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Michael Ignaz Fellner

Persönliche Daten
Ausbildung, Studienreisen, internationale Aufenthalte
Beruflicher Werdegang, Lehrtätigkeit
Auszeichnungen und Ämter
Mitgliedschaften
Vita
Stellenwert
Werke
Primärquellen
Sekundärquellen
Anmerkungen
Persönliche Daten
* 26.09.1841 - † 18.03.1912
Geschlecht: m
Geburtsort: Wien 18
damaliger Name: Weinhaus bei Wien
Land: Österreich
damaliger Name: Kaisertum Österreich
Sterbeort: Wien
Land: Österreich
Titel: Oberingenieur, Oberbaurat, Hofrat
Religionsbekenntnis: Röm. - Kath.
Berufsbezeichnung: Architekt
Familiäres Umfeld: Vater: Johann Michael F., Schullehrer
Mutter: Rosalia, geb. Thurner
Ehe (1869) mit Josepha Friederika, geb. Landtmann (1845-1928)
Kinder: Karl, Revident des k.k.Obersten Gerichtshofs; Michael, Forst- und Domänenverwalter; Marie (1873-1945)
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Ausbildung, Studienreisen, internationale Aufenthalte
1858-1861Technische Hochschule Wien
1861-1863Akademie der bildenden Künste Wien (bei Eduard van der Nüll, Siccardsburg)
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Beruflicher Werdegang, Lehrtätigkeit
o.J.Mitarbeit im Atelier H. Ferstels
1876Architekt und Ingenieur im Ministerium des Inneren
vor 1887Oberingenieur im Ministerium des Inneren
o.J.Leiter des Hochbau-Departements der niederösterr. Statthalterei
o.J.Befugnis zum Zivilarchitekt
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Auszeichnungen und Ämter
1889Ritterkreuz des Franz Josef-Ordens (für 4 Krankenhäuser in Wien)
1893Baurat
1897Mitglied der Kommission zur Abhaltung der 2.Staatsprüfung aus dem Hochbaufach an der Technischen Hochschule
1904Oberbaurat
1906-1909Vorsitzender der Prüfungskommission für die Baugewerbe in Wien
o.J.Mitglied der Commission für die Prüfung behördlich autorisierter Civiltechniker
o.J.Hofrat der NÖ Statthalterei
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Mitgliedschaften
ab 1869Mitglied der Pensionsgesellschaft bildender Künstler in Wien
ab 1870Genossenschaft der bildenden Künstler Wiens
ab 1878Wiener Bauhütte
ab 1882NÖ Gewerbeverein
ab 1885Österreichischer Ingenieur- und Architektenverein
o.J.Mitglied der Theater-Landescommisssion
o.J.Ingenieur- und Architektenkammer Wien
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Vita
Michael Fellner wurde 1841 in Weinhaus bei Wien, im heutigen 18. Bezirk, als Sohn eines Oberlehrers geboren. Nach dem Architekturstudium an der Akademie der bildenden Künste absolvierte er seine Praxiszeit im Atelier von Heinrich Ferstel. Anschließend trat er im Ministerium des Inneren in den Staatdienst ein. Zu einem heute nicht mehr eruierbaren Zeitpunkt wurde Fellner Leiter des Hochbau-Departements der NÖ-Statthalterei.

Zu Fellners Tätigkeitsbereich zählte sowohl im Staatsdienst als auch im niederösterreichischen Landesdienst vor allem die Leitung diverser öffentlicher Bauaufgaben. In Anerkennung seiner diesbezüglichen Verdienste erhielt er beispielsweise das Ritterkreuz des Franz Josef Ordens „für vier Krankenhäuser“.

Als planender Architekt ist Fellner heute nur bei der Errichtung des Kaiser Franz Josef-Spitals in Wien 10, Kundratstraße 3 fassbar.

Michael Fellner starb nach langem schwerem Leiden im 71.Lebensjahr und ist am Gersthofer Friedhof begraben.
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Stellenwert
Michael Fellner ist zwar nur bei einem einzigen Werk – dem Kaiser Franz Josef-Spital in Wien 10, Kundratstraße 3 – als Architekt greifbar, doch hat er sich gerade mit diesem Bauprojekt unter seinen Zeitgenossen zweifellos einen Namen gemacht.

Durch die dramatische Zunahme der Wiener Wohnbevölkerung ab Mitte des 19.Jahrhunderts waren die um 1880 bestehenden Krankenhäuser notorisch überbelastet. Insbesondere in Epidemiezeiten – am häufigsten traten Blatternepidemien auf – wurde der Mangel an Spitalbetten virulent. Im Jahr 1882 wurde daher zunächst der Bau eines Blatternspitals mit etwa 100 Betten geplant. Als Bauplatz wurde ein Grundstück an der Triesterstraße gewählt, wo bereits ein „Kommunal-Epidemiespital“ bestand und das im Hinblick auf die Infektionsgefahr zudem den Vorteil hatte, dass es in einem weitgehend unverbauten Gebiet lag.

Nachdem das Ministerium für Inneres den Bau genehmigt hatte, wurde von der NÖ-Statthalterei die Ausarbeitung des Projekts für ein Infektionsspital in Angriff genommen. Die zunehmende Überbelastung der drei bestehenden staatlichen Krankenanstalten Allgemeines Krankenhaus, Wien 9, Wiedener Spital, Wien 4, Favoritenstraße (1954 abgerissen) und Krankenanstalt Rudolfsstiftung, Wien 3, Boerhavegasse, führte jedoch im Jahr 1884 zum Entschluss, ein viertes Krankenhaus mit etwa 500 Betten zu errichten, das auch für nicht infektiöse Kranke zur Verfügung stehen sollte.

Karl Böhm, Direktor der Krankenanstalt Rudolfsstiftung, und Dr. Ludwig Schlager wurden mit der Projektverfassung, und Michael Fellner mit der architektonischen Planung betraut. Im Jahr 1887 wurde mit dem Bau begonnen, und bereits ein Jahr später konnte ein Pavillon für Blatternkranke in Betrieb genommen werden. Im Jahr 1892 war die gesamte Anlage, die den Namen „Kaiser Franz Josef Spital“ erhielt, fertiggestellt. Das kurz zuvor im Jahr 1890 in Rudolfsheim, Wien 15, eröffnete Kaiser Franz Josef-Spital musste nach der Eingemeindung der Vororte 1892 auf Grund der Namensgleichheit sogar eigens umbenannt werden und trug fortan den Namen Kaiserin Elisabeth-Spital.

Fellners Kaiser Franz Josef-Spital wurde auf einem unregelmäßigen fünfeckigen Areal im damals üblichen Pavillonsystem projektiert. Die Mittelachse der Anlage verläuft im rechten Winkel zur Triesterstraße, am äußersten Ende liegt die kleine Spitalskapelle mit anschließendem Klostergebäude. Der Haupteingang in das Spitalsgelände liegt nicht an der Mittelachse, sondern an einer Seitenstraße, der Kundratstraße 3. Die gesamte Anlag wurde nach neuesten technischen und medizinischen Erkenntnissen errichtet, und insbesondere die von Karl Böhm geplanten Belüftungs- und Kanalisationssysteme fanden seinerzeit große Beachtung.

Michael Fellner gestaltete die einzelnen Pavillons, die Diener- und Administrationsgebäude, die Badeanstalt, die Küchengebäude etc. nach genau vorgegebenen Richtlinien. Nur bei der äußeren Gestaltung der Gebäude hatte Fellner freie Hand. Die zum Teil dreigeschossigen Gebäude sind durch Risalite gegliedert und in schlichten Neorenaissanceformen konzipiert. Die Kapelle und das Leichenschauhaus wurden ebenso einfach gestaltet, aber durch Rundbogenfenster von den übrigen Gebäuden unterschieden. Das Administrationsgebäude beim Haupteingang erhielt einen kleinen Turm, an dem die – wiederum vorgeschriebene – Spitalsuhr angebracht war.

Insgesamt standen bei der Errichtung des Kaiser Franz Josef-Spitals hygienische und medizinische sowie auch ökonomische Erwägungen im Vordergrund, welche die architektonische Gestaltung zweifellos in hohem Maße beeinflussten. Fellner gelang es, diesen unterschiedlichen Anforderungen auf Grund seiner langjährigen Erfahrung gleichermaßen gerecht zu werden und damit einen der größten Spitalskomplexe der Donaumonarchie erfolgreich zu realisieren.

Im Zweiten Weltkrieg allerdings wurden 90 Prozent der Anlage durch über 100 Fliegerbomben schwer beschädigt. Der ab dem Jahr 1951 erfolgte Wiederaufbau und weitere Ausbauten bergen daher nur mehr teilweise die architektonischen Lösungen, die Fellner schuf.
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Werke

ÖFFENTLICHE BAUTEN:
1887-1892Franz Joseph-Spital, Wien 10, Kundratstraße 3 (mit K. Böhm)
ab 1903Leitung der Restaurierungsarbeiten der Karlskirche, Wien 4
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Primärquellen

NACHLÄSSE UND ARCHIVE:
WStLA (Biographische Sammlung, Todesfallaufnahme, Verlassenschaftsabhandlung); Archiv Wr. Ringstraße, Inst. f. KG; KHA des WStLA (Parte); Archiv der ABK; MA 43 (Gräberdatenbank, Grabprotokoll Friedhof Gersthof); Grabinschrift; Archiv Adler
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Sekundärquellen

LITERATUR:
W. Aichelburg: Das Wiener Künstlerhaus 1861-2001. Bd.1, Wien 2003
Lorenz / Diestel: Neuere Krankenhäuser in Wien und Budapest. In: Zeitschrift für Bauwesen 45.1895, Sp.343
P. Kortz: Wien am Anfang d. 20.Jh.s. 2.Bd. Wien 1906
M. Paul: Technischer Führer durch Wien. Wien 1910
R. Schmidt: Das Wiener Künstlerhaus 1861–1951. Wien 1951. S.52,198
K.H. Tragl: Das Kaiser Franz Josef Spital. Wien 1985

HINWEISE AUF WERKE:
Allgemeine Bauzeitung
60.1895, S.19, 30, 41, T.7-20 (KaiserFranz Josefspital Wien 10)

WBIZ
5.1888, S.438 (Krankenanstalt Wien 10, kurze Notiz)
9.1891, S. 55 (Franz Josef-Spital, Wien 10, Triesterstr., kurze Notiz )

NACHSCHLAGEWERKE:
Dehio Wien/3 (X.-XIX.u.XXI.-XXIII.Bez.)
L. Eisenberg: Das geistige Wien. Wien 189
H. Kosel: Deutsch-österreichisches Künstler- und Schriftsteller-Lexikon. Wien 1902
S. Waetzoldt: Bibliographie zur Architektur im 19.Jahrhundert. Nendeln 1977

LEXIKA:
ÖBL; AKL; Czeike; Weihsmann 05
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Anmerkungen
M. Fellner ist nicht, wie bei Weihsmann 05 fälschlich angegeben, der Sohn von Ferdinand Fellner I. bzw. Bruder von Ferdinand Fellner II. bzw. Onkel von Ferdinand Fellner III.
Eingegeben von: Inge Scheidl
Eingegeben am: 01.07.2007
Zuletzt geändert: 14.05.2008
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