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Alfred Bayer

Persönliche Daten
Ausbildung, Studienreisen, internationale Aufenthalte
Beruflicher Werdegang, Lehrtätigkeit
Auszeichnungen und Ämter
Mitgliedschaften
Vita
Stellenwert
Werke
Primärquellen
Sekundärquellen
Ausstellungen
Anmerkungen
Persönliche Daten
* 10.02.1859 - † 03.03.1916
Geschlecht: m
Geburtsort: Karlovy Vary
damaliger Name: Karlsbad, Böhmen
Land: Tschechien
damaliger Name: Kaisertum Österreich
Sterbeort: Karlovy Vary
damaliger Name: Karlsbad, Böhmen
Land: Tschechien
damaliger Name: Österreich-Ungarn
weitere Namen: Beyer
Religionsbekenntnis: unbekannt
Berufsbezeichnung: Architekt und Stadtbaumeister
Familiäres Umfeld: Vater: Michael B., Polizist
Ehe mit Leopoldine B.
eine Tochter, ein Sohn
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Ausbildung, Studienreisen, internationale Aufenthalte
o.J.Bau-Technikum in Holzminden, Westfalen
o.J.Technische Hochschule Prag (bei Josef Zitek)
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Beruflicher Werdegang, Lehrtätigkeit
1887Baumeisterprüfung
1888Baumeisterkonzession
1888-1910Tätigkeit im Architekturbüro Fellner Helmer
ab 1911Baukanzlei in Karlsbad
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Auszeichnungen und Ämter
o.J.Mitglied des Stadtrates für Bauwesen in Karlsbad
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Mitgliedschaften
ab 1901Genossenschaft der Bau- und Steinmetzmeister
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Vita
Alfred Bayer war der Sohn des damals einzigen Polizisten in Karlsbad. Er absolvierte an der Technischen Hochschule in Prag ein Architekturstudium und ging anschließend nach Wien, wo er in dem sehr renommierten Atelier Fellner Helmer eine Anstellung fand und an der Ausarbeitung diverser Projekte beteiligt war. Zu Bayers Aufgaben zählte die Bauleitung beim Bau des Volkstheaters in Wien sowie des Stadttheaters in Aussig, dem heutigen Usti nad Labem in Tschechien. Daneben konnte Bayer auch einige Aufträge in Eigenregie ausführen wie etwa die ehemalige Fabriksanlage in Wien 3, Baumgasse 42, sowie einige Bauten in Karlsbad.

Im Jahr 1911 kehrte Bayer in seine Heimatstadt zurück und eröffnete eine eigene, sehr erfolgreiche Baukanzlei. Einer der ersten Aufträge war die Ausführung des Ehrengrab-Denkmals des verstorbenen Bürgermeisters Knoll. Etliche Hotels, eine Volksschule sowie Wohnbauten und Villen folgten. Auf Grund der großen Anerkennung übte Bayer neben seiner architektonischen Betätigung viele Jahre eine beratende Tätigkeit im Karlsbader Stadtrat aus. Nach einem „heimtückischen“ Leiden, wie es in der zeitgenössischen Literatur heißt, starb Alfred Bayer im 57. Lebensjahr in seiner Geburtsstadt.
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Stellenwert
Bayers Schaffen folgt im Wesentlichen den gängigen Strömungen und Verfahren des Späthistorismus, wobei seine Architektur eine besondere Prägung durch die ästhetischen Kategorien erfuhr, die im Büro Fellner Helmer vorherrschend waren. Bei dem bedeutendsten Bau im Schaffen Bayers, dem Karlsbader Stadttheater, lassen sich schon aus diesem Grund die Anteile Fellners Helmers sowie Bayers bis heute nicht voneinander unterscheiden. Im Stiegenhaus des Stadttheaters Karlsbad soll sich eine Marmortafel befunden haben, auf der stand, dass das Theater in den Jahren 1886–89 von Alfred Bayer errichtet wurde. Zu dieser Zeit arbeitete Bayer im Atelier Fellner Helmer, dem in der Literatur einhellig das Stadttheater Karlsbad zugeschrieben wird. Ob Bayer tatsächlich die Pläne in Eigenverantwortung erstellte, lässt sich nicht verifizieren zumal die Gestaltungsweise dieses Theaters exakt der der Theaterarchitekten entspricht. Es ist durchaus möglich, dass Bayer in Anbetracht der Fülle von Aufträgen zum Teil selbständig Pläne verfasste, die Gebäude sodann aber unter der Leitung des Büros Fellner Helmer ausgeführt wurden. Andererseits ist es möglich, dass Bayer so wie beim Wiener Volkstheater lediglich die Bauleitung innehatte, denn damals war es durchaus üblich, ein neu errichtetes Bauwerk den Bauleitern oder auch den ausführenden Baumeistern zuzuschreiben. In jedem Fall stellte die Errichtung des Karlsbader Theaters ein besonderes Prestigeprojekt dar, da das Stadttheater das erste Gebäude in Karlsbad mit elektrischer Beleuchtung war.

Für die wenigen Wohnhäuser, die Bayer in Wien errichtete, wählte er Formen der Renaissance und des Barock, wie sie im Atelier Fellner Helmer gebräuchlich waren. Auffallend sind zum Teil manieristische Verfremdungen. Beim Wohnhaus Wien 6, Strohmayergasse 7 (1899) akzentuiert Bayer etwa die Mitte sowie die beiden Seiten der Fassade durch barock geschwungene Fensterüberdachungen, die sich über zwei Fensterachsen erstrecken, durchschneidet diese Überdachungen allerdings sodann durch flacher Pilaster. Beim Fabriksgebäude in Wien 3, Baumgasse 42 (1910–11) hingegen ist der zuerst errichtete Hoftrakt ein schlichter Ziegelbau, während die etwas später entstandene Straßenfassade als dekorlose, mit großen Fenstern versehenen Eisenbetonkonstruktion ausgebildet wurde.

Die späthistoristische Gestaltungsweise bei den Wohnbauten und die durchaus übliche sachliche Ausführung beim Fabriksbau unter Nutzung neuer Materialverfahren weisen Bayer zwar nicht als originellen Architekten aus, doch verstand er es dem allgemeinen Zeittrend folgend ästhetisch ansprechende Gebäude zu schaffen. Bis heute ist das stimmungsvolle Erscheinungsbild des mondänen Kurortes Karlsbad daher von Bayers Schaffen wesentlich mitgeprägt.
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Werke

WOHN-/GESCHÄFTSBAUTEN:
1894Etablissement Jägerhaus, Hotel und Restaurant, bei Karlsbad, Böhmen / Karlovy Vary, CZ
1899Wohnhaus, Wien 6, Strohmayergasse 7
1900Mietpalais, Wien 4, Brahmsplatz 1
ohne Datum:
Hotel „Atlantic“, Karlsbad, Böhmen / Karlovy Vary, CZ
Hotel „Esplanade“auf der alten Wiese, Karlsbad, Böhmen / Karlovy Vary, CZ
Hotel „Moskau“, Karlsbad, Böhmen / Karlovy Vary, CZ
Hotel „Neapel“gegenüber dem Kaiserbad, Karlsbad, Böhmen / Karlovy Vary, CZ
Hotel „Bremen“, Karlsbad, Böhmen / Karlovy Vary, CZ
Hotel „Pasteur“, Karlsbad, Böhmen / Karlovy Vary, CZ
Hotel „Weißer Löwe“, Karlsbad, Böhmen / Karlovy Vary, CZ
Villa Bayer, Eduard Knoll-Straße, Karlsbad, Böhmen / Karlovy Vary, CZ (eigenes Wohnhaus)
Weitere Wohngebäude und Villen in Karlsbad, Böhmen / Karlovy Vary, CZ

ÖFFENTLICHE BAUTEN:
1884-1886Stadttheater Karlsbad, Böhmen / Karlovy Vary, CZ (als Angestellter bei Fellner Helmer)
o.J.Volksschule in Karlsbad
o.J.Ehrengrabmal des Bürgermeisters Knoll, Karlsbad, Böhmen / Karlovy Vary, CZ
o.J.Stadthaus in Karlsbad, Böhmen / Karlovy Vary, CZ

INDUSTRIE-/GEWERBEBAUTEN:
1900-1910Fabriksanlage, Wien 3, Baumgasse 42 (heute Sitz mehrerer Firmen)

INNENRAUMGESTALTUNG/DESIGN:
o.J.Konzertsaal Hotel Pupp, Karlsbad, Böhmen / Karlovy Vary, CZ
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Primärquellen

PUBLIKATIONEN:
A. Bayer: Berechnung von Hochbau-Construktionen in Eisen, Stein und Holz. Wien 1898
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Sekundärquellen

LITERATUR:
Anonym: Alfred Bayer. In: Karlsbader Zeitung 46.1996, S.42
R. Hemmerle: Alfred Bayer, Architekt 1859-1916. In: Mitteilungen des sudetendeutschen Archivs. (München) 1996, Folge 122 v. Jän./März, S.7f
Kunsthist. Arbeitsgruppe GeVAG: Wiener Fassaden des 19.Jh.s. Wien 1976
ÖKT 44: G. Hajos: Die Profanbauten des III., IV., und V. Bezirks. Wien 1980

HINWEISE AUF WERKE:
Der Architekt
1.1895, S.51, T.85 (Das Etablissement Jägerhaus bei Karlsbad, Hotel und Restaurant)

NACHSCHLAGEWERKE:
Achl. III/1; Dehio Wien/2 (II.-IX.u.XX.Bez.)
H. Kosel: Deutsch-österreichisches Künstler- und Schriftstellerlexikon. Wien 1902
L. Eisenberg: Das geistige Wien. Wien 1893
H. Partisch: Österreicher aus sudetendeutschem Stamme. Wien 1961
S. Waetzoldt: Bibliographie zur Architektur im 19.Jh. Nendeln 1977

LEXIKA:
ThB; AKL
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Ausstellungen
1892Künstlerhaus Wien
1984 u.1985„Das Kunstschaffen der Egerländer im XX.Jahrhundert“ in Marktredwitz, Stuttgart und München
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Anmerkungen
Eingegeben von: Inge Scheidl
Eingegeben am: 01.05.2005
Zuletzt geändert: 24.04.2007
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