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Emil Reitmann

Persönliche Daten
Ausbildung, Studienreisen, internationale Aufenthalte
Beruflicher Werdegang, Lehrtätigkeit
Vita
Stellenwert
Werke
Primärquellen
Sekundärquellen
Anmerkungen
Persönliche Daten
* 09.03.1870 - † 1943
Geschlecht: m
Geburtsort: Horostkiv
damaliger Name: Chorostkow, Galizien
Land: Ukraine
damaliger Name: Österreich-Ungarn
Sterbeort: Konzentrationslager Theresienstadt
Land: Tschechien
damaliger Name: Protektorat Böhmen und Mähren
weitere Namen: Mechel Reitmann
Religionsbekenntnis: Mosaisch
Berufsbezeichnung: Architekt und Baumeister
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Ausbildung, Studienreisen, internationale Aufenthalte
o.J.3 Jahre Bürgerschule
o.J.2 Jahre Handelsschule
o.J.1 Jahr Staatsgewerbeschule Wien
1893/94Bildhauerschule an der Akademie der bildenden Künste (bei Edmund Hellmer)
1895-1897Technische Hochschule Wien, zum Teil als a.o. Hörer (Bauschule bei König und Mayreder)
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Beruflicher Werdegang, Lehrtätigkeit
ab 1904Tätigkeit als Architekt
1911Baumeisterkonzession
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Vita
Emil (Mechel) Reitmann wurde 1870 als Sohn jüdischer Eltern in Chorostkow in Galizien geboren. Im Wiener Meldearchiv scheint Reitmann immer nur als Emil auf, seinen ursprünglichen Vornamen Mechel führt er nur in den Dokumenten der IKG.

Über seine Ausbildung ist lediglich bekannt, dass er bei den Professoren Mayreder und König die Bauschule an der Technischen Hochschule in Wien besuchte und auch als außerordentlicher Hörer am Unterricht teilnahm. Reitmann erlangte im Jahr 1911 seine Baumeisterkonzession, trat jedoch bereits ab 1904 als Planverfasser auf. Häufig war er der Bauherr der selbst entworfenen und ausgeführten Gebäude.

Sein repräsentativstes Gebäude errichtete Emil Reitmann 1912 am Esteplatz im 3. Wiener Gemeindebezirk, der eine boulevardartige Verbreiterung zur Weyrgasse bildet und dadurch den hohen Prestigewert dieses Hauses noch betont.

Emil Reitmann, der damals in Wien 2, Ferdinandstraße 25 lebte, wurde 1942 nach Theresienstadt deportiert, wo er 15 Monate später im Alter von 73 Jahren starb
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Stellenwert
Emil Reitmanns Gebäude sind betont großstädtisch, von plastischer Durchgestaltung und mit ornamentalem Reichtum versehen. Merkmale, die bereits in seinen frühen Bauten, z.B. im Doppelhaus von 1904 in Wien 15, Reindorfgasse 37 und 39, im Ansatz erkennbar sind.

Eine eigenwillige Lösung für die in Wien gängige Errichtung eines spitzwinkeligen Eckhauses findet Reitmann im sog. „Galileihof“ in Wien 13, Altgasse 27/Lainzerstraße von 1905, indem er die Ecke mit einem Erkermotiv abflacht und die 3-geschossige Fassade nach oben hin mit einem markant turmartigen Aufsatz bekrönt, der wiederum mit Loggiafenstern und Laubsägeschmuck ausgestattet ist. Die Putzfassaden an beiden Straßenfronten sind durch secessionistischen Fliesendekor und Holzvertäfelung an den Fenstern bereichert. Ebenso großstädtisch und repräsentativ ist der an der Rossauerlände 39 von 1906/07 in Wien 9 gelegene „Berlinerhof“ konzipiert. Das secessionistische Miethaus ist durch zwei Eckachsen mit Balkons gegliedert und mit Lorbeerkranzdekor versehen. Über dem mittig angeordneten Nischenrundbogenportal mit eiserner Flügeltür erhebt sich der markant über drei Geschosse vorspringende Erker.

Ein Beispiel großbürgerlichen Wohnens zeigt der in neoklassizistisch-blockhaften Formen gestaltete dominante Eisenbetonbau am Esteplatz 3,4 / Czapkagasse / Uchatiusgasse in Wien 3 von 1912. Die Fassade an der Platzseite ist symmetrisch, mit zwei auffallend breiten Portalzonen mit jeweils vier eingestellten Säulen gegliedert. Darüber erhebt sich ein erkerartiges, über vier Geschosse reichendes Loggien-Balkon-Motiv, welches an der Dachfront jeweils mit einem Dreiecksgiebel bekrönt ist. Der Eckgrundriss erlaubt eine gute Raumausnutzung, die wiederum den Ansprüchen des Großbürgertums entsprach.

Insgesamt hat Emil Reitmann sehr temperamentvoll secessionistisches Vokabular zu opulenten Fassadengestaltungen verarbeitet. Am Ende seiner Schaffenszeit gelangte er hingegen mit dem aufgreifen neoklassizistischer Elemente zu einer sachlichen Rhetorik. Bei allen Gebäuden zeigt sich seine Begabung, mit äußerst repräsentativen Wohnhäusern das städtische Großbürgertum anzusprechen.
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Werke

WOHN-/GESCHÄFTSBAUTEN:
1904Miethaus, Wien 15, Reindorfgasse 37
1905Miethaus „Galileihof“, Wien 13, Altgasse 27 / Lainzer Straße (Ausführung Johann Sturany)
1906-1907Miethaus „Berlinerhof“, Wien 9, Rossauer Lände 39 (früher Elisabeth-Promenade)
vor 1910Wohn- u.Geschäftshaus, Wien 9, Nußdorferstraße (Nr.unbek.)
1912Miethaus, Wien 3, Esteplatz 3-4 (Bauh., Entw., Ausf.)
1913Wohn- u.Geschäftshaus, Wien 2, Taborstraße 1 / Obere Donaustraße 111 (Bauh., Entw., Ausf.)
1913Wohnhaus, Wien 2, Sinagasse 29
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Primärquellen

NACHLÄSSE UND ARCHIVE:
TUWA
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Sekundärquellen

LITERATUR:
A. Lehne: Jugendstil in Wien. Wien 1989
ÖKT 44: G. Hajos: Die Profanbauten des III., IV. und V. Bezirks. Wien 1980
G. Weissenbacher: In Hietzing gebaut. 2 Bde. Wien 1996-1998

HINWEISE AUF WERKE:
WBIZ
26.1908, T.13 (Miethaus „Berlinerhof“, Wien 9, damals Elisabeth-Promenade)
27.1910, T.56 (Wohn- und Geschäftshaus, Wien 9, Nußdorferstraße ?)

NACHSCHLAGEWERKE:
Achl. III/1; Achl. III/2
Dehio Wien/2 (II.-IX.u.XX.Bez.); Dehio Wien/3 (X.-XIX.u.XXI.-XXIII.Bez.)
S. Waetzoldt: Bibliographie zur Architektur im 19.Jh. Nendeln 1977
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Anmerkungen
Eingegeben von: Petra Schumann
Eingegeben am: 29.01.2008
Zuletzt geändert: 06.06.2008
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