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Richard Modern


Foto privat

Persönliche Daten
Ausbildung, Studienreisen, internationale Aufenthalte
Beruflicher Werdegang, Lehrtätigkeit
Vita
Stellenwert
Werke
Primärquellen
Sekundärquellen
Persönliche Mitteilungen
Anmerkungen
Persönliche Daten
* 21.07.1872 - † 27.11.1957
Geschlecht: m
Geburtsort: Wien
Land: Österreich
damaliger Name: Österreich-Ungarn
Sterbeort: San Francisco
Land: USA
Religionsbekenntnis: Mosaisch
Berufsbezeichnung: Architekt
Familiäres Umfeld: Vater: Jakob (1838-1912), Architekt
1.Ehe (1898) mit Johanna Pollak
2.Ehe mit Emma Brady (1889-1976)
Kinder: Martha (1900-1985), Franz (1906-1950)
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Ausbildung, Studienreisen, internationale Aufenthalte
1892Abschluss Staatsgewerbeschule Wien
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Beruflicher Werdegang, Lehrtätigkeit
um 1900Bauleiter im Atelier des Architekten Jakob Modern, Wien
1907Gesellschafter der Wr. Terrain Baugesellschaft m.b.H.
1921Geschäftsführer der Glas- und Porzellanvertriebs Ges.m.b.H., Wien 8
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Vita
Richard Modern, Sohn des Architekten Jakob Modern, wurde 1872 in Wien geboren. Gleich seinem Vater wurde auch er Architekt, schlug jedoch einen anderen Ausbildungsweg ein. Er besuchte nach den Pflichtschuljahren die Staatsgewerbeschule, Richtung Baufach, und fing nach dem Abschluss anscheinend sofort im Atelier seines Vaters mit der praktischen Arbeit an. Nach seinen Praxisjahren machte er sich jedoch bald von seinem Vater unabhängig und suchte sich seine eigenen Auftraggeber. Er wurde ein gefragter und viel beschäftigter Architekt. Obwohl sich seine Bautätigkeit fast ausschließlich auf den Wohnbau konzentrierte, konnte er seine architektonischen Fähigkeiten erfolgreich bei Konkurrenzen für Schul- und Spitalsbauten unter Beweis stellen.

Richard Modern verfolgte das Baugeschehen in seiner Heimatstadt mit Interesse. Zu Themen, die seine besondere Aufmerksamkeit erregten, vertrat er seine Meinung auch publizistisch.

Nach dem Ersten Weltkrieg stagnierte das Baugeschäft, die Aufträge bestanden meist nur aus Umbauten und Adaptierungen. Auch für Richard Modern war die Auftragslage offensichtlich schwierig geworden, denn erst Anfang der 30iger Jahre ist wieder ein Wohnbau für ihn belegt.

Die politischen Umwälzungen machten Richard Modern, der einer jüdischen Familie entstammte, den weiteren Aufenthalt in Wien unmöglich. Er war bereits 67 Jahre alt, als er sich gezwungen sah, das Land zu verlassen. Am 2. Jänner 1940 meldete er sich Richtung New York ab, von dort zog er später nach San Francisco, USA, wo er 1957 mit 85 Jahren verstarb.
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Stellenwert
Mit seinem ersten Wohnhaus in Wien (4, Kleine Neugasse 8), bei dem er auch als Bauherr zeichnete, präsentierte Richard Modern seine Fähigkeiten als Architekt der neuen, modernen Richtung in der Baukunst. Die Geschoße sind gleichwertig, die Fenster haben bloß gerade Verdachungen, sparsamer secessionistischer Dekor und große Lorbeerkränze im obersten Bereich der Fassade zeichnen den Bau aus. Der junge Modern hatte sich offensichtlich mit den von Otto Wagner propagierten Gestaltungskriterien auseinandergesetzt. Die anfänglich blockhaften Baukörper und die flache Formgebung der Fassaden wurde aber bald von einer stärker plastischen Durchgliederung mit Erkern und abgerundeten Eckausformungen abgelöst (Wien 9, Höfergasse18 / Lazarettgasse 11). Oft akzentuieren unterschiedliche Giebelformen die Erker auch im Dachbereich, manchmal über einem ausladenden Traufgesims. Die Dekoration nach Art der Secession blieb jedoch sparsam und flächig, mit der Tendenz, sich nach oben hin zu verdichten. Verschiedenartige Putzflächen, Riefelungen und Kannelierungen dienten der Unterteilung und Hervorhebung einzelner Fassadenabschnitte.

Den Großteil seiner Bauten bestimmte ein ausformuliertes Fassadenschema mit flachen Erkern. Dieses erhielt ab 1910, für kurze Zeit und vor allem im städtischen Bereich, eine dekorative Bereicherung mit klassizierenden Form- und Schmuckmotiven. Halbsäulen fassen einzelne Fenster ein, üppiger Girlanden-, Maschen- und Zopfdekor wird als Zierart eingesetzt (Wien 8, Josefstädterstrasse 30). In vorstädtischen Lagen jedoch wurde diese Mischung aus klassizierenden und spätsecessionistischen Elementen in einer zurückhaltenden, mehr biedermeierlich wirkende Formensprache der Umgebung angepasst (Wien 16, Wattgasse 20; 14, Penzingerstrasse 39).

Auch wenn sich sein letzter bekannter Bau mit einer puristischen Fassade an Bauten der Gemeinde Wien orientierte (Wien 15, Neusserplatz 4), erinnern doch einige Detailformen - wie die polygonale Form der Fensterbänke - an die phantasievollen Gestaltungsmöglichkeiten, die Richard Moderns frühere Bauten auszeichnete.
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Werke

WOHN-/GESCHÄFTSBAUTEN:
1903Miethaus, Wien 4, Kleine Neugasse 8 / Rittergasse 8
1904-1905Miethaus, Wien 4, Graf Starhemberggasse 29
1905Wohn- u.Geschäftshaus, Wien 19, Döblinger Hauptstraße 33
1906Miethaus, Wien 5, Stollberggasse 51a
1906Miethaus, Wien 14, Linzer Straße 342
1907Miethaus, Wien 9, Lazarettgasse 11 / Höfergasse 18
1908Miethaus, Wien 9, Nussdorferstraße 26-28 (Fassade vereinfacht)
1908Miethaus, Wien 19, Billrothstraße 6
1909Miethaus, Wien 5, Jahngasse 16
1909Miethaus, Wien 19, Osterleitengasse 2b
1910Miethaus, Wien 2, Zirkusgasse 20 / Schrottgießergasse 1
1910Miethaus, Wien 13, Wenzgasse 3-5
1911Wohn- u.Geschäftshaus, Wien 8, Josefstädterstraße 30 / Piaristengasse 39
1911-1912Wohn- u.Geschäftshaus, Wien 8, Piaristengasse 54
1912Miethaus, Wien 9, Spittelauer Platz 6 / Grundlgasse 1
1912Miethaus, Wien 14, Penzingerstraße 39 / Phillipsgasse 11
1912Miethaus, Wien 16, Wattgasse 20
1912Miethaus, Wien 3, Klimschgasse 12
1912-1913Wohn- u.Geschäftshaus, Wien 14, Penzinger Hauptstraße 65
1913Wohn- u.Geschäftshaus, Wien 16, Hippgasse 17
1931-1932Miethaus, Wien 15, Neusserplatz 4

NICHT REALISIERTE PROJEKTE:
1899Gymnasium-Umbau i. Mährisch-Ostrau / (Wettbewerb, mit Moritz Balzarek, lobende Anerkennung)
1913Kinderspital d. israel. Kultusgem. i. Augarten (Wettbewerb, 2.Preis „Maimonides“)
1921Neubauten d. Wr.TH nächst dem Aspang-Bahnhof (Wettbewerb, Ankauf)
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Primärquellen

PUBLIKATIONEN:
R. Modern: Die Konkurrenz für das Lanner-Strauss-Denkmal. In: WBIZ 18.1900, S.319
R. Modern: Zur Wr. Centralfriedhof-Konkurrenz. In WBIZ 17.1900, S.253

NACHLÄSSE UND ARCHIVE:
Achleitner-Archiv; IKG; WStLA-Meldearchiv
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Sekundärquellen

LITERATUR:
Festschrift z.50-Jahrfeier der techn.gew.Bundeslehranst. Wien 1880–1930

HINWEISE AUF WERKE:
Der Bautechniker
39.1919, S.321f (Wohn- und Geschäftshaus, Wien 14, Penzingerstr. 65)

WBIZ
26.1909, S.190 u. S.193, T.45-46 (Wohnhaus, Wien 4, Starhembergg. 29)
27.1910, S.137 u. 140, T.36-37 (Wohnhaus, Wien 9, Lazarettg. 11 / Höferg. 18) / T.40 (Miethaus, Wien 19, Osterleiteng. 2)
32.1915, S.13-15, T.11-12 (Entwurf f. Kinderspital d. israel. Kultusgemeinde, Wien 2)

NACHSCHLAGEWERKE:
Achl. I; Achl. II
Dehio Wien/2 (II.–IX.u.XX.Bez.); Dehio Wien/3 (X.–XIX.u.XXI.–XXIII.Bez.)
S. Waetzoldt: Bibliographie zur Architektur im 19.Jh. Nendeln 1977

LEXIKA:
Weihsmann 05
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Persönliche Mitteilungen
von Architekt Ueli Fischer, Forch / CH, Urenkel des Richard Modern, Nov. 2009
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Anmerkungen
Weihsmann 05 verwechselt den Vater Richard Moderns mit dem Vater eines am 30.9.1880 geborenen Richard Modern (der an der Technik Maschinenbau studierte), der Julius hieß und Kaufmann war.
Eingegeben von: Jutta Brandstetter
Eingegeben am: 01.10.2006
Zuletzt geändert: 18.11.2010
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