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Franz Xaver Segenschmid

Persönliche Daten
Ausbildung, Studienreisen, internationale Aufenthalte
Beruflicher Werdegang, Lehrtätigkeit
Auszeichnungen und Ämter
Mitgliedschaften
Vita
Stellenwert
Werke
Primärquellen
Sekundärquellen
Anmerkungen
Persönliche Daten
* 02.12.1839 - † 08.06.1888
Geschlecht: m
Geburtsort: Wien
Land: Österreich
damaliger Name: Kaisertum Österreich
Sterbeort: Baden bei Wien, NÖ
Land: Österreich
damaliger Name: Österreich-Ungarn
Titel: k.u.k. wirkl. Hofsekretär
weitere Namen: Franz Xaver Ritter von,
Segenschmied, Sengenschmid
Religionsbekenntnis: Röm. - Kath.
Berufsbezeichnung: Architekt und Beamter
Familiäres Umfeld: Vater: Wilhelm S., Seidenfabrikant
Mutter: Ludowika, geb. Wimmer
Ehe mit: Emilie Lehmus
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Ausbildung, Studienreisen, internationale Aufenthalte
o.J.Realschule
1856-1860Technische Hochschule Wien
1860-1862Studium an der Akademie der bildenden Künste Wien (Meisterschule van der Nüll und Siccardsburg)
1867Studienreise nach Deutschland, Belgien und Frankreich
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Beruflicher Werdegang, Lehrtätigkeit
1860-1862Mitarbeit in den Ateliers von Romano & Schwendenwein und Franz Sitte
um 1865Mitarbeit am Ausbau des Palais Erzherzog Ludwig in Wien und Schloss Artstetten
1867Mitarbeiter bei Friedrich v.Schmidt in der Dombauhütte von St.Stephan
1869Hofbaukontrollor im Obersthofmeisteramt
1871Hofsekretär und technischer Sekretär im Obersthofmeisteramt
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Auszeichnungen und Ämter
1874Ausschusssmitglied des Alterthumsvereines in Wien
1882Ritter des kaiserlichen Ordens der eisernen Krone 3.Klasse
1884Offizier des königlich belgischen Leopold-Ordens
1885Korrespondent der k.u.k. Centralcommission für Kunst u. historische Denkmale
o. J.Offizier des großherzoglich toskanischen Civilverdienst-Ordens
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Mitgliedschaften
ab 1872Genossenschaft der bildenden Künstler Wiens
ab 1864Mitglied des Österr. Ingenieur- und Architektenverein
ab 1865Wiener Bauhütte
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Vita
Franz Xaver Segenschmid wuchs als Sohn eines gut situierten Seidenfabrikanten in großbürgerlichen Verhältnissen auf. Nach dem Abschluss der Realschule erhielt er eine fundierte fachliche Ausbildung. Er studierte an der Technischen Hochschule und besuchte danach die Meisterschule bei Sicardsburg und van der Nüll an der Akademie der bildenden Künste. Bereits während seiner Studienzeit arbeitete er im renommierten Atelier von Romano & Schwendenwein. Nach seinem Studium war er kurzfristig bei den Kirchenbauspezialisten von Franz Sitte und Friedrich von Schmidt tätig und unternahm auch eine längere Studienreise.

Gegen Mitte der 60er Jahre erhielt Segenschmid erstmals Aufträge seitens des Hofes, insbesondere für Erzherzog Ludwig Viktor und Kaiser Maximilian I., wobei es sich zumeist um Umbauten oder die Fortführung bereits begonnener Projekte handelte. Schon bald nach der Fertigstellung dieser ersten Arbeiten wurde Segenschmid offiziell ins Obersthofmeisteramt berufen, wo er hinfort in führender Stellung tätig war. In dieser Funktion war er vor allem mit der Renovierung und dem Umbau von Schlössern und Ansitzen im Besitz des Kaiserhauses befasst. Diese Tätigkeit führte auch dazu, dass er sich für den Denkmalschutz engagierte. Eine seiner bedeutendsten Bauaufgaben für den Hof war die Errichtung des Palmenhauses in Schönbrunn, dessen Planung ihn über Jahre beschäftigte und ihn veranlasste, Studienreisen nach Glasgow, Brüssel und insbesondere England zu unternehmen.

Der Architekt, der zahlreiche Orden und Auszeichnungen erhalten hat, war auch ein großer Kunstkenner und verfügte über eine umfangreiche Sammlung von Kupferstichen und Zeichnungen. Segenschmid ist nach langer Krankheit relativ jung im 49. Lebensjahr in Baden bei Wien verstorben.
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Stellenwert
Franz Xaver Segenschmid, in dessen Agenden als Beamter des Obersthofmeisteramtes vor allem Umbauten und Restaurierungen gefallen sind, ist als eigenständiger Architekt kaum fassbar. Bezeichnend für diese Problematik ist ein Projekt Kaiser Maximilians von Mexiko (Bruder Kaiser Franz Josefs I.), eine alte Klosteranlage auf der Insel Lacroma / Lakrum (Kroatien) in einen Kaiserpalast umzubauen. Segenschmid, der das bereits von den Architekten Fröhlich und Rosenauer begonnene Vorhaben fertig stellen musste, konnte dabei kaum eigene Vorstellungen einbringen, löste die undankbare Aufgabe aber offensichtlich zur Zufriedenheit seiner Auftraggeber.

Ungeachtet dieser Umstände ist Segenschmids Hauptwerk, das Palmenhaus in Schönbrunn, dennoch ein höchst eigenständiger Bau. Die Errichtung eines Glashauses war infolge der wesentlich vergrößerten botanischen Sammlung des Kaiserhauses nach einer von Erzherzog Maximilian (später Kaiser von Mexiko) initiierten Weltumseglung notwendig geworden. Die Planung nahm mehrere Jahre in Anspruch und Segenschmid bereiste studienhalber mehrere Städte in Westeuropa, um die bedeutendsten Glashäuser der Zeit, insbesondere Kew Gardens bei London, zu visitieren. Gemeinsam mit dem Statiker S. Wagner und dem Eisenkonstrukteur I. Grindl realisierte er schließlich mit dem Palmenhaus in Schönbrunn die damals größte Glas-Eisenkonstruktion in Europa (28m Höhe, 113m Länge). Die eleganten Proportionen des Baus, der sich in drei Pavillons aufgliedert (die für unterschiedliche Temperaturzonen gedacht waren), werden von den abwechselnd konvex-konkav geschwungenen Eisenbögen bestimmt. Dementsprechend harmoniert die anmutige Außenerscheinung des Gewächshauses mit der umliegenden Gartenanlage. In formaler Hinsicht ist die Vermeidung von Stilzitaten (bei älteren Glashäusern durchaus üblich) und die Vorwegnahme secessionistischer Elemente bemerkenswert.
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Werke

WOHN-/GESCHÄFTSBAUTEN:
1867Palast für Kaiser Maximilian I. in Lacroma, Dalmatien / Lokrum bei Dubrovnik, HR (Umbau eines Klosters, begonnen von Fröhlich und Rosenauer)
um 1868Palais Ludwig Viktor, Wien 1, Schwarzenbergplatz 1 (Mitarbeit bei Heinrich v. Ferstel)
um 1868Umbau Schloss Artstetten, NÖ (Mitarbeit)
1869Umbau Schloss Gödöllo, H
o.J. Restaurierung Schloss Ambras, Tirol

ÖFFENTLICHE BAUTEN:
1879-1882Palmenhaus Schönbrunn Wien 13, Schönbrunner Schlosspark
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Primärquellen

VORTRÄGE:
F.X. Segenschmid: Über die Restaurierung des spanischen Salons in Schloß Ambras (Vortrag vor dem ÖIAV am 17.3.1881)

NACHLÄSSE UND ARCHIVE:
Archiv der ABK; Pfarramt St. Josef (Matrikenstelle); Archiv Adler
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Sekundärquellen

LITERATUR:
Bericht u. Mittheilungen d. Altertumsvereines zu Wien 25.1889, S.72ff
Fremdenblatt 10. 6.1888 (Nachruf)
Geschichte d. bildenden Kunst in Österreich:19.Jh., Bd.5 (Hg. G. Frodl), München u. a. 2002
C. Jäger: Österreichische Architektur des 19. und 20. Jahrhunderts. Wien-Graz 2005
A. Koller: Schönbrunn. Wien 2000, S.277
H. Prehsler: Gewächshäuser, insbesondere jene des 19.Jh.s. u.d. Problematik ihrer Erhaltung. Unter besonderer Berücksichtigung des Palmenhauses in Wien-Schönbrunn, techn. Diss. Wien 1987
B. v.Sartory: Das Glashaus, ein Bautypus d. 19.Jh.s. In: Studien zur Kunst d.19.Jh.s., 43.1981
O. Uhl: Moderne Architektur in Wien von Otto Wagner bis heute. München 1966
M. Wehdorn / U. Georgeacopol-Winischhofer: Baudenkmäler der Technik und Industrie in Österreich. Bd. 1. Wien u.a. 1984. S.62f
G. Weissenbacher: In Hietzing gebaut. 2 Bde. Wien 1999-2000

HINWEISE AUF WERKE:
Der Bautechniker
5.1885, S.265f (Palmenhaus Schönbrunn)
22.1902, S.145f u. S.169f (Kaiserpalast in Lacroma)

WBIZ (Wiener Bauindustriezeitung)
15.1898 (Beil. 22. Sept.), S.38, T.100 (Palmenhaus)

NACHSCHLAGEWERKE:
Achl. III/2
Dehio Wien/3 (X.-XIX.u.XXI.-XXIII.Bez.)

LEXIKA:
ÖBL 12 (55. Liefrg.); N. Nemtschke / G. Kugler: Lexikon d. Wr. Kunst u. Kultur. Wien 1990

INTERNETLINKS:
www.oeaw.ac.at; www.aeiou.at
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Anmerkungen
Eingegeben von: Ursula Prokop
Eingegeben am: 01.05.2006
Zuletzt geändert: 27.01.2017
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