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Anton Gross

Persönliche Daten
Ausbildung, Studienreisen, internationale Aufenthalte
Beruflicher Werdegang, Lehrtätigkeit
Vita
Stellenwert
Werke
Primärquellen
Sekundärquellen
Anmerkungen
Persönliche Daten
* 02.08.1841 - † 12.05.1887
Geschlecht: m
Geburtsort: Jindrichov ve Sleszku
damaliger Name: Hennersdorf, Österr.Schlesien
Land: Tschechien
damaliger Name: Kaisertum Österreich
Sterbeort: Wien
Land: Österreich
damaliger Name: Österreich-Ungarn
weitere Namen: Groß, Grohs
Religionsbekenntnis: Röm. - Kath.
Berufsbezeichnung: Architekt
Familiäres Umfeld: Vater: Josef G., Häusler
Mutter: Rosina, geb. Werner
Ehe (1872) mit Karoline Köstler (1848–1926)
Bruder: Josef Gross (1828–ca.1891), Architekt
Kinder: Elsa Anna Carolina (1873–1952); Adelinde Anna Josephine (*1876); Oskar Karl Johann (1878–1951); Robert Johann Anton (1880–1955); Karoline (*1883)
Bürogemeinschaft: 1874–1883 Bürogemeinschaft mit Wilhelm Jelinek (1845–1919)
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Ausbildung, Studienreisen, internationale Aufenthalte
o.J.wahrscheinlich Architekturstudium
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Beruflicher Werdegang, Lehrtätigkeit
1874–1883Architekturbüro Gross & Jelinek, Wien 4, Hechtengasse 6
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Vita
Anton Gross wurde 1841 in Hennersdorf, Österr.Schlesien / Jindrichov ve Sleszku, CZ geboren. Er stammte aus einfachen Verhältnissen, sein Vater war Häusler, seine Mutter die Tochter eines Bauern. Wann er nach Wien kam und wo er seine Ausbildung absolvierte, kann heute nicht mehr mit Sicherheit festgestellt werden. Es ist jedoch anzunehmen, dass er ein Architekturstudium im Ausland absolvierte. Denn in Wien ist er in Lehmanns Adressenverzeichnis ab dem Jahr 1872 als Architekt angegeben, obwohl weder an der Technischen Hochschule noch an der Akademie der bildenden Künste ein Studium nachweisbar ist.

Anton Gross hatte einen um 13 Jahre älteren Bruder, Josef, der ab dem Jahr 1862 in Wien als Stadtbaumeister und Architekt tätig war. Beide Brüder gründeten im Jahr 1874 eine Bürogemeinschaft – allerdings nicht miteinander. Josef eröffnete mit dem Architekten Heinrich Claus eine Ateliergemeinschaft, während Anton Gross mit dem um vier Jahre jüngeren Wilhelm Jelinek (1845–1919) ein gemeinsames Büro errichtete. Bemerkenswert ist, dass beide Brüder auch im gleichen Jahr, 1883, ihre Bürogemeinschaften auflösten. Während beim älteren Bruder der Grund dafür nicht bekannt ist, waren bei Anton Gross gesundheitliche Probleme ausschlaggebend. Die Firma wurde in der Folge von Wilhelm Jelinek alleine weitergeführt.

Anton Gross war verheiratet und hatte fünf Kinder hatte. Er starb bereits mit 45 Jahren an einem Lungenödem, als seine jüngste Tochter gerade einmal vier Jahre alt war. Trotz seiner nur kurzen beruflichen Tätigkeit, war Anton Gross offensichtlich recht erfolgreich, denn in einer Nachricht über seinen Tod wird er als Hausbesitzer bezeichnet. (Wiener Zeitung 18.5.1887)
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Stellenwert
Die in den Jahren 1874 bis 1883 von Anton Gross und Wilhelm Jelinek errichteten Privat- und Geschäftshäuser folgten in der Fassadengestaltung vor allem italienischen Vorbildern, indem sich die Architekten eines aus der Renaissance und dem Barock Venedigs abgeleiteten Formenvokabulars bedienten.

Ein bedeutender Bauauftrag stellte das Bankgebäude der n.ö. Escomptegesellschaft (Wien 1, Kärntner Straße 7, 1882–1884) dar. Während die Außenerscheinung eine traditionelle Renaissancefassade aufweist, ist das Gebäude im Inneren höchst funktional ausgestattet. Um das Gebäude vor Einbruch und Feuer zu schützen, wurden die Depot- und Tresorräume an den Wänden, am Boden und an der Decke mit gehärteten Panzerplatten ausgekleidet, und aus Gründen der Feuersicherheit wurden die Deckenträger und die Dachkonstruktion aus Eisen hergestellt. Bemerkenswert sind die kunstvollen Schmiedeeisengitter vor den Fenstern im Erdgeschoss.

Im 1882 errichteten Miethaus Gumpendorferstraße 11–13 befindet sich auch heute noch das Café Sperl, eines der letzten erhaltenen Eckcafés Wiens. Das originale Interieur stammte von Gross und Jelinek, wurde jedoch stark verändert.

Auf Grund seiner Erkrankung und seines frühen Todes war Anton Gross nur wenige Jahre als Architekt tätig. Die heute noch bekannten Gebäude wurden alle im Rahmen der Bürogemeinschaft mit Wilhelm Jelinek errichtet. Welchen Anteil Gross bei den künstlerischen Entwürfen hatte, kann heute nicht mehr gesagt werden. Bei den Gebäuden, die Jelinek noch bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs alleine errichtete, setzte der ehemalige Büropartner jedenfalls die stilistische Formulierungsweise weiterhin fort.
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Werke

WOHN-/GESCHÄFTSBAUTEN:
mit Wilhelm Jelinek:
1878–1881Casa Panfilli, Triest, Küstenland / Trieste, I, Piazza della Stazione
1880Miethaus, Wien 6, Gumpendorfer Straße 11–13 / Ecke Lehárgasse (Café Sperl)
1882Miethaus, Wien 6, Linke Wienzeile 16

ÖFFENTLICHE BAUTEN:
mit Wilhelm Jelinek:
1882–1884Bankhaus der Niederösterreichischen Escomptegesellschaft, Wien 1, Kärntner Straße 7

INNENRAUMGESTALTUNG/DESIGN:
1880Café Sperl, gemeinsam mit Jelinek, in dem von ihnen errichteten Haus, Wien 6, Gumpendorferstraße 11–13 (stark verändert erhalten )
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Primärquellen

NACHLÄSSE UND ARCHIVE:
Archiv Adler; Pfarrmatrik Paulaner
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Sekundärquellen

LITERATUR:
K. Eggert: Der Wohnbau der Ringstraße im Historismus. In: R. Wagner-Rieger (Hg.): Die Wr. Ringstraße. Bd.7, Wiesbaden 1976
Facaden und Details. Wien 1900
P. Kortz: Wien am Anfang d. 20.Jh.s. 2 Bde. Wien 1906
Kunsthistorische Arbeitsgruppe GeVAG: Wiener Fassaden des 19.Jh.s. Wien 1976
M. Paul: Technischer Führer durch Wien. Wien 1910
M. Wehdorn: Die Bautechnik der Wiener Ringstraße. In: Die Wr. Ringstraße. Bd.11, Wiesbaden 1979

HINWEISE AUF WERKE:
Allgem. Bauzeitung
49.1884, S.79f, Abb.50ff (Casa Panfilli, Triest)
50.1885, S.47, Abb. 32-35 (Geschäftshaus der n.-ö. Escompte-Gesellschaft, Wien)

Der Architekt
1.1895, S.14, T.10 (Vestibule Wien 6, Gumpendorferstr. 11–13)

NACHSCHLAGEWERKE:
Dehio Wien/1 (I.Bez.); Dehio Wien/2 (II.–IX.u.XX.Bez.)
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Anmerkungen
Im Dehio 1, S.743 und Dehio 2, S.256 wird fälschlich Josef Gross als Partner von Jelinek angegeben.
Eingegeben von: Inge Scheidl
Eingegeben am: 01.10.2013
Zuletzt geändert: 18.11.2013
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