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Leopold Bauer 1862

Persönliche Daten
Ausbildung, Studienreisen, internationale Aufenthalte
Beruflicher Werdegang, Lehrtätigkeit
Mitgliedschaften
Vita
Stellenwert
Werke
Primärquellen
Sekundärquellen
Anmerkungen
Persönliche Daten
* 26.06.1862 - † 25.08.1917
Geschlecht: m
Geburtsort: Wien
Land: Österreich
damaliger Name: Kaisertum Österreich
Sterbeort: Wien
Land: Österreich
damaliger Name: Österreich-Ungarn
Religionsbekenntnis: Röm. - Kath.
Berufsbezeichnung: Architekt und Stadtbaumeister
Familiäres Umfeld: Vater: Florian B., Baumeister
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Ausbildung, Studienreisen, internationale Aufenthalte
o.J.Realschule
o.J.Staatsgewerbeschule Wien (damals Wien 1, Annagasse)
1879/80a.o. Hörer Technische Hochschule Wien (bei Heinrich Ferstel, Karl König )
1880-1882Akademie der bildenden Künste Wien (bei Theophil Hansen)
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Beruflicher Werdegang, Lehrtätigkeit
um 1892Werkmeister und Geschäftsleiter bei Architekt Carl Langhammer
1899Baumeisterkonzession
o.J.selbständiger Architekt
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Mitgliedschaften
ab 1892Österr. Ingenieur- und Architektenverein
ab 1899Genossenschaft der Bau- und Steinmetzmeister
ab 1916Hansen-Klub
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Vita
Leopold Bauer wurde als Sohn eines Baumeisters 1862 in Wien geboren. Nach der Realschule besuchte er die Baugewerbeschule in der Annagasse, Wien 1, die später in die Schellinggasse übersiedelte und als k.k. Staatsgewerbeschule eine wichtige Stellung in der Architektenausbildung erlangte. Anschließend belegte Bauer als außerordentlicher Hörer ein Semester an der Technischen Hochschule und studierte im Anschluss daran noch drei Jahre an der Akademie der bildenden Künste.

Bauer schloss sein Studium im Jahr 1882 ab und war danach als Werkmeister und Geschäftsleiter bei Architekt Carl Langhammer beschäftigt. Gleichzeitig realisierte er jedoch schon Gebäude in eigener Verantwortung. Allerdings blieb sein Œuvre klein, denn er scheint vor allem als Bauleiter tätig gewesen zu sein. Im Jahr 1892 gab Leopold Bauer an, dass er bereits bei der Errichtung von 12 Wohnhäusern, 4 Landhäusern, 8 Fabriksgebäuden sowie 2 Schlossbauten als Bauleiter mitgewirkt habe.

Im Jahr 1902 erbaute Bauer in Kellerowo bei Moskau eine Arbeiter-Kaserne sowie eine Arbeiter-Versammlungshalle für die Messing- und Kupferwalzwerke Koltschugin. Der Miteigentümer von Alexander Koltschugin, der deutsche Maximilian von Wogau, hatte ab dem Jahr 1876 die Fabrik mit westlichem Standard ausgebaut, beschäftigte deutsche Arbeiter, ersetzte die bestehenden Holzhütten durch Ziegelbauten und ließ eine Werksiedlung, ein Krankenhaus und eine Schule errichten. Wenngleich anzunehmen ist, dass Wolgau auch für die baulichen Erneuerungen auf Architekten aus dem deutschen Raum zurückgriff, bleibt letztlich dennoch ungeklärt, wie Bauer an diesen Auftrag gelangt war.

Leopold Bauer starb im 55.Lebensjahr in Wien.
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Stellenwert
Die erste bekannte Arbeit von Leopold Bauer ist das sogen. Hamerling Stiftungsgebäude in Kirchberg am Walde, NÖ, das er 1891-1892 mit Franz Kubascek errichtete. Das Gebäude ist in Neorenaissanceformen ausgeführt und erhielt mit einem hohen, mehrfach gebrochenen Volutengiebel mit Vasenaufsätzen, einem bekrönenden Türmchen sowie einem auf Säulen ruhenden Portalvorbau mit hohem, geschwungem Turmhelm ein äußerst romantisches Erscheinungsbild.

Wesentlich schlichter hat Bauer hingegen die zwei Werkstätten- und Wohnhausbauten in Wien 14, Nobilegasse 22-24 (1905) sowie in Wien 10, Knöllgasse 35 (1906-1907, nicht erhalten) gestaltet. Es galt vor allem die Wünsche der Bauherren zu berücksichtigen, die die Vereinigung von Wohnen und Arbeiten möglichst praktisch und komfortabel gestaltet sehen wollten. Darüber hinaus waren die Fabriksräume nach neuesten technischen Erkenntnissen anzulegen, ein reibungsloser Fabrikationsablauf zu garantieren sowie für die Arbeiter moderne hygienische Voraussetzungen zu schaffen. Mit nur wenig secessionistischem Dekor erhielten die Fassaden ein dem Wohnzweck angemessenes, elegant-schlichtes Erscheinungsbild. Beachtenswert bei dem Bau in der Nobilegasse ist eine mächtige, dem Dach vorgeblendete, äußerst kunstvolle schmiedeseiserne Konstruktion mit dem Namen des Besitzers Karl Novak, die dieser in der eigenen Kunstschlosserei herstellte.

Im Jahr 1913 realisierte Bauer als letztes dokumentiertes Bauwerk ein Miethaus in Wien 12, Schönbrunnerstraße 246-248 / Rotenmühlgasse (heute verändert). In dem Eckhaus konzipierte Bauer im Erdgeschoss ein Kaffeehaus, ein Balkon im ersten Stock zeigt noch Reminiszenzen an die früher unerlässliche Hervorhebung der Hausherrenwohnung. Der Fassade verlieh Bauer mit sparsam eingesetzem klassizierenden Dekor eine vornehme Wirkung, wobei eine Reihe von Arkadenbögen mit Ballustradenparapeten im obersten Stockwerk dem Gebäude eine extravagante Note verleiht.

Leopold Bauers schmales Œuvre zeigt seine Fähigkeit, den Herausforderungen der unterschiedlichen Bauaufgaben jeweils flexibel gerecht zu werden. Dabei zeichnet sich Bauer weniger durch die formale Gestaltung als durch die Konzeption der Innenräume aus, bei denen er die Vereinigung von Wohn- und Produktionsbereichen unter gleichzeitiger Wahrung der Privatheit stimmig zu lösen verstand.
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Werke

WOHN-/GESCHÄFTSBAUTEN:
1902Arbeiter-Kaserne und Arbeiter-Versammlungshalle der Messing- und Kupferwalzwerke „Koltschugin“ in Kellerowo bei Moskau, RUS
1913Miethaus, Wien 12, Schönbrunnerstraße 246-248 / Rotenmühlgasse (verändert und Dekor entfernt)
o.J.Landhaus in Payerbach, NÖ
o.J.Beamtenhaus in Donaufeld (Adr. unbek.)

ÖFFENTLICHE BAUTEN:
1891-1892Hamerling Stiftungsgebäude, Kirchberg a. Walde, NÖ (mit Franz Kubascek)

INDUSTRIE-/GEWERBEBAUTEN:
1905Werkstätten- und Wohnhausbau Karl Novak, Wien 14, Nobilegasse 22-24 (heute Wien 15)
1906-1907Werkstättenhalle und Wohnhaus Fa. Wilhelm Rotter, Wien 10, Knöllgasse 35 (nicht erhalten)

NICHT REALISIERTE PROJEKTE:
1888Waisenhaus in Sternberg (Wettbewerb, 1.Preis)
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Primärquellen

NACHLÄSSE UND ARCHIVE:
Archiv ÖIAV; TUWA; Archiv der ABK
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Sekundärquellen

HINWEISE AUF WERKE:
Der Bautechniker
25.1905, S.1121 (Werkstätte und Wohnhaus Karl Novak, 14, Nobileg. 22-24)
27.1907, S.253 (Werkstättenhalle und Wohnhaus der Fa. Rotter, 10, Knöllg. 35) / S.862ff (Arbeiter-Kaserne und Arbeiter-Versammlungshalle der Messing- und Kupferwalzwerke Koltschugin in Kellerowo bei Moskau)
33.1913, Nr.18, T.18 (12, Schönbrunnerstr. 246-248)

NACHSCHLAGEWERKE:
Achl. III/1; Achl. III/2
Dehio Wien/3 (X.-XIX.u.XXI.-XXIII.Bez.)
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Anmerkungen
Werkstätten- und Wohnhausbau Karl Novak, Wien 14, Nobilegasse 22-24 und Werkstättenhalle und Wohnhaus Fa. Wilhelm Rotter, 10, Knöllgasse 35 bei Achl. III/1 irrtümlich dem Wagner-Schüler Leopold Bauer (1872) zugeschrieben.
Eingegeben von: Inge Scheidl
Eingegeben am: 01.07.2007
Zuletzt geändert: 03.08.2015
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