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Gustav Matthies

Persönliche Daten
Ausbildung, Studienreisen, internationale Aufenthalte
Beruflicher Werdegang, Lehrtätigkeit
Mitgliedschaften
Vita
Stellenwert
Werke
Primärquellen
Sekundärquellen
Anmerkungen
Persönliche Daten
* 28.08.1844 - † 18.01.1901
Geschlecht: m
Geburtsort: Wismar, Mecklenburg
Land: Deutschland
Sterbeort: Wien
Land: Österreich
damaliger Name: Österreich-Ungarn
weitere Namen: Mathies
Religionsbekenntnis: unbekannt
Berufsbezeichnung: Architekt
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Ausbildung, Studienreisen, internationale Aufenthalte
o.J.Berliner Bauakademie
1871/72Hospitant an der Kunstgewerbeschule Wien, Figural-Zeichnen
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Beruflicher Werdegang, Lehrtätigkeit
ab 1871Aufenthalt und Tätigkeit in Wien
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Mitgliedschaften
ab 1876Österr. Ingenieur- und Architektenverein
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Vita
Gustav Matthies wurde in der Hansestadt Wismar in Mecklenburg-Vorpommern geboren. Seine Ausbildung zum Architekten absolvierte er an der Berliner Bauakademie. Es ist nicht bekannt, wo er seine berufliche Laufbahn begann und wann er nach Wien kam.

Ab 1871 war er jedenfalls in Wien, denn er belegt in diesem Jahr an der Wiener Kunstgewerbeschule das Fach Figural-Zeichnen, offensichtlich hatte er Neigung zur Malerei. Für die Ausbildung zum Architekten war eine gewisse zeichnerische Begabung Voraussetzung, bei manchen war dieses Talent so ausgeprägt, dass es sie schwanken ließ, welcher Berufung sie folgen sollten, und einige wechselten später als fertige Architekten doch endgültig zur Malerei über. Matthies blieb bei der Architektur, und ab den 80er Jahren war er ein viel beschäftigter Architekt, der nicht nur Wohnbauten errichtete, sondern auch öffentliche Aufträge erhielt und sich zu einem Spezialisten im Schulbau entwickelte. Seine Arbeiten wurden von seinen privaten Bauherren anscheinend sehr geschätzt, da sie ihn mit weiteren Aufträgen betrauten, zu denen auch der Industriebau gehörte.

Matthies verstarb 57-jährig in Wien. Seine Zeitgenossen wissen über ihn nur zu sagen, dass er ein „tüchtiger und fleißiger Architekt“ war, der sich „eines wohlverdienten guten Rufes“ erfreute.
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Stellenwert
Obwohl Gustav Matthies ein typischer Vertreter des Späthistorismus war, der über eine Vielfalt stilistischer Gestaltungsweisen verfügte, lassen seine Bauten eine Vorliebe für Renaissanceformen erkennen. Diese waren am Beginn seiner Tätigkeit in Wien zwar noch aktuell, er behielt sie aber auch noch bei, als sie nicht mehr den aktuellen Tendenzen im Baugeschehen entsprachen. Der Grund dafür, dass er wenig Affinität zu den modern gewordenen Barockformen entwickelte, mag in seiner Herkunft aus dem norddeutschen Raum und seiner Ausbildung in Berlin zu suchen sein.

Bei allen seinen Wohnbauten wurden die beiden Hauptgeschosse des dreizonigen, historistischen Fassadenaufbaus durch architektonische Fensterumrahmungen und Dreieck- oder Segmentgiebelverdachungen ausgezeichnet. Mit seichten Risalite an den Seiten mit einer Supraposition in den Hauptgeschossen – die Fensterumrahmungen der beiden Geschosse wurden zusammengezogen und reicher dekoriert – setzte der Architekt Akzente im regelmäßigen Achsenablauf. Auch die Mitte konnte durch eine aufwendige Portalanlage und ein darüberliegendes dekorativ geschmücktes Fenster hervorgehoben werden. Mit manieristischen Dekorelementen ließ sich eine besonders repräsentative Wirkung erzielen. Üppiger skulpturaler Schmuck, wie Hermenpilaster, Halbsäulen und Büsten, sowie eine aufwendige Ornamentik sollten dem Wohnbau ein palastähnliches Aussehen verleihen (Wien 4, Schleifmühlgasse 4).

Für den monumentalen Charakter, der von einem öffentlichen Gebäude erwartet wurde, waren Renaissanceformen, wie sie auch die Ringstraßenbauten prägen, besonders geeignet. Matthies gliederte die Hauptfront des Rathauses in Fünfhaus (Wien 15, Rosinagasse 4) – wohl nach dem Vorbild barocker Schlossbauten – in Mittel- und rahmende Seitenrisalite, die Detailformen, wie Ädikulafenster, sind jedoch typische Renaissanceformen. In der Dachzone wurden die Risalite über der Mitte mit einem kuppelförmigen Aufbau akzentuiert, die Seiten turmartig überhöht. Eine Vierflügelanlage gleich der des Fünfhauser Rathauses, nur kleiner, einfacher und bescheidener, erschien Gustav Matthies auch für seine Schulbauten geeignet und er bildete dafür ein gewisses Schema heraus. Die Hauptfront der Schule wurde meist durch einen Mittelrisalit samt höher ausgeführtem letzten Stockwerk, das den (fast immer auch als Festsaal genutzten) Zeichensaal beherbergte, charakterisiert, und stellte, oft bekrönt von einem Giebel, das dominierende Architekturmotiv dar. Kennzeichnend für die Schulbauten sind die geringe Breite der Pfeiler zwischen den Fenstern, um die gute Belichtung der Schulzimmer zu gewährleisten, beliebt war auch eine Hinterlegung der Hauptgeschosse mit Ziegel oder Klinker (Schule in Neutitschein / Novi Jicin, CZ).

Ziegelbau wurde für die unterschiedlichsten Bauaufgaben eingesetzt. So projektierte Matthies eine Kirche mit Einturm-Fassade als Ziegelbau. Er plante sie in “spätromanischen Architekturformen”, die ihm hierfür als die geeignetsten erschienen (Gotische oder romanische Formen wurden beim christlichen Kirchenbau am häufigsten verwendet). Er bereicherte den Bau mit Strebepfeilern, die sowohl eine Überleitung zur Vertikalität des Turmes herstellen, wie auch zur Auflockerung des Kirchenschiffes beitragen sollten (Projekt für Kirche in Breitensee). Ziegel war aber auch für einen ganz anderen Auftrag, einen Fabriksbau, der gegebene Baustoff. Auch hier war Architekt Matthies, als typischer Vertreter seiner Zeit bestrebt dem industriellen Bauwerk mit Mittelrisalit und frühen Renaissanceformen ein “schöngegliedertes, nahezu elegantes” Aussehen zu verleihen (ehemalige Handschuhfabrik, Wien 19, Boschgasse 62).
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Werke

WOHN-/GESCHÄFTSBAUTEN:
1880Wohn- u. Geschäftshaus, Wien 4, Schleifmühlgasse 4
1883-1885Miethäuser, Wien 3, Wassergasse 29 und 31
um 1883Miethaus, Wien 4, Margaretenstraße 25
1883Miethaus, Wien 4, Karlsgasse 12 / Paniglgasse 9

ÖFFENTLICHE BAUTEN:
1882-1884ehem. Rathaus von Fünfhaus (Amtshaus für den 15. Bezirk), Wien 15, Rosinagasse 4 (Wettbewerb: 2.Preis, Kennwort: Patria)
1883-1884Volksschule Preßbaum, NÖ, Hauptstraße, 77
1885-1886Schule für Knaben und Mädchen, Wien 15, Rosinagasse 6
um 1885Schule in Neutitschein, Mähren / Novi Jicin, CZ
1896Hotel Kaiserhof, Wien 4, Frankenberggasse 10
o.J.Schule in Heiligenstadt

INDUSTRIE-/GEWERBEBAUTEN:
1886-1887einstige Handschuhfabrik, Gerberei und Färberei, Wien 19, Boschstraße 62 (1904 umgebaut)

NICHT REALISIERTE PROJEKTE:
1885Projekt für Kirche in Breitensee, Wien 14, Laurentiusplatz
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Primärquellen

NACHLÄSSE UND ARCHIVE:
ÖIAV; SUAK
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Sekundärquellen

LITERATUR:
Der Bautechniker 21.1901, S.79, (unter Personalia: Todesmeldung)
ÖKT 44: G. Hajos: Die Profanbauten des III., IV. und V. Bezirks. Wien 1980
M. Wehdorn / U. Georgeacopol-Winischhofer: Baudenkmäler der Technik und Industrie in Österreich. Bd.1, Wien u.a. 1984

HINWEISE AUF WERKE:
Allg. Bauzeitung
56.1891, S.72, T.56, 57, 58 (Gärberei in Wien-Nussdorf), S.80, Taf.62-66 (Rathaus in Fünfhaus)
57.1892, S.96, T.75 (Wohnhaus Schleifmühlgasse 4)
58.1893, S.88, T.65, 66 (Bürgerschule Fünfhaus)

Der Bautechniker
5.1885, S.609f. (Kirche auf der Schmelz)
6.1886, S.175-176 (Schulhausbau in Neutitschein)
7.1887, S.133 (Schule in Fünfhaus, Rosinagasse)

NACHSCHLAGEWERKE:
Achl. III/2
Dehio Wien/2 (II.-IX.u.XX.Bez.); Dehio Wien/3 (X.-XIX.u.XXI.-XXIII.Bez.); Dehio NÖ/Süd M-Z
S. Waetzoldt: Bibliographie zur Architektur im 19.Jh. Nendeln 1977

LEXIKA:
ThB, Czeike,
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Anmerkungen
Eingegeben von: Jutta Brandstetter
Eingegeben am: 01.05.2006
Zuletzt geändert: 16.02.2007
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