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Karl Alois Krist

Persönliche Daten
Ausbildung, Studienreisen, internationale Aufenthalte
Beruflicher Werdegang, Lehrtätigkeit
Auszeichnungen und Ämter
Mitgliedschaften
Vita
Stellenwert
Werke
Primärquellen
Sekundärquellen
Ausstellungen
Anmerkungen
Persönliche Daten
* 25.10.1883 - † 04.02.1941
Geschlecht: m
Geburtsort: Wien
Land: Österreich
damaliger Name: Österreich-Ungarn
Sterbeort: Wien
Land: Österreich
damaliger Name: Deutsches Reich
Titel: Ing.
Religionsbekenntnis: Röm. - Kath.
Berufsbezeichnung: Architekt
Familiäres Umfeld: Vater: Johann K. (1855-1901), Tischlergeselle, später -meister
Mutter: Marie, geb. Cech (1856-1946)
1.Ehe (1917) mit Erna Perl
2.Ehe mit Maria Hickl
3.Ehe mit Erna Schram?
kinderlos
Bürogemeinschaft: 1919-1925? mit Ing. Rudolf Lauterbach (ab 1921weitere Firmenmitglieder)
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Ausbildung, Studienreisen, internationale Aufenthalte
1904Abschluss der k.k. Staatsgewerbeschule Wien 1 (Höhere Gewerbeschule, Bautechnische Abteilung)
1912-1914k.k. Technische Hochschule Wien (als a.o. Hörer bei Mayreder, Ferstel, Veith und Heller)
1913-1915Akademie der bildenden Künste Wien (bei Ohmann; 1915 Austrittszeugnis)
1915Ernennung zum Brückenkopf-Baumeister in Krems
vor 1916Reisen nach Peterwardein, Breslau, Agram u.a.
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Beruflicher Werdegang, Lehrtätigkeit
um 1915Eintritt in das Stadtbauamt Wien MA 22
1919Gründung des Technischen- und Konstruktionsbüros Ing. Rudolf Lauterbach und Karl Krist (Offene Handelsgesellschaft)
1919-1920Mitarbeiter der Fachzeitschrift „Wohnungskunst“
1921Gründung der Ing. K. Krist R. Lauterbach Bauges.m.b.H.
1922Änderung in Ing. K. Krist Co. Bauges.m.b.H. (Lauterbach übetrträgt seine Geschäftsanteile an Erna Krist; Geschäftsführer nunmehr Ing. Viktor Nowak)
1925Übernahme der Firma durch Ing. Viktor Nowak und Franz Wafler
vor 1933Zivilarchitekt
1938Zwangspensionierung
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Auszeichnungen und Ämter
1914Olbrichpreis
1915Fügerpreis; Hagenmüllerpreis
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Mitgliedschaften
ab 1920Zentralvereinigung der Architekten Österreichs (im Siedlungsausschuss tätig)
o.J.Ingenieurkammer für Wien, Niederösterreich und Burgenland
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Vita
Der im Jahre 1883 in Wien geborene Architekt Karl Krist beendete 1904 die Ausbildung an der k.k. Staatsgewerbeschule in Wien 1. Erst 1912 wird er einerseits als ein im Wiener Telefonbuch eingetragener Architekt und andererseits als außerordentlicher Hörer an der Wiener Technischen Hochschule wieder greifbar. Von 1913 bis 1915 studierte Krist an der Akademie der bildenden Künste in Wien bei Professor Friedrich Ohmann. Vermutlich wurde er bereits im Anschluss daran beim Wiener Stadtbauamt vertraglich angestellt. Seine Entwürfe und Reiseaufnahmen wurden 1916 in der Wiener Bauindustrie-Zeitung veröffentlicht.

In den wirtschaftlich schwierigen Zeiten nach dem Ersten Weltkrieg arbeitete Krist neben seiner Anstellung im Stadtbauamt mit Oberingenieur Rudolf Lauterbach zusammen. Die 1921 gemeinsam gegründete Baugesellschaft wurde 1925 letztendlich von dem 1923 eingetretenen Geschäftsführer Ing. Viktor Nowak und seinem Kompagnon Franz Wafler übernommen.

Erfolgreicher entwickelte sich seine vertragliche Tätigkeit beim Wiener Stadtbauamt (MA 22); Krist wurde ab 1921 mit der Erbauung von Genossenschaftssiedlungen betraut. Weiters folgten Aufträge für die Planung von Wohnhausanlagen. 1938 wurde Krist zwangspensioniert.

Bereits drei Jahre später starb Karl Krist im 58.Lebensjahr und wurde auf dem Jedleseer Friedhof in Wien 21 begraben.
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Stellenwert
Die heute bekannten Werke von Karl Krist wurden in der Zwischenkriegszeit ausgeführt und spiegeln durch seine vertragliche Anstellung beim Stadtbauamt die Problematik jener Zeit in Wien wieder. Der Gemeinderat versuchte nach dem Weltkrieg das durch Hungers- und Wohnungsnot entstandene „wilde Siedeln“ an den Stadträndern durch genossenschaftliche ausgerichtete Organisationen zu unterbinden. Geplant waren kleine Gartenstädte nach dem Vorbild der deutschen Gartenstadtbewegung, die das Innere der Stadt kreisförmig umgaben. Krist erhielt vor allem in der Blütezeit der Siedlungsbewegung bis 1923 etliche Aufträge. Die im 21. und 22.Wiener Gemeindebezirk gelegenen Selbstversorgersiedlungen wurden von Krist meist mit Reihenhauszeilen erschlossen. Krist entwarf einfache Einfamilien-, Doppel- und Reihenhäuser mit ein bis zwei Geschossen. Die Siedlungen erscheinen heute zum Teil sehr verändert.

Im Jahre 1923 traf der Wiener Gemeinderat den Beschluss, sich verstärkt dem Bau von mehrgeschossigen Wohnhausanlagen zuzuwenden. Die bis etwa 1931 entworfenen Volkswohnhäuser und Wohnhöfe für das Stadtbauamt von Karl Krist orientieren sich insgesamt an der stilistischen Entwicklung des kommunalen Wiener Wohnbaus. Der heute bekannteste Bau ist der „Georg Washington-Hof“, den Krist in Zusammenarbeit mit Robert Oerley plante. Der „aufgelockerte Superblock“ am Wienerberg besteht aus fünf aneinandergereihten Höfen, deren spezielle Baum- bzw. Strauchbepflanzung den jeweiligen Namen des einzelnen Hofes ergeben. Auf Grund der Kritik des 1926 stattgefundenen Internationalen Wiener Wohnungs- und Städtebaukongresses wurde die weiträumige Anlage von Krist und Oerley mit reduzierter Geschossanzahl geplant und durch schmale Straßen erschlossen. In den Höfen waren die Gemeinschaftseinrichtungen untergebracht. Die drei von Krist konzipierten Höfe zeigen im Vergleich mit Oerley eine unregelmäßigere und offenere Grundrissform. Die Fassaden werden durch Balkone, verschiedene Fenstergrößen und versetzte Fenster gegliedert. Auffallend bei Krist sind große Sprossenfenster, die sowohl geschossübergreifend als auch horizontal durch dunkle Putzblenden miteinander verklammert werden. Den Abschluss bildet immer ein großes Halbrundfenster im obersten Geschoss. Der massiven Wirkung der balkonartigen Putzblenden stehen die grünen Putzrahmungen kleinerer Sprossenfenster entgegen.

Der letzte Auftrag des Architekten wurde durch die Mittel des 1934 vom damaligen Wiener Bürgermeister Richard Schmitz initiierten Assanierungsfonds finanziert. An Stelle eines verkehrsbehindernden und niedriggeschossigen Altbaus plante Krist in Wien 19, Billrothstraße 58-62 / Pyrkergasse 2a-4b (erb. 1937) eine Wohnhausanlage für Beamte mit 42 Wohnungen um einen Gartenhof. Der von Balkonen flankierte und durch einen Dreiecksgiebel mit Oculus abgeschlossene Mittelrisalit der Hauptfassade an der Billrothstraße wirkt durch seine einfache Gestaltung neobiedermeierlich. Die Nebenfassaden wurden abwechslungsreich mit über die Dachtraufe reichenden Treppenhäusern gestaltet, deren Oculi versetzt zu den übrigen Fensteröffnungen angeordnet waren. Der sich gut dem Charakter der Außenbezirke einfügende Bau wurde in der damaligen Fachpresse mit Interesse aufgenommen. Ungeachtet dieses Erfolges wurde Krist nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Jahr 1938 zwangspensioniert.
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Werke

WOHN-/GESCHÄFTSBAUTEN:
1921Siedlung „Jägermais“, Wien 22, Jägermaiszufahrt 1-33 / Heustadelgasse 79-85 / Benjowskigasse 72-88 / Baranygasse 28-38 / Jägermaisbogen 1-27 und 2-22
1921-1923Siedlung „Gartenheim“, Wien 22, Eßling, Gartenheimstraße / Ambergergasse / Gernotgasse / Hessegasse / Waldheimstraße / Deindorfstraße / Greinzgasse / Podlahagasse / Adam-Betz-Gasse / Schoeppelgasse / Theuergasse (mit Silvio Mohr, Robert Hartinger)
1922Siedlung „Schwarzlackenau I“, Wien 21, Diderotgasse 1-27 / Tomaschekstraße 2-22 / Rudolf-Virchow-Gasse / Johann-Treixler-Gasse / Josef-Zapf-Gasse 1-21
1922-1924Siedlung „Schwarzlackenau II“, Wien 21, Kerpengasse 21-45 und 45-52 / Meyerbeergasse (ehem. Silchergasse) 2-4-8
1922-1924Siedlung „Lissenwasser“, Wien 21, Tschechowgasse 5-21; Puschkingasse 8-10
ab 1923Kleinsiedlung, Wien 21, Josef-Baumann-Gasse / Gerspergasse / Eyblweg
1923-1924WHA d. Gem.Wien, Wien 9, Rögergasse 6
1924-1925WHA d. Gem.Wien „Dr.-Franz-Klein-Hof“, Wien 11, Herderplatz 6 / Grillgasse 40 / Herbortgasse 22-24 / Am Kanal 71
1925-1926WHA d. Gem. Wien „Anton-Schrammel-Hof“, Wien 11, Kopalgasse 55-61 / Meichlstraße 6
1926-1927WHA d. Gem. Wien „Karl-Liebknecht-Hof“, Wien 12, Längenfeldgasse 19 / Flurschützstraße 30 / Herthergasse 37 / Malfattigasse 12 / Böckhgasse 2-4
1927Gemeinnützige Bau- und Wohnungsgenossenschaft „Mein Heim“, Wien 12, Hetzendorfer Straße 157-161 / Werthenburggasse 1 / Kernstraße 2-6
1927-1930WHA d. Gem.Wien „George-Washington-Hof“, Wien 10, Untere Meidlinger Straße 1-12 / Triester Straße 52-58 / Wienerbergstraße 2-6 / Eschenallee 2-4 / Köglergasse (mit Robert Oerley)
1929-1930WHA, Wien 21, Josef-Baumann-Gasse 65-67 / Zehdengasse / Satzingerweg
1931-1932WHA d. Gem.Wien, Wien 10, Eschenallee 1-9 / Wienerbergstraße 8-10
1936-1938Beamtenwohnungen Wien 19, Billrothstraße 58-62 / Pyrkergasse 2A-4B
um 1936Wohnhäuser, Wien 19, Pyrkergasse 6-8

ÖFFENTLICHE BAUTEN:
1929Volks- und Hauptschule, Pottendorf, NÖ, Johannes-Heigl-Gasse 2
1931Sascha-Palast (Umbau des Eos-Lichtspieltheaters), Wien 3, Ungargasse 60 (1944 zerstört)

NICHT REALISIERTE PROJEKTE:
1916Stadterweiterung Laibach, Krain / Ljubljana, SLO (Wettbewerb, mit Franz Sramek, lobende Anerkennung)
1916Studie für eine kleine Kirche, Wien 20, Wagramer Straße
1916Projekt für die Baugewerbebank, Wien 1, Herrengasse / Teinfaltstraße / Hosengasse
1917Öffentliche Ankündigungssäule (Wettbewerb, Preis)
1917Fahnenbefestigung (Wettbewerb, Preis)
1922Typ des Kleinwohnhauses (Wettbewerb der Wiener Messe, einer der 3.Preise)
1923„Ferdinand-Lassalle-Hof“, Wien 2, Lassallestraße 40-44 (Wettbewerb, 1.Preis)
1925„Karl-Seitz-Hof“ (ehemals Gartenstadt Jedlesee), Wien 21, Jedleseer Straße 66-94 (geladener Wettbewerb)
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Primärquellen

PUBLIKATIONEN:
K. Krist: Originalaufnahme Geburtshaus Jelacic in Peterwardein. In: WBIZ 34.1916, S.67
K. Krist: Originalaufnahme eines Hauses in Karlstadt. In: WBIZ 34.1916, S.68
K. Krist: Originalaufnahme eines Hauses in Breslau. In: WBIZ 34.1916, S.69
K. Krist: Originalaufnahmen in Agram. WBIZ 34.1916, S.70; S.72
K. Krist: Reiseaufnahme. In: WBIZ 34.1916, S.71

NACHLÄSSE UND ARCHIVE:
Archiv der ABK; MA 43 (Gräberdatenbank); Pfarre Hernals, Wien (Taufmatrik); TUWA; WStLA (Verlassenschaftsabhandlung; Handelsregisterakt; Musterungskopfzettel)
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Sekundärquellen

LITERATUR:
Anonym: Zum 10. Todestag des Architekten Karl Krist. In: Rathaus-Korrespondenz 12. 2.1951, Bl.238
Architektur Wien. 500 Bauten. Wien 1998
W. Förster: Die Wiener Arbeitersiedlungsbewegung vor dem Zweiten Weltkrieg - Eine Alternative zum kommunalen Wohnbauprogramm? In: der aufbau 35.1980, S.405f
H. und R. Hautmann: Die Gemeindebauten des Roten Wien 1919 - 1934. Wien 1980
C. Jäger: Österreichische Architektur des 19. und 20. Jahrhunderts. Wien / Graz 2005
H. Kampffmeyer: Siedlung und Kleingarten. Wien 1926
H. Kodré: Die Entwicklung des Wiener sozialen Wohnbaues in den Jahren 1919-1938. In: der aufbau 19.1964, Nr.9, S.343 ff, Abb. 20
Kommunaler Wohnbau in Wien. Aufbruch 1923 - 34 Ausstrahlungen. (Ausst. Kat.). Wien 1978
Á. Moravánszky: Die Erneuerung der Baukunst. Wege zur Moderne in Mitteleuropa 1900-1940. Wien / Salzburg 1988
R. Münster: Wiener Siedlungsbauten. Wien o. J.
K. Novy / W. Förster: einfach bauen. Genossenschaftliche Selbsthilfe nach der Jahrhundertwende. Zur Rekonstruktion der Wiener Siedlerbewegung. Wien 1991
H. Weihsmann: Das Rote Wien. Wien 2002
Der Wiener Assanierungsfonds. In: Wien im Aufbau. Teil 12, Wien 1937, S.41 (Wien 19, Billrothstraße 60-62, Pyrkergasse 2-4)

HINWEISE AUF WERKE:
Moderne Bauformen
27.1928, S.88 (Die neue Gartenstadt „Am Wienerberg“, von K. Krist und R. Oerley)

Das neue Wien. Städtewerk. Wien
1926, Bd.1, S.229, Abb. (Wien 9, Grillgasse) / S.288f (Siedlung Schwarzlackenau; Siedlung Baumanngasse) / S.291, Abb. (Wien 21, Siedlung Josef-Baumann-Gasse 65-67)
1927, Bd.3, S.73 (Wien 9, Rögergasse) / S.80 (Wien 9, Grillgasse)
1928, Bd.4, S.249 (Wien 12, Malfattigasse, Böckhgasse-Herthergasse)

Österreichische Kunst
8.1937, H.8/9, S.25 / H.12, S.21 (Döblinger Wohnbauten)

WBIZ
34.1916, S.48f; T.47 (Wettbewerbsentwurf für eine Stadterweiterung in Laibach) / S.50; T.48 (Studie für eine
kleine Kirche in Wien 20, Wagramer Straße) / S.58; T.51f (Projekt für die Baugewerbebank in Wien 1)

NACHSCHLAGEWERKE:
Achl. III/1
Dehio Wien/2 (II.-IX.u.XX.Bez.); Dehio Wien/3 (X.-XIX.u.XXI.-XXIII.Bez.); Dehio NÖ/Süd M-Z

LEXIKA:
Czeike; Weihsmann 05

INTERNETLINKS:
www.archinform.de; www.dasrotewien.at
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Ausstellungen
1923Wiener Kleingarten-, Siedlungs- und Wohnbauausstellung (Kleinwohnungsbau Wien 9,
Rögergasse)
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Anmerkungen
Geburtsdatum bei Czeike...oder 26.10.1884 Wien falsch
Geburtsdatum bei Weihsmann 23.10.1883 falsch
Firmengesellschafter:
Rudolf Lauterbach, Obering.: 22. 12. 1885 in Bielitz - 05. 08. 1955 in Wien; 1903-1905 Technische Hochschule Wien (Maschinenbau); 1905-1908 Technische Hochschule Wien (Bauschule; I. und II. Staatsprüfung)
Eingegeben von: Dagmar Herzner-Kaiser
Eingegeben am: 01.07.2007
Zuletzt geändert: 19.12.2007
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