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Alfred Mautner

Persönliche Daten
Beruflicher Werdegang, Lehrtätigkeit
Mitgliedschaften
Vita
Stellenwert
Werke
Primärquellen
Sekundärquellen
Persönliche Mitteilungen
Anmerkungen
Persönliche Daten
* 25.06.1886 - † 21.06.1945
Geschlecht: m
Geburtsort: Wien
damaliger Name: Wien-Hernals
Land: Österreich
damaliger Name: Österreich-Ungarn
Sterbeort: London
Land: Großbritannien
weitere Namen: Mauthner
Religionsbekenntnis: unbekannt
Berufsbezeichnung: Architekt
Familiäres Umfeld: Vater: Samuel Mautner (1838-1905), Eisenbahnbeamter
Mutter: Elisabeth Perutz (1843-1914)
Ehe (28.8.1939) mit Elsa Gold (*1896)
Bürogemeinschaft: mit Johann Rothmüller
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Beruflicher Werdegang, Lehrtätigkeit
1921Baumeisterkonzession für Fa. Mautner . Rothmüller
1922-1938Fuhrwerksunternehmer für Personentransporte mit Einspännerwagen
1929-1938Blumenhandlung, Wien 8, Alserstraße 28
1931Gewerberücklegung der Baumeisterkonzession
1937-1938Personentransportgewerbe mit Platzkraftwagen
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Mitgliedschaften
1921Genossenschaft d.Bau-und Steinmetzmeister
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Vita
In Alfred Mautners Leben bleibt vieles unklar, da es nur wenige feststehende Daten gibt. Gesichert ist, dass er in Wien als Sohn eines Eisenbahnbeamten aus Roschotitz in Böhmen, geboren wurde. Über seine Ausbildung und fachliche Qualifikation zum Architekten kann man nur Vermutungen anstellen. Da er weder an einer der dafür in Betracht kommenden Schulen, noch an der Akademie oder der Technischen Hochschule in Wien aufscheint, hatte er entweder ein entsprechendes Institut in der Donaumonarchie oder im Ausland besucht, oder er absolvierte eine praktische Ausbildung in einem Architekturbüro oder bei einem Baumeister.

Auskunft über Mautners beruflichen Weg geben nur wenige Archiveintragungen. Er gründete 34-jährig gemeinsam mit Johann Rothmüller eine Baufirma. Womit er bis dahin beschäftigt war, liegt im Dunklen. Rothmüller hatte die Werkmeisterschule der Staatsgewerbeschule in Wien besucht, war also ein Mann der Praxis und hatte bereits einiges selbständig gebaut. Ihre erste gemeinsame Arbeit war die Ausführung von Bauten für den Film „Sodom und Gomorrha“. Mit ihrer nächsten Bauaufgabe blieben sie beim Filmgeschäft, nur war es diesmal ein Kinobau. Die Firma bezeichnete sich nun auch als Spezialbau-Firma für Kino und Film. Ein großer Auftrag war das Projekt eines Spitalsbaues, des Entbindungsheimes in Gersthof. Das Bauunternehmen schien zu florieren, und es wurde für Rothmüller ein eigenes Haus in Hetzendorf errichtet. Bei diesem Bau kam es jedoch zu Ungereimtheiten, denn die beiden verwendeten dafür Ziegel, die für Gersthof vorgesehen waren. Das gemeinsame Bauunternehmen schlitterte in Kalamitäten und wurde 1931 aufgelöst. ,

Mautner hatte neben der Baufirma noch ein zweites berufliches Standbein, ein Fuhrwerksunternehmen. Anfangs besorgte ein Einspännerwagen den Personentransport, später mit fortschreitender Motorisierung wurde noch ein Platzkraftwagen angeschafft. Die Schwierigkeiten, in die die Baufirma geraten war, schienen Mautner veranlasst zu haben, sich um eine weitere Einnahmequelle umzusehen, und er eröffnete 1929 eine Blumenhandlung in Wien 8, in der Nähe seiner Wohnung.

Alfred Mautner war bis August 1938 in Wien gemeldet. Durch den politischen Umbruch schien ihm – er entstammte einer jüdischen Familie – der Verbleib in Wien nicht mehr sicher. Er emigrierte und heiratete 1939 in England, in der Grafschaft Surry. Mautner starb kurz nach Kriegsende, vier Tage vor seinem 59. Geburtstag, in London.
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Stellenwert
Es ist kaum möglich, den künstlerisch entwerfenden Anteil von Alfred Mautner, der sich selbst als Architekt bezeichnete, festzulegen. Weder für die Zeit vor seiner Zusammenarbeit mit Rothmüller noch für die Zeit nach Auflösung der gemeinsamen Baufirma gibt es Informationen über irgendeine Bautätigkeit. Rothmüller baute ab 1927 für die Gemeinde Wien Wohnhausanlagen in Formen, wie sie für diese Bauten damals gerne verwendet wurden. Sie sind aber mit den beiden außergewöhnlichen Bauwerken, die die beiden in Zusammenarbeit schufen, kaum zu vergleichen.

Schon die Bauaufgabe Kinobau war nicht alltäglich, noch dazu wurde das Löwen-Kino (Wien 3, Löwengasse 33) als Großkino und selbständiger Bau konzipiert, während in Wien die Mehrzahl der Kinos im Verbund mit Wohnanlagen errichtet wurden. Der Eingangsbereich in der Mitte des eingeschossigen Bauwerkes, das eine kompakte Form mit geschlossenen Flächen und scharfen Konturen aufweist, wurde besonders akzentuiert. Ein risalitartig vorgezogenes und überhöhtes rechteckiges Fassadenelement wurde mit einer gestaffelten Rahmung versehen. Diese Umrahmung verlieh dem Eingang einen bildhaften Charakter und war gleichzeitig ein Verweis auf die Funktion, die auch das Relief mit Theatermasken und dem Löwen andeutete. Im Inneren, dessen Gestaltung sich an die erprobte Form des Theaters hielt, waren die Wände im Stil des Art Deco mit gerahmten, tafelartigen Feldern und darauf applikenhaft aufgesetzten Ornamenten dekoriert.

Auch den Spitalsbau (Wien 18, Wielemansgasse 28) zeichnet reicher Dekor und skulpturaler Schmuck aus. Den kubisch gestaffelten Bau lockern Elemente wie Arkaden, Pergolen, Wandbrunnen und eine plastischere Behandlung der Fassadenoberfläche auf. Das starke Schmuckbedürfnis zeigt auch das Innere mit der vollständig mit Wienerberger Keramik ausgestatteten Eingangshalle. Die allegorische und ikonographische Bedeutung von Skulpturen und Dekor lassen vermuten, dass dem Bau „eine besondere heilpädagogische Bedeutung, ... eines Ortes der Genesung und Rekreation“ zukam (Achleitner).

Mautner Rothmüller schufen diese beiden Bauten in einer Mischung aus späten secessionistischen, aber ebenso expressiven Elementen, wie auch solchen des Art Deco. Es war wohl eine außergewöhnliche, aber keine isoliert stehende Formgebung, denn ähnlich war auch das gleichzeitig errichtete Amalienbad der Gemeinde Wien ausgestattet worden. Wer von den beiden der Ideenbringer dazu war, muss bis auf weiteres Spekulation bleiben.
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Werke

WOHN-/GESCHÄFTSBAUTEN:
1925Einfamilienhaus, Wien 12, Schöpfergasse 10

ÖFFENTLICHE BAUTEN:
1922Löwen-Kino, Wien 3, Löwengasse 33
1924-1926Entbindungsheim der Handlungsgehilfen Wiens, Wien 18, Wielemansgasse 28 (jetzt Orthopäd. Krankenhaus d. Stadt Wien, teilweise verändert)

INDUSTRIE-/GEWERBEBAUTEN:
1929Umbau des „Café Panorama“, Bad Hofgastein, Sbg., Kurplatz 2
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Primärquellen

NACHLÄSSE UND ARCHIVE:
Archiv Baumeisterinnung;
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Sekundärquellen

LITERATUR:
D. Apfel: Architekten der Gersthofer Klinik. Ungedrucktes Typoskript, Wien o.J.
F. Grafl: Praterbude und Filmpalast, Wien 1993
M. Hundler: Kinoarchitektur in Wien, Dipl.Arbeit, Wien 1999
W.M. Schwarz: Kino und Kinos in Wien, Wien 1992
H. Weihsmann: Cinecture. Film. Architektur. Moderne, Wien 1995

HINWEISE AUF WERKE:
M. Hundler: Kinoarchitektur in Wien, Dipl.Arb. Wien 1999, S.6 (Querschnitt durch den Kinosaal des Löwenkinos)

NACHSCHLAGEWERKE:
Achl. I; Achl. III/1
Dehio Wien/2 (II.-IX.u.XX.Bez.); Dehio Wien/3 (X.-XIX.u.XXI.-XXIII.Bez.)

LEXIKA:
Weihsmann 05
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Persönliche Mitteilungen
von Frau Doris Apfel, Bezirksmuseum Döbling, Sommer 2005
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Anmerkungen
H. Weihsmann gibt in „Das rote Wien“, Wien 2002 und in Weihsmann 2005 als Partner Johann Rothmüllers fälschlich Erich Mautner, *15.6.1881 in Wien, an. Entgegen seiner Behauptung war kein Mautner unter den Erbauern des Goethe-Hofes, es scheint auf der dortigen Bauinschrift auch keiner auf.
Eingegeben von: Jutta Brandstetter
Eingegeben am: 01.05.2006
Zuletzt geändert: 16.02.2007
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