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Karl Holzer

Persönliche Daten
Ausbildung, Studienreisen, internationale Aufenthalte
Beruflicher Werdegang, Lehrtätigkeit
Auszeichnungen und Ämter
Vita
Stellenwert
Werke
Primärquellen
Sekundärquellen
Anmerkungen
Persönliche Daten
* 10.10.1855 - † 20.08.1918
Geschlecht: m
Geburtsort: Graz, Stmk.
Land: Österreich
damaliger Name: Kaisertum Österreich
Sterbeort: Feldkirch, Vlbg.
Land: Österreich
Titel: Oberbaurat, Hofrat
Religionsbekenntnis: Röm. - Kath.
Berufsbezeichnung: Architekt, Baumeister
Familiäres Umfeld: Vater: Carl H., Geschäftsmann
Mutter: Maria, geb. Braun
Vormund: Jakob Rathleitner, Fabriksbesitzer in Graz
1.Ehe mit Maria, geb. Fröhlich
2.Ehe (1888) mit Maria, geb. Gstirner (*1865)
Sohn: Karl Adolf (*1890)
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Ausbildung, Studienreisen, internationale Aufenthalte
o.J.Oberrealschule in Graz
1872-1877Technische Hochschule Graz
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Beruflicher Werdegang, Lehrtätigkeit
um 1888Bau-Adjunkt bei der k.k. Bezirkshauptmannschaft in St.Johann, Sbg.
ab 1891Ingenieur, 1897 Oberingenieur bei der k.k. Finanzdirektion Salzburg (damals zuständig für die Staatsgebäude im Hztm.Salzburg)
ab 1898Oberingenieur, später Baurat in der k.k.Dikasterial-Gebäude-Direktion in Wien
o.J.Oberbaurat, später Hofrat im k.k.Ministerium für öffentliche Arbeiten
o.J.Departementsvorstand für die Verwaltung der Staatsgebäude in NÖ
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Auszeichnungen und Ämter
1904Kaiser Franz Josef-Orden
o.J.Hofrat
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Vita
Karl Holzer wurde 1855 als Sohn eines Geschäftsmannes in Graz, Stmk. geboren. Er besuchte in seiner Heimatstadt die Oberrealschule und anschließend die Technische Hochschule, die er im Jahr 1877 abschloss. Holzer hat wahrscheinlich schon früh seinen Vater verloren, denn bereits zu Beginn seines Studiums hatte er einen Vormund, den Fabriksbesitzer Jakob Rathleitner.

Holzer scheint Zeit seines Lebens als beamteter Architekt tätig gewesen zu sein. Seine erste Beschäftigung fand er als Bau-Adjunkt in der Bezirkshauptmannschaft in St.Johann, Sbg. Etwa um 1891 war er als Ingenieur, ab 1897 als Oberingenieur bei der k.k. Finanzdirektion Salzburg tätig, die damals für die Staatsgebäude im Herzogtum Salzburg zuständig war.

Ungefähr im Jahr 1898 übersiedelte Holzer nach Wien, wo er als Oberingenieur in der k.k.Dikasterial-Gebäude-Direktion Beschäftigung fand und in der Folge zum Baurat ernannt wurde. Schließlich wird er noch als Oberbaurat, später als Hofrat im k.k.Ministerium für öffentliche Arbeiten und als Departementsvorstand für die Verwaltung der Staatsgebäude in NÖ genannt.

In seiner Stellung bei der k.k.Dikasterial-Gebäude-Direktion, die damals von Emil Förster geleitet wurde, ist Holzer erstmals mit einer Tätigkeit als Architekt dokumentiert. Er verfasste im Jahr 1901 gemeinsam mit Moritz Kramsall und Alfred Keller Pläne für die Errichtung des k.k. Polizeigebäudes in Wien 9, Berggasse 41-43. Dieses Projekt wurde „durch Ministerialrat Emil Ritter v.Förster nach geringen Abänderungen für die Ausführung empfohlen und sonach vom Ministerium des Inneren genehmigt“ (WBIZ 1905, S.191).

In den Jahren 1905-1906 erarbeitete Holzer sodann Pläne für das Frauenheim Wien 12 sowie für das Bezirkspolizeikommisariat und das Steueradministrationsgebäude für den 18. und 19.Bezirk, Wien 18. Während Holzer bei diesen Gebäuden zweifelsfrei als Architekt dokumentiert ist, wird das Polizeigebäude in Wien 9, Berggasse 41-43 in der Literatur stets Emil Förster zugeschrieben.

Karl Holzer starb im 63.Lebensjahr, kurz nachdem er in den Ruhestand versetzt worden war. Ort seines Todes ist Feldkirch in Vorarlberg, obwohl er bis zu seinem Tod in Wien gemeldet war.
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Stellenwert
Von Karl Holzer sind nur zwei Gebäude dokumentiert, die in Wien nahezu gleichzeitig in den Jahren 1905-1906 errichtet wurden. Die Objekte zeigen sehr unterschiedliche Konzeptionen, die jedoch der jeweiligen Bauaufgabe semantisch jeweils anschaulich Rechnung tragen.

Das „Wiener Frauenheim“ in Wien 12, Frauenheimgasse 2 / Schönbrunnerstraße 295 (1906), das heutige Pensionistenheim „Schönbrunn“, ist ein langgestreckter, zweistöckiger Bau, der durch einen Mittel- sowie zwei Eckrisalite aufgelockert ist. Die Risalite sind über das oberste Gesims hochgezogen, wodurch sich in der Zusammenschau mit den Rundbogenfenstern und Balkonen ein malerisches Erscheinungsbild ergibt.

Ganz anders präsentiert sich das Bezirkspolizeikommissariat und Steueradministrationsgebäude für den 18. und 19.Bezirk in Wien 18, Klostergasse 31-38 / Schulgasse 88 (1905-1906), indem dieses Eckgebäude ganz auf die Evokation von Monumentalität und repräsentativer Erscheinung abzielt. Das vierstöckige Gebäude erhielt eine mächtige Eckabrundung, die durch dicht gereihte, hohe und schmale Fenster deutlich von den Seitenfassaden abgesetzt ist. An der Rundung ist im zweiten Sockelgeschoss eine auffallende secessionistische Kartusche mit Girlanden angebracht, ein Motiv, das im kleineren Maßstab an der Seitenfassade wiederholt wird. Ein kräftiges Gesims oberhalb des Sockelgeschosses sowie gerade, jedoch nur teilweise angebrachte Fensterüberdachungen verleihen den Fassaden eine zurückhaltende Plastizität. Markantestes Merkmal dieses Gebäudes ist allerdings eine türkis-farbige Verfließung im Mittelteil der Seitenfassaden, die sich über die zwei obersten Geschosse erstreckt und den repräsentativen Habitus des Gebäudes durchaus ins Malerische changieren lässt.

Karl Holzer Haupttätigkeitsfeld lag in seiner Arbeit als beamteter Architekt, wo er vor allem für die Errichtung, aber auch für die Verwaltung diverser Staatsgebäude zuständig war. Im Rahmen dieser Tätigkeit erfuhr er hohe Wertschätzung, die sich auch in der Verleihung des Hofrat-Titels und des Kaiser-Franz-Josef-Ordens niederschlug. Die beiden von ihm geplanten Gebäude zeigen bei den Außengestaltungen großes Einfühlungsvermögen in die jeweilige Bauaufgabe und weisen Holzer – trotz der teilweisen Anwendung modernen Vokabulars – eindeutig als Vertreter der späthistoristischen Architekturauffassung aus.
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Werke

ÖFFENTLICHE BAUTEN:
1901-1904Polizeigebäude, Wien 9, Berggasse 41-43 / Rossauer Lände (Erstellung der Pläne von Karl Holzer, Moritz Kramsall, Alfred Keller, Überarbeitung von Emil Förster)
1905-1906Bezirkspolizeikommisariat und Steueradministration für d.18.und 19.Bezirk, Wien 18, Klostergasse 31-38 / Schulgasse 88 (heute Polizeigebäude)
1906Wiener Frauenheim, Wien 12, Frauenheimgasse 2 / Schönbrunnerstraße 295 (mit Karl Krepp, Friedrich Mahler und Albrecht Michler, heute Pensionistenheim „Haus Schönbrunn“)
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Primärquellen

NACHLÄSSE UND ARCHIVE:
Archiv der Erzdiözese Salzburg; MA 8 (Meldearchiv); Archiv der TU Graz
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Sekundärquellen

LITERATUR:
Anonym: Das neue k.k. Polizeigebäude in Wien. In: WBIZ 22.1905, S.191ff, 197ff, 203ff, 211ff, T.51-57
A. Lehne: Jugendstil in Wien. Wien 1989
Neue Architektur. Serie 1-6, Leipzig/Wien, o.J. [1901-1910], T.57
Neubauten in Österreich. 3 Bde., Wien o.J.

HINWEISE AUF WERKE:
Neue Architektur. Serie 1-6, Leipzig/Wien o.J. [1901-1910]
Serie V, T.57 (Polizeikommissariat und Steueradministration Wien 18, Klostergasse)

NACHSCHLAGEWERKE:
Achl. III/1; Achl. III/2
Dehio Wien/3 (X.-XIX.u.XXI.-XXIII.Bez.)
NÖ Almanach. Offizielles Organ d. Vereins d. NÖ Landes-Kanzleibeamten
Hof- und Staatshandbuch
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Anmerkungen
Eingegeben von: Petra Schumann/Inge Scheidl
Eingegeben am: 29.01.2008
Zuletzt geändert: 18.08.2008
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