A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | Z
Josef Reymund

Persönliche Daten
Ausbildung, Studienreisen, internationale Aufenthalte
Beruflicher Werdegang, Lehrtätigkeit
Auszeichnungen und Ämter
Vita
Stellenwert
Werke
Primärquellen
Sekundärquellen
Anmerkungen
Persönliche Daten
* 09.08.1756 - † 31.08.1824
Geschlecht: m
Geburtsort: Wien
Land: Österreich
damaliger Name: Habsburger Monarchie
Sterbeort: Wien
Land: Österreich
damaliger Name: Kaisertum Österreich
weitere Namen: Raymund
Raimund
Religionsbekenntnis: Röm. - Kath.
Berufsbezeichnung: Baumeister
Familiäres Umfeld: Vater: Joseph R. (ca.1721–1795), Baumeister
Mutter: Juliana, geb. Gössinger
Bruder: Franz (1772–1849), Baumeister
Ehe (1785) mit Rosalia Wasserburger
Kinder: Karl; Theresia, verehel. Hornung
top
Ausbildung, Studienreisen, internationale Aufenthalte
1784Meisterprüfung
top
Beruflicher Werdegang, Lehrtätigkeit
ab 1784als Baumeister in Wien tätig
top
Auszeichnungen und Ämter
o.J.Mitglied des Äußeren Rats
top
Vita
Josef Reymund wurde 1756 in Wien als älterer Sohn des Baumeisters Joseph d.Ä. geboren. Sein Vater war ein namhafter Kirchenbaumeister und auch sein jüngerer Bruder Franz wurde ein bekannter Baumeister. Die Erlangung der Baumeisterkonzession wurde für ihn nicht einfach: 1777 tritt Reymund ein erstes Mal zur Meisterprüfung an, er konnte jedoch nicht das Meisterrecht erwerben, da dieses nur im Falle der Freiwerdung einer Konzession vergeben worden wäre. 1783 wollte Reymund als Maurerpolier bei Baumeister Peter Mollner (mit dem er befreundet war) die Prüfung machen. Mittlerweile war er jedoch bei Hof tätig und er sollte sich nun bis Einlangen eines Hofdekrets der Prüfung entschlagen. 1784 konnte er endlich die Meisterprüfung ablegen.

Reymund wurde Landschafts- und Stadtbaumeister. Er war ein viel beschäftigter Mann und wirkte in verschiedenen Bereichen: Unter seinen Auftraggebern waren die Familie Esterházy, das Schottenstift sowie prominente Mitglieder des Kulturlebens. In diesem Fall ist zweifellos die Ausführung des Theaters an der Wien (1800–1801, mit A. Jäger) als das bedeutendste Projekt zu nennen. Als privater Baumeister realisierte er etliche Häuser, sowohl in der Innenstadt als auch in den ehem. Vorstädten.

Reymund hatte gute Beziehungen zu einigen der wichtigsten Baumeister Wiens, etwa Peter Mollner und Johann Adelpodinger (seine Trauzeugen). Außerdem war er Mitglied des Äußeren Rats, der als ein Teil des Stadtrats aus Repräsentanten der Zünfte gebildet worden war und als Kontrollorgan fungierte.

Josef Reymund starb im 68.Lebensjahr in Wien.
top
Stellenwert
Josef Reymund profilierte sich für eine breite Wirkungsspanne seiner Bautätigkeit. Er ist vor allem als Erbauer des Theaters an der Wien (1800–1801) bekannt, wurde aber auch mit der Errichtung eines Trakts des Schottengymnasiums beauftragt (1807). Außerdem war er einige Jahre zuvor (1797) als „Landschaftsbaumeister“ im Dienst von Fürst Nikolaus Esterházy für die Planung eines Glashauses und „Salettls“ in seinem Landstraßer Gartenpalais tätig.

Da er für öffentliche Bauten vorwiegend als ausführender Baumeister arbeitete, und zwar nach Plänen von anderen Architekten, kann man insbesondere im Wohnbau seine persönliche Bauweise betrachten (obwohl viele seiner Bauten in den 1960er Jahren modernen Baukomplexen weichen mussten). 1789 erbaute Reymund das erste Haus als privater Baumeister und zugleich Besitzer in der ehemaligen Josefstadt, dessen Fassade durch das zu dieser Zeit üblichen Plattendekor charakterisiert war (Wien 8, Neudeggergasse 21).

Ebenso als Besitzer errichtete er 1795 ein 2-geschossiges Wohnhaus in der Bennogasse 3, ebenfalls Wien 8 (auch dieses Haus wurde abgetragen). Das Kennzeichen hier war die Bereicherung des Dekorapparats, da die Wiener Architektur allmählich die Strenge des Josephinismus verließ.

1799 realisierte Reymund das Haus „Zum grünen Jäger“ in der Jägerzeile (heute Wien 2, Praterstraße 27). Hier kann man die Wende zum Biedermeier bzw. Empire erahnen: das 4-geschossige Wohnhaus hat eine klassizistische Fassade, die durch Jahreszeiten-Allegorien und Puttenreliefs mit Jagdszenen über dem Erdgeschoss dem Hausnamen gerecht wird. Dementsprechend wurden auch die Konsolen der Fensterverdachungen im 1.Stock in Form von Adlern ausgebildet.

In seinen später erbauten Wohnhäusern blieb Reymund den klassizierenden Stilelementen treu, wie z.B. im 3-geschossigen Empirehaus „Zum Kometstern“ in Wien 3, Landstraßer Hauptstraße 112 (1810 erbaut).
top
Werke

WOHN-/GESCHÄFTSBAUTEN:
Auswahl:
1789Zum heiligen Josef, Wien 8, Neudeggergasse 21 (abgetragen)
1792Zum goldenen Osterlamm, Wien 4, Große Neugasse 21 (1802 Zubau von J. Adelpodinger; abgetragen)
1794–1796Zum schwarzen Hund, Wien 1, Hoher Markt 1 / Bauernmarkt 15 / Landskrongasse 2 (nach 1945 abgerissen)
1795Zum schmeckenden Wurm, Wien 1, Lugeck 5 / Wollzeile 5 (Umbau; später neufassadiert)
1795Wohnhaus, Wien 8, Bennogasse 3 (abgetragen)
1799Zum grünen Jäger, Wien 2, Praterstraße 27
1804Wohnhaus, Wien 6, Linke Wienzeile 24 (abgetragen)
1805 (1811)Wohnhaus, Wien 1, Naglergasse 9 / Haarhof 1 (zugeschrieben)
1807Zum goldenen Auge Gottes, Wien 3, Rochusgasse 15 (Zubau; abgetragen)
1810Zum Kometstern, Wien 3, Landstraßer Hauptstraße 112
1815Beethovenhaus, Wien 6, Laimgrubengasse 22 (Umbau; 1830 von J. Klee erweitert)
1816Dompropsthof, Wien 1, Singerstraße 22 / Franziskanerplatz 2 (Aufstockung)
1817Wohnhaus, Wien 3, Rochusgasse 6 / Pfarrhofgasse 4 (Zubau)
1817Zum Türken, Wien 8, Bennogasse 5 / Bennoplatz 3 (abgetragen)
1817–1819Zum roten Hahn, Wien 3, Landstraßer Hauptstraße 40 (Hoftrakt)

ÖFFENTLICHE BAUTEN:
1784–1789Nußdorfer Pfarrkirche, Wien 19, Greinergasse (Ausf.; Entw. v. J. Gerl)
1792Ägidikirche, Wien 6, Brückengasse (Kirchturm und Fassade; Erweiterungen 1820 und 1908)
1800–1801Theater an der Wien, Wien 6, Linke Wienzeile 6 (mit A. Jäger)
1807Gymnasialtrakt, Schottenstift, Wien 1, Kleiner Schottenhof (1862 aufgestockt)
top
Primärquellen

NACHLÄSSE UND ARCHIVE:
Wr.Ringstraßenarchiv; WSt.LA; Archiv Adler; Pfarren St.Ulrich u. Alsergrund
top
Sekundärquellen

LITERATUR:
A. Bauer: 150 Jahre Theater an der Wien. Wien 1952
G. Grafl: Die Bautätigkeit der Fürsten Esterházy im ausgehenden 18.Jahrhundert. Dipl.-Arb. Wien 2010
P. Kortz: Wien am Anfang d. 20.Jh.s. 2.Bd., Wien 1906
T. Kreszowiak: Theater a.d.Wien. Technik u. Geschichte. Wien 2002
Kunsthistorische Arbeitsgruppe GeVAG: Wiener Fassaden des 19.Jh.s [6. Bezirk]. Wien 1976
ÖKT 44: G. Hajos: Die Profanbauten des III., IV. und V. Bezirks. Wien 1980
R. Wagner-Rieger: Das Wiener Bürgerhaus des Barock und Klassizismus. Wien 1957
R. Wagner-Rieger: Wiens Architektur im 19.Jh. Wien 1970

NACHSCHLAGEWERKE:
Dehio Wien/1 (I.Bez); Dehio Wien/2 (II.–IX.u.XX.Bez.)

LEXIKA:
ThB

INTERNETLINKS:
http://www.wien.gv.at/kulturportal/public/searching/search.aspx
top
Anmerkungen
In Paul Technischer Führer wird die Ägidikirche einem Franz Raimund zugeschrieben, der sie angeblich 1765-1770 ausgeführt hat
Eingegeben von: Diego Caltana
Eingegeben am: 01.10.2012
Zuletzt geändert: 15.12.2012
top
  A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | Z
 
© Architekturzentrum Wien
Mit freundlicher Unterstützung des FWF
Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung