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Karl Borkowski


Foto ca. 1880, Scan Bezirksmuseum Währing

Persönliche Daten
Ausbildung, Studienreisen, internationale Aufenthalte
Beruflicher Werdegang, Lehrtätigkeit
Auszeichnungen und Ämter
Mitgliedschaften
Vita
Stellenwert
Werke
Primärquellen
Sekundärquellen
Anmerkungen
Persönliche Daten
* 14.06.1829 - † 23.07.1905
Geschlecht: m
Geburtsort: Cernovci
damaliger Name: Czernowitz, Bukowina
Land: Ukraine
damaliger Name: Kaisertum Österreich
Sterbeort: Wien
Land: Österreich
damaliger Name: Österreich
weitere Namen: Karl Ritter v. Borkowski
Borkowsky, Carl
Religionsbekenntnis: Röm. - Kath.
Berufsbezeichnung: Architekt, Stadtbaumeister, Zeichner und Sänger
Familiäres Umfeld: Vater: Anton B., Tribunal-Vermessungsingenieur
Mutter: Barbara (Babette) geb. Heissig
Ehe (1875) mit Friederike, geb. Glass (1848-1924)
Trauzeuge: Heinrich Ferstel
Kinder: Albine Rosa (*1876), verehel. Magrath; Maria (Mary, 1878-1944) verehel. Beldowicz; Wanda, verehel. Baltzer
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Ausbildung, Studienreisen, internationale Aufenthalte
1847-1853Technische Hochschule Wien (das Studienjahr 1848/1849 fand wegen der Revolution nicht statt )
1855/1856Akademie der bildenden Künste Wien (Malklasse bei Carl Blaas)
o.J.Kunstschule Nürnberg
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Beruflicher Werdegang, Lehrtätigkeit
o.J.Assistent von Heinrich Ferstel
ab 1872Baudirektor und Chefarchitekt des Wiener Cottage-Vereins
1877Baumeisterkonzession
ab 1894eigene Baukanzlei
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Auszeichnungen und Ämter
o.J.Orden der Eisernen Krone III.Klasse
o.J.Italienischer Kronen-Orden
o.J.türkische Medaille für Kunst
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Mitgliedschaften
ab 1872Wiener Cottage-Verein
ab 1875Österr. Ingenieur- und Architektenverein
ab 1878Genossenschaft der Bau- und Steinmetzmeister
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Vita
Karl von Borkowski wurde 1829 in Czernowitz in der Bukowina, heute Ukraine, als Sohn des Vermessungsingenieurs Anton v. Borkowski geboren. Er stammte aus einer polnischen Adelsfamilie und wurde zudem im Jahr 1883 in den österreichischen Ritterstand aufgenommen. Seine erste künstlerische Ausbildung verdankte er seinem Vater, der auch als Musik- und Zeichenlehrer tätig war. Daneben absolvierte er eine Maurerlehre. Im Alter von 17 Jahren übersiedelte er nach Wien und studierte 1847-1853 Architektur am Polytechnischen Institut, der späteren Technischen Hochschule, unterbrochen vom Revolutionsjahr 1848, in dem er in der Nationalgarde diente. Danach besuchte er die Nürnburger Kunstschule und absolvierte eine Gesangsausbildung.

Anfangs arbeitete Borkowski als Porträtist und Illustrator (u.a. für den Zeitungsherausgeber Moritz Saphir) und besuchte kurzfristig die Malklasse der Akademie der bildenden Künstler, daneben trat er auch als Sänger auf. 1855 erhielt er ein Engagement nach Hamburg und war in der Folge als Bariton, u.a. als Papageno, an zahlreichen Bühnen tätig. Nach wechselvollen Wanderjahren (u.a. nach Amsterdam, Graz, Brünn, Breslau) wurde er 1864 in Kassel als Hofopernsänger engagiert. 1871 kam Borkowski nach Wien. Nachdem er erfolglos in der Uraufführung von Friedrich v. Flotows „Schatten“ im Theater a.d. Wien debütiert hatte, beendete er seine Bühnenlaufbahn. Er trat nur mehr fallweise in Konzerten auf und widmete sich fortan dem Architektenberuf.

Bereits ab 1866 war Borkowski nebenbei als Architekt tätig gewesen. Er arbeitete im Kasseler Baubüro der Bebra-Hemauer Bahn, wo er mit der Errichtung von Bahnhöfen und Siedlungsanlagen befasst war. Den Großteil seines Lebens beschäftigte er sich jedoch mit Cottage-Entwürfen. Sein erstes bekanntes Werk war der Entwurf der Cottage-Anlage zwischen Kassel und Wilhelmshöhe, für die er auch rund 200 Villen plante. 1869/70 realisierte er Bauten in Czernowitz.

Im Jahr 1872 gründete er gemeinsam mit Heinrich Ferstel, bei dem er zwei Jahre als Assistent tätig gewesen war, den Wiener Cottage-Verein, dessen Zielsetzung es war, günstige Ein- u. Zweifamilienhäuser für den Mittelstand, insbesondere für Beamte und Offiziere zu errichten. Nach dem Erwerb eines Baugrundes in Wien-Währing (Wien 18) erstellte Borkowski als Direktor und Chefarchitekt des Vereins den Parzellierungsplan und entwarf 13 Normpläne für Wohnhäuser. In den Jahren 1873-1874 wurden in einer ersten Ausbauphase 50 Villen errichtet, die einheitlich in der Art der englischen Spätgotik und eher einfach und schmucklos gestaltet waren. Auch die angeschlossenen Gartenanlagen wurden zumeist von Borkowski konzipiert. In späteren Ausbauphasen, an denen er nur mehr teilweise beteiligt war, wurde eine größere stilistische Vielfalt zugelassen.

Nachdem Borkowski inzwischen auch die Baumeisterkonzession erworben hatte, legte er 1895 die Bauleitung des Cottage- Vereines nieder und eröffnete eine eigene Baukanzlei. Im Rahmen dieser Tätigkeit plante er - oftmals in Zusammenarbeit mit anderen Architekten - eine Reihe von weiteren Villen u. Cottage- Anlagen u. a. in Wien, Melk/NÖ u. Krakau.

Karl von Borkowski starb am 23.Juli 1905 an Schlagadernverkalkung in Wien und wurde am Döblinger Friedhof begraben. Nach ihm wurde eine Gasse im Wiener Cottage-Viertel benannt (heute 19. Bezirk).
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Stellenwert
Karl von Borkowski, Architekt des Hoch- und Späthistorismus, bediente sich in seinen Cottage-Entwürfen, die sein eigentliches Œuvre ausmachen, ziemlich ungezwungen des historischen Formenrepertoires. Besonders gern benutzte er neugotische („englische“) Formen und Renaissance-Stilistik („deutsche“ und „französische“ Variante), die er manchmal interessant zu kombinieren wusste. Auf diese Art und Weise schuf er oft pittoreske Bauten, in denen nicht selten unverputzte Backsteine, Sgrafitto-Dekorationen, hohe „französische“ Dächer, verschiedenfarbige Backsteinstreifen, geschnitzte Kragsteine aus Holz, Türmchen u.ä. vorkamen.

Die Cottage-Anlage zählte zu einem der schönsten Villenviertel Wiens und die Einfamilienhäuser waren und sind bis heute Inbegriff einer bürgerlich gehobenen Wohnform. Die malerische Gestaltungsweise und gleichzeitige formale Vielfalt wurde als „Cottage-Stil“ Jahrzehnte lang fixer Bestandteil des Formenkanons im Villenbau.
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Werke

WOHN-/GESCHÄFTSBAUTEN:
1873Villa des Erzherzogs Otto v.Habsburg, Wien 18, Anton Frankgasse 20 (1913 Zubauten von Oskar Laske & Viktor Fiala)
nach 1877Villa des Vorsitzenden des Wr. Cottage-Vereins G.Tschermak, Wien 18, Anastasius-Grün-Gasse 54
nach 1877Villa Beer, Wien 18, Anastasius-Grün-Gasse 56
1878Wohnhaus, Krakau / Krakow, Marktplatz 42, PL (Umbau)
1879Wohnhaus, Krakau / Krakow, Basztowa 5, PL (ausgeführt von Tomasz Prylinski und Tadeusz Stryjenski, nicht erhalten)
um 1880Villa Leschetitzki, Wien 18, Weimarer Straße 38
1884Villa, Wien 18, Colloredogasse 32
1888Villa, Wien 18, Hasenauerstraße 17
1889Villa F. v.Posepny, Wien 18, Richard-Kralik-Platz 1 / Hasenauerstraße 13 (ehemals Carl-Ludwigstraße 62 / Parkstraße
1889Villa, Wien 18, Richard Kralik Platz 2
1893Villa Seeböck, Melk, Abt Karl Straße 4, NÖ
1894Villa „Haidvogel“, Melk, Bahnhofstraße 5, NÖ
o.J.Villa N.C. Fleischmann Wien 18, Hasenauerstraße (ehemals Parkstraße 8)
o.J.Villa Ernst Urban, Wien 18, Hasenauerstraße (ehemals Parkstraße 21)
insgesamt rund 170 Villen im „Cottage-Viertel“ (Wien18)

ÖFFENTLICHE BAUTEN:
1880Sparkasse, Krakau / Krakow, Szpitalna 5, PL (gebaut bis 1883 mit Veränderungen von Karol Knaus)
1894Gebäude des Cottage-Eislaufverein, Wien 19, Gymnasiumstraße / Hasenauerstraße (mit Hermann Müller)
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Primärquellen

PUBLIKATIONEN:
Die Cottage-Anlage in Wien-Währing. Ausgeführte kleine Wohnhäuser und Villen in Österreich-Ungarn. Wien 1900

NACHLÄSSE UND ARCHIVE:
Wien Bibliothek , Handschriftensammlung (Teilnachlass)
WStLB (Sammlung Borkowski: 236 Familienbriefe an Karl Borkowski aus den Jahren 1847-1859); Staatsarchiv Krakau; WStLA (Personalakte, Todesfallsaufnahme, Verlassenschaftsabhandlung, Testament); MA 43 (Verzeichnis der Verstorbenen, Gräberdatenbank, Grabprotokoll Friedhof Döbling); Grabinschrift
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Sekundärquellen

LITERATUR:
Anonym: Carl Ritter von Borkowski. In: Neue Illustrierte Wochenschau, 15.7.1962
H. Brunnbauer: Im Cottage von Währing/Döbling. Gösing 2003
A. M. Ellenbogen: Das Wiener Cottage. Ein Wohnkonzept in Idee, Planung und Realisierung 1860-1918. Wien
1989
P. Kortz: Wien am Anfang d. 20.Jhs., 2.Bd. Wien 1906
W. Mossakowska: Katalog rysunków architektonicznych ze zbiorów Muzeum Narodowego w Krakowie. Cracoviana. Tl. 2. Warszawa 1986
H. Müller: Das Wiener Cottage, seine Entstehung und Entwicklung. In: Zeitschrift des Österreichischen Ingenieur- und Architekten-Vereins 1906. Nr.5
M. Paul: Technischer Führer durch Wien. Wien 1910
J. Purchla: Jak powstal nowoczesny Kraków. Kraków 1990
R. Schweitzer: Die Cottage-Anlage in Wien-Währing. In: Wiener Geschichtsblätter 22.1967, H.4
R. Wagner-Rieger: Wiens Architektur im 19.Jhs. Wien 1970
M. Zgórniak: Neorenesans w architekturze Krakowa. In: Rocznik Krakowski 57.1991

HINWEISE AUF WERKE:
Allgem. Bauzeitung
44.1879, S.77, T.53ff (Die Cottage-Anlage in Währing bei Wien)

Der Bautechniker
14.1894, S.348ff (Cottage-Eislauf-Verein in Ober-Döbling)
24.1904, S.1063f (Die Cottage-Anlage an der Türkenschanze)

Czasopismo Techniczne (Lemberg)
1.1883, S.149-151 (Sparkasse in Krakau)

Czasopismo Techniczne (Krakau)
4.1890, S.128 (Sgrafitto-Dekoration in Krakau)

WBIZ
2. 1885, (Villa Leschetitzki, Villa Beer, Villa Hladning, Villa Hofrat Prof. Dr. G. Tschermak, Villa Förster, Villa Höfken in den Cottageanlagen bei Wien)
3.1886, S.289f (Villa Angerer)
9.1891, S.114, T.22 (Villa in der Carl Ludwig Straße in Wien)
11.1893/94, S.192, T.30 (Villa Wallner im Währinger Cottage in Wien XVIII)
12.1894, S.118, T.14 (Gebäude des Eislaufvereines im Währinger Cottage in Wien)
13.1896, S.623, T.94 (Villa in Wien XIX, Döbling-Cottage, Colloredog. 32)

NACHSCHLAGEWERKE:
Dehio Wien/3 (X.-XIX.u.XXI.-XXIII.Bez.); Dehio NÖ/Süd M-Z
Ludwig Eisenberg (Hg.): Das geistige Wien. Wien 1893
H. Kosel: Deutsch-österreichisches Künstler- und Schriftsteller-Lexikon. Wien 1902
S. Waetzoldt: Bibliographie zur Architektur im 19.Jh. Nendeln 1977

LEXIKA:
ÖBL; AKL; Czeike
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Anmerkungen
Die in sämtlichen Quellen angegebenen Geburtsjahre 1835 bzw.1836 sind falsch.
In sämtlichen Quellen wird Borkowski als „Ferstel-Schüler“ angegeben. Damit ist offensichtlich seine Assistententätigkeit bei Ferstel gemeint. Ferstel und Borkowski waren in den Studienjahren 1846/47 und 1847/48 Studienkollegen.
Die Forschungsergebnisse über Borkowskis Lebenslauf als Sänger stellte Ursula Prokop zur Verfügung.
Eingegeben von: Marek Zgórniak/Tomasz Szybisty
Eingegeben am: 29.01.2008
Zuletzt geändert: 26.05.2015
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