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Hermann Wehrenfennig

Persönliche Daten
Ausbildung, Studienreisen, internationale Aufenthalte
Beruflicher Werdegang, Lehrtätigkeit
Auszeichnungen und Ämter
Mitgliedschaften
Vita
Stellenwert
Werke
Primärquellen
Sekundärquellen
Anmerkungen
Persönliche Daten
* 28.05.1822 - † 10.02.1881
Geschlecht: m
Geburtsort: Goisern, OÖ
Land: Österreich
damaliger Name: Kaisertum Österreich
Sterbeort: Wien
Land: Österreich
damaliger Name: Österreich-Ungarn
weitere Namen: Wehrenpfennig
Religionsbekenntnis: Evang.
Berufsbezeichnung: Architekt
Familiäres Umfeld: Vater: Johann Theodor W. (1794–1856), Pfarrer
Mutter: Maria Theresia, geb. Overbeck
Geschwister: Gustav (Angestellter); Adolf Wilhelm (Pfarrer); Julius (Baubeamter); Ernst Moritz (Pfarrer)
1.Ehe (1849) mit: Wilhelmine Gapp (1830–1854)
Sohn: Hermann W. jun. (1851–1904), Oberbaurat im Innenministerium; Marie Antonie (1854–1939), verh. Braun; Hermine
2.Ehe mit: Wilhelmine
Kinder, Rudolf, Theodora u . Wilhelmine
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Ausbildung, Studienreisen, internationale Aufenthalte
1837–1842Polytechnikum Wien
1842–1843Akademie der bildenden Künste Wien (Architekt bei Pietro Nobile)
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Beruflicher Werdegang, Lehrtätigkeit
1843 Praktikant bei der k.k.Baudirektion
1853Ingenieur Assistent 1.Klasse in der Bauabteilung des Handelsministeriums
um 1876–1883Oberingenieur (dann Oberbaurat) in der Bauabteilung des Ministeriums
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Auszeichnungen und Ämter
1863Mitglied der Commission zur Gewinnung von Portlandzement
1876Baurat
1880Oberbaurat
1877Ritterkreuz des Franz Josefs-Orden
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Mitgliedschaften
ab 1864Österr. Ingenieur u. Architektenverein
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Vita
Hermann Wehrenfennig, der 1822 in Goisern geboren wurde, stammte aus einer altehrwürdigen Pastorenfamilie, die Ende des 18.Jh.s von Nürnberg ins Gosautal gezogen war und seitdem in dieser Region eine Reihe von evangelischen Geistlichen gestellt hatte. Als drittes Kind musste der junge Hermann nicht wie seine beiden älteren Brüder den Beruf des Vaters ergreifen, sondern durfte sich zum Architekten ausbilden lassen. Zu diesem Zweck ging er bereits als Fünfzehnjähriger nach Wien ans Polytechnikum. Anschließend studierte er Architektur an der Akademie der bildenden Künste bei Pietro Nobile. Nach Abschluss seines Studiums erhielt er eine Stelle als Praktikant in der k.k.Baudirektion. In der Folge verblieb er als beamteter Architekt bis zu seinem Tod im Staatsdienst: ab 1853 als Ingenieur-Assistent in der Bauabteilung des Handelsministeriums, ab Mitte der siebziger Jahre als Oberingenieur. In dieser Funktion war Wehrenfennig als technischer Leiter mit der Errichtung zahlreicher öffentlicher Bauten in Wien und Niederösterreich befasst und in diversen staatlichen Baukomitees vertreten. Daneben war er auch als „Privatarchitekt“ tätig, unter anderem gehen einige Miethäuser in Wien und eine Villa in Gmunden auf seine Pläne zurück. Von besonderer Bedeutung war vor allem auch sein Schaffen auf dem Gebiet des evangelischen Kirchenbaus in seiner Heimatregion, wobei seine verwandtschaftliche Einbindung in die diversen örtlichen evangelischen Gemeinden eine wesentliche Rolle spielte.

Hermann Wehrenfennig, der nach nur fünfjähriger Ehe bereits Mitte der fünfziger Jahre verwitwet war, hatte sich bald ein zweites Mal verheiratet, aus beiden Verbindungen stammen mehrere Kinder. Knapp 61-jährig verstarb Wehrenfennig in Wien an einem Herzinfarkt. Sein ältester, gleichnamiger Sohn wurde gleichfalls Architekt im Staatsdienst.
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Stellenwert
Da Hermann Wehrenfennig überwiegend als beamteter Architekt tätig war, ist er nur anhand einiger weniger Bauten als eigenständig schöpferische Persönlichkeit fassbar. Ausgebildet bei Pietro Nobile gehörte Wehrenfennig der Generation von Architekten an, die zu den „Gründervätern“ der Ringstraßenarchitektur zu zählen sind und weitgehend einem „strengen Historismus“ verpflichtet waren. Dementsprechend beherrschte Wehrenfennig alle „Stile“ und setzte sie der jeweiligen Bauaufgabe entsprechend ein, wobei er bemüht war – im Gegensatz zum romantischen Ansatz des Frühhistorismus – jeglichen Synkretismus zu vermeiden.

Wehrenfennigs Miethäuser (u.a. Wien 1, Hegelgasse 13, in Zusammenarbeit mit Ludwig Förster), die in die erste Hälfte der sechziger Jahre fallen, gehören zu den ältesten Bauten der Wiener Ringstraße (bzw. Umgebung) und sind gemäß ihrer Funktion als Wohnbauten des gehobenen Bürgertums in den Formen der italienischen Renaissance gehalten, wobei die Ära der Medici – als bürgerliche Aufsteiger – das ideale Vorbild bot. Charakteristisch ist eine zumeist flächige, orthogonal strukturierte Fassade, deren Dekorelemente sich auf Fensterüberdachungen und skulptierte Gesimsleisten beschränken. Die Intention, einen „reinen Stil“ einzusetzen, wird auch bei der Villa Klusemann, die 1873 in Gmunden errichtet wurde, deutlich. In Anlehnung an den Klassizismus einer palladianischen Villa wird das Gebäude mittels Dreieckgiebel und Portikus nobilitiert.

Bei Wehrenfennigs Sakralbauten handelt es sich zumeist um kleine Landkirchen, die er in seiner heimatlichen Region in Oberösterreich errichtete, da der Nachholbedarf der evangelischen Gemeinden, deren Kirchen die längste Zeit nicht nach außen sichtbar sein durften, damals relativ groß war. Die unter Einsatz eines gotischen Formenrepertoires ausgeführten Bauten lehnen sich allerdings weniger an die klassisch französische Kathedralgotik an, sondern sind relativ schlicht im Charakter von kleinen Landkirchen gehalten, wobei sowohl die regionale Architektur als auch ländliche englische Kirchen als Vorbilder gedient haben, wie der Hammerbeam-Roof der Gosauer Kirche (1864–1869) zeigt. Wehrenfennig, der auch beratend für den evangelischen Kirchenbau tätig war (Kirche in Hallein), hat mit damals neuesten Technologien, wie Gusseisen, gearbeitet und bereits Warmluftheizungen installiert. Wie die meisten Architekten seiner Zeit fertigte auch er Entwürfe für die Kirchenausstattung an.
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Werke

WOHN-/GESCHÄFTSBAUTEN:
1861Miethaus, Wien 1, Walfischgasse 4 (mit Heinrich Förster)
1863Fatton’sche Häuser, Wien 1, Schubertring 6 (ehemals Kolowratring, mit Heinrich v. Förster)
1865Miethaus, Wien 1, Hegelgasse 13 / Fichtegasse 5
1869–1870Miethaus, Wien 1, Karlsplatz 3
1873Villa Klusemann (jetzt Hotel Klusemann), Gmunden, Mühlwangstraße 13, OÖ
o.J.Haus Stein, Wien

ÖFFENTLICHE BAUTEN:
1855–1856Kartäuserkloster Valdice bei Neutitschein, Österr.Schlesien / Novy Jicin, CZ (Umbau)
1864–1869Evangelische Kirche, Gosau, OÖ
1871–1876Evangelische Kirche, Gmunden, OÖ
1872–1875Evangelische Kirche, Vöcklabruck, OÖ
1872–1877Akademie der bildenden Künste, Wien 1, Schillerplatz 3 (Bauleitung, E: Th. Hansen)

NICHT REALISIERTE PROJEKTE:
1864Arbeiterwohnhäuser (Entwurf, mit Geissler u. Kiesel)
o.J.k.k. Versatzamtsfiliale, Wien 8 (mit Winterhalder u. Fiedler)
o.J.Umbau des Versatzamtes Wien 1 (mit Winterhalder u. Fiedler)
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Primärquellen

PUBLIKATIONEN:
H. Wehrenpfennig: Die Fatton’schen Häuser am Kolowratring in Wien. In: Allgemeine Bauzeitung 33.1868, S.317ff, T.52f

NACHLÄSSE UND ARCHIVE:
AVA (Plan- u. Kartensammlung); WrSTLA (Totenbeschauprotokoll); Pfarramt Goisern; Matrikenstelle der evang. Stadtpfarrkirche AB Wien 1; Archiv der ABK
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Sekundärquellen

LITERATUR:
Der Bautechniker 1.1881, S.54 (Nachruf)
G. Frodl (Hg.): Geschichte der bildenden Kunst in Österreich, 19.Jh. Bd.5, München u.a. 2002
P. Kortz: Wien am Anfang d. 20. Jh.s. 2.Bd., Wien 1906, S.417
Landhaus und Villa in Niederösterreich 1840–1914 (Hg.Eggert/Hajos u.a.). Wien/Köln 1982
Neue freie Presse 11.2.1881 (Todesmeldung)
M. Oberhammer: Sommervillen im Salzkammergut 1830–1918, Salzburg 1983, S.80f
R. Sandgruber (Hg.): Salzkammergut, Oberösterreichische Landesausstellung 2008, Linz 2008, S.115f
E. H. Schuller: Die evangelische Kirche in Vöcklabruck u. der Architekt Karl Hermann Wehrenfennig. Dipl.Arb. Sbg. 2001
E. H. Schuller: Karl Hermann Wehrenfennig u. seine Bedeutung als Architekt protestantischer Kirchen in Oberösterreich. In: Jahrbuch d.Oberösterr. Musealvereines, Bd.153, 2008, S.429ff

HINWEISE AUF WERKE:
Allgemeine Bauzeitung
1868, S.317f, T.52f (Fatton’sche Häuser am Kolowratring)

Zeitschrift für Bauhandwerker
1./2.18587/58, S.92f, T.13 (Entwurf eines Wohnhauses für zwei Arbeiterfamilien)

Zeitschrift d. Österr. Ingenieur- u. Architektenvereines
16.1864, S.170ff (Neubauten der Ringstraße, Haus Fatton)

NACHSCHLAGEWERKE:
Dehio Wien/1 (I.Bezirk); Dehio OÖ
S. Waetzoldt: Bibliographie zur Architektur im 19.Jh. Nendeln 1977 Umelecke pamatky, Czech, 4.Bd.
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Anmerkungen
Eingegeben von: Ursula Prokop
Eingegeben am: 01.03.2011
Zuletzt geändert: 04.11.2011
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