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Anton Hein

Persönliche Daten
Ausbildung, Studienreisen, internationale Aufenthalte
Beruflicher Werdegang, Lehrtätigkeit
Mitgliedschaften
Vita
Stellenwert
Werke
Primärquellen
Sekundärquellen
Anmerkungen
Persönliche Daten
* 21.02.1854 - † 29.10.1926
Geschlecht: m
Geburtsort: Studenka, Bez. Novy Jicin
damaliger Name: Stauding, Bez. Neu-Titschein, Mährisch Schlesien
Land: Tschechien
damaliger Name: Kaisertum Österreich
Sterbeort: Wien
Land: Österreich
Titel: Ing.
Religionsbekenntnis: Röm. - Kath.
Berufsbezeichnung: Architekt, Baumeister
Familiäres Umfeld: Vater: Vinzenz Hein, Erbrichter
Ehe mit Rosie H. († 1928)
Kinder: Josef (1881-1958), Baumeister; Anton (1897-1945), Baumeister
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Ausbildung, Studienreisen, internationale Aufenthalte
o.J.Oberrealschule Troppau, Österr.Schlesien / Opava, CZ
1864-1867Polytechnikum Wien (die spätere Technische Hochschule, techn. Abteilung, ab 1866 Baufachschule bei Heinrich Ferstel)
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Beruflicher Werdegang, Lehrtätigkeit
ab 1887Baumeister-Konzession
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Mitgliedschaften
ab 1884Österreichischer Ingenieur- und Architektenverein
ab 1897Verein d. Baumeister in NÖ
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Vita
Anton Hein wurde 1854 in einem kleinen Ort in Mährisch-Schlesien als Sohn eines begüterten Grundbesitzers geboren. Nach dem Besuch der Oberrealschule in Troppau kam er nach Wien, um hier am Polytechnikum, dem Vorläufer der Technischen Hochschule, das Baufach zu studieren. Es liegen keine Informationen vor, wo er nach Studienende praktisch zu arbeiten begann. Seinem Nachruf zufolge ging er nach Ungarn, wo er ein Sägewerk errichtete, „welches er jedoch bald veräußerte“. Wann genau er daraufhin wieder nach Wien zurückkehrte, ist nicht bekannt, jedenfalls war es vor 1884, dem Jahr seines Eintritts in den Österreichischen Ingenieur- und Architektenverein. Einige Zeit später erhielt er die Baukonzession und hatte nun die Möglichkeit, eine eigene Baufirma zu gründen.

Das Spezialgebiet von Anton Hein war der Eisenbetonbau, dessen Förderung ihm ein besonderes Anliegen war. Er hatte „erstmalig in Wien Stockwerks-Rahmenkonstruktionen in Eisenbeton ausgeführt“. Auch unternehmerisch tätig und Bauherr einiger großstädtischer Miethäuser in den besten Lagen Wiens, hatte er bei der von ihm errichteten Häusergruppe im Zentrum der Stadt (Wien 1, Bauernmarkt , Fleischmarkt, Rotgasse, Fischhof – einst als „Lazzenhof“ bekannt) „die kühnsten, noch nicht dagewesenen Eisenbeton-Konstruktionen geschaffen“. Anerkannt von der Fachwelt, wurde ihm vom Staat und der Gemeinde Wien wiederholt die Errichtung großer, technisch anspruchsvoller Zweckbauten übertragen. So führte er u.a. die großen Wagenhallen der Straßenbahnhöfe Hernals und Döbling aus, erbaute aber auch die Wohnhäuser für die dort Bediensteten. Im Krieg errichtete er die großen Wiener Barackenspitäler in Meidling und bei der Spinnerin am Kreuz und auch welche in anderen Provinzen der Monarchie. Außerdem stellte er für das Militär Eisenbetonbalken her, die für die Unterstände an der Front benötigt wurden.

Anton Hein starb im 73.Lebensjahr und wurde am Wiener Zentralfriedhof beerdigt. Die Firma wurde von seinem Sohn Anton Hein jun. weitergeführt.
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Stellenwert
Für die von ihm errichteten Wohnbauten wählte Anton Hein anfänglich vor allem neobarocke Dekorformen. Diese Stilrichtung war seit den späten 80er Jahren ungemein populär, da die reich gegliederten und dekorierten Fassaden dem Streben nach möglichst prachtvollem Bauen entsprachen: kennzeichnend sind vertikale, mit Giebeln bekrönte Erkerbauten und Balkone, bei Eckbauten wurde die abgerundete Ecke oft mit turmartigen Aufbauten besonders hervorgehoben (Wien 6, Mariahilferstraße 89-89a). Die üppige Fassadeninstrumentierung mit barocken Elementen war oft mit überdimensionierter Ornamentik besetzt. Um die Jahrhundertwende wurde der barockisierende Fassadenschmuck immer stärker mit Motiven der Secession kombiniert, woraus sich ein Mischstil entwickelte, der großen Anklang fand. Das anfänglich stark plastische Profil des Dekors wich allmählich Formen, die ein flacheres Relief aufwiesen, wie Bandlwerk und Rankenmotive. Bald wurde die historistische Dekoration von secessionistischer abgelöst. Die Firma Anton Hein signalisierte damit Modernität, wobei die Häuser nach wie vor nach historistischem Schema konzipiert waren und z.B. den turmartigen Eckerker aufwiesen (Wien 1, Bauernmarkt 21).

Erst in seinen nach 1910 errichteten Wohnbauten verließ Anton Hein sowohl historistisches Konzept wie auch Dekoration und orientierte sich ausschließlich an den neuen Strömungen. Je nach Bauaufgabe wählte er dafür eine schlichte Formgebung oder er gab der Fassade mit Baywindows, figürlichem Schmuck und Ornamenten, wie sie gleichzeitig von den Wiener Werkstätten geschaffen wurden, ein repräsentatives Aussehen (Wien 7, Schottenfeldgasse 60).

Anton Hein und seine Firma waren nicht nur in ihren Konstruktionsmethoden auf der Höhe ihrer Zeit, Fassadenaufbau und vor allem -dekoration ihrer Häuser spiegeln deutlich die stilistische Entwicklung und Vielfalt der letzten Jahre des 19. und Vorkriegsjahre des 20.Jahrhunderts wider.
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Werke

WOHN-/GESCHÄFTSBAUTEN:
1898Miethaus, Wien 4, Kolschitzkygasse 30 / Drascheplatz 4
1899Wohn- u. Geschäftshaus, Wien 6, Mariahilferstraße 89-89a / Otto Bauer-Gasse 28
1902Miethaus, Wien 4, Große Neugasse 35
1906Miethaus, Wien 3, Dapontegasse 13
1905Miethaus, Wien 1, Brucknerstraße 8 / Maderstraße 3 (Ausführung, Entwurf Arch. Adalbert Swoboda)
1907Miethaus, Wien 1, Dominikanerbastei 10
1908Wohn- u. Geschäftshausgruppe, Wien 1, Bauernmarkt 22 und 24
1910-1911Wohn- u. Geschäftshausgruppe, Wien 1, Bauernmarkt 19 und 21 / Fleischmarkt 6
1912Wohnhäuser des Betriebsbahnhofs Hernals, Wien 17, Richthausenstraße 1-1D (Ausf., Entw. Rolf Geyling)
1914Miethaus, Wien 7, Schottenfeldgasse 60

ÖFFENTLICHE BAUTEN:
1901Hotel „Tyrol“, Wien 6, Königsklostergasse 9-11 / Mariahilferstraße 15

INDUSTRIE-/GEWERBEBAUTEN:
1911Hallenbauten für Betriebsbahnhof Hernals d. Gem.Wien, Wien 17, Hernalser Hauptstraße 138-138a (Ausf., Entw. Rolf Geyling)
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Primärquellen

NACHLÄSSE UND ARCHIVE:
MA 43 (Gräberdatenbank); TUWA
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Sekundärquellen

LITERATUR:
Anonym: Nachruf. In: Allg. Bauzeitung 3.1926, Nr. 66, S.4ff
Kunsthistorische Arbeitsgruppe GeVAG: Wiener Fassaden des 19. Jahrhunderts, Wien 1976

HINWEISE AUF WERKE:
Facaden und Details, Wien 1900
Bl. 26 (Miethaus, Wien 5, Margaretenstraße)

NACHSCHLAGEWERKE:
Achl. III/1
Dehio Wien/1 (I.Bez.); Dehio Wien/2 (II.-IX.u.XX.Bez.)
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Anmerkungen
Alle bei Weihsmann 05 unter Josef Hein angeführten Bauten sind unter Anton Hein sen. errichtet worden, ebenso wurde die Firma von Sohn Anton fortgeführt, Josef Hein scheint nie auf.
Eingegeben von: Jutta Brandstetter
Eingegeben am: 29.01.2008
Zuletzt geändert: 11.07.2016
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