Reformen sowie die Berufung bedeutender Lehrer auf die jüngere Generation ausüben. Während der Revolution exponierte er sich als Präses-Stellvertreter zum Verteidiger der Reformbewegung, infolge seines fortgeschrittenen Alters trat er aber von seiner Stelle zugunsten von K. Roesner zurück.

Nachdem er an der Akademie die Bedeutung der Manufakturschule wiederholt verteidigt hatte, wurde Rémy 1839 einer der Gründungsmitglieder des Niederösterreichischen Gewerbevereins, der die Beziehung zwischen Gewerbe und Kunst fördern sollte.

Ludwig Rémy starb im 81.Lebensjahr in Wien.
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Stellenwert
Ludwig Remy war kein Architekt im engeren Sinn: Er beschäftigte sich lieber mit neuen Technologien und Baumaterialien sowie mit städtebaulichen Problemen als mit traditionellen architektonischen Aufgaben.

Das von ihm 1823–1826 errichtete Glashaus im Kaisergarten (heute Burggarten) war eine der frühesten in Wien nachweisbaren Glas-Eisen-Konstruktionen, wie sie in Westeuropa schon seit dem 18. Jahrhundert gebräuchlich waren. Das in klassizistischen Formen gehaltene Gewächshaus erregte damals viel Aufsehen, auch wegen der als Ananas geformten Kapitelle. Ab 1849 als Wintergarten gestaltet, bestand es bis 1901, als das Glashaus dem neuen Palmenhaus von F. Ohmann weichen musste.

Dem Stadtplaner Remy ist die erste Konzeption des Volks- und Burggartens zu verdanken. 1809 war die Sprengung eines Teiles der Vorwerke durch Napoleon für Remy Anlass, eine Erweiterung des Hofburgterrains zu projektieren. 1815 legte er einen Plan zum Ausbau der Hofburg vor, in dem erstmals die dann von Semper verfolgte Idee Gestalt annahm, den äußeren Burgplatz mit Flankenbauten einzufassen. Von Hohenberg übernahm er hingegen den Vorschlag zur Schaffung eines Paradeplatzes vor der Hofburg, ein erster Schritt für die Gewinnung des äußeren Burgplatzes und des Burg- und Volksgartens. Als Voraussetzung für diese großzügige Umgestaltung erfolgte 1817 die Aufhebung der Funktion Wiens als Festung durch Kaiser Franz I.

Remys „Entwurf für die Anlagen vor der Burg“ sah eine südöstlich an die Hofburg anschließende, große, rechteckige Platzanlage vor. Die hinausgerückte Burgbastei, ein neues Stadttor (das spätere Burgtor), sowie der geplante Volksgarten und der Kaisergarten bildeten seine Begrenzung. 1818 wurde mit der Anlage des Kaisergartens begonnen, 1821 bis 1823 erfolgte die Fertigstellung des Volksgartens, der Rest des Projekts wurde nicht realisiert.

Remys triumphaler Neoklassizismus fand in Wien keine Anhänger, wurde aber in Ungarn geschätzt: 1820 beauftragte ihn Erzbischof Sándor Rudnay mit dem Vorentwurf für die neue Kathedrale in Gran (heute Esztergom, H), die jedoch dann von J. Hild erbaut wurde.
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Werke

WOHN-/GESCHÄFTSBAUTEN:
Auswahl:
1835Bellegardehof, Wien 1, Bauernmarkt / Landskrongasse (1900 abgetragen)

ÖFFENTLICHE BAUTEN:
Auswahl:
1823–1826Glashaus im Burggarten (1901 abgebrochen)
1814Festdekoration an der Hofburg mit Illumination
1814Ruhmestempel für Ostermann „Leonidas Rutheniorum 1813“
1815Illumination in Form eines Triumphbogens am Michaelerplatz
1819–1823gärtnerische Ausgestaltung des Volks- u. Burggartens

NICHT REALISIERTE PROJEKTE:
1815Äußeres Burgtor, Wien
1815Projekt für den Ausbau der Hofburg
1820Kathedrale und Primatialpalast in Gran / Esztergom, H
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Sekundärquellen

LITERATUR:
Auswahl:
R. Goebl: Architektur. In: Klassizismus in Wien (Ausstellungskatalog). Wien 1978
A. Kieslinger: Die Steine der Wiener Ringstraße, Die Wr.Ringstraße, Bd.4. Wiesbaden 1972
K. Mollik u.a.: Planung und Verwirklichung der Wiener Ringstraßenzone, Die Wr.Ringstraße, Bd.3. Wiesbaden 1980
E.B. Ottillinger / L. Hanzl: Kaiserliche Interieurs: die Wohnkultur des Wiener Hofes im 19. Jahrhundert. Wien 1997
P. Parenzan: Entwicklung des Großstadtgrüns im Wien des 19.Jh. am Beispiel einiger Parkanlage im Ringstraßenbereich. Univ-Diss. Wien 1972
E. Springer: Geschichte und Kulturleben der Wiener Ringstraße, Die Wr.Ringstraße, Bd.2. Wiesbaden 1979
W. Wagner: Die Geschichte der Akademie der Bildenden Künste in Wien. Wien 1967
R. Wagner-Rieger: Wiens Architektur im 19.Jh. Wien 1970
R. Wagner-Rieger: Geschichte der Architektur in Wien. Vom Klassizismus bis zur Secession. In: Geschichte der bildenden Kunst in Wien. Bd.3, Wien 1973
M. Wehdorn: Die Bautechnik der Wiener Ringstraße, Die Wr.Ringstraße, Bd.11. Wiesbaden 1979
D. Wiebenson / J. Sisa (Hg.): The Architecture of Historic Hungary. Cambridge (Mass.) 1998
A. Zador / J. Rados: A Klasszicizmus Epiteszete Magyarorszagon. Budapest 1943

NACHSCHLAGEWERKE:
Dehio Wien/1 (I.Bez)

LEXIKA:
Wurzbach; ThB; ÖBL
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Anmerkungen
In ThB sowie in der meisten Literatur falsches Sterbedatum (1851)
Eingegeben von: Diego Caltana
Eingegeben am: 01.10.2012
Zuletzt geändert: 15.12.2012
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