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Josef Schmalzhofer

Persönliche Daten
Ausbildung, Studienreisen, internationale Aufenthalte
Beruflicher Werdegang, Lehrtätigkeit
Auszeichnungen und Ämter
Mitgliedschaften
Vita
Stellenwert
Werke
Primärquellen
Sekundärquellen
Anmerkungen
Persönliche Daten
* 22.01.1835 - † 11.08.1920
Geschlecht: m
Geburtsort: Altheim, OÖ
Land: Österreich
damaliger Name: Kaisertum Österreich
Sterbeort: Wien
Land: Österreich
Titel: k.u k. Hofbaumeister
Religionsbekenntnis: Röm. - Kath.
Berufsbezeichnung: Architekt u. Hofbaumeister
Familiäres Umfeld: Vater: Georg Sch., Schneidermeister
Mutter: Franziska, geb. Leimsner
Ehe (1863) mit Maria Staniek (1841-1895)
Kinder: Josef (1867-1942) Musiker; Therese (1869-1883); Raphaela (*1872), verh. Holzlehner; Dr. Franz Xaver (1886-1927), Fabrikant
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Ausbildung, Studienreisen, internationale Aufenthalte
o.J.Maurerlehre in Oberösterreich
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Beruflicher Werdegang, Lehrtätigkeit
ab 1868in der Wiener Landesinnung als Maurermeister eingetragen
ab 1875als Baumeister geführt
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Auszeichnungen und Ämter
1889Hofbaumeister
1889Ritter des päpstlichen Gregor-Ordens
1901Ritterkreuz des Kaiser-Franz-Josefs-Ordens
1903Große goldene Salvatormedaille der Stadt Wien
o.J.Träger des goldenen Verdienstkreuzes mit Krone
o.J.Begründer des Hauses der Barmherzigkeit “Carolusheim” in Währing und Verwalter der Stiftung
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Mitgliedschaften
1906Verein der Baumeister Niederösterreichs
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Vita
Josef Schmalzhofer stammte aus bescheidenen Verhältnissen. Als Sohn eines Schneidermeisters in Oberösterreich geboren, absolvierte er eine Maurerlehre. Als er gegen Ende der 50er Jahre des 19.Jh.s nach Wien kam war er bereits ausgelernter Maurermeister und damit berechtigt, kleinere Bauten auszuführen. Einige Jahre später erhielt er zusätzlich die Baumeisterkonzession und durfte auch sog. „Monumentalbauten“ (insbesondere Kirchen) errichten. In der Folge wurde Schmalzhofer, der offensichtlich sehr gute Kontakte zur katholischen Kirche hatte, einer der wichtigsten Baumeister auf dem Gebiet des Klerikalbaus im ausgehenden 19.Jh.s. In Zusammenarbeit mit den bedeutendsten Architekten der Zeit errichtete er unzählige Kirchen, Klöster und deren Folgeeinrichtungen im Raum von Wien und den Kronländern der Donaumonarchie. Aufgrund der schnell wachsenden Bevölkerungsanzahl in den Städten herrschte in diesen Jahren geradezu ein Bauboom in diesem Bereich. Schmalzhofer war aber nicht nur als ausführender Baumeister, sondern durchaus auch als entwerfender Architekt tätig (z.B. Klarissinnenkirche Wien 5, Gartengasse 4).

Einer der Höhepunkte in Schmalzhofers Karriere stellte 1889 der Umbau des Jagdschlosses von Kronprinz Rudolf in Mayerling (NÖ) in ein Karmelitinnenkloster dar. Nach dem spektakulären Selbstmord des Thronfolgers sollten hier möglichst schnell und diskret die Räumlichkeiten des Thronfolgers zum Verschwinden gebracht und an deren Stelle ein Kloster der Karmelitinnen zur Sühne errichtet werden. Schmalzhofer, der zu diesem Zeitpunkt generell bereits große Erfahrung und außerdem knapp zuvor für die Karmelitinnen in Wien eine Kirche errichtet hatte, führte das Projekt gemeinsam mit dem Architekten H. Schemfil binnen sieben Monaten aus. Die prompte und diskrete Abwicklung dieses höchst heiklen Auftrages erfolgte zur allerhöchsten Zufriedenheit des Kaisers und wurde mit der Verleihung des Titels „Hofbaumeisters“ und einem hohen Orden belohnt.

Schmalzhofer, der bis zu Beginn des Ersten Weltkriegs tätig war, engagierte sich auch karitativ und war Mitbegründer des Hauses der Barmherzigkeit, des sog. „Carolusheim“ in Wien-Währing. Dorthin zog er sich auch nach dem relativ frühen Tod seiner Frau zurück und verstarb schließlich hoch betagt im 85. Lebensjahr an einer Gehirnblutung.
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Stellenwert
Josef Schmalzhofer, der heute nahezu völlig vergessen ist, war zur Zeit der vergangenen Jahrhundertwende eine der maßgeblichsten Persönlichkeiten auf dem Gebiet des Kirchenbaus. Bemerkenswerterweise war er auch einer der letzten seiner Generation, der eine rein praxisbezogene Ausbildung erhalten hatte.

Insbesondere aufgrund seiner Mitarbeit an der Errichtung vieler Bauvorhaben von Architekten aus dem Umkreis Friedrich v. Schmidts, wie Richard Jordan, Alexander Wielemanns und Franz v. Neumann, hatte er maßgeblichen Anteil an zahlreichen prominenten Kirchenbauten, wobei nicht geklärt ist, wieweit er auch schöpferisch mitgewirkt hatte. Schmalzhofer war nämlich nicht nur als ausführender Baumeister sondern auch als entwerfender Architekt tätig (z.B. Klarissinnenkirche Wien 5, Gartengasse 4), wobei die Grenzen nicht selten fließend waren.

Nahezu alle Architekten, mit denen Schmalzhofer zusammen gearbeitet hatte, waren prononcierte Vertreter einer traditionsverbundenen Ausrichtung. Auch die von Schmalzhofer selbst entworfenen Projekte orientieren sich in formaler Hinsicht an die damals verbindlichen Regeln des historistischen Kanons, wobei vieles im Bereich von solider kirchlicher „Gebrauchsarchitektur“ bleibt. Die große Anzahl der Bauten Schmalzhofers lässt darauf hindeuten, dass er sehr verlässlich und routiniert gearbeitet hatte.
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Werke

WOHN-/GESCHÄFTSBAUTEN:
1888Miethaus Wien 5, Siebenbrunnengasse 54
1899Miethaus Wien 1. Wollzeile 31
1900-1901Miethaus Wien 16, Arnethgasse 54
1905Miethaus Wien 3, Ungargasse 38
1909Miethäuser Wien 2, Taborstraße 76 u. 76a
1912Miethaus Wien 5, Diesterweggasse 2
1913Wohnhaus Wien 5, Gartengasse 6

ÖFFENTLICHE BAUTEN:
1856-1860Strafanstalt Wiener Neudorf, NÖ (mit Bruno Buchwieser)
1875-1879Herz-Jesu-Kirche, Wien 5, Einsiedlergasse 9
1877-1878Lazaristenkirche Wien 18, Vinzenzgasse 3 (E: Friedrich v. Schmidt)
1880-1881Erzbischöfl. Knabenseminar, Hollabrunn, NÖ (E: Richard Jordan)
1883-1889Pfarrkirche Wien 18, Gentzgasse 140-142 (E: Friedrich v. Schmidt)
1884-1903Kloster d.hl. Barbara, Gablitz, NÖ, Bachgasse 1-2
1885-1886Dominikanerinnenkirche Wien 13, Schloßberggasse 17 (E: Richard Jordan)
1885Aufstockung des Herz-Maria Klosters, Wien 18, Lacknergasse 87
um 1885Karmelitinnenkirche, Wien 14, Linzer Straße 216
1886Redemptoristenkolleg, Attnang-Puchheim, OÖ
1886Redemptoristenkirche, Wien 17, Clemens-Hofbauer-Platz (E: Richard Jordan)
1881-1890Waisenheim (jetzt NÖ Landw. Fachschule) Norbertinum, Tullnerbach, Nobertinumstraße 11 (mit Richard Jordan)
1887-1888Kirche in Strebersdorf, NÖ (heute Wien 21)
1887-1897Gersthofer Pfarrkirche, Wien 18, Bischof Faberplatz (E: Richard Jordan)
1889Umbau u. Einrichtung d. Klosters der Karmelitinnen in Mayerling, NÖ (mit H. Schemfil)
1891Kloster des Sacre Coeur, Preßbaum, NÖ, Klostergasse 8-12 (mit Richard Jordan)
1891Klosterkirche Wien 3, Jacquingasse 12-14 (mit Richard Jordan)
1892Zubau Krankeninstitut der Confraternität, Wien 8, Skodagasse 1
1892-1893Rekonstruktion d. Außenfront der Schottenkirche, Wien 1, Freyung 6 (Ausführung)
1892-1893Erweiterung des Alumnats, Wien 9, Boltzmanngasse 7
1894Pfarrkirche St.Peter und Paul bei Esseg, Kroatien / Osijek, HR (E: Langenberg)
1894Pfarrkirche St.Josef, Zwittau / Svitavy, CZ (Entwurf)
1895Pfarrkirche Enzersdorf i. Thale, NÖ
1894-1896Kloster der Töchter d. göttlichen Heilands, Stössing-Hochstraß 7, NÖ
1894-1898Neuottakringer Pfarrkirche, Wien 16, Familienplatz (E: Alexander v. Wielemanns)
1896Zubau für die Congregation der Dienerinnen zum Herzen Jesu, Wien 3, Keinergasse 37 / Landstraßer Hauptstraße 137
um1895Marienkirche, Marburg, Stmk. / Maribor, SLO (E: Richard Jordan)
1896Pfarrkirche hl. Antonius v. Padua, Wien 10, Antonsplatz (E: Franz v. Neumann)
1897Kolpinghaus, Wien 9, Liechtensteinstraße 94-96
1899Ludowikaheim der Barmerherzigen Schwestern, Maierhöfen, NÖ
1900Kaiser-Franz-Josefs-Jubiläumsschule Floridsdorf, Wien 21 (E: Brüder Drexler)
1902Notre Dame de Sion, Wien 7, Burggasse 37 (E: Jean Laborey)
1902Kaiser-Franz-Josef-Jubiläumskirche, Wien 2, Mexikoplatz (E: Viktor Luntz)
1902Erweiterungsbau der Pfarrkirche von Hohenau, NÖ
1903Dreifaltigkeitskapelle, Paudorf, NÖ
1903Anbau Karmeliterkonvent, Wien 2, Taborstraße 34
1903-1905Bischöfliches Seminar Melk, NÖ, Wiener Straße 45
1905Ausbau des St. Carolusheimes Wien 18, Gentzgasse 100-108
1905-1915Donaufelder Pfarrkirche, Wien 21, Kinzerplatz (E: Fr. v. Neumannn, in Zusammenarbeit mit Karl Troll u. Johann Stoppel)
1906-1908Preyer’sches Kinderspital, Wien 10, Schrankenberggasse 31 (Entwurf u. Ausführung)
1907-1908Innenrenovierung Maria am Gestade, Wien 1, Salvatorgasse 12 (E: Viktor Luntz)
1911-1912Klarissinnenkirche, Wien 5, Gartengasse 4 (Entwurf u. Ausführung)
1913-1914Gymnasialbau d. Wr. Schottenklosters, Wien 1, Freyung 6

NICHT REALISIERTE PROJEKTE:
1913Pfarrkirche St.Josef, St.Pölten, NÖ
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Primärquellen

NACHLÄSSE UND ARCHIVE:
Matrikenstelle/Pfarre Schottenfeld
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Sekundärquellen

LITERATUR:
W. Bandion: Steinerne Zeugen des Glaubens. Die heiligen Stätten der Stadt Wien. Wien 1989
ÖKT 44: G. Hajos: Die Profanbauten des III., IV. und V. Bezirks. Wien 1980
W. Kitlitschka: Historismus u. Jugendstil in Niederösterreich. St.Pölten 1984
I. Scheidl: Schöner Schein. Wien 2003

NACHSCHLAGEWERKE:
Achl. III/1; Achl. III/2
Dehio Wien/1 (I.Bez.); Dehio Wien/2 (II.-IX.u.XX.Bez.); Dehio Wien/3 (X.-XIX.u.XXI.-XXIII.Bez.); Dehio/NÖ-Süd

LEXIKA:
Czeike 5
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Anmerkungen
Eingegeben von: Ursula Prokop
Eingegeben am: 01.05.2006
Zuletzt geändert: 22.02.2008
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