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Otto Bauer

Persönliche Daten
Ausbildung, Studienreisen, internationale Aufenthalte
Beruflicher Werdegang, Lehrtätigkeit
Auszeichnungen und Ämter
Vita
Stellenwert
Werke
Primärquellen
Sekundärquellen
Anmerkungen
Persönliche Daten
* 07.11.1897 - † nach 1965
Geschlecht: m
Geburtsort: Wien
Land: Österreich
damaliger Name: Österreich-Ungarn
Sterbeort: ab 1926 wohnhaft in Paris
Titel: Ing.
Religionsbekenntnis: Mosaisch
Berufsbezeichnung: Architekt und Raumgestalter
Familiäres Umfeld: Vater: Leopold B., Eisenhändler
Ehe mit Hedwig, geb. Pick
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Ausbildung, Studienreisen, internationale Aufenthalte
o.J.Realschule Wien 11
1915-1918Kriegsdienst (im Sommer 1918 verwundet)
1917-1921Technische Hochschule Wien (bei K.Mayreder, F.Krauss, S.Theiss, 1921 2.Staatsprüfung)
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Beruflicher Werdegang, Lehrtätigkeit
ab 1926Selbständiger Architekt in Paris
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Auszeichnungen und Ämter
o.J.Militärverdienstkreuz
o.J.Kleine Silberne Tapferkeitsmedaille
o.J.Karl Truppenkreuz
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Vita
Otto Bauer wurde 1897 als Sohn eines jüdischen Kaufmanns in Wien geboren. Im Ersten Weltkrieg rückte er im Jahr 1915 ein, im Sommer 1918 wurde er verwundet. Noch während seines Kriegseinsatzes inskribierte Bauer im Jahr 1917 an der Technischen Hochschule in Wien und beendete sein Studium im Jahr 1921.

Über Bauers erste Tätigkeiten liegen nur Informationen aus zweiter Hand vor. Im „Lexikon österr. Zeitgenossen“ von Paul Einödi (1937) wird angegeben, dass Bauer bis zum Jahr 1926 in Wien und der Tschechoslowakei etliche Einfamilienhäuser errichtet habe. Allerdings konnte kein Gebäude verifiziert werden. Entwürfe für Möbel sind hingegen durch eine Publikation in der „Österr. Bau- und Werkkunst“ 1925/26 bekannt.

Im Jahr 1925 gründete Bauer gemeinsam mit Josef Berger und Martin Ziegler den „Bund junger österreichischer Architekten“ (B.Ö.A.), Aktivitäten und weitere Mitglieder dieses Vereins scheinen allerdings nirgends auf.

Im Jahr 1926 verlegte Bauer seinen Wohnsitz nach Paris, wo er zumindest zwei Filialen der Automatenbuffetkette „Presto“ sowie das Gebäude der Tageszeitung „Le Journal“ realisieren konnte. Zu etlichen weiteren Bauten, wie Hotels und Wohnbauten, erstellte Bauer Entwürfe. Deren Ausführung konnte jedoch nicht geklärt werden. Darüber hinaus soll er in den 50er Jahren in der Nähe von Bordeaux gemeinsam mit den Berliner Architekten Eckart Muthesius und Klemens Weigel Krankenhäuser für das amerikanische Militär errichtet haben.

Trotz seines Aufenthalts in Paris blieb Bauer noch bis zum Jahr 1936 in Wien gemeldet. Im Jahr 1930 errichtete er eine Wohnhausanlage für die Gemeinde Wien (12, Zeleborgasse 7 / Pachmüllergasse), das einzige Bauwerk, das Bauer in Wien realisieren konnte.

Nachdem ihn seine Frau in den 60er Jahren verlassen hatte, zog er sich in seine Zweitwohnung bei Fontainebleau zurück und verbrachte seine Zeit vor allem mit Golf spielen. Wann und wo Otto Bauer verstarb, konnte nicht ermittelt werden.
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Stellenwert
Die Möbel, die Otto Bauer in den 20er Jahren entworfen hat, weisen in ihrer sachlich-funktionalen Konstruktion schon auf die architektonische Tätigkeit voraus. Wie später bei den Pariser Bauten legte Bauer großen Wert auf die Verarbeitung edler Materialien, und die durchdachte Einbeziehung der Maserung der Hölzer trug wesentlich zur ästhetischen Wirkung bei.

Das Gebäude für die Automatenbuffetkette „Presto“ in Paris, Boulevard des Italiens, zeigt den Einfluss des am Art-Deco orientierten französischen Funktionalismus. Große Fensterflächen machten die Bar mit ihren insgesamt 27 Getränke- bzw. Speiseautomaten zur Straße hin durchlässig und Materialien wie weißes und schwarzes Opalglas, Weißmetall, mattiertes Aluminium sowie Marmor boten „schon rein äußerlich die Gewähr für allergrößte Appetitlichkeit“ (Mod. Bauformen 1930). Eine großzügige elektrische Beleuchtung im Inneren unterstrich diesen Anspruch. In der Außengestaltung dominierten Leuchtschriften, um Kundschaft anzuziehen. Im Untergeschoß des Gebäudes befand sich ein Restaurant, das „zu längerem Verweilen“ bestimmt war. Hier sorgten lackiertes Eichenholz, ein dunkelbrauner Velourfussboden sowie grüne, lose Rosshaarpolster für „größeres Behagen“.

Otto Bauers einziges Werk in Wien ist die Wohnhausanlage der Gemeinde Wien im 12. Bezirk, Zeleborgasse 7 / Pachmüllergasse. Das Gebäude enthält nur 17 Wohnungen, mit seinen glatten Fassaden erhielt es eine schlichte Ausformulierung. Bemerkenswert ist vor allem die Grundrisslösung. Bauer hatte ein spitzwinkeliges Grundstück zu verbauen und er löste die Aufgabe dahingehend, dass er in die Spitze des Dreiecks einen kubischen Gebäudebock schob, an dem, wiederum im spitzen Winkel, Seitentrakte angefügt sind. Auf diese Weise gewichtete er die Wohnhausanlage zur Straßenkreuzung hin, was zusätzlich durch große, um die Ecken geführte, runde Balkone unterstützt wird.

Otto Bauer erweist sich mit der Gestaltung der Wohnhausanlage der Gemeinde Wien als Vertreter der „Neuen Sachlichkeit“, die in den 30er Jahren auch im Gemeindebau zunehmend an Einfluss gewann. Die Forderung nach Kostengünstigkeit ließ ihm keine Gelegenheit, seine Affinität zu edlen Materialien einzubringen. Die Arbeiten für die Automatenbuffetkette in Paris wurden hingegen zum Beweis, dass Bauer die Forderung nach Sachlichkeit und Funktionalität durchaus mit neuen architekturästhetischen Formulierungen in Einklang zu bringen verstand.
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Werke

WOHN-/GESCHÄFTSBAUTEN:
vor 1928Geschäftsportal der Fa. Siemens & Halske, Adresse unbekannt
1930-1931WHA. d. Gem.Wien, Wien 12, Zeleborgasse 7 / Pachmüllergasse
vor 1938Haus G.Kh. in Garches bei Paris

ÖFFENTLICHE BAUTEN:
um 1930Bar Automatique Presto, Paris, Boulevard des Italiens / Boulevard Haussmann
um 1930Bar Automatique Presto, Paris, Place de la Bourse
um 1930Gebäude der Tageszeitung „Le Journal“, Paris

INNENRAUMGESTALTUNG/DESIGN:
Entwurf von Möbel und div. Inneneinrichtungen

NICHT REALISIERTE PROJEKTE:
vor 1930Carlton-Hotel, Monte Carlo
vor 1930Presto Palast, Paris
1937Österreich-Pavillon für die Weltausstellung in Paris (Wettbewerb)
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Primärquellen

NACHLÄSSE UND ARCHIVE:
TUWA; WStLA
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Sekundärquellen

LITERATUR:
H.H.: Otto Bauer, Paris. Bar und Restaurant Presto. In: Moderne Bauformen 28.1930, S.398ff
H. und R. Hautmann: Die Gemeindebauten des Roten Wien 1919-1934. Wien 1980
I. Meder: Offene Welten: Die Wiener Schule im Einfamilienhausbau 1910-1938. Diss. Stuttgart 2003
S. Plischke: Wir freuen uns und sind stolz! Die österreichischen Pavillons in Brüssel 1935 und Paris 1937. In: Kunst und Diktatur. (Ausst.Kat.) Künstlerhaus. Wien 1994, S.308ff
H. Weihsmann: Das Rote Wien. Wien 2002

HINWEISE AUF WERKE:
Bau- und Werkkunst
2.1925/26, S.225f (Marmorkamin und Rohziegelkamin, div. Möbel)
3.1926/27, S. 246 (Entwurf Sessel)
4.1928, H.10. S.274ff (Verkaufslokal Fa. Siemens & Halske)
6.1930/31, S.23 und S.212 (Bar Automatique, Paris) / S.216 (Wohnung Dr.R., Paris) / S.217 (Projekt Carlton Hotel, Monte Carlo; Proj. Presto Palast, Paris)

Innendekoration
49.1938, S.87ff (Wohnhaus und Einzelräume)

NACHSCHLAGEWERKE:
Achl. III/1
P. Einödi: Wer ist Wer. Wien 1937
S. Waetzoldt: Bibliographie zur Architektur im 19. Jh. Nendeln 1977

LEXIKA:
Vollmer; ÖKL; AKL
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Anmerkungen
Eingegeben von: Inge Scheidl
Eingegeben am: 01.10.2006
Zuletzt geändert: 10.10.2011
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