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Richard Bauer

Persönliche Daten
Ausbildung, Studienreisen, internationale Aufenthalte
Beruflicher Werdegang, Lehrtätigkeit
Mitgliedschaften
Vita
Stellenwert
Werke
Primärquellen
Sekundärquellen
Anmerkungen
Persönliche Daten
* 24.11.1897 - † unbekannt
Geschlecht: m
Geburtsort: Wien
Land: Österreich
damaliger Name: Österreich-Ungarn
Sterbeort: 29.10.1938 abgemeldet in die USA
Religionsbekenntnis: Mosaisch, ab 1933 konfessionslos, dann röm.kath.
Berufsbezeichnung: Architekt
Familiäres Umfeld: Vater: Jakob B., Teichgräbermeister (lt.IKG), Bauunternehmer (lt. Archiv ABK)
Mutter: Charlotte, geb. Heller
Ehe mit Friederike, geb. Kohn (*1900)
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Ausbildung, Studienreisen, internationale Aufenthalte
1912-1915Staatsgewerbeschule Wien
1918/19Ergänzungskurs an der Staatsgewerbeschule Wien
1919-1920Akad. d. bild. Künste (bei Franz Krauss)
1932/33Lehrveranstaltungen bei Clemens Holzmeister (Akad. d. bild. Künste)
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Beruflicher Werdegang, Lehrtätigkeit
1927-1938Architektonischer Leiter der GESIBA
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Mitgliedschaften
ab 1936Zentralvereinigung der Architekten Österreichs
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Vita
Richard Bauer wurde 1897 in Wien geboren. Die Quellenangaben über die Tätigkeit seines Vater sind widersprüchlich. Laut dem IKG war der Vater Teichgräbermeister in Jedlesee, heute Floridsdorf, während die Akademie der bildenden Künste Bauers Vater als Bauunternehmer vermerkt. Bauer besuchte zunächst die Staatsgewerbeschule in Wien, und da er den Schulbesuch wegen seiner Kriegsdienstleistung im Ersten Weltkrieg unterbrechen musste, belegte er im Jahr 1918/19 noch einen Ergänzungskurs. Anschließend inskribierte er an der Akademie der bildenden Künste ein Architekturstudium, das er allerdins nicht mit dem Diplom abschloss. Bauer fand bereits im Jahr 1927 eine Anstellung als technischer Leiter bei der GESIBA (Gemeinwirtschaftliche Siedlungs- und Baustoffanstalt), wo er für die Planung etlicher Siedlungen, wie z.B. der „Erwerbslosensiedlung Leopoldau“, Wien 21, Schererstraße / Egon Friedell-Gasse / Julius-Ficker-Straße / Kürschnergasse verantwortlich zeichnete.

Der Einladung Josef Franks folgend, entwarf Bauer im Jahr 1930 ein Doppelwohnhaus in der Werkbundsiedlung, Wien 13, Veitingergasse 75-77. Außerdem betreute er als Leiter der GESIBA auch die technische und organisatorische Bauabwicklung der gesamten Werkbundsiedlung.

Im Jahr 1933 trat Bauer aus der Israelitischen Kultusgemeinde aus, war zunächst konfessionslos und trat dann zum römisch-katholischen Glauben über. Nichtsdestotrotz wurde er bei der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jahr 1938 bei der GESIBA gekündigt. Bauer emigrierte im gleichen Jahr in die USA, über sein weiteres Schicksal ist nichts bekannt.
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Stellenwert
Das Doppelwohnhaus, das Richard Bauer für die Werkbundsiedlung Wien 13, Veitingergasse 75-77 erbaute, erhielt ein schlichtes, unprätentiöses Äußeres. Die Wohnräume wurden sowohl zum Garten als auch zur Straße hin angelegt, sodass auch die Straßenfronten, die bei beiden Häusern ident sind, große, zum Teil dreiteilige Fenster erhielten. Die Gartenfassaden der beiden Häuser hingegen sind unterschiedlich gestaltet: ein Haus erhielt ein dreiteiliges französisches Fenster während das zweite Haus mit einem Balkon ausgestattet wurde. Beachtlich ist, dass Bauer auf einer verbauten Fläche von rund 50 qm immerhin 5 Wohnräume – 1 Wohnzimmer, 2 Schlafzimmer sowie 2 Kammern vorsah. Von beiden Häusern gelangt man auf der Gartenseite vom Wohnzimmer auf eine Terrasse.

Die wichtigste Aufgabe Bauers bei der GESIBA war die Planung der „Erwerbslosensiedlung“ in Wien 21, Schererstraße / Egon Friedell-Gasse / Julius-Ficker-Straße / Kürschnergasse. Auf einem weitläufigen Areal im Gebiet des 1904 eingemeindeten Angerdorfes Leopoldau entstanden in zwei Bauphasen insgesamt 425 Siedlungshäuser, die später zum Großteil durch die Errichtung der „Großfeldsiedlung“ zerstört wurden. Wie auch bei anderen, am Stadtrand angelegten Siedlungen bestand die Grundidee darin, dass die Siedler an der Errichtung beteiligt und die Gärten zum Zweck der Selbstversorgung angelegt werden. Voraussetzung, um in den Genuss eines solchen Siedlungshauses zu gelangen, war neben der Bedürftigkeit die handwerkliche Qualifikation, die die Eigenleistung am Bau gewährleistete, die Eignung für die Landwirtschaft und nicht zuletzt die Zugehörigkeit zur sozialdemokratischen Partei. Um Kosten zu sparen plante Richard Bauer durchwegs Doppelhäuser unter einem gemeinsamen Satteldach, in dem Schlafräume sowie der Heuboden untergebracht waren. Alle Häuser waren als „Kernhäuser“ für eine spätere Erweiterung konzipiert. Auf jeder Parzelle wurde ein Brunnen geschlagen, der eine intensive Agrarbewirtschaftung ermöglichte. Die Siedlung hatte allerdings keinen Kanalanschluss, und auch Anschlüsse für elektrisches Licht und Gas waren vorerst nicht vorgesehen. Ebenso fehlte zunächst jegliche Infrastruktur, erst im Jahr 1935 wurde von Max Fellerer ein Genossenschaftshaus errichtet. Später folgten Schulen und Einkaufsmöglichkeiten (Konsum).

Bauer hat mit der Realisierung der „Erwerbslosensiedlung“ ein bedeutendes Beispiel eines Sozialbauprojekts im Wien der Zwischenkriegszeit umgesetzt, wobei nicht nur die architektonische Konzeption, sondern ebenso der gesellschaftspolitische Anspruch der Ermöglichung weitgehend selbstorganisierender Lebens- und Arbeitstrukturen im Vordergrund standen.
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Werke

WOHN-/GESCHÄFTSBAUTEN:
1930-1932Werkbundsiedlung, Wien 13, Häuser Veitingergasse 75 u. 77
1932Stadtrandsiedlung (Erwerbslosensiedlung) Leopoldau, Wien 21, Schererstraße / Egon Friedell-Gasse / Julius-Ficker-Straße / Kürschnergasse / etc. (ab 1965 zum Großteil abgerissen und durch die „Großfeldsiedlung“ ersetzt)
1934Stadtrandsiedlung Aspern, Wien 22, Mittleres Hausfeld / Aurikelweg / Enzianweg / Pilotenweg / An den alten Schanzen (mit Johann Würzl)
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Primärquellen

PUBLIKATIONEN:
R. Bauer: 80 Selbstversorger in der Leopoldau. In: profil 1.1933, H.2, S.43ff

NACHLÄSSE UND ARCHIVE:
Archiv der ABK; IKG; WStLA (Meldearchiv)
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Sekundärquellen

LITERATUR:
B. Feller: 75 Jahre bauen für Wien. Die Geschichte der GESIBA. Wien 1996
Festschrift zur 50 Jahrfeier der techn. gew. Bundes-Lehranstalt Wien I. 1880-1930
J. Frank (Hrsg.): Die internationale Werkbundsiedlung in Wien. Wien 1932
A. Gmeiner / G. Pirhofer: Der österreichische Werkbund. Salzburg/Wien 1985
O. Kapfinger / A. Krischanitz: Die Wiener Werkbundsiedlung. Wien 1985
I. Meder: Offene Welten: die Wiener Schule im Einfamilienhausbau 1910-1938. Diss. Stuttgart 2003
H. Weihsmann: Das Rote Wien. Wien 2002
G. Weissenbacher: In Hietzing gebaut. 2 Bde, Wien 1996-1998

HINWEISE AUF WERKE:
Österreichische Kunst
5.1934, H.12, S.21 (Stadtrandsiedlung Leopoldau)

NACHSCHLAGEWERKE:
Achl. III/2
Dehio Wien/3 (X.-XIX.u.XXI.-XXIII.Bez.)
S. Waetzoldt: Bibliographie zur Architektur im 19. Jh. Nendeln 1977

LEXIKA:
Weihsmann 05
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Anmerkungen
Angaben bei Weihsmann 2005 zum Teil irreführend und falsch. (z.B. Patent für die Werkbundsiedlung? Seine Abmeldung in die USA am 29.10.1938 ist dokumentiert)
Eingegeben von: Inge Scheidl
Eingegeben am: 01.10.2006
Zuletzt geändert: 14.04.2008
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