A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | Z | o
Otto Breuer

Persönliche Daten
Ausbildung, Studienreisen, internationale Aufenthalte
Beruflicher Werdegang, Lehrtätigkeit
Mitgliedschaften
Vita
Stellenwert
Werke
Primärquellen
Sekundärquellen
Ausstellungen
Anmerkungen
Persönliche Daten
* 26.07.1897 - † 10.11.1938
Geschlecht: m
Geburtsort: Wien
Land: Österreich
damaliger Name: Österreich-Ungarn
Sterbeort: Purkersdorf bei Wien
Land: Österreich
Religionsbekenntnis: Mosaisch
Berufsbezeichnung: Architekt und Möbeldesigner
Familiäres Umfeld: Vater: Josef Breuer, Kaufmann
Ehe mit Grete Neuwalder, Keramikerin
top
Ausbildung, Studienreisen, internationale Aufenthalte
o.J.Realschule Wien 7
1915Kriegsdienst
1918-1922Technische Hochschule Wien (bei K. Mayreder, M. Ferstel, 1.Staatspr. 1919; 2.Staatspr. 1922)
ab 1919Adolf Loos Bauschule
1919/20Bauhaus Weimar
top
Beruflicher Werdegang, Lehrtätigkeit
ca. 1921-29Zusammenarbeit mit Albert Linschütz
top
Mitgliedschaften
um 1928Österr. Werkbund
top
Vita
Otto Breuer wurde 1897 als Sohn eines jüdischen Kaufmanns in Wien geboren. Nachdem er im Ersten Weltkrieg von 1915-1918 eingerückt war, inskribierte er im Jahr 1918 an der Technischen Hochschule in Wien. Ab dem Jahr 1919 war Breuer gleichzeitig Schüler von Adolf Loos, dessen gesammelte Schriften er im Kurt Wolff-Verlag, Berlin, publizieren wollte. Dieses Vorhaben scheiterte jedoch an den Streich- und Änderungswünschen des Verlags, denen Loos naturgemäß nicht zustimmen wollte. Nach der ersten Staatsprüfung studierte Breuer ein Semester am Weimarer Bauhaus. Er vollendete sein Studium 1922 an der Technischen Hochschule in Wien.

In den folgenden Jahren hat sich Breuer gemeinsam mit Albert Linschütz mit dem Entwurf von Möbeln und Wohnungseinrichtungen beschäftigt, eine architektonische Tätigkeit in dieser Zeit ist nicht bekannt. Erst im Jahr 1930 realisierte Breuer ein Doppelwohnhaus in der Werkbundsiedlung Wien 13. Josef Frank hatte zwar ursprünglich Franz Schuster für dieses Objekt vorgesehen, da jedoch von Schuster keine Pläne einlangten, wurde kurzfristig Otto Breuer mit dem Projekt betraut. Weitere Werke von Breuer sind nicht dokumentiert.

Im Jahr 1938 wurde Breuers Vermögen von den Nationalsozialisten beschlagnahmt. Nach einem missglückten Selbstmordversuch kurz nach der sog. „Kristallnacht“ wurde Breuer in das Sanatorium Purkersdorf eingewiesen, wo er sich wenig später, im Alter von 41 Jahren, erhängte. Seine Frau, die Keramikerin Grete Neuwalder, wurde nach Polen deportiert, wo sie 1941 in einem KZ ermordet wurde.
top
Stellenwert
Die Möbel und Einrichtungen, die Otto Breuer mit Adolf Linschütz entwarf, stehen, so Breuer, „unter dem besonderen Einfluß der ‚Hygiene‘ und der ‚Bequemlichkeit‘“ (Innendekoration 1927). Insbesondere die Sessel sind auf „einfache, konstruktive Formen“ reduziert und wirken leicht und zeitlos.

Dieselben Kriterien prägen auch Breuers Entwurf für die Werkbundsiedlung. Zielvorstellung der Werkbundsiedlung war es, quasi einen Musterkatalog möglichst unterschiedlicher Haustypen zu errichten, um den einen oder anderen Typus bei künftigen Siedlungsanlagen seriell herstellen zu können. Darüber hinaus sollten die Häuser, die in der Folge zum Kauf angeboten wurden, moderne, naturnahe Wohnkultur für den alltäglichen Gebrauch präsentieren.
Um sie für den Mittelstand finanzierbar zu machen, war die kostengünstige Errichtung der Häuser eine Grundvoraussetzung, die allerdings bedingte, dass die Häuser nur eine geringe verbaute Fläche aufweisen durften. Ein wesentlicher Faktor bei der Planung bedeutete daher, auf kleiner Fläche eine günstige Raumaufteilung zu erzielen.

Otto Breuers Doppelwohnhaus ist ein schlichter, flach gedeckter Kubus. Die zwei Häuser sind spiegelbildlich angelegt und weisen pro Haus eine verbaute Fläche von 45 qm auf. Im Erdgeschoß erstreckt sich der Wohnraum über die ganze Tiefe des Hauses und ist sowohl zur Straße als auch zum Garten mit einem großen, dreiteiligen Fenster geöffnet. Im Gegensatz zu den meisten anderen Werkbundarchitekten, die die Straßenfassaden möglichst hermetisch abschlossen und der Öffnung zum Garten den Vorrang einräumten, hat Breuer die beiden Fassaden allerdings fast identisch ausgebildet. Gartenseitig ist – bedingt durch die Hanglage – bei Breuers Parzelle ein weiteres Geschoß möglich geworden. Breuer hat keinen Balkon bzw. keine Terrasse zum Garten hin vorgesehen, sondern die Terrassen an den Seiten der Häuser, im Übergang vom Stiegenaufgang zur Eingangstüre, angelegt. Im Erdgeschoß befindet sich außer der Küche der L-förmig angelegte Wohnraum. Eine freistehende Kamingruppe wurde im Zusammenhang mit einem Querbalken an der Decke und niederen Möbeleinbauten zu einem Art Raumteiler zwischen Essplatz und Sitzgruppe. Im oberen Geschoß befinden sich Bad und WC sowie drei Schlafräume, bei denen Schrankwände die Funktion als Raumteiler erhielten.

Otto Breuer ist insgesamt eine sehr sparsame und funktionale Raumaufteilung gelungen. Bestechend modern wirkt der große, L-förmige Wohnraum im Erdgeschoß. Durch den Verzicht auf Balkone bzw. Terrassen auf der Gartenseite ist allerdings die Verbindung zum Garten, d.h. die Verbindung von Wohnen und Natur im Unterschied zu vielen anderen Projekten der Werkbundsiedlung nur mangelhaft ausgeprägt.

Otto Breuer gehört zu jenen Architekten jüdischer Herkunft, die mit nur wenigen Werken dokumentiert sind, da ihre Tätigkeit mit der NS-Herrschaft frühzeitig gewaltsam beendet worden ist.
top
Werke

WOHN-/GESCHÄFTSBAUTEN:
1930-1932Werkbundsiedlung Doppelwohnhaus, Wien 13, Jagdschlossgasse 72 und 74

ÖFFENTLICHE BAUTEN:
1937Grabmal für Karl Kraus (Entwurf, Ausführung nicht gesichert)

INNENRAUMGESTALTUNG/DESIGN:
Entwurf diverser Möbel, Inneneinrichtungen

NICHT REALISIERTE PROJEKTE:
1924Tempelbau Hietzing, Wien 13 (Wettbewerb, lobende Anerkennung)
top
Primärquellen

PUBLIKATIONEN:
O. Breuer: Das redliche Bemühen – eine Bemerkung und Gegenbemerkung. In: Innendekoration 1927, S.171

NACHLÄSSE UND ARCHIVE:
WStLA; Archiv TU
top
Sekundärquellen

LITERATUR:
J. Frank (Hrsg): Die internationale Werkbundausstellung. In: Neues Bauen in der Welt, Bd.VI, Wien 1932, S.84ff
F. Glück: Anmerkungen des Herausgebers. In: Adolf Loos. Sämtliche Schriften 1. Wien–München, Herold 1962 (zur Herausgabe der Loos-Texte)
A. Gmeiner / G. Pirhofer: Der österreichische Werkbund. Salzburg/Wien 1985
O. Kapfinger / A. Krischanitz: Die Wiener Werkbundsiedlung. Wien 1985
G. Koller / G. Withalm: Die Vertreibung des Geistigen aus Österreich. Wien 1985
I. Meder: Offene Welten, die Wiener Schule des Einfamilienhausbaus 1918-1938. Diss. Stuttgart 2004
Österreichischer Werkbund 1929. Wien 1929
P. Plaisier: De leerlingen van Adolf Loos. Delft 1987
G. Weissenbacher: In Hietzing gebaut. 2 Bde, Wien 1996-1998

HINWEISE AUF WERKE:
Arquitectura
70.1989, S.74ff (Haus in der Werkbundsiedlung)

Österreichische Bau- und Werkkunst
3.1926/27, S.248 (Sessel)

Innendekoration
1927, S.171f (div. Möbel und Wohnungseinrichtungen)

NACHSCHLAGEWERKE:
Achl. III/2
Dehio Wien/3 (X.–XIX.u.XXI.–XXIII.Bez.)

LEXIKA:
AKL; Weihsmann 05
top
Ausstellungen
1936„Moderne Möbel im Privatbesitz“ Ausstellung im Hagenbund, Wien
top
Anmerkungen
Die Angaben bei Weihsmann 2005 sind zum Teil irreführend und falsch. Breuer entwarf nicht die Inneneinrichtung von Loos‘ Häusern in der Werkbundsiedlung sondern das Doppelwohnhaus, Wien 13, Jagdschlossgasse 72 und 74
Eingegeben von: Inge Scheidl
Eingegeben am: 01.10.2006
Zuletzt geändert: 19.07.2019
top
  A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | Z | o
 
© Architekturzentrum Wien
Mit freundlicher Unterstützung des FWF
Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung