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Maximilian Katscher

Persönliche Daten
Ausbildung, Studienreisen, internationale Aufenthalte
Beruflicher Werdegang, Lehrtätigkeit
Mitgliedschaften
Vita
Stellenwert
Werke
Primärquellen
Sekundärquellen
Anmerkungen
Persönliche Daten
* 30.05.1858 - † 27.01.1917
Geschlecht: m
Geburtsort: Slavkov u Brna
damaliger Name: Austerlitz, Bez. Wischau, Mähren
Land: Tschechien
damaliger Name: Kaisertum Österreich
Sterbeort: Wien
Land: Österreich
damaliger Name: Österreich-Ungarn
weitere Namen: Max Katscher
Religionsbekenntnis: Mosaisch
Berufsbezeichnung: Architekt, Baumeister
Familiäres Umfeld: Vater: Leopold K.
Mutter: Antonia Medak
Schwestern: Hermine (*1854) Austerlitz, Ehe (1884) mit Philipp Dresdner; Rosa (*1859) Austerlitz; Ehe (1890) mit Karl Frankenbursch
Vormund: Dr. Babel (Wien, Gonzagagasse) während der Studienjahre
Ehe (1914) mit Aloisia Hönig (*1884)
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Ausbildung, Studienreisen, internationale Aufenthalte
o.J.Oberstufenrealgymnasium Wien 3, Landstraße Hauptstraße
1875-1880Technische Hochschule Wien (Ingenieurschule; Bauschule, u.a. Ferstel, König; mit Absolutorium abgeschlossen)
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Beruflicher Werdegang, Lehrtätigkeit
o.J.Zeichner bei den Baumeistern G. Demski und J. Prokop in Wien
1884Baumeister
ab 1886Für Wien concessionierter Baumeister (nachweisbarer Nichtbetrieb: 1901, 1910, 1911?, 1912, 1913)
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Mitgliedschaften
ab 1885Bau- und Steinmetzmeister-Genossenschaft Wien
ab 1892Österr. Ingenieur- und Architektenverein
ab 1893Hietzinger Cottageverein (im Ausschuß)
ab 1904NÖ Gewerbeverein
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Vita
Maximilian Katscher, der in Mähren geboren worden war, lebte wahrscheinlich ab dem Besuch des Oberstufenrealgymnasiums in Wien. Er dürfte seine Eltern bereits früh verloren haben, denn während seines Studiums an der Technischen Hochschule Wien stand er unter Aufsicht eines Vormundes. Durch den Bau des Warenhauses Herzmansky, Wien 7, Stiftgasse 3, erbaut für seinen Hauptauftraggeber August Herzmansky, und durch die Veröffentlichung einiger seiner Werke in diversen Fachzeitschriften seiner Zeit dürfte Katscher einen gewissen Bekanntheitsgrad erlangt haben.

1914 konvertierte Katscher vom mosaischen zum christlichen Glauben, kurz vor seiner relativ spät geschlossenen Ehe. Drei Jahre später starb Katscher 59-jährig und wurde am Wiener Zentralfriedhof begraben.
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Stellenwert
Anfänglich reichte das Spektrum der ausgeführten Bauten von Maximilian Katscher vom Kurhaus in Baden über Kinderheilstätten, Villen in Baden und Wien bis hin zum Bau einer im neoromanischen Stil ausgeführten Synagoge in Graz. Um die Jahrhundertwende fanden sich eher Wohn- und Geschäftshäuser in einer Mischung aus Neorenaissance und Barock-Stil in seinem ausgeführten Œuvre.

Das Hauptwerk Katschers ist der 1897/1898 errichtete Seitentrakt des Warenhauses Herzmansky (Wien 7, Stiftgasse 3), der heute als die letzte erhaltene Warenhausfassade der Jahrhundertwende in Wien gilt. Sie entsprach dem damals üblichen Warenhaustypus. Der Glasfassade ist eine fünfgeschossige Eisenständerarchitektur vorgelegt, die durch Pilaster verblendet ist; an ihr ist die Struktur des dahinter liegenden dreischiffigen Hallenraumes ablesbar. Dieser war durch geschoßweise umlaufende Galerien unterteilt, die durch die visavis des Eingangs liegende offene, zweiarmige, dreiläufige Haupttreppe erreichbar waren. Die große Treppenanlage zählte seit den Warenhäusern Rothberger am Stephansplatz von Fellner Helmer (1884; 1893) zum Standard eines Wiener Warenhauses. Bei Katscher kam sie durch den langgestreckten Raum am besten zur Geltung.

Ab der Jahrhundertwende fließen secessionistische Details bei der Gestaltung der Fassaden der Wohn- und Geschäftshäuser ein. Die Fassade des Hauses Wien 7, Kaiserstraße 43 (1910/12) wurde mit Baywindows und einem ondulierenden Mittelerker ausgestattet.

Insgesamt zeigte sich in Katscher ein typischer Vertreter der Architektur der Jahrhundertwende, der sich vorwiegend einer traditionellen Formensprache bediente, aber dem Zeitgeist entsprechend durchaus auch moderne Elemente in seine Gestaltungsweise aufnahm.
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Werke

WOHN-/GESCHÄFTSBAUTEN:
1887-1888Umbau Wohnhaus, Baden / Wien, Renngasse 6
1891Villa Hofbauer, Baden / Wien, Valeriestraße 3
1891-1892Villa Knozer für Wohn- und Geschäftszwecke, Baden / Wien, Weilburgstraße 4 (Abbruch)
1892Villa Herzmansky, Wien 14, Herzmanskystraße 1 (ehemals Weidlingau, Wurzbachstraße 1)
1892Villa Herzmansky, Wien 14, Herzmanskystraße 6 (ehemals Weidlingau, Wurzbachstraße 6)
1892-1893Wohn- u. Geschäftshaus „Mathildenhof“, Wien 20, Gaußplatz 5-7 (vor 1920 Mathildenplatz, Wien 2)
1896Wohnhaus, Wien 6, Gumpendorfer Straße 23 / Laimgrubengasse 18
1897-1898„Warenhaus Herzmansky“, Wien 6, Mariahilfer Straße 26-30 / Stiftgasse 3 (1961/62 Abbruch des Komplexes Mariahilfer Straße 26-30)
1899-1900Wohnhaus (Miethausgruppe) „Aegydihof“, Wien 6, Gumpendorfer Straße 94-96
1904-1905Miethaus, Wien 13, Lainzer Straße 49-51
1908Wohn- u. Geschäftshaus Wien 7, Stiftgasse 5-7 (Abbruch)
1910-1912Wohn- u. Geschäftshaus Wien 7, Kaiserstraße 43
o.J.Haus Herzmansky, Wien 7, Lindengasse 10
o.J.Palais Gellert (Gellart), Budweis, Böhmen / Ceské Budejovice, CZ
o.J.Villenartige Familienhäuser für den Hietzinger Cottage-Verein

ÖFFENTLICHE BAUTEN:
1884-1886Kurhaus, Baden, NÖ, Kaiser-Franz-Ring 1 (seit 1934 Casino; Wettbewerb, 1.Preis, mit Eugen Fassbender)
1885Erweiterung des Stephanieasyls in Biedermannsdorf, NÖ
1888Kinderheilstätte Herzmansky-Stiftung, Wien 14, Herzmanskystraße 22 (ehemals Weidlingau-Wurzbachtal; Abbruch)
1890Schul- u. Amtsgebäude der Israelitischen Kultusgemeinde, Graz, Stmk., Grieskai 58
1890-1892Synagoge, Graz, Stmk. (1938 Zerstörung)
1893-1894Deutsches Haus in Proßnitz, Mähren / Prostejov, CZ
div. Grabdenkmale

INDUSTRIE-/GEWERBEBAUTEN:
o.J.Lagerhäuser Caro Jellinek, Wien 20, Dresdner Straße 112 ?

INNENRAUMGESTALTUNG/DESIGN:
o.J.Festsaal im Hotel Continental, Wien

NICHT REALISIERTE PROJEKTE:
1887Männerbad mit Wandelbahn, Bad Aussee, Stmk (Wettbewerb, lobende Erwähnung)
1895Synagoge, Olmütz / Olomouc, CZ (Wettbewerb, 2. Preis)
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Primärquellen

NACHLÄSSE UND ARCHIVE:
Archiv Baumeisterinnung; Materialien des ÖBL; ÖIAV; TUWA; WStLA
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Sekundärquellen

LITERATUR:
E. Fuks: Wiederansiedlung und Zerstörung. In: E. Fuks (Hrsg.) Minhag Styria. Jüdisches Leben in der Steiermark. Graz 2005, S. 36ff, Abb. D5ff
P. Genée: Synagogen in Österreich. Wien 1992
C. Jäger: Österreichische Architektur des 19. und 20. Jahrhunderts, Wien Graz 2005
P. Kortz: Wien am Anfang d. 20.Jh.s. 2 Bde. Wien 1906
Kunsthistorische Arbeitsgruppe GeVAG: Wiener Fassaden des 19.Jh.s [6. Bezirk]. Wien 1976
A. Lehne: Jugendstil in Wien. Wien 1989
A. Lehne: Wiener Warenhäuser 1865–1914. Wien 1990
Neubauten in Wien. Prag. Budapest. Facaden. Details. Haustore. Vestibule. Wien 1904, Bl. 64 (Wien 6, Gumpendorfer Straße)
B. Nezval: Villen der Kaiserzeit, Sommerresidenzen in Baden. Horn / Wien 1993
ÖKT (Österreichische Kunsttopographie) 46: A. Szatecsny: Die Kunstdenkmäler der Stadt Graz. Die Profanbauten des IV. und V. Bezirkes (Lend und Gries). Wien 1984
M. Paul: Technischer Führer durch Wien. Wien 1906
R. Schmidt: Das Wiener Künstlerhaus 1861–1951. Wien 1951
D. Steiner: Maximilian Katscher 1858–1917. Dipl. Arb., Wien 2004

HINWEISE AUF WERKE:
Der Architekt
4.1898, T.95 (Geschäftshaus der Firma A. Herzmansky Wien 7, Stiftgasse 3)

BT (Der Bautechniker)
13.1893, S.137f (Villa des k.k. Hoffotografen Fritz Knozer, Baden bei Wien, Weilburgstraße 4; Abbruch)
15.1895, S.107ff; S.125f (Deutsches Haus, Prossnitz, Mähren)

WBIZ (Wiener Bauindustrie-Zeitung)
2.1884/85, S.1ff Abb.ff (Das neue Curhaus in Baden)
8.1891, S.480 (Synagoge, Graz)
10.1893, S.408f, T.69f (Umbau des Hauses Renngasse 6 in Baden) / S.408 T.71f (Villa des k.k. Hofphotographen Fritz Knozer, Weilburgstraße 6, Baden) / S.556f, T.95f (Villa G. A. Hofbauer, Baden)
11.1893, S.86; T.12f (Wohn- und Geschäftshaus Mathildenhof auf dem Mathildenplatz, Wien 2)
11.1894, S.550f; T.78 (Villen des Herrn A. Herzmansky in Weidlingen bei Wien)
12.1894, S.24 (Deutsches Haus, Prossnitz, Mähren)
16.1899, Beil. zum 9.2., S.14; T.42 (Geschäftshaus der Firma A. Herzmansky Wien 7, Stiftgasse) / S.400f
(Wohnhaus Wien 6, Gumpendorfer Straße 23)
26.1908/09, S.159; S.161f; T.38 (Wohnhaus Wien 13, Lainzer Straße 49-51) / S.173f; S.175f, T.42 (Wohn- und
Geschäftshaus Wien 7, Stiftgasse 5 und 7)

NACHSCHLAGEWERKE:
Achl. III/1 - 1.-12. Bezirk; Achl. III/2 - 13.-18. Bezirk
Dehio 2 - II.-IX. u. XX. Bezirk; Dehio 3 - X.-XIX. und XXI.-XXIII. Bezirk
Dehio NÖ/Süd A-L
L. Eisenberg: Das geistige Wien, Wien 1891
H. Kosel: Deutsch-österreichisches Künstler- und Schriftsteller-Lexikon. Wien 1902
S. Waetzoldt: Bibliographie zur Architektur im 19.Jh. Nendeln 1977

LEXIKA:
Biographisches Lexikon zur Geschichte der böhmischen Länder. Bd.2, München 1984
ÖBL; ThB; Weihsmann 05
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Anmerkungen
Dehio 2 – II. bis IX. und XX. Bezirk: Wien 7, Kaiserstraße 43: dem Architekten J. Bublik zugeschrieben; Achleitner und Doris Steiner: Maximilian Katscher zugeschrieben
Eingegeben von: Dagmar Herzner-Kaiser
Eingegeben am: 01.11.2005
Zuletzt geändert: 19.01.2010
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