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Josef Aicher

Persönliche Daten
Ausbildung, Studienreisen, internationale Aufenthalte
Beruflicher Werdegang, Lehrtätigkeit
Mitgliedschaften
Vita
Stellenwert
Werke
Primärquellen
Sekundärquellen
Anmerkungen
Persönliche Daten
* 16.03.1882 - † 16.09.1973
Geschlecht: m
Geburtsort: Wien
Land: Österreich
damaliger Name: Österreich-Ungarn
Sterbeort: Wien
Land: Österreich
Titel: Ing.
Religionsbekenntnis: unbekannt
Berufsbezeichnung: Architekt und Baumeister
Bürogemeinschaft: 1921-1933 mit Alfred Gerger, Wien 18, Abt Karlgasse 25
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Ausbildung, Studienreisen, internationale Aufenthalte
1907Abschluss der Werkmeisterschule an der Staatsgewerbeschule Wien
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Beruflicher Werdegang, Lehrtätigkeit
1909Baumeisterkonzession
1921Fa. A. Aicher A. Gerger, Baumeister (Eintragung in das Handelsregister)
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Mitgliedschaften
ab 1909Genossenschaft der Bau- und Steinmetzmeister
ab 1919NÖ Gewerbeverein
um 1925Verein der Baumeister in Wien und NÖ
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Vita
Josef Aicher wurde 1882 in Wien geboren. Er besuchte die Werkmeisterschule der Staatsgewerbeschule in Wien und erlangte im Jahr 1909 die Baumeisterkonzession. Im Jahr 1913 gründete er ein Baubüro und schon ein Jahr später konnte er das Doppelmiethaus in Wien 18, Haizingergasse 43 und 45 nach eigenen Entwürfen realisieren. Als Bauherr plante und errichtete er im gleichen Jahr das Doppelmiethaus in Wien 6, Mariahilfer Straße 221 und 223. Im Jahr 1921 trat Alfred Gerger, der ebenfalls die Staatsgewerbeschule besucht und im Jahr 1920 die Baumeisterkonzession erworben hatte, in die Firma ein. Gemeinsam führten Aicher und Gerger ein sehr erfolgreiches Bauunternehmen, das z.B. auch etliche Bauten für die Gemeinde Wien ausführte. Nur ein Gebäude, das Postamt in Wien 10, Buchengasse 77, realisierte Aicher gemeinsam mit seinem Partner in den Jahren 1928-1929 nach eigenen Entwürfen.

Im Jahr 1933 wurde aus unbekannten Gründen die Zusammenarbeit beendet. Ob die beiden Baumeister nunmehr getrennt Bauten ausführten bzw. selbständig Häuser planten, ist nicht bekannt.

Josef Aicher starb im 91.Lebensjahr in Wien und wurde am Friedhof in Neustift am Walde begraben.
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Stellenwert
Bei den Miethäusern, die Josef Aicher im Jahr 1914 errichtete, erzielte der Baumeister durch gute Proportionierungen sowie sparsam angewandten Dekor bemerkenswert ästhetische, vornehm wirkende Fassaden. Die Häuser in Wien 6, Mariahilfer Straße 221 und 223 sind insbesondere in Anbetracht der Lage weit außerhalb des Gürtels sehr repräsentativ ausgeführt. Die schmale Front, die zu einem unregelmäßigen Platz gerichtet ist, setzt durch die elegant zurückhaltende Formulierung mittels eines Mittelrisalits und seitlich angefügten Balkonen einen beachtlichen städtebaulichen Akzent. Während in den Dekor der Miethäuser in der Mariahilfer Straße barock-biedermeierliche Motive einfließen, erhielten die Miethäuser in Wien 18, Haizingergasse 43 und 45 durch polygonale Erker und secessionistischem Vokabular eine modernere Formgebung.

Das Postamt in Wien 10, Buchengasse 77, Ecke Columbusgasse, das Josef Aicher gemeinsam mit A. Gerger in den Jahren 1928-1929 erbaute, ist ein großer Gebäudekomplex, der nicht nur das bestehende kleine Postamt ersetzten sollte, sondern auch mit einem modernen automatischen Briefsortiersystem ausgestattet wurde. Über einem glatt verputzen Mauersockel sind in der Buchengasse drei und in der Columbusgasse vier Stockwerke angeordnet. Die vertikale Strukturierung der Fassaden mittels hoher, sechsteiliger Fenster wird durch Lisenen noch betont, die über alle Stockwerke durchlaufen. Diese vereinfachten Lisenen sind ebenso wie die modifizierten Konsolen unter dem vorkragenden Dach ein typisches Beispiel für die Entwicklung in den 20er Jahren, klassizistische Elemente in stark modifizierter Weise in den Gestaltungskatalog einzubeziehen. Die regelmäßig rhythmisierten Fronten münden in eine dynamisch expressive Ecklösung, die das Stiegenhaus enthält: Die Baukante in der Buchengasse ist eingezogen und als überhöhter, horizontal gegliederter Baukörper abgesetzt. Daneben leitet ein ungegliederter, fensterloser Kubus zur Fassade über. Dieser Kubus ist über das Dach als turmartiger Aufbau hochgezogen, dem auf der Seite des niedereren Gebäudetrakts ein halbrunder Zylinder angefügt ist, der wiederum die horizontale Gliederung des Stiegenhauses übernimmt.

Die wenigen Bauten, bei denen Josef Aicher neben seiner Baumeistertätigkeit auch als Planverfasser auftrat, zeigen nicht nur handwerkliche Gediegenheit. Seine umsichtige Flexibilität im Eingehen auf die jeweilige Bauaufgabe beweist vielmehr auch ein bemerkenswertes baukünstlerisches Potenzial.
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Werke

WOHN-/GESCHÄFTSBAUTEN:
1913Wohnhaus, Wien 18, Weimarerstraße (Nr.unbek., früher Karl Ludwigstraße, Bauh., Entw., Ausf.)
1914Miethaus, Wien 6, Mariahilfer Straße 221
1914Miethaus, Wien 6, Mariahilfer Straße 223
1914Wohnhaus, Wien 18, Haizingergasse 43
1914Wohnhaus, Wien 18, Haizingergasse 45

ÖFFENTLICHE BAUTEN:
1928-1929Postamt, Wien 10, Buchengasse 77 / Columbusgasse 58-62 (mit A. Gerger)
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Primärquellen

NACHLÄSSE UND ARCHIVE:
Archiv Baumeisterinnung; MA 43 (Grabauskunft)
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Sekundärquellen

LITERATUR:
Festschrift zur 50 Jahrfeier der techn. gew. Bundes-Lehranstalt Wien I. 1880-1930
Das neue Wien. Städtewerk (Hrsg. Gemeinde Wien). Wien 1926-1928
H. Weihsmann: Das Rote Wien. Wien 2002

NACHSCHLAGEWERKE:
Achl. III/2
Dehio Wien/3 (X.–XIX.u.XXI.–XXIII.Bez.)
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Anmerkungen
Eingegeben von: Inge Scheidl
Eingegeben am: 01.10.2006
Zuletzt geändert: 05.03.2009
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