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Gustav Flesch-Brunningen


Quelle: Anton Mansch (Hrsg): Meister-Archiv, ca. 1908

Persönliche Daten
Ausbildung, Studienreisen, internationale Aufenthalte
Beruflicher Werdegang, Lehrtätigkeit
Auszeichnungen und Ämter
Vita
Stellenwert
Werke
Primärquellen
Sekundärquellen
Anmerkungen
Persönliche Daten
* 17.12.1877 - † 22.04.1939
Geschlecht: m
Geburtsort: Split
damaliger Name: Spalato, Dalmatien
Land: Kroatien
damaliger Name: Österreich-Ungarn
Sterbeort: Wien
Land: Österreich
Titel: Prof.
weitere Namen: Vinzenz Gustav Anton; Flesch von Brunningen
Religionsbekenntnis: Röm. - Kath.
Berufsbezeichnung: Architekt
Familiäres Umfeld: Vater: Eugen v. F.-B., Ingenieur und Gutsbesitzer
Mutter: Anna Maria, geb. von Kaler zu Lanzenheim
1.Ehe (1902) mit Hermine (Herma), geb. Grimus v.Grimburg
2.Ehe (1920) mit Edith, geb. Planker-Klops (*1891)
Kinder: Felizitas Beatrix (*ca.1917); Anna Ursula (*ca.1919), Schauspielerin;
Neffe: Hans F.-B., Schriftsteller, verehelicht mit Hilde Spiel
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Ausbildung, Studienreisen, internationale Aufenthalte
o.J.Volksschule in Split
o.J.Gymnasium in Admont und Wien
1897Matura an der Staatsgewerbeschule Wien
1898-1902Akademie der bildenden Künste Wien (bei Julius Deininger, O. Wagner)
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Beruflicher Werdegang, Lehrtätigkeit
ab ca.1902selbständiger Architekt
1908Gründung und Ausbau des Radiumkurortes St.Joachimstal bei Karlsbad / Jachymov, CZ
um 1925Tätigkeit in Salzburg
1935-1939Tätigkeit in Wien
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Auszeichnungen und Ämter
1905-1907technischer Konsulent des k.k. Handelsministeriums
ab 1907technischer Konsulent des Ackerbauministeriums
ab 1907technischer Konsulent der Allgmeinen Pensions-Anstalt Wien
ab 1912Angehöriger des Verwaltungsrates der Kuranstalt St.Joachimsthal / Jachymov, CZ
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Vita
Gustav Flesch-Brunningen wurde 1877 als Sohn einer wohlhabenden und angesehenen Familie in Spalato, Dalmatien, dem heutigen Split in Kroatien geboren. Nach der Volksschule in seinem Heimatort besuchte er das Gymnasium des Benediktinerstiftes Admont (Steiermark), schloss aber seine Gymnasialzeit in Wien ab. Anschließend absolvierte er die Staatsgewerbeschule in Wien. Nach Ableistung seines Einjährigen-Freiwilligenjahres inskribierte er ein Architekturstudium an der Akademie der bildenden Künste bei Julius Deininger, wechselte aber dann in die Meisterschule von Otto Wagner.

Im Jahr seines Studiumabschlusses, 1902, beteiligte sich Flesch-Brunningen erfolgreich an einem Wettbewerb, der vom Fürsten Schönberg für die Errichtung eines Palais und von Wohnhäusern (Ort unbekannt) ausgeschrieben wurde. Ein Jahr später gewann er die vom Stift Heiligenkreuz ausgeschriebene Konkurrenz für den Ausbau des Schwarzspanierhofes in Wien 9, Schwarzspanierstraße 15, den er auch ausführen konnte.

Im Jahr 1908 gründete Flesch-Brunningen gemeinsam mit dem Grafen Ernst Silva-Tarouca, für den er später dessen Schloss Sitzenberg bei Tulln, NÖ umbaute, den ersten „Radiumkurort“ der Welt in St.Joachimstal bei Karlsbad. Er erstellte die Ortsplanung und führte auch ein Kurhotel sowie diverse Kurhäuser und Heilbäder aus.
Ab dem Jahr 1907 war Flesch-Brunningen technischer Konsulent der Allgemeinen Pensions-Anstalt in Wien und errichtete für deren Angestellte eine Wohnhausanlage in Wien 17, Herbeckstraße 75 sowie ein Amts- und Wohngebäude in Wien 5, Blechturmgasse 9-11 / Kriehubergasse 8-14.

Mitte der 1920er Jahre hielt sich Flesch-Brunningen in Salzburg auf, wo er an einigen Projekten seines ehemaligen Studienkollegen Wunibald Deininger beteiligt gewesen sein soll. Nachgewiesen ist allerdings nur die Teilnahme am Wettbewerb für das Festspielhausprojekt im Jahr 1922.

Ab dem Jahr 1935 war Flesch-Brunningen wieder in Wien gemeldet, wo er im Jahr 1939 im 62.Lebensjahr an einem Herzinfarkt verstarb. Er ist am Döblinger Friedhof begraben.
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Stellenwert
Kennzeichnend für sämtliche Projekte, die Gustav Flesch-Brunningen im innerstädtischen Bereich ausführte, sind die relativ schlicht gestalteten Fassaden, denen er mit wenigen neoklassizistischen Elementen repräsentativen Ausdruck verlieh. Beim ersten ausgeführten Gebäude, dem Schwarzspanierhaus in Wien 9, Schwarzspanierstraße 15 (1904) für das Stift Heiligenkreuz, wird die breit gelagerte Fassade durch einen Mittelrisalit strukturiert. Über einem hohen, genuteten Sockelgeschoß sind die darüber liegenden Geschosse durch eine Riesenpilastergliederung zusammengefasst. Ein monumentales neobarockes Portal mit reicher Rahmung und Pilastern betont die Bedeutung des Bauherrn. Einzig ein weit vorkragendes Gesims birgt einen Hinweis darauf, dass Flesch-Brunningen bei Otto Wagner studiert hatte.

Der zweigeschossige, mit Nutungen betonte Sockel findet sich auch bei dem 1910 begonnenen, äußerst großzügig dimensionierten Amts- und Wohngebäude der Pensionsversicherungsanstalt in Wien 5, Blechturmgasse 9-11 / Hauslabgasse 7-9 / Kriehubergasse 8-14. Bei der durch gleichmäßige Fensterachsen rhythmisierten, glatten Fassade in der Blechturmgasse erinnern flache Putzstreifen nur mehr entfernt an eine Lisenengliederung. An der abgerundeten Ecke ist hingegen mit einem Portal mit eingestellten ionischen Säulen ein markanter klassizierender Akzent gesetzt. Bei dem anschließenden Gebäudeblock in der Hauslabgasse ist die Strenge der Fassade durch Erker aufgelockert. Der lang gestreckte Baublock in der Kriehubergasse 8-14 wurde erst 1914-1916 erbaut. In die glatte, dekorlose Fassade sind beinahe quadratische Fenster eingeschnitten. Auffallend breite Mauerzwischenräume sowie die vielfach unterteilten Sprossenfenster erwecken in gewisser Weise Assoziationen mit einer Justizanstalt. Die unterschiedlichen Gebäudeblocks fasst Flesch-Brunningen einerseits mittels des alle Fassaden ident charakterisierenden Sockels und andererseits mittels eines durchlaufenden, weit vorkragenden Dachgesimses zusammen.

Die ausgedehnte Wohnhausanlage für die Angestellten der Allgem. Pensions-Anstalt in Wien 17, Herbeckstraße 75 (1914) hingegen ist durch eine vielfältige Gliederung der Baukörper, Vor- und Rücksprünge, polygonale Erker, hohe Mansardendächer sowie turmartige Ecklösungen dem vorstädtischen Charakter angepasst.

Gustav Flesch-Brunningens Wiener Werke zeigen seine Intention, die Projekte durch die formale Gestaltung dem jeweiligen Umfeld ästhetisch anzunähern, eine Fähigkeit, die er auch bei der Planung der Kurstadt in St.Joachimstal unter Beweis stellte, indem er die „landschaftliche Stimmung voll und ganz erfasst und seine Gebäude solcherart der Umgebung angepasst“ hat (A. Mansch, 1908). Bemerkenswert ist, dass er trotz seiner Ausbildung bei Otto Wagner der traditionellen Bauweise verpflichtet blieb. Flesch-Brunningen bevorzugte nämlich, wie Mansch weiter berichtet, „den Renaissance- und Barockstil – ist aber ein geschworener Feind der Sezession“. Seine Stärke bei den Wiener Bauten lag in der Bewältigung äußerst großer Bauvorhaben, denen er im innerstädtischen Bereich monumentale Repräsentanz zu verleihen verstand, während er bei den um Höfe gruppierten ausgedehnten Wohnblocks im Vorstadtbereich bereits Ideen der späteren Wohnhausanlagen der Gemeinde Wien vorwegnahm.
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Werke

WOHN-/GESCHÄFTSBAUTEN:
1904Schwarzspanierhaus, Wien 9, Schwarzspanierstraße 15 (Wettbewerb, ausgeschr.vom Stift Heiligenkreuz, 1.Preis)
1913-1924Schloss Sitzenberg, Schloßbergstraße 4, Bez.Tulln, NÖ (Umbau, heute Höhere Bundeslehranstalt für Land- und Ernährungswissenschaft)
1910Amts- und Wohngebäude der Pensionsversicherungsanstalt, Wien 5, Blechturmgasse 9-11 / Hauslabgasse 7-9
1914-1916Erweiterungsbau des Amts- und Wohngebäudes der Pensionsversicherungsanstalt, Wien 5, Kriehubergasse 8-14
1914Wohnhausanlage d. Allgem. Pensions-Anstalt f. Angest., Wien 17, Herbeckstraße 75
o.J.Palais des Grafen Ledebur (Adresse unbekannt)
o.J.Palais und Jagdschloss für den Grafen Silva-Tarouca (Adresse unbekannt)
o.J.Miethäuser für das Stift Neukloster (Adresse unbekannt)

ÖFFENTLICHE BAUTEN:
ab 1908Ortsplanung, Hotel und Kuranstalten in St.Joachimsthal bei Karlsbad / Jachymov, CZ
o.J.Gruftkiche der Ritter von Roßmanit (Adresse unbekannt)

INDUSTRIE-/GEWERBEBAUTEN:
o.J.Druckerei und Verwaltungsgebäude der Firma Westermann (Adresse unbekannt)

NICHT REALISIERTE PROJEKTE:
1902Palais und Wohnhäuser (Wettbewerb von Fürst Schönburg für einen nicht bekannten Ort ausgeschrieben, 1.Preis)
1922 Festspielhaus Salzburg (Wettbewerb, mit Wunibald Deininger und Martin Knoll)
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Primärquellen

NACHLÄSSE UND ARCHIVE:
WStLA (Meldearchiv, Todesfallsaufnahme, Totenbeschaubefund); Archiv der ABK; Archiv Adler; MA 43 (Gräberdatenbank); Grabprotokoll Friedhof Döbling, Grabinschrift
Genealogisches Taschenbuch des Österr. Adels. 5.Jg. Wien 1912/13, S.550
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Sekundärquellen

LITERATUR:
F. Borsi / E. Godoli: Wiener Bauten der Jahrhundertwende. Stuttgart 1985
Festschrift zur 50 Jahrfeier der techn. gew. Bundes-Lehranstalt Wien I. 1880-1930
H. Flesch: Die Familie Flesch. Brünn 1914
O.A. Graf: Die vergessene Wagnerschule. München 1969
S. Greger: Wunibald Deininger (1879-1963). Ein Architekt zwischen Tradition und Moderne. Diss. Salzburg 1989
ÖKT 44: G. Hajos: Die Profanbauten des III., IV., und V. Bezirks. Wien 1980
M. Pozzetto: Die Schule Otto Wagner: 1894–1912. München 1980

HINWEISE AUF WERKE:
Der Architekt
8.1902, T.59a (Entwurf für eine Villa)
9.1903, T.59 (Fassadenstudie Miethaus im 9. Bezirk) / T.46 (Villa R. v. Melingo Saginth in Klosterneuburg bei Wien) / T.67 (Entwurf für ein Wohnhaus, Adaptierung einer Villa)

Der Bautechniker
35.1915, S.81f, T.11 (Wohnungsfürsorgehäuser Wien 17, Herbeckstr.)

NACHSCHLAGEWERKE:
Achl. III/1; Achl. III/2
Dehio Wien/2 (II.-IX.u.XX.Bez.); Dehio Wien/3 X.-XIX.u.XXI.-XXIII.Bez.); Dehio NÖ/Süd M-Z
A. Mansch (Hrsg.): Meister-Archiv. Gallerie von Zeitgenossen Deutschlands aus dem Gebiet der bildenden, bauenden und technischen Künste. Berlin um 1908
S. Waetzoldt: Bibliographie zur Architektur im 19.Jahrhundert. Nendeln 1977
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Anmerkungen
Eingegeben von: Inge Scheidl
Eingegeben am: 01.07.2007
Zuletzt geändert: 27.08.2007
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