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Karl Otto Limbach

Persönliche Daten
Ausbildung, Studienreisen, internationale Aufenthalte
Beruflicher Werdegang, Lehrtätigkeit
Auszeichnungen und Ämter
Mitgliedschaften
Vita
Stellenwert
Werke
Primärquellen
Sekundärquellen
Anmerkungen
Persönliche Daten
* 31.03.1873 - † 03.06.1952
Geschlecht: m
Geburtsort: Wien
Land: Österreich
damaliger Name: Österreich-Ungarn
Sterbeort: Wien
Land: Österreich
Titel: Baurat h.c., Dipl.Ing
Religionsbekenntnis: Röm. - Kath.
Berufsbezeichnung: Ziviling. u. Stadtbaumeister, Architekt
Familiäres Umfeld: Vater: Heinrich (*1841), Großhändler, Kaufmann
Mutter: Leopoldine Purscht (*1844)
Ehe (1898) mit Eleonore Finkelhaus (1870-1936)
Kinder: Heinrich (1899-1944), 3 Töchter
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Ausbildung, Studienreisen, internationale Aufenthalte
o.J.Oberrealschule
1892-1898Technische Hochschule Wien (bei Karl König und Karl Mayreder, 2.Staatsprüfung 1898)
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Beruflicher Werdegang, Lehrtätigkeit
1898-1905Wr.Stadtbauamt als Bauadjunkt
1905Baumeisterkonzession
1905-1908Baufirma mit Cesar Poppovits
ab 1908Fa. „Architekt Karl Limbach Baumeister“
1919Architekten-Befugnis
ab 1923Direktor der Vaterländischen Baugesellschaft AG
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Auszeichnungen und Ämter
1910Bauaufsicht für den 2.Bezirk
1918Kriegskreuz f. Zivildienste II.KLasse
1922Baurat h.c.
o.J.gerichtl. beeideter Sachverständiger u. Schätzmeister, Spezialgebiet städt. Liegenschafts-Schätzungen
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Mitgliedschaften
ab 1898Österr. Ingenieur- und Architektenverein
ab 1907Wiener Bauhütte
ab 1911Verein d. Baumeister in NÖ
ab 1915N.Ö. Gewerbe-Verein
ab 1923Genossenschaft der Bau- und Steimmetzmeister in Wien
ab 1927Österr. Arbeiterbund für das Baugewerbe (im Vorstand)
1927Gründung d. Gremiums ausübender Baumeister Österreichs (Vorstandsmitglied)
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Vita
Karl Otto Limbach wurde 1873 als Sohn eines Kaufmanns, der u.a. Großfuhrwerksbesitzer und Kohlengroßhändler war, in Wien geboren. Nach seiner schulischen Ausbildung an einer Oberrealschule studierte er an der Technischen Hochschule Wien Architektur. 1898 hatte er sein Studium beendet, heiratete im gleichen Jahr und entschied sich, in das Wiener Stadtbauamt einzutreten, wo er als Bauadjunkt aufgenommen wurde. Aus der Zeit seiner Tätigkeit im Stadtbauamt ist seine Mitwirkung am Bau des Amtshauses für den 20.Bezirk unter der Leitung von Baurat Josef Pürzl dokumentiert. Im Stadtbauamt traf Limbach auf den etwas jüngeren Cesar Poppovits (1876-1938), wie er Bauadjunkt und Absolvent der Technischen Hochschule. Sie nahmen gemeinsam an einem Wettbewerb teil und gewannen auf Anhieb den 1.Preis. Von dem Erfolg offensichtlich beflügelt, entschlossen sich beide, aus dem Stadtbauamt auszutreten. Limbach, der inzwischen die Baumeisterkonzession erworben hatte, und Poppovits gründeten die gemeinsame Firma „Architekten Limbach & Poppovits Stadtbaumeister“ und verwirklichten verschiedene Wohnbauprojekte. Nach drei Jahren verließ Poppovits jedoch die Firma, um sich anderen baukünstlerischen Arbeiten zuzuwenden. Limbach führte den Betrieb unter „Architekt Karl Limbach Baumeister“ allein weiter.

Die Baufirma entwickelte sich ausgezeichnet und verfügte über eine gute Auftragslage. Limbach arbeitete nach eigenen Entwürfen, führte aber auch Planungen anderer Architekten aus (u.a. wurde er von Arthur Baron wiederholt mit der Bauleitung bei dessen Gebäuden betraut) und übernahm auch kleinere Bauaufgaben, wie Umbauten, Adaptierung u.ä. Außerdem betätigte er sich unternehmerisch und trat bei einigen seiner Projekte als Bauherr auf. Die mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs eintretende Stagnation im Baugeschehen betraf auch die Firma Limbach, für die in den Kriegsjahren keine Bautätigkeit registriert ist. Wie der Architekt diese Jahre verbracht hat, ist nicht bekannt, doch wurde er am Ende des Krieges mit dem Kriegskreuz II. Klasse für Zivildienste ausgezeichnet. Wenige Jahre später erhielt er den Titel eines Baurats. Limbach, der schon von Beginn seiner Tätigkeit an Mitglied in verschiedenen Standesvertretungen war, engagierte sicn in den 20er Jahren besonders aktiv in einigen ihrer Gremien. 1923 wurde er Direktor der Vaterländischen Baugesellschaft, die auch über Filialen in den Bundesländern verfügte. In dieser Funktion war er später in Wien auch mit Assanierungsbauten befasst. Daneben war er weiterhin als freier Architekt und als gerichtlich beeideter Sachverständiger und Schätzmeister (mit Spezialisierung auf städtische Liegenschafts-Schätzungen) tätig.

Karl Limbach, schon lange Witwer, starb mit 79 Jahren und wurde am Wiener Zentralfriedhof beerdigt.
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Stellenwert
Das Jahrzehnt vor dem Ersten Weltkrieg, in dem der Großteil von Limbachs Bauten entstand, bot den Architekten eine Vielfalt an gestalterischen Möglichkeiten. Nach der Hochblüte der Secession ergab sich aus der Verbindung von Formelementen der neuen stilistischen Strömungen mit historischen Bau- und Dekordetails eine gemäßigte Formensprache. Limbach, geschult in späthistoristischer Tradition, überrascht bei seinen Bauten durch eine breite Palette architektonischer Mittel. Wurde die Gestaltung eines Bauwerks auch primär durch die Bauaufgabe vorgegeben, so konnten für die Konzeption doch auch örtliche Gegebenheiten, wie etwa eine außergewöhnliche Grundstücksform, bestimmend sein. Die beiden nebeneinander liegenden und zur gleichen Zeit entstandenen Wohnbauten in Wien 13, Bossigasse 32 und 34 (1912) sind, stilistisch unterschiedlich aufgefasst, von völlig verschiedenem Aussehen. Limbach entwarf für das dreieckige Grundstück von Nr. 34 einen barock empfundenen, plastischen Baukörper mit entsprechendem Fassadendekor. Nr. 32 dagegen, von blockhafter Form, orientiert sich mit seinen Baywindows (die Oberlichte quadratisch versprosst) zwischen den leicht vorgestuften Wandpfeilern eher an Bauten Josef Hoffmanns. Kubisch und betont sachlich – „wagnerisch“ (Achleitner), da die Fensteranordnung den Wohnungsgrundriss erkennen lässt – wurde die Doppelhausgruppe in Gersthof (Wien 18, Gersthofer Straße 15-17, 1911) konzipiert. Schmale, vertikale Leisten betonen die Achsen, sparsamer skulpturaler Dekor ziert die Parapetzone der Fenster, das ausladende Kranzgesims mit Fachwerk spielt auf die Cottagelage an. Die große, doppelhöfige Anlage der Polizeiwohnhäuser (Wien 16, Possingergasse 53-57, 1912) wiederum erhielt durch geschwungene Giebel, rundbogige Loggien und einen Dekor aus Neoempire-Girlanden einen heimeligen, wohnlichen Charakter. Trotz großer Bandbreite in der Fassadengestaltung und -dekoration wurden, vor allem bei seinen städtischen Miethäusern, verschieden geformte Erker und Gitterbalkone fast immer zur Gliederung und Akzentuierung der Fassaden eingesetzt.

Die von Karl Limbach mit Ludwig Tremmel errichtete Wohnhausanlage Wien 5, Gassergasse 2-8 (1930), lässt sich im Charakter mit Anlagen der Gemeinde Wien vergleichen. Plastisch durchgestaltete und expressiv eingesetzte Details, wie die breiten durchlaufenden Gesimsbänder, und reicher kunstgewerblicher keramischer Schmuck zeichnen den Bau aus, ähnlich wie bei Gemeindebauten, wo man diese dekorativen Mittel bereits Anfang der 20er Jahre angewandt hatte. Dieser Bau, der im Schaffen Karl Limbachs ziemlich einmalig dasteht, ist offensichtlich weniger auf seine Intentionen als auf den Einfluss seines Partners Ludwig Tremmel zurückzuführen. Die letzten bekannten Bauwerke Limbachs sind Assanierungsbauten, die er – ähnlich den späten Gemeindebauten – in reduzierten, sachlichen Formen ausführte. So sind etwa an Stelle der früheren ausdrucksstarken Gesimsleisten nur mehr zarte Nutungen angebracht.

Karl Limbach, der in seiner Schaffenszeit verschiedene Perioden durchlief, zeichnete sich sowohl als phantasiereicher wie auch anpassungsfähiger Gestalter aus.
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Werke

WOHN-/GESCHÄFTSBAUTEN:
1906Miethaus, Wien 15, Nobilegasse 20 / Goldschlagstraße 116 (mit Cesar Poppovits)
1907Miethaus, Wien 13, Hietzinger Hauptstraße 124a (mit Cesar Poppovits)
1907Wohnhaus, Wien 18, Türkenschanzstraße 23 (mit Cesar Poppovits, Fassade teilweise abgeschlagen)
1909-1915Miethaus, Wien 13, Spohrstraße 49-51
1910Miethaus, Wien 13, Bossigasse 23
1910-1911Miethaus, Wien 18, Abt-Karl-Gasse 23
1911Miethaus, Wien 18, Weimarerstraße 4
1911Miethaus, Wien 18, Weimarerstraße 6 / Abt Karl Gasse 25
1911-1912Miethaus, Wien 18, Gersthoferstraße 15-17
1912Miethaus, Wien 18, Schulgasse 58a (mit F. Bretschneider)
1912-1913Gruppe der Polizeihäuser der k.k. Sicherheitswache, Wien 16, Herbststraße 106-114 / Possingergasse 53-57
1912-1913Miethaus, Wien 13, Bossigasse 34 (leicht verändert)
1913Miethaus, Wien 13, Bossigasse 32
1930-1931WHA und Bürogebäude d. Angestellten-Versicherung „Dr. Stefan Licht-Hof“, Wien 5, Gassergasse 2-8 / Kriehubergasse 6 / Blechturmgasse 5-7 (mit Ludwig Tremmel)
1932Villa, Wien 18, Wurzingergasse 3 (verändert)
1935Assanierungsbau, Wien 17, Hormayrgasse 21
1937Assanierungsbau, Wien 16, Ottakringerstraße 229

ÖFFENTLICHE BAUTEN:
1904-1905Amtshaus, Wien 20, Brigittaplatz (unter Baurat Pürzl, Ausführung des Entwurfs von Karl Badstieber)
1908Blindenheim, Wien 14, Baumgartenstraße 77-79 (abgerissen)
um 1910NÖ Landes-Zentralkinderheim, Wien 18, Bastiengasse 36-38 (Teil der Semmelweis-Klinik, mit Max Haupt)
1914-1915Telephonzentrale, Wien 1, Krugerstraße 13 (jetzt Postamt 1015)

NICHT REALISIERTE PROJEKTE:
1904Zinshaus, Klausenburg, Ungarn / Cluj, RO (Wettbewerb 1.Preis mit Cesar Poppovits)
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Primärquellen

NACHLÄSSE UND ARCHIVE:
Archiv Baumeisterinnung; Archiv der KAIK; Matrikenarchiv Pfarre Maria Rotunda, Wien 1, und Pfarre St. Leopold, Wien 2; ÖIAV; WStLA (Meldearchiv, Verlassenschaft); TUWA; MA 43
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Sekundärquellen

LITERATUR:
Die geschichtliche Entwicklung des Wr. Stadtbauamtes. 2.Aufl. Wien 1908
P. Kortz: Wien am Anfang d. 20.Jh.s. 2.Bd. Wien 1906
ÖKT 44: G. Hajos: Die Profanbauten des III., IV. und V. Bezirks. Wien 1980
M. Paul: Technischer Führer durch Wien. Wien 1906
G. Weissenbacher: In Hietzing gebaut. 2 Bde. Wien 1999-2000
F. Woraczek: Das n.ö. Landes-Zentralkinderheim i. Wien. In: ZÖIAV 63.1911, S.337ff

NACHSCHLAGEWERKE:
Achl. III/1; Achl. III/2
Dehio Wien/1 (I.Bez.); Dehio Wien/2 (II.-IX.u.XX.Bez.); Dehio Wien/3 (X.-XIX.u.XXI.-XXIII.Bez.)
S. Waetzoldt: Bibliographie zur Architektur im 19. Jh. Nendeln 1977

LEXIKA:
Weihsmann 05
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Anmerkungen
Irreführende Angaben bei Weihsmann 05: Karl Limbach (Diplom 1898) konnte wohl kaum am Wr. Polytechnikum als „Ingenieuradjudant“ studiert haben, da dieses nur bis 1875 bestand, danach in die Technische Hochschule überführt wurde. Die Bezeichnung „Ingenieuradjudant“ kann sich nur aus dem Titel Ingenieur-Adjunkt herleiten. Als solche wurden die am Beginn ihrer Laufbahn im Wr. Stadtbauamt tätigen Absolventen der Technik eingestuft, später wurde die Bezeichnung in Bauadjunkt umgewandelt. Auch war Limbach nicht am Bau des Amtshauses Wien-Floridsdorf (1900) beteiligt, sondern an dem der Brigittenau (1905), er war auch nicht Oberbaurat, sondern Baurat h.c. Das Postamt Wien 1015, Krugerstraße 13, 1914/15 gebaut, kann man nicht als Frühwerk,bezeichnen.
Eingegeben von: Jutta Brandstetter
Eingegeben am: 29.01.2008
Zuletzt geändert: 08.04.2008
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