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Hugo Gorge

Persönliche Daten
Ausbildung, Studienreisen, internationale Aufenthalte
Beruflicher Werdegang, Lehrtätigkeit
Auszeichnungen und Ämter
Mitgliedschaften
Vita
Stellenwert
Werke
Primärquellen
Sekundärquellen
Ausstellungen
Anmerkungen
Persönliche Daten
* 31.01.1883 - † 25.12.1934
Geschlecht: m
Geburtsort: Butovice
damaliger Name: Botenwald, Mähren, Bez. Neutitschein
Land: Tschechien
damaliger Name: Österreich-Ungarn
Sterbeort: Wien
Land: Österreich
Religionsbekenntnis: Mosaisch
Berufsbezeichnung: Architekt, Innenarchitekt, Designer
Familiäres Umfeld: Vater: Moritz G., Privatier in Troppau
Ehe (1918) mit Lili Czucska
Kinder: Peter (*1920), Marianne (*1921), Wilhelm (*1927)
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Ausbildung, Studienreisen, internationale Aufenthalte
1893-1897Unterrealschule Troppau
1897-1901Staatsgewerbeschule Brünn
1906-1908Technische Hochschule Wien (als a.o. Hörer div. Übungen bei K. Mayreder)
1907-1910Akademie der bildenden Künste Wien (bei F. Ohmann)
Reisen nach Italien, Holland, Deutschland, England, Frankreich
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Beruflicher Werdegang, Lehrtätigkeit
1909Mitarbeit im Atelier F. Ohmann
1911-1912Assistent von Oskar Strnad an der Kunstgewerbeschule Wien
1933Befugnis zum Zivilarchitekt
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Auszeichnungen und Ämter
o.J.Goldene Füger-Medaille
1910Staatsreisestipendium (Rompreis)
1925Grand Prix und das Diplom d’honneur auf der Internat. Kunstausstellung in Paris
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Mitgliedschaften
um 1912Österreichisches Mitglied des Deutschen Werkbundes
ab 1907Zentralvereinigung der Architekten Österreichs (1919 Ernennung zum Ehrenmitglied)
ab 1913Österr. Werkbund (Gründungsmitglied)
ab 1922Genossenschaft der bildenden Künstler Wiens
?-1926Bund österreichischer Künstler - Kunstschau / Sonderbund deutschösterreichischer Künstler
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Vita
Hugo Gorge wurde als Sohn jüdischer Eltern in Nordmähren geboren. Nach dem Besuch der Staatsgewerbeschule in Brünn kam er nach Wien und belegte zunächst als außerordentlicher Hörer diverse Übungen an der Technischen Hochschule. 1907 trat Gorge in die Meisterklasse von Friedrich Ohmann an der Akademie der bildenden Künste ein. Für seine ausgezeichneten Leistungen erhielt er 1910 den begehrten Rompreis (Staatsreisestipendium), der ihm einen zweijährigen Aufenthalt in Rom ermöglichte. Noch während seines Studiums wurde Gorge Mitarbeiter im Atelier von Ohmann, wo seine Freundschaft mit Oskar Strnad begann. Strnad stellte Gorge im Jahr 1911 als seinen Assistenten an der Kunstgewerbeschule ein, und die Zusammenarbeit war in der Folge für die künstlerische Entwicklung Gorges von entscheidender Bedeutung.

Gorges einziges vor dem Ersten Weltkrieg ausgeführtes Projekt, war ein Wohnhaus im 6. Bezirk (Laimgrubengasse 4), in dem er bis zur Fertigstellung seines eigenen Hauses wohnte und arbeitete. Bei dem Wettbewerb für eine Synagoge (Wien 13, Neue Weltgasse / Eitelbergergasse) wurde sein Entwurf zwar mit dem 1. Preis ausgezeichnet, der Ausbruch des Ersten Weltkriegs, an dem Gorge als Offizier in Russland teilnahm, verhinderte allerdings die Ausführung. (Bei einem neuerlichen Wettbewerb im Jahr 1923 errang Gorge den 2. Preis. Ausgeführt wurde die Synagoge von Arnold Grünberger.)

Da nach Ende des Krieges die Bauwirtschaft stagnierte, widmete sich Gorge, wie etliche seiner Kollegen, vorwiegend dem Entwurf von Möbeln, Inneneinrichtungen sowie kunstgewerblichen Gegenständen. Die Gestaltung von Innenräumen wurde fortan sein eigentliches Arbeitsgebiet, auf dem er große Erfolge erringen konnte. Er war künstlerischer Leiter des Einrichtungshauses Rudolf Lorenz, entwarf Metallluster für die Firma Melzer Neuhart, Möbelbeschläge für die Wiener Werkstätte sowie Keramikartikel für die Firma Wienerberger. Seine Möbel und Inneneinrichtungen wurden vielfach auf Ausstellungen im In- und Ausland gezeigt und es wurde ihm ein führender Anteil an der Entwicklung des modernen Möbels attestiert.

Gorge beteiligte sich aber auch weiterhin an zahlreichen Wettbewerben für Bauaufgaben verschiedener Art, und seine Projekte wurden zum Teil mit Preisen ausgezeichnet, wie etwa der Entwurf zu einem Bad und einer Wäscherei in Wr. Neustadt (1928, 1. Preis). Für die Gemeinde Wien konnte Gorge drei Wohnhäuser erbauen, und 1930 wurde er von Josef Frank eingeladen, in der Werkbundsiedlung in Wien 13 ein Doppelwohnhaus zu errichten.

In den Jahren 1933–34 erbaute Gorge ein Haus für sich und seine Familie in Wien 13, Fleschgasse 8. Kurz nach der Fertigstellung starb Gorge 51-jährig nach langer Krankheit. Seine Frau – ebenfalls aus einer jüdischen Familie stammend – emigrierte mit den drei Kindern im Jahr 1938 nach London.
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Stellenwert
Gorges architektonisches Werk zeichnet sich durch große Schlichtheit, durchdachte Proportionen und eine klare Disposition der Innenräume aus. Während er in der Laimgrubengasse noch sparsam Sichtziegel als Dekoration einsetzt, verschwindet aller Schmuck aus seinen späteren Bauten. Lediglich beim Gemeindebau Wien 11, Herderplatz 5, ist als Reaktion auf den groß dimensionierten Platz ein Mittelrisalit durch ein kräftiges, geometrisches Ornament hervorgehoben.

Gorge betonte, dass sich das Einfamilienhaus dem Bedürfnis des Bewohners unterzuordnen habe und vor allem der Wunsch nach Abgeschlossenheit zu berücksichtigen sei. „Das Abwägen von Öffnen, Schließen und ineinander fließen des Raumes hängt in jedem Haus mit der Lebensführung aufs Innigste zusammen.“ Bei den Häusern der Werkbundsiedlung legte er die Nutzräume an die Straßenfront und öffnete das Haus mit großen Türen und Balkonen zum Garten hin. Noch stärker verfolgte er dieses Prinzip bei seinem eigenen Haus, das sich an der Straßenfront mit „fast asketischer Abgeschlossenheit“ zeigt, wie ein Rezensent bemerkt. „Um so mehr ist der Besucher beim Eintritt in das Haus überrascht, von der Poesie der in anmutigen Rhythmen zueinander abgestimmten Raumproportionen, von der reizvollen Wechselwirkung der Räume zu dem mit Feingefühl gestalteten Garten und zur Umgebung des Hauses.“ (profil 1935)

Zum Gemeindebau prinzipiell und zu den Bauten von Hugo Gorge im Besonderen meint A. Weiser (1925): „Auf alle der Repräsentation dienenden Räume und Ausstattungen musste verzichtet werden. Alle künstlerischen Fragen laufen heute darauf hinaus, der Brauchbarkeit, Bequemlichkeit und Sparsamkeit eine annehmbare äußere Erscheinung zu geben.“ In diesem Sinn zählt Gorge zu jenen Architekten der Zwischenkriegszeit, die traditionelle Normen sowie den allgegenwärtigen Einfluss Otto Wagners ebenso zu überwinden im Stande waren wie das ab der Jahrhundertwende aktuell gewordenen neoklassizistische, neobiedermeierliche bzw. Heimatstil-Vokabular. Gorges Bauten beziehen ihren ästhetischen Stellenwert nicht aus wie immer geartetem Dekor, sondern aus dem Reagieren auf die Zeitumstände sowie auf die Bedürfnisse der Benutzer mittels sachlicher und wohl proportionierter Formulierungen. „Nur die Inspiration durch die Gegenwart kann fruchtbar sein für unser Schaffen. Das gute Alte ehren wir, weil es auf gleiche Weise entstanden ist“, stellte Gorge zum Thema „Gegenwart“ im Jahr 1925 fest.

Breite Anerkennung fand Gorge insbesondere mit seinen Möbelentwürfen, die einfach und ornamentlos konzipiert sind und zumeist ihre Wirkung aus dem Material beziehen. Eine hohe ethisch-moralische Auffassung des künstlerischen Schaffens, die Wertschätzung der Handwerkskunst, eine besondere Sensibilität für die Materialien, eine subtile Farbwahl und die Verwendung künstlerisch wertvoller Textilien waren darüber hinaus kennzeichnend für Gorges innenarchitektonisches Werk.
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Werke

WOHN-/GESCHÄFTSBAUTEN:
1913-1914Wohn- und Geschäftshaus, Wien 6, Laimgrubengasse 4 (Bauh., Entw.)
1925WHA. d. Gem. Wien „Friedrich Engels-Hof“, Wien 11, Herderplatz 5 (mit Franz Kaym, Alfons Hetmanek)
1825-1926WHA. d. Gem. Wien „Karl Höger-Hof“, Wien 11, Lorystraße 40-42 (mit Franz Kaym, Alfons Hetmanek)
1930WHA d. Gem. Wien, Wien 14, Breitenseerstraße 110-112 / Altenbergenstraße 1 / Burgersteingasse 1 / Rudolf Pöch-Gasse 3 (mit Hugo Mayer)
1930WHA. d. Gem. Wien, Wien 19, Neustift am Walde 68-71
1930-1932Doppelwohnhaus, Werkbundsiedlung, Wien 13, Woinovichgasse 1-3
1933-1934Villa H. Gorge, Wien 13, Fleschgasse 8

ÖFFENTLICHE BAUTEN:
1928Grabmal Salomon Funk, Wien 11, Zentralfriedhof, Alte Israelitische Abteilung, Gruppe 5B

INNENRAUMGESTALTUNG/DESIGN:
1927Weihnachtsschau des Wiener Künstlerhauses, Vorführungssaal (mit K. Witzmann)
1930Werkbundausstellung Wien, Confiseriepavillon

NICHT REALISIERTE PROJEKTE:
1912Synagoge in Wien-Hietzing (Wettbewerb, 1.Preis)
1923Synagoge in Wien-Hietzing (neuerlicher Wettbewerb, 2.Preis)
1924Städtebaul. Gesamtkonzept westl. der Sandleitengasse, Wien 16 (Wettbewerb, mit Kaym und Hetmanek)
1926Umbau Künstlerhaus Wien (Wettbewerb)
1927Neugestaltung des Schmerlingplatzes (Wettbewerb, 2.Preis)
1928Städtisches Bad und Wäscherei in Wr. Neustadt (Wettbewerb, 1.Preis)
1931Synagoge in Sillein / Zilina, SZ (Wettbewerb)
o.J.Warenhaus in Troppau / Opava, CZ (Umbau)
o.J.Warenhaus A. Herzmansky, Wien (Erweiterungsbau)
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Primärquellen

PUBLIKATIONEN:
H. Gorge: Ein Synagogenentwurf. In: Der Architekt 22.1919, S.133ff
H. Gorge: Von bürgerlichen Wohnräumen. In: Dt. Kunst und Dekoration 50.1922, S.37ff
H. Gorge: Typenform und Endform. In: Dt. Kunst und Dekoration 50.1922, S.231ff
H. Gorge: Gegenwart. In: Innendekoration. 36.1925, S.289
H. Gorge: Zum Einfamilienhaus. In: profil 1.1933, S.181ff

NACHLÄSSE UND ARCHIVE:
Achleitner-Archiv, AzW; WStLA; TUWA; KHA des WStLA
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Sekundärquellen

LITERATUR:
F. Aichelburg: Das Wiener Künstlerhaus 1861-2001. Bd.1 Wien 2003
Anonym: Neue Volkswohnhäuser der Gemeinde Wien (Karl Höger Hof, Wien 11) In: Bau- und Werkkunst 4.1928, H.5, S.121ff
J. A.: Hugo Gorge. In: profil 3.1935, H.10, S.489ff
M. Eisler: Der Wettbewerb um eine Hietzinger Synagoge. In: Österr. Bau- und Werkkunst 2.1925/26, S.1ff
M. Eisler: Hugo Gorge, Wien. In: Moderne Bauformen 28. 1929, S.248ff
M. Eisler: Österreichische Werkkultur. Wien 1916
M. Ermers: Die Werkbundsiedlung Wien Lainz. In: Bauwelt 23.1932, H. 24, Kunstdruckbeil. S.1ff
J. Frank (Hrsg): Die internationale Werkbundausstellung. In: Neues Bauen in der Welt, Bd.VI, Wien 1932, S.84ff
A. Gmeiner / G. Pirhofer: Der österreichische Werkbund. Salzburg/Wien 1985
H. und R. Hautmann: Die Gemeindebauten des Roten Wien 1919-1934. Wien 1980
W. Kreis: Entscheidung des Preisgerichtes über Entwürfe zur Verbauung des Schmerlingplatzes. In: Bau- und Werkkunst 4.1927, H. 3, S.76ff
M. Marchetti (Hrsg.): Wien um 1900 – Kunst und Kultur. Wien/München 1985
I. Meder: Offene Welten, die Wiener Schule des Einfamilienhausbaus 1901-1938. Diss. Stuttgart 2003
W. Michel: Raumgestaltung unserer Zeit. In: Innendekoration. 34.1923, S.20f
Österreichischer Werkbund 1929. Wien 1929
R. Schmidt: Das Wiener Künstlerhaus 1861–1951. Wien 1951. S.226, 269
K. Walde: „Einfacher Hausrat“ in Wien. In: Innendekoration. 33. 1921, S.182f
A. Weiser: Formensprache und Inhalt. Zu den Arbeiten von Hugo Gorge. In: Innendekoration 36.1925, S.2f
A. Weiser: Zum Wettbewerb Wr. Neustadt (Bad und Wäscherei). In: Bau- und Werkkunst 4.1928, H.10, S.261ff
G. Weissenbacher: In Hietzing gebaut. 2 Bde. Wien 1999-2000
H. Weihsmann: Das Rote Wien. Wien 2002

HINWEISE AUF WERKE:
Der Architekt
23.1920, S.87ff (Schlaf- und Wohnzimmer)

Bau- und Werkkunst
4.1927/28, H.2, S.92 (Wohnraum, Weihnachtschau Künstlerhaus 1928)
6.1929/30, S.225 (Confiseriepavillon, Werkbundausstellung)

Innendekoration
39.1928, S.5ff (Möbel und Wohnungseinrichtungen) / S.33f (Karl Höger-Hof) / S.34f (Friedrich Engels-Hof) / S.40 (Stoffentwürfe)

Österreichische Bau- und Werkkunst
1.1924/25, S.23 (div. Möbel) / S.50f (Wettbewerb “Sandleitengasse”) / S.58, 81, 189, 257, 320, 353, 359 (Div. Möbel, Lampen, Kleingegenstände)
3.1926/27, S.74 (Vorführungssaal der Weihnachtsschau des Wiener Künstlerhauses) / S.78 (Wohn- und Speisezimmer, Weihnachtsschau des Wiener Künstlerhauses)

NACHSCHLAGEWERKE:
Achl. III/1; Achl. III/2; Dehio Wien/2 (II.-IX.u.XX.Bez.); Dehio Wien/3 (X.-XIX.u.XXI.-XXIII.Bez.)
F. Plauer: Das Jahrbuch der Wiener Gesellschaft 1929. Wien 1929
O. Friedmann (Hrsg.): Prominenten Almanach. Bd.1, Wien/Leipzig 1930

LEXIKA:
Czeike;
Biographisches Lexikon der böhmischen Länder. 4 Bde, Wien 1979f
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Ausstellungen
1920Kunstschau, Wien
1920Einfacher Hausrat, Wien
1924Jubiläumsausstellung des Wiener Kunstgewerbe-Vereins
1923Werkbundausstellung „Die Form“, Stuttgart
1925Internationale Kunstgewerbeausstellung, Paris
1926Weihnachtsschau Künstlerhaus Wien, Wohn- und Schlafzimmer
1927Kunstschau, Wien
1928Die neuzeitliche Wohnung, Wien
1929 Weihnachtsschau Künstlerhaus, Wien
1932Werkbundausstellung, Wien
1936„Moderne Möbel im Privatbesitz“ Ausstellung im Hagenbund, Wien
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Anmerkungen
Eingegeben von: Inge Scheidl
Eingegeben am: 01.11.2005
Zuletzt geändert: 18.08.2008
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