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Johann Rothmüller

Persönliche Daten
Ausbildung, Studienreisen, internationale Aufenthalte
Beruflicher Werdegang, Lehrtätigkeit
Mitgliedschaften
Vita
Stellenwert
Werke
Primärquellen
Sekundärquellen
Anmerkungen
Persönliche Daten
* 1.7.1882 - † 3.10.1965
Geschlecht: m
Geburtsort: Wien
Land: Österreich
damaliger Name: Österreich-Ungarn
Sterbeort: Wien
Land: Österreich
Religionsbekenntnis: Röm. - Kath.
Berufsbezeichnung: Architekt und Stadtbaumeister
Familiäres Umfeld: Vater: Johann R.
Mutter: Caroline Kosondy Hacker
Ehe (1919) mit Marie Haupt
Bürogemeinschaft: 1921 mit Alfred Mautner, Wien 23, Kasernengasse 9
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Ausbildung, Studienreisen, internationale Aufenthalte
1900-1901 Absolvent der Werkmeisterschule
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Beruflicher Werdegang, Lehrtätigkeit
1912Baumeisterkonzession
1921gemeinsames Büro mit Alfred Mautner
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Mitgliedschaften
1921Genossenschaft der Bau- und Steinmetzmeister
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Vita
Über Johann Rothmüllers Familie sowie seinen Lebensweg und seine Berufsausbildung ist nur wenig bekannt. 1882 in Wien geboren, heiratete er 1919 Marie Haupt, die fünf Kinder in die Ehe mitbrachte. Rothmüllers Ausbildung und fachliche Qualifikation wirft Rätsel auf, da er angeblich in einem Architekturbüro gearbeitet, aber an keiner entsprechenden Hochschule oder Kunstgewerbeschule studiert haben soll. Als gesichert gilt, dass der damals 39-jährige Johann Rothmüller gemeinsam mit Alfred Mautner eine Baufirma gründete. Zuvor hatte er laut Generalkatasterblatt ab 1912 das Baumeistergewerbe betrieben. Ab 1916 dürfte er als Architekt und ab 1919 als Bauzeichner tätig gewesen sein.

Zum Zeitpunkt der Firmengründung mit Alfred Mautner 1921 trug er neben dem Architektentitel auch den des Stadtbaumeisters. Die Ausführung von Bauten für den zweiteiligen Film „Sodom und Gomorrha“ am Laaer-Berg war die erste gemeinsame Arbeit des Architektenduos, gefolgt vom Löwen-Kino in Wien 3. Von da an bezeichnete sich die Firma auch als Spezialbau-Firma für Kino und Film. Das Entbindungsheim in Gersthof (Wien 18, Wielemanngasse 28) von 1924–1925 war ein weiterer Großauftrag für Rothmüller und Mautner. Von der Wiener Kaufmannschaft als Entbindungsheim gebaut, ging das Objekt als „Sankt Augustinus-Krankenhaus“ in den Besitz der Barmherzigen Brüder über und wurde 1940 von der Stadt Wien erworben. Seit 1978 wird das Haus als „Orthopädisches Krankenhaus der Stadt Wien-Gersthof“ geführt.

Das Bauunternehmen florierte und es wurde für Rothmüller ein eigenes Haus in Hetzendorf errichtet. Bei diesem Bau kam es jedoch zu Ungereimtheiten, denn die beiden Architekten verwendeten dafür Ziegel, die für Gersthof vorgesehen waren. Das gemeinsame Bauunternehmen schlitterte in Kalamitäten und wurde 1931 aufgelöst.

Rothmüller dürfte anschließend als Architekt und gerichtlich beeideter Sachverständiger im Architektur- und Hochbaufach tätig gewesen sein. Dass er den Beruf noch sehr lange ausübte, ist auch daraus zu schließen, dass das Baumeistergewerbe von ihm erst 1964 zurückgelegt wurde und er in diesem Jahr noch als Sachverständiger für Baugewerbe und verwandte Gewerbe im Bereich Wohnhäuser und Villen tätig war.

Johann Rothmüller starb 83-jährig in Wien und ist am Wiener Zentralfriedhof beerdigt.
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Stellenwert
Vor der Firmengründung mit Alfred Mautner ist von Johann Rothmüller eine Kleinwohnungsanlage in Wien 11, Braunhubergasse 25–29 von 1912 nachweisbar. Der mäanderförmige Block mit den drei Straßenhöfen stellt bereits eine Übergangsform vom Bassena-Typ zum modernen Haustyp mit Kleinwohnungen dar. Die ehemalige Arbeiter-Krankenkasse, Wien 6, Mollardgasse/Magdalenenstraße, die Rothmüller in den Jahren von 1913–1914 plante, wurde als mächtiger 5-geschossiger neoklassizistischer Bau mit y-förmigem Zwischentrakt und Dekorformen der Wiener Werkstätte konzipiert.

Ab 1927 baute Johann Rothmüller für die Gemeinde Wien Wohnhausanlagen in romantisch-expressiven Formen, wie sie für diese Bauten damals gerne verwendet wurden. Ohne Mautner errichtete Rothmüller in den Jahren 1927–1928 die Wohnhausanlage Wien 3, Hagenmüllergasse 32 sowie 1929–1930 den Goethe-Hof, Wien 22, Schüttaustraße 1–39.

Die bedeutendsten Bauwerke schuf Rothmüller jedoch gemeinsam mit Mautner und insbesondere die Errichtung eines Kinos war eine außergewöhnliche Bauaufgabe. Noch dazu wurde das Löwenkino (Wien 3, Löwengasse 33) als Großkino und selbständiger Bau konzipiert, während sonst die Mehrzahl der Wiener Kinos im Verbund mit Wohnanlagen errichtet wurden. Der Eingangsbereich in der Mitte des eingeschossigen Bauwerks, das eine kompakte Form mit geschlossenen Flächen und scharfen Konturen aufweist, wurde besonders akzentuiert. Ein risalitartig vorgezogenes und überhöhtes rechteckiges Fassadenelement wurde mit einer gestaffelten Rahmung versehen. Diese Umrahmung verlieh dem Eingang einen bildhaften Charakter und war gleichzeitig ein Verweis auf die Funktion, die auch das Relief mit Theatermasken und Löwen andeutete. Im Inneren, dessen Gestaltung sich an die erprobte Form des Theaters hielt, waren die Wände im Stil des Art Deco mit gerahmten, tafelartigen Feldern und darauf applikenhaft aufgesetzten Ornamenten dekoriert.

Auch den Spitalsbau (Wien 18, Wielemanngasse 28) zeichnet reicher Dekor und skulpturaler Schmuck aus. Den kubisch gestaffelten Bau lockern Elemente wie Arkaden, Pergolen, Wandbrunnen sowie eine plastischere Behandlung der Fassadenoberfläche auf. Das starke Schmuckbedürfnis zeigt auch das Innere mit der vollständig mit Wienerberger Keramik ausgestatteten Eingangshalle. Die allegorische und ikonographische Bedeutung von Skulpturen und Dekor lassen vermuten, dass dem Bau „eine besondere heilpädagogische Bedeutung, ... eines Ortes der Genesung und Rekreation“ zukam (F. Achleitner 1995).

Mautner Rothmüller schufen sowohl das Löwen-Kino als auch die Gersthofer Klinik in einer Mischung aus spätsecessionistischen, aber ebenso expressiven Elementen wie auch solchen des Art Deco. Es war wohl eine außergewöhnliche, aber keine isoliert stehende Formgebung, denn ähnlich war auch das gleichzeitig errichtete Amalienbad der Gemeinde Wien ausgestattet worden. Wer von den beiden Architekten der Ideenbringer war, muss bis auf weiteres Spekulation bleiben.
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Werke

WOHN-/GESCHÄFTSBAUTEN:
1912 Wohnhausanlage mit Kleinwohnungen, Wien 11, Braunhubergasse 25-29
1925 Wohnhaus, Wien 12, Schöpfergasse 10
1927-1928 WHA d. Gem. Wien, Felleis-Hof, Wien 3, Hagenmüllergasse 32
1929-1930 WHA d. Gem. Wien, Goethe-Hof, Wien 22, Schüttaustraße 1-39 (mit Hugo Mayer, Viktor Mittag, Karl Hauschka, Alfred Chalousch, Heinrich Schopper, Rudolf Frass)
1943WHA d. Gem. Wien, Wien 12, Wolfganggasse 50-52

ÖFFENTLICHE BAUTEN:
1913-1914 Ehem. Arbeiter-Krankenkasse, Wien 6, Mollardgasse 8 (= Magdalenenstraße 33)
1921-1922 Ausführung der Bauten des Filmes „Sodom und Gomorrha“ (mit Alfred Mautner)
1922 Löwenkino, Wien 3, Löwengasse 33 (mit Alfred Mautner)
1924-1926 Entbindungsheim Gersthof, Wien 18, Wielemansgasse 28 (mit Alfred Mautner, heute: Orthopädisches Krankenhaus d. Stadt Wien, teilweise verändert)
1930 Gebietskrankenkasse, Wien 23, Dr.-Neumann-Gasse 9 (mit Leopold Schumm)
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Primärquellen

NACHLÄSSE UND ARCHIVE:
Archiv Baumeisterinnung
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Sekundärquellen

LITERATUR:
D. Apfel: Architekten der Gersthofer Klinik. Ungedrucktes Typoskript, Wien o.J.
Festschrift zur 50 Jahrfeier der techn.gew. Bundes-Lehranstalt Wien I. 1880-1930
F. Grafl: Praterbude und Filmpalast. Wien 1993
M. Hundler: Kinoarchitektur in Wien. Dipl.Arb., Wien 1999
W.M. Schwarz: Kino und Kinos in Wien. Wien 1992
H. Weihsmann: Cinecture. Film, Architektur, Moderne. Wien 1995
H. Weihsmann: Das Rote Wien. Wien 2002

HINWEISE AUF WERKE:
M. Hundler: Kinoarchitektur in Wien, Dipl.Arb. Wien 1999, S.6 (Querschnitt durch den Kinosaal des Löwenkinos)

Moderne Bauformen
27.1928, S.104ff (Ein neues Wiener Krankenhaus)

NACHSCHLAGEWERKE:
Achl. III/1; Achl. III/2
Dehio Wien/2 (II.-IX.u.XX.Bez.); Dehio Wien/3 (X.-XIX.u.XXI.-XXIII.Bez.)
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Anmerkungen
Eingegeben von: Petra Schumann
Eingegeben am: 01.05.2006
Zuletzt geändert: 16.02.2007
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