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Viktor Mittag

Persönliche Daten
Ausbildung, Studienreisen, internationale Aufenthalte
Beruflicher Werdegang, Lehrtätigkeit
Auszeichnungen und Ämter
Mitgliedschaften
Vita
Stellenwert
Werke
Primärquellen
Sekundärquellen
Anmerkungen
Persönliche Daten
* 28.07.1896 - † 25.11.1962
Geschlecht: m
Geburtsort: Wien
Land: Österreich
damaliger Name: Österreich-Ungarn
Sterbeort: Wien
Land: Österreich
Religionsbekenntnis: Röm. - Kath.
Berufsbezeichnung: Architekt
Familiäres Umfeld: Vater: Alois Mittag, Tischlermeister
Mutter: Maria, geb. Sedivi
1.Ehe Dr. Anna Mathilde Farago (1899-1960), geschieden
2.Ehe mit Vahdet Nuri Esmen (vorm. Muhlapsi *1908), 1948 geschieden
3.Ehe mit Katharina Franziska Plank (*1922)
Tochter aus 3.Ehe: Christina (*1944)
Bürogemeinschaft: mit Karl Hauschka
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Ausbildung, Studienreisen, internationale Aufenthalte
o.J.Realgymnasium
1912-19142 Jahre Staatsgewerbeschule, Baufach
1914-1915Kunstgewerbeschule (Fachklasse f. Architektur bei Heinrich Tessenow)
1915als landsturmpflichtig zum Kriegsdienst eingezogen
1918-1919Kunstgewerbeschule (Fachklasse f. Architektur bei Heinrich Tessenow, anschließend bei Josef Hoffmann)
1918-1921Akademie der bildenden Künste Wien (bei Friedrich Ohmann, letztes Jahr und Diplom bei Franz v.Krauss)
1919-1920a.o. Hörer an Technischen Hochschule Wien (div. Übungen bei Karl Mayreder u. Franz v.Krauss)
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Beruflicher Werdegang, Lehrtätigkeit
vor 1924Beschäftigung bei den Architekten Heinrich Schmid und Hermann Aichinger
ab 1924selbständiger Architekt
ab 1927Architekten-Befugnis (1963 erloschen)
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Auszeichnungen und Ämter
o.J.Sachverständiger f. öffentl. Amtsgebäude
o.J.Präsident der Architektursektion der Ingenieurkammer f. Wien, NÖ u. Bgld.
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Mitgliedschaften
ab 1921Zentralvereinigung der Architekten Österreichs
ab 1924Österr. Ingenieur- und Architektenverein
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Vita
Viktor Mittag wurde 1896 als Sohn eines Tischlermeisters in Wien geboren. Nach Beendigung seiner Schulzeit soll er einige Zeit in den Ateliers von Carl Witzmann und Hans Prutscher gearbeitet haben. Beide verfügten über eine Tischlerausbildung, waren bekannte Innenarchitekten und Möbelentwerfer, beschäftigten sich aber auch autodidaktisch mit Architektur. Möglicherweise wurde bei Viktor Mittag, der anfangs offensichtlich den Beruf des Vaters ergreifen wollte, dabei das Interesse für das Baufach und die Architektur geweckt. Um sich dafür entsprechend auszubilden, besuchte er zunächst die Staatsgewerbeschule, verließ sie jedoch nach zwei Jahren, da dort vor allem die technische Seite des Berufes gelehrt wurde. Dies entsprach anscheinend nicht seinen künstlerischen Neigungen, denn er wechselte zur Kunstgewerbeschule über, die damals im Ruf der progressivsten Ausbildungsstätte stand, und belegte dort die Fachklasse für Architektur bei Heinrich Tessenow. Er wurde jedoch bereits im April 1915 zum Landsturm eingezogen und war bis Kriegsende eingesetzt. Danach setzte er seine Studien an der Kunstgewerbeschule fort, zunächst wieder bei Prof. Tessenow und nach dessen Ausscheiden bei Josef Hoffmann. Er entschloss sich jedoch, daneben auch die Akademie der bildenden Künste zu besuchen, wo er in die Meisterschule von Friedrich Ohmann aufgenommen wurde. Nach einem Jahr trat er aus der Kunstgewerbeschule aus und belegte stattdessen an der Technischen Hochschule als a.o. Hörer verschiedene Übungen bei Karl Mayreder und Franz v.Krauss. Viktor Mittag hatte damit an jeder Institution, an der in Wien eine architektonische Ausbildung möglich war, Studien betrieben. Seinen Studienabschluss machte er 1921 an der Akademie der bildenden Künste bei Franz Krauss.

Danach war der junge Architekt im Baubüro von Heinrich Schmid und Hermann Aichinger beschäftigt, die zu den meistbeschäftigten Architekten im sozialen Wohnbauprogramm der Stadt Wien zählten. Auch Viktor Mittag gelang es, sich als freier Architekt zusammen mit seinem gleichaltrigen Kollegen Karl Hauschka, der ebenfalls die Akademie besucht hatte, im kommunalen Wohnbau zu etablieren. Gemeinsam errichteten sie vier große Wohnanlagen, nahmen an verschiedenen Wettbewerben teil und erbauten auch ein privates Objekt. Die Zusammenarbeit endete 1935, als sich Karl Hauschka entschloss, ins Ausland zu gehen.

Architekt Mittag war im Zweiten Weltkrieg zur deutschen Wehrmacht eingezogen worden und kehrte erst 1947 in die Heimat zurück. Er konnte seine Tätigkeit für die Gemeinde Wien wieder aufnehmen und errichtete zusammen mit verschiedenen Architektengruppen einige Wohnhausanlagen. Daneben war er mit Wohnbauten für die gemeinnützige Siedlungsgenossenschaft „Aufbau“ beschäftigt, für die er auch in Kittsee und Eisenstadt im Burgenland baute. Eines seiner letzten Projekte als selbständiger Architekt, das er aber nicht mehr zu Ende führen konnte, war der „John F. Kennedy-Hof“ in Wien 1, Rotenturmstraße 1 (1960-66), gemeinsam mit Architekt Georg Lippert.

Viktor Mittag war auch Inhaber der väterlichen Tischlereifirma Alois Mittag in Wien 15, ob und wie er sie all die Jahre über betrieben hat, ist nicht bekannt. Er starb 66-jährig in Wien und wurde am Hietzinger Friedhof beerdigt.
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Stellenwert
Die ersten Wohnhausanlagen, die Viktor Mittag gemeinsam mit Karl Hauschka für die Gemeinde Wien errichtete, orientierten sich am Formenvokabular der Bauten des Architektenduos Schmid/Aichinger, ebenso auch an deren geschickter Behandlung einer topographisch schwierigen Situation. Mit mannigfachen und detailreichen Bauelementen, wie Terrassen, Arkaden, Laubengängen, runden oder eckigen Erkern, Loggien, deutlich vortretenden Gesimsbändern, schweren Torgittern und spitzbogigen Durchgängen verliehen Mittag und Hauschka ihren Anlagen ein abwechslungsreiches Bild von romantisierenden, teilweise auch burgartigen Charakter. Beim „Ebert-Hof“ (Wien 15, Hütteldorfer Straße 16-22, 1925-1926) wählten sie mit dem auf der einen Seite offenen, frei zugänglichen parkartigen Hof eine Alternative zur üblichen geschlossenen Randverbauung. Beim „Thury-Hof“ (Wien 9, Marktgasse 3-7, 1925-1926) jedoch ergab die Ausformung der Niveauunterschiede und der Parzellenzuschnitt eine unterschiedliche Trakt- und Hofgestaltung. Dabei wurde eine Straße überbaut und zu einem öffentlichen Durchgang umgewandelt, der eine Trennung von Fahr- und Fußgängerverkehr erlaubt. Beide Anlagen erhielten den markanten stadträumlichen Akzent durch einen giebelbekrönten Kopfbau. Eine wesentlich zurückhaltendere Formensprache und Formgebung weisen die späteren Gemeindebauten der beiden Architekten auf. Die riesige Anlage des „Wildgans-Hofes“ (Wien 3, Landstraßer Hauptstraße 177-187, 1933) baut sich aus einer klaren, rastermäßigen Anordnung mehrer Gebäudetrakte um quadratische oder rechteckige Höfe auf. (Ein diagonal durchlaufender breiter Grünstreifen war ursprünglich für eine Bahntrasse vorgesehen, die eine Verbindung von der Schlachthaus- zur Verbindungsbahn herstellen sollte.) Topographisch bedingt wurden die parkartigen Innenhöfe terrassiert und die Gebäudeteile gestaffelt. Teils werden die riesigen, glatt verputzten Fassaden von vorspringenden Stiegenhaustrakten mit kräftigen Gesimsbändern rhythmisiert, teils durch lange Balkons betont. Die Ecken akzentuieren kubisch eingeschobene Elemente, die Ladenzone Klinkerflächen.

Einmalig und bemerkenswert in der Form präsentiert sich dagegen der einzig bekannte Privatauftrag, den Mittag und Hauschka verwirklichen konnten, ein als Bürohaus geplanter Erweiterungsbau des Genfer Verbandes (internationale Fachvereinigung der Hotel-, Restaurant- und Kaffeehausangestellten, Wien 4, Grüngasse 1a / Schönbrunnerstraße 4, 1928-1929). Um den vielfältigen Funktionen und repräsentativen Ansprüche, die der Bau erfüllen sollte, gerecht zu werden, konzipierten die beiden Architekten das Gebäude als Pfeilerbau in Eisenbeton, „wodurch sich die Möglichkeit ergab, Räume nach Belieben und Bedürfnis ohne großen Aufwand zu verschieben. Die straßenseitigen Eisenbetonpfeiler scheinen auf ein Minimum reduziert, ihr Intervall für die Fenster voll ausgewertet“ (Ermers 1930). Das ergab eine optimale Belichtung der Räume, die auch dem geräumigen Stiegenhaus durch ein vom Erdgeschoß bis unters Dach reichendes Riesenfenster garantiert wurde. „Das Äußere präsentiert sich in starkem Vertikalismus der vorspringenden, schattenden Pfeiler, die über das Flachdach hinausragen“ (Ermers 1930). Achleitner attestiert dieser Fassade eine durch den engen Abstand und das kräftige Vorspringen der durchlaufenden Pfeilerreihe hervorgerufene „fast expressionistische Wirkung“.

Dieser gegenüber den Wohnhausanlagen der Gemeinde Wien so anders geartete Bau gibt Anlass zu der Vermutung, dass der bei Friedrich Ohmann und im Baubüro Schmid/Aichinger geschulte Mittag federführend bei den Wohnhausanlagen war, während dem aus der Behrens-Schule kommenden Hauschka eher der sachlich-funktionale Bau des Genfer Verbandes zugeschrieben werden kann. Mittag wandte auch bei der Aufstockung seines eigenen Hauses (Wien 13, Maxingstraße 10, ca. 1933) mit kräftigen Gesimsbändern die Formensprache der Gemeindebauten an. Die nach dem Krieg mit verschiedenen Architekten für die Gemeinde Wien errichteten Bauten, sind dagegen von nüchterner, zweckmäßiger Form mit additiv gesetzten Fenstern. Beim letzten von ihm als selbständiger Architekt projektierten Bau („J.F. Kennedy-Hof“, Wien 1, Rotenturmstraße 1, um 1961), einem zeittypischen, stark durchfensterten Stahlskelettbau, folgte Viktor Mittag damit Kriterien, die schon bei dem über 30 Jahre früher mit Karl Hauschka erbauten Haus des Genfer Verbandes zur Anwendung gekommen waren.
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Werke

WOHN-/GESCHÄFTSBAUTEN:
1925-1926WHA d. Gem.Wien „Ebert-Hof“, Wien 15, Hütteldorferstraße 16-22 / Loeschenkohlgasse 13 / Pouthongasse 23 / Costagasse 2 (mit Karl Hauschka)
1925-1926WHA d. Gem.Wien „Thury-Hof“, Wien 9, Marktgasse 3-7 / Salzgasse 2-4 (mit Karl Hauschka)
1928-1929Verwaltungsgebäude d. internat. Genfer Verbandes, Wien 4, Grüngasse 1a / Schönbrunnerstraße 4 (mit Karl Hauschka)
1928-1930WHA d. Gem.Wien „Goethe-Hof“, Wien 22, Schüttaustraße 1-39 (mit Karl Hauschka, Hugo Mayer, Rudolf Fraß, Heinrich Schopper, Alfred Chalusch, Johann Rothmüller)
1931-1933WHA d. Gem.Wien „Anton-Wildgans-Hof“, Wien 3, Landstraßer Hauptstraße 177-187 / Grasbergergasse 2-4 / Leberstraße 2-2a / Hofmannsthalgasse 1 / Wildgansplatz 1 (mit Karl Hauschka)
um 1933Aufstockung des Familienhauses, Wien 13, Maxingstraße 10
1949WHA d. Gem.Wien, 20, Kaupaunplatz 7 (II. und III. Bauteil mit Anton Dolenz, Anton Schmid, Karl Schubert)
1953WHA d. Gem.Wien 10, Herzgasse 99-101 (mit Arch. Gass und Schmidt)
1953Miethaus „Josef Cudlin-Hof“, Wien 13, Wattmanngasse 26
1960-1966Planung des Hauses der Ingenieurkammer, Wien 4, Karlsgasse 9 (von J. Lust fertiggestellt)
1960-1966Planung des Wohn- u. Geschäftshauses „J.F. Kennedy-Hof“, Wien 1, Rotenturmstraße 1-3 (mit Georg Lippert)

NICHT REALISIERTE PROJEKTE:
1927Trinkhallenanlage der Stadtgemeinde Baden, NÖ (Wettbewerb „Heilborn“, zum Ankauf empfohlen; mit Karl Hauschka)
1927Städtebauliche Studie für die Verbauung des Eisenstädter Platzes, Wien 10 (mit Karl Hauschka)
1928Hallenschwimmbad und Wäscherei, Wr. Neustadt, NÖ (Wettbewerb, 2. Preis; mit Karl Hauschka)
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Primärquellen

NACHLÄSSE UND ARCHIVE:
Achleitner-Archiv; Archiv der ABK; TUWA; SUAK; WStLA-Meldearchiv, Verlassenschaften, MA43, Archiv Adler, Matrikenarchiv Pfarre Reindorf, Wien 15 u. Hietzing, Wien 13
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Sekundärquellen

LITERATUR:
Der soziale Wohnbau der Stadt Wien. Wien 1960
M. Ermers: Das Wr. Zentralgebäude d. internat. Genferverbandes. In: Österr. Bau- und Werkkunst 6.1929/30, S.29ff
ÖKT 44: G. Hajos: Die Profanbauten des III., IV., und V. Bezirks. Wien 1980
H. und R. Hautmann: Die Gemeindebauten des Roten Wien 1919-1934. Wien 1980
Das neue Wien. Städtewerk. (Hg. Gemeinde Wien) Wien 1926-1928
H. Weihsmann: Das Rote Wien. Wien 2002 (1985)

NACHSCHLAGEWERKE:
Achl. III/1; Achl. III/2

LEXIKA:
Czeike; Weihsmann 05
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Anmerkungen
Eingegeben von: Jutta Brandstetter
Eingegeben am: 29.01.2008
Zuletzt geändert: 26.11.2012
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