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Arthur Grünberger

Persönliche Daten
Ausbildung, Studienreisen, internationale Aufenthalte
Beruflicher Werdegang, Lehrtätigkeit
Mitgliedschaften
Vita
Stellenwert
Werke
Primärquellen
Sekundärquellen
Anmerkungen
Persönliche Daten
* 11.04.1882 - † 21.08.1935
Geschlecht: m
Geburtsort: Fulnek
damaliger Name: Fulnek, Mähren
Land: Tschechien
damaliger Name: Österreich-Ungarn
Sterbeort: Los Angeles
Land: USA
weitere Namen: Gruenberger
Religionsbekenntnis: Mosaisch
Berufsbezeichnung: Architekt, Maler, Bühnenbildner
Familiäres Umfeld: Vater: Adolf G., Kaufmann
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Ausbildung, Studienreisen, internationale Aufenthalte
1899-1905Technische Hochschule Wien (bei K. König, K. Mayreder)
1906/07Akademie der bildenden Künste Wien (bei F. Ohmann)
Studienreisen nach Deutschland, Italien, England, Frankreich, Belgien, Holland
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Beruflicher Werdegang, Lehrtätigkeit
1913selbständiger Architekt
1923Auswanderung in die USA
1932Ausstattungsdirektor für den Film Central Park
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Mitgliedschaften
ab 1909Österr. Ingenieur- und Architektenverein
ab 1919Zentralvereinigung der Architekten Österreichs
ab 1922Genossenschaft der bildenden Künstler Wiens
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Vita
Arthur Grünberger wurde als Sohn des Kaufmanns Adolf Grünberger im mährischen Fulnek geboren. Seine Ausbildung zum Architekten begann er 1899 an der Technischen Hochschule in Wien, wo er die Bauschule bei König und Mayreder für sechs Jahre besuchte. Anschließend studierte er ein weiteres Jahr bis 1907 an der Akademie der bildenden Künste bei Friedrich Ohmann. Studienreisen führten ihn in mehrere europäische Länder wie Deutschland, Italien, England, Frankreich, Belgien und Holland.

In den Jahren 1913/1914 erbaute Grünberger in Wien zwei Villen und wurde im selben Jahr von der „Gemeinnützigen Bau- und Wohnungsgenossenschaft von Richtern und akademisch gebildeten Beamten“ in Wien beauftragt, ein Wohnhaus zu errichten. Im darauf folgenden Jahr beteiligte er sich am Wettbewerb für den Neuen Israelitischen Friedhof am Zentralfriedhof in Wien.

Über die näheren Umstände seiner Auswanderung in die Vereinigten Staaten im Jahre 1923 ist nichts bekannt. Aus einem Brief an Rudolph Schindler vom 23. Juli 1924 geht hervor, dass er Ende des Jahres 1923 in San Francisco ankam und in einem Architektenbüro zu arbeiten begann „... um die Verhältnisse gründlich kennen zu lernen und mich auf eine eventuelle Stellung, die mich befriedigen könnte, vorzubereiten“. Möglicherweise erhoffte sich Grünberger ein Angebot von Schindler, der schon seit 1921 in Los Angeles selbständig tätig war. Dem Schreiben hatte er einen Aufsatz beigefügt „... weil es die einzige Möglichkeit ist, mich Ihnen bekannt zu machen“ und bat ihn um ein Treffen. Noch im selben Jahr, 1924, nahm Grünberger von San Francisco aus an dem Wettbewerb zum Bau einer Synagoge in Wien-Hietzing teil, wofür er den ersten Preis bekam. Zwei Jahre später war der Baubeginn für die einzige freistehende Synagoge im Wien der Zwischenkriegszeit, die in der sog. Reichskristallnacht im November 1938 zerstört und 1939 vollständig demoliert wurde. Im Jahr des Wettbewerbs, 1924, beteiligte sich Arthur Grünberger mit Adolf Jelletz, einem ehemaligen Studienkollegen, der auch später die Bauleitung für die Synagoge übernahm, an der „Österreichischen Kunstausstellung 1900-1924“ im Künstlerhaus, dessen Mitglied Grünberger seit 1922 war. Auch in den folgenden Jahren gelang es ihm, den Kontakt zu Österreich aufrecht zu erhalten.

Spätestens im Jahre 1926 übersiedelte Grünberger nach Los Angeles und begann als Zeichner für die Filmindustrie zu arbeiten. Besonders bemerkenswert sind die erhalten gebliebenen Blätter für den Film „Atlantis“, die 1930 entstanden.

Das letzte Mal konnte Grünberger auf Einladung von Josef Frank bei der Wiener Werkbundsiedlung als Architekt wirken, wo er 1932 die Doppelwohnhäuser in der Jagdschloßgasse 80-82 realisierte. In den Staaten errichtete der ausgebildete Architekt kein einziges Werk, sondern arbeitete ausschließlich an der Ausstattung verschiedener Hollywoodfilme („Central Park“, 1932; „Stranded“, 1935; „Travelling Sales Lady“,1935).

Arthur Grünberger verstarb im 53. Lebensjahr in Los Angeles.
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Stellenwert
Arthur Grünberger gehörte ebenso wie Richard Neutra oder Friedrich Kiesler zu jenen Architekten, die schon während der Zwischenkriegszeit in die Vereinigten Staaten auswanderten. Allerdings wechselte Grünberger nach 1926 seinen Beruf und begann in Hollywood als Zeichner und Ausstatter für die Filmindustrie zu arbeiten.

Grünbergers wichtigstes realisiertes Bauwerk ist zweifelsfrei die Synagoge in der Eitelbergergasse 22 in Wien-Hietzing, die im Jahre 1926 vom Architekten Adolf Jelletz ausgeführt wurde. Dem Neubau, der einzigen freistehenden Synagoge, die in der Zwischenkriegszeit in der Hauptstadt errichtet wurde, ging von Mai bis November 1924 ein internationaler Wettbewerb für jüdische Architekten voraus. Das Siegerprojekt entsprach der geforderten Typologie des reformierten jüdischen Ritus, also eines einseitig gerichteten Längsraumes. Das äußere Erscheinungsbild setzte den gelungenen Kompromiss zwischen der modernen österreichischen Architektur und den orientalisierenden (maurischen) Formen um, mit der sich die jüdische Gemeinde damals am ehesten zu identifizieren schien und die im gewissen Sinne einen „jüdischen Nationalstil“ darzustellen vermochten. Grünberger umkränzte den Baukörper mit flach gedeckten Zinnen und versah ihn mit stern- und vierpassförmigen Fensteröffnungen. Zu beiden Seiten des axialen Haupteingangs führten baldachinartig überbaute Freitreppen zu den Galerien der Frauen. Mit diesem Gebäude ist es Grünberger gelungen, eine ganz besondere Facette der Wiener Moderne unter Einbeziehung von dekorativen Elementen früherer Synagogenbauten zu schaffen, ohne in die historisierende Formensprache des 19. Jahrhunderts zu verfallen.

Arthur Grünberger wurde es noch ein zweites Mal ermöglicht, aus der Ferne am Wiener Architekturgeschehen teilzunehmen: Anlässlich der Wiener Werkbundausstellung von 1932 wurde er von Josef Frank eingeladen, zwei Musterhäuser in der Jagdschloßgasse 80-82 zu entwickeln. Die zweistöckigen Wohnhäuser sind flach gedeckt und haben an der Straßenseite – wenig plausibel – zwei Eingänge. Die vielteiligen Sprossenfenster erinnern an die zeitgleiche Gemeindebauarchitektur. Der Vorteil des Hauses liegt in dem großen Wohnzimmer, allerdings wird der Raum durch die Stiege und die zwei Türen empfindlich beeinträchtigt. Schon in der zeitgenössischen Kritik wurde zudem bemängelt, dass das Dienstbotenzimmer nur durch die Küche erreichbar ist. Weiters fällt auf, dass im Wohnbereich ein WC fehlt und statt dessen eines im Keller und eines im Obergeschoss vorgesehen wurde. Die Einrichtung der Häuser stammte von Ernst Lichtblau. Zu der Zeit, als das Doppelwohnhaus in Wien errichtet wurde, arbeitete Grünberger bereits als Ausstattungsdirektor für den Film Central Park.
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Werke

WOHN-/GESCHÄFTSBAUTEN:
1913Villa, Wien 18, Felix-Dahn-Straße (beim Friedhof)
1913-1914Villa, Wien 13, Auhofstraße 7a / Hietzinger Hauptstraße 34a (mit Erich Ziffer)
1913Wohnhaus (Gemeinnützige Bau- und Wohnungsgenossenschaft von Richtern und akademisch gebildeten Beamten in Wien), Wien 18, Peter-Jordan-Straße 94 (mit Erich Ziffer)
1931-1932Doppelwohnhaus Werkbundsiedlung, Wien 13, Jagdschloßgasse 80-82 (Einrichtung: Ernst Lichtblau)

ÖFFENTLICHE BAUTEN:
1928-1929Synagoge, Wien 13, Eitelbergergasse 22 (Mitarbeit: Adolf Jelletz, Wettbewerb, 1.Preis, 1938 zerstört)

INNENRAUMGESTALTUNG/DESIGN:
1932Filmausstattung „Central Park“, Warner Bros (als Ausstattungsdirektor)
1935Filmausstattung „Traveling Sales Lady“ (mit Anton Grot)

NICHT REALISIERTE PROJEKTE:
1914Neue Israelitischer Friedhof am Zentralfriedhof (Wettbewerb)
1915Umbau Kursalon Stadtpark Wien (Wettbewerb, mit A. Jelletz)
1917Doppelvolksschule Schmelz, Wien (Wettbewerb, ein Preis)
1917Kriegerfriedhof in Galizien
1921Krematorium am Zentralfriedhof (Wettbewerb, mit Adolf Jelletz)
1923Synagoge in Antwerpen (Wettbewerb)
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Primärquellen

PUBLIKATIONEN:
A. Grünberger: Was ist der Architekt? Eine Aufklärung über den Umfang der Tätigkeit des Architekten. In: Der Architekt 22.1919, S.179 und 182
H.S. Churchill / A. Grünberger (Übers.): Die Neue Architektur. In: Österr. Bau- u. Werkkunst. 1.1924/25, S.383ff
A. Grünberger: Über das amerikanische Einfamilienhaus und andere Amerikana. In: Österr. Bau- u. Werkkunst 2.1925/26), S.109ff
A. Grünberger: Das Lichtspiel als Kunstwerk. In: profil. 4.1936. H.1, S.6ff (von Hans Adolf Vetter redigiert, posthum erschienen)
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Sekundärquellen

LITERATUR:
Anonym: Vermischtes. Ein Wettbewerb zur Erlangung von Entwürfen zum Bau eines Tempels. In: Zentralblatt der Bauverwaltung Nr.47, 1924. S.415
A. Becker / D. Steiner / W. Wang (Hrsg.): Architektur im 20. Jahrhundert: Österreich (Ausst.Kat.), München/New York 1995
M. Boeckl (Hrsg.): Visionäre und Vertriebene (Ausst.Kat.), Berlin 1995
M. Eisler: Ein moderner Tempel in Amsterdam. In: Menorah. Jüdisches Familienblatt für Wissenschaft/Kunst und Literatur. VII.Jg. Wien-Berlin 1929, S.557-567
M. Eisler: Der Wettbewerb um eine Wiener Synagoge. In: Österr. Bau- u.Werkkunst. 2.1925, S.1-7
M. Eisler: Vom Geist der Synagoge. In: Menorah. Jüdisches Familienblatt für Wissenschaft/Kunst und Literatur. VIII.Jg. Wien-Berlin 1930, S.79-86
J. Gregor / R. Fülöp-Miller: Das amerikanische Theater und Kino. Berlin/Leipzig, Wien 1931
K. Holey: Wettbewerb für eine Feuerbestattungsanlage auf dem Wiener Zentralfriedhof. In: Der Architekt 24.1921/22, S.65ff
O. Kapfinger / A. Krischanitz: Die Wiener Werkbundsiedlung. Wien 1985
H. Künzl: Jüdische Kunst von der biblischen Zeit bis in die Gegenwart. München 1992
Ch. Maryska: Road To Yesterday. Entwürfe Amerikanischer Filmarchitekten 1924-1930.(Ausst.Kat.). Wien u.a. 1992
Österreichische Kunstausstellung 1900-1924. Ausst.Kat. Künstlerhaus. Wien 1924
R. Schmidt: Das Wiener Künstlerhaus 1861-1951. Wien 1951, S.226
H.P. Schwarz: Die Architektur der Synagoge. Ausst.Kat. Frankfurt/M. 1988
Jan Tabor: Zerstörte Zuversicht (über die Synagoge in 1130 Wien, Eitelbergergasse). In: profil Nr.4.1989
O. Uhl: Moderne Architektur in Wien von Otto Wagner bis heute. München 1966
H. Weihsmann: Das Rote Wien. Wien 2002
G. Weissenbacher: In Hietzing gebaut. 2 Bde. Wien 1999-2000

HINWEISE AUF WERKE:
Der Architekt
24.1921/22, S.79 (jüdische Friedhofsanlage)

NACHSCHLAGEWERKE:
Achl. III/2; Arch. Wien; Dehio Wien/3 (X.-XIX.u.XXI.-XXIII.Bez.)
H. Partisch: Österreicher aus sudetendeutschem Stamme. Wien 1961
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Anmerkungen
Eingegeben von: Monika Tscholakov
Eingegeben am: 01.05.2006
Zuletzt geändert: 03.05.2007
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