A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | Z | o
Moritz Otto Kuntschik sen.

Persönliche Daten
Ausbildung, Studienreisen, internationale Aufenthalte
Beruflicher Werdegang, Lehrtätigkeit
Auszeichnungen und Ämter
Mitgliedschaften
Vita
Stellenwert
Werke
Primärquellen
Sekundärquellen
Anmerkungen
Persönliche Daten
* 31.08.1874 - † 18.01.1933
Geschlecht: m
Geburtsort: Wien
Land: Österreich
damaliger Name: Österreich-Ungarn
Sterbeort: Wien
Land: Österreich
Titel: Prof., Ing.
Religionsbekenntnis: Röm. - Kath.
Berufsbezeichnung: Architekt
Familiäres Umfeld: Vater: Josef K., Besitzer eines Branntweingeschäftes, Bezirksrat (1838-1908)
Mutter: Theresia (+ 1920)
Ehe mit Rosa Hubatschek, (+ 1931) Wien
Kinder: Ing. Otto Moritz Kuntschik (*1899); Robert (*1903), Arzt; Josef (+1920)
top
Ausbildung, Studienreisen, internationale Aufenthalte
1892Reifeprüfung an der Staatsgewerbeschule Wien 1 (Höhere Gewerbeschule, Bautechnische Abteilung), Jahrgangspfleger
1897-1900Akademie der bildenden Künste Wien (Schüler von Victor Luntz)
top
Beruflicher Werdegang, Lehrtätigkeit
1892Architekt in Verwendung im Ministerium des Inneren
o.J.Praxis in den Ateliers von Camillo Sitte und Förster
1908-1911Im Hochbaudepartement des Ministeriums des Inneren tätig
1908-1913Hilfslehrer für bautechnische Fächer an der Staatsgewerbeschule Wien
1911Beeidigung als k.k. landesgerichtlicher Sachverständiger und Schätzmeister
1914Einberufung als Leutnant, Kommandant der Wasserleitungssicherungsabteilung Melk
1918Hauptmann (auch sein ältester Sohn war an der Front)
1926Befugnis eines Zivilarchitekten
top
Auszeichnungen und Ämter
1909Verleihung des Goldenen Verdienstkreuzes mit der Krone vom Kaiser (zusammen mit dem Stadtbaumeister Johann Wolf für den Bau der neuen Pfarrkirche St. Anna in Baumgarten)
1914Professor
1915„Signum laudis“, Militärverdienstmedaille im Krieg
top
Mitgliedschaften
vor 1906Wiener Bauhütte (in Ausschüssen tätig)
ab 1908Zentralvereinigung der Architekten Österreichs
ab 1908Mitglied des Vereins der Österr. Gesellschaft für christliche Kunst
top
Vita
Moritz Otto Kuntschik wurde als Sohn des Inhabers eines Branntweingeschäftes in Wien geboren. Nach der Ablegung der Reifeprüfung an der Staatsgewerbeschule in Wien 1 im Jahre 1892 arbeitete er vermutlich für ein Jahr als Architekt im Ministerium für Inneres. Nach Beendigung eines dreijährigen Studiums an der Akademie der bildenden Künste in Wien im Jahre 1900 erwarb sich Kuntschik praktische Kenntnisse als Mitarbeiter in den Ateliers von Camillo Sitte und Emil Förster. Danach machte sich Kuntschik selbständig und entwarf vorerst Wohn- und Geschäftshäuser. Bekannt wurde der Architekt für die Planung der Baumgartner Pfarrkirche St. Anna in Wien 14, Gruschaplatz (1906/08), für die er mit dem Goldenen Verdienstkreuz mit der Krone vom Kaiser ausgezeichnet wurde. Von 1908 bis 1911 war Kuntschik neben der Leitung seines Büros zusätzlich im Hochbaudepartement des Ministerium für Inneres beschäftigt. Außerdem unterrichtete er als Hilfslehrer für bautechnische Fächer an der Staatsgewerbeschule. Nach dem Ausscheiden aus dem Lehramt im Jahre 1913 erhielt Kuntschik den Titel Professor.

Im Ersten Weltkrieg wurde Kuntschik zwischen 1914 und 1918 zur Kriegsdienstleistung herangezogen. Wegen der daraufhin folgenden allgemeinen schlechten Wirtschaftslage erhielt Kuntschik erst 1925/26 durch das Wohnbauprogramm der Gemeinde Wien wieder die Möglichkeit, als Architekt zu arbeiten. 1932 führte er einen weiteren Auftrag der Gemeinde Wien aus.

Kuntschik verunglückte im 59. Lebensjahr tödlich in seiner Wohnung und wurde am Wiener Zentralfriedhof unter zahlreicher Beteiligung der Fachwelt und der Wiener Bauhütte begraben.
top
Stellenwert
In den Projekten und Bauten von Moritz Otto Kuntschik spiegelt sich die Vielfalt der in Wien um die Jahrhundertwende bis zum ersten Weltkrieg auftretenden Strömungen wieder.
Die Ausbildung bei Viktor Luntz (1840-1903) an der Akademie der bildenden Künste und die gleichzeitige erneute Aufnahme einer mittelalterlichen Formensprache bei Wohnbauten in Wien kennzeichnen seine um 1900 publizierten Entwürfe. Bemüht um malerische Effekte verwendete Kuntschik hier zum Teil aus dem Burgenbau entnommene Formen.

Bei dem Miethaus Wien 3, Mohsgasse 3 / Fasangasse 40 ( erb.1903/04) benutzte Kuntschik neben Elementen der eben erst gegründeten Wiener Werkstätte auch monumentale Frauenmasken. Bei der Ecklösung nahm sich Kuntschik das von Otto Wagner 1898/99 erbaute Haus Wien 6, Linke Wienzeile 38, zum Vorbild. Als eigenständige Lösung ist das aus dunklen in Mörtel eingebetteten Kieselsteinen und weißen Scheiben bestehende Dekor in der Oberzone unterhalb des Dachgesimses zu betrachten, das sich in den oberen Parapetfeldern der Hauptzone wiederholt (Internet: Wiener Altstadterhaltungsfonds). Die Schulung bei Luntz befähigte Kuntschik auch zum Entwurf der Baumgartner Pfarrkirche in Wien 14, Gruschaplatz (erb. 1906/08). Die in romanisierenden Detailformen unter Beimengung von Heimatstilelementen ausgeführte Basilika zeichnet sich durch eine markante Nordfassade und eine malerische Wirkung der oktogonalen Zwillingstürme aus.
Vor dem ersten Weltkrieg entstand noch der Großwohnblock Wien 5, Margaretengürtel 114-118 (erb. 1912/13), der zu den ersten Monumentalbauten am neuerrichteten Gürtel zählte.

Nach dem Krieg errichtete Kuntschik im Auftrag der Gemeinde Wien zwei Wohnhausanlagen. Die Fassade des um 1925/26 entworfenen Gemeindebaus (Wien 8, Pfeilgasse 47-49) wird durch bandartig zusammengefasste Fenster horizontal gegliedert und durch klassizierenden Dekor und die typischen gesprossten Fenster belebt. Die langgestreckte Fassade der in den 30er Jahren entstandenen Wohnhausanlage (Wien 3, Obere Bahngasse 4-6-8, Gerlgasse 9-13) wird nur durch Erker und Balkone gegliedert. Der fast völlige Verzicht auf Dekor deutet die schlechten wirtschaftlichen Verhältnisse an.
top
Werke

WOHN-/GESCHÄFTSBAUTEN:
1903-1904Wohnhaus, Wien 3, Fasangasse 40 / Mohsgasse 3
1905Wohnhaus, Wien 7, Neustiftgasse 109
1912-1913Wohnhaus, Wien 5, Margaretengürtel 114-118
1914Wohnhaus, Wien 13, Hietzinger Hauptstraße 101
1925-1926WHA d. Gem. Wien, „Dr. Kronawetter-Hof“, Wien 8, Pfeilgasse 47-49
1932WHA d. Gem. Wien, „Unger-Hof“, Wien 3, Obere Bahngasse 4-8 / Gerlgasse 9-13
o.J.Villenkolonie in Loosdorf (Westbahn), NÖ
o.J.Villen im Cottageviertel und Hietzing, Wien

ÖFFENTLICHE BAUTEN:
1906-1908Baumgartner Pfarrkirche St. Anna, Wien 14, Gruschaplatz / Linzer Straße 259

INDUSTRIE-/GEWERBEBAUTEN:
o.J.Dekorationsdepot des Theaters an der Wien

NICHT REALISIERTE PROJEKTE:
1899Parktor (Entwurf)
1901Anlage eines großen Seebades am Wörthersee mit Hotels und Restaurationsgebäude (Entwurf)
top
Primärquellen

NACHLÄSSE UND ARCHIVE:
Archiv der ABK; TUWA; WStLA (Verlassenschaftsabhandlung)
top
Sekundärquellen

LITERATUR:
Anonym: Professor Kuntschik tödlich verunglückt. In: Neues Wiener Journal 19. 1. 1933, S.7
W. Bandion: Steinerne Zeugen des Glaubens. Die heiligen Stätten der Stadt Wien. Wien 1989
Das neue Wien. Städtewerk (Hg. Gemeinde Wien). Wien 1926-1928. Bd. 3, S.71f und Bd.4, S.243f (Wien 8, Pfeilgasse 47-49)
Festschrift zur 50-Jahrfeier der technisch gewerblichen Bundes-Lehranstalt Wien I. 1880-1930. Wien 1930
H. und R. Hautmann: Die Gemeindebauten des Roten Wien 1919-1934. Wien 1980
Jahresbericht der k.k. Staatsgewerbeschule, im I. Bezirke, Schellinggasse 13. Wien 1891/92
Kommunaler Wohnbau in Wien. Aufbruch 1923–34. Ausstrahlung. (Ausst.Kat.) Wien 1978
A. Lehne: Jugendstil in Wien. Wien 1989
ÖKT 44: G. Hajos: Die Profanbauten des III., IV., und V. Bezirks. Wien 1980
I. Scheidl: Schöner Schein und Experiment. Katholischer Kirchenbau im Wien der Jahrhundertwende. Wien 2003
R. Wagner-Rieger: Wiens Architektur im 19.Jh. Wien 1970
H. Weihsmann: Das Rote Wien. Wien 2002

HINWEISE AUF WERKE:
Der Architekt
7.1901, S.20, T.30f (Seebad Wörthersee)

Der Bautechniker
28.1908, S.1021ff, T.52 (St. Anna-Pfarrkirche in Wien-Baumgarten)

Neubauten und Concurrenzen
5.1899, H.5 (Entwurf für ein Parktor)

WBIZ
26.1909, T.89f (Pfarrkirche Wien 13, Baumgarten)

NACHSCHLAGEWERKE:
Achl. III/1; Achl. III/2
Dehio Wien/3 (X.–XIX.u.XXI.–XXIII.Bez.)

LEXIKA:
Weihsmann 05
top
Anmerkungen
Personaldaten von Moritz Otto Kuntschik, sen. bei Weihsmann 05 falsch
Kuntschik Otto Moritz, jun: geb. am 26.11.1899 in Wien. Gymnasium Wien,
1918-1923 Techn. Hochschule Wien (Bauingenieurschule; 1920 Übertritt zur Maschinenbauschule - erste Staatsprüfung 1921; zweite Staatsprüfung 1924; Diplombescheinigung erst 1942(!) erhalten)
Es scheint unwahrscheinlich, dass Kuntschik Otto Moritz (jun.) als Absolvent der Maschinenbauschule mit seinem Vater an den Entwürfen der beiden Gemeindebauten gearbeitet hat. (siehe Weihsmann 05)
Eingegeben von: Dagmar Herzner-Kaiser
Eingegeben am: 01.10.2006
Zuletzt geändert: 22.02.2007
top
  A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | Z | o
 
© Architekturzentrum Wien
Mit freundlicher Unterstützung des FWF
Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung