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Carl Brodhag

Persönliche Daten
Ausbildung, Studienreisen, internationale Aufenthalte
Beruflicher Werdegang, Lehrtätigkeit
Mitgliedschaften
Vita
Stellenwert
Werke
Primärquellen
Sekundärquellen
Anmerkungen
Persönliche Daten
* 31.10.1859 - † 13.12.1901
Geschlecht: m
Geburtsort: Weilheim a.d. Teck, Königreich Württemberg
Land: Deutschland
damaliger Name: Deutsches Reich
Sterbeort: Wien
Land: Österreich
damaliger Name: Österreich-Ungarn
weitere Namen: Karl
Religionsbekenntnis: Evang.
Berufsbezeichnung: Stadtbaumeister
Familiäres Umfeld: Vater: Georg Heinrich B., Landjäger
Mutter: Christine Regina geb. Taglieb
Ehe (1886) mit Louise, geb. Buscha (*1861)
Kinder: Louise (*1887)
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Ausbildung, Studienreisen, internationale Aufenthalte
o.J.Bauschule in Stuttgart
1888Baumeisterprüfung
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Beruflicher Werdegang, Lehrtätigkeit
o.J.Praxis in diversen Ateliers
1888Baumeisterkonzession
ab 1889Stadtbaumeister und Gesellschafter der Fa. Stagl und Brodhag, Wien 15, Clementinengasse 9
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Mitgliedschaften
ab 1897Verein der Baumeister in Niederösterreich
ab 1889Österr. Ingenieur- und Architektenverein
ab 1888Genossenschaft der Bau- und Steinmetzmeister Wien
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Vita
Carl Brodhag wurde 1859 in Weilheim a.d. Teck, Königreich Württemberg, geboren. Wann er nach Wien kam, ist nicht geklärt, jedenfalls heiratete er bereits in Wien (1886). Im Jahr 1888 legte er die Baumeisterprüfung ab und erhielt im gleichen Jahr die Baumeisterkonzession. Zuvor war Brodhag nach eigenen Angaben in „diversen Ateliers“ als Assistent tätig. Ab dem Jahr 1889 war er Gesellschafter der Baufirma Stagl & Brodhag. Im Zuge dieser Firmentätigkeit führte Brodhag für die Gemeinde Wien Hochbauten der Wiener Stadtbahn sowie ein Krankenhaus in Währing aus.

Brodhag verstarb bereits im Jahr 1901 im Alter von 42 Jahren an Kehlkopfkrebs. Seine Firma wurde vom Architekten und Baumeister Ludwig Dillmann weitergeführt, mit dem er schon zu Lebzeiten zusammengearbeitet hatte.
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Stellenwert
Im Jahr 1894 erwarb die Fa. Münchmeyer, Inhaber einer Galvanisierfabrik (den späteren „Argentor Werken“), ein schmales, lang gestrecktes Grundstück zwischen Kaiserstraße und Wimbergergasse im 7.Bezirk. Die Firma ließ in der Kaiserstraße 83 zunächst von der Fa. Stagl & Brodhag ein Wohn- und Verwaltungsgebäude und gleichzeitig einen sechsgeschossigen Hofquertrakt errichten, der in der damals für Fabriksanlagen üblichen Sichtziegelbauweise ausgeführt wurde.

Als heute interessantestes Objekt wurde im Jahr 1902 an den Hoftrakt in Richtung Wimbergergasse 24 eine neue Fabrik angebaut. Der Zubau wurde im Jahr 1901 von Carl Brodhag als symmetrischer, sechsgeschossiger Ständerbau geplant. Große, kleinteilig versprosste Fenster, bei denen die Parapete zu schmalen, gesimsartigen Bändern reduziert sind, füllen die Flächen zwischen den Pfeilern fast zur Gänze. Die Pfeiler sind mit weiß glasierten Ziegeln verkleidet und die Restflächen der Mauern weiß verfließt, wohingegen die schmalen Parapete sowie die Attikamauer aus rotem Klinker bestehen. Eine kapitelartige Ausformulierung der Pfeilerenden in der Attikazone zeigt die ungebrochene Affinität zur Antike selbst im Industriebau zu Beginn des 20.Jahrhunderts.

Da Brodhag im gleichen Jahr, bzw. noch bevor seine Pläne zur Ausführung gelangten, verstarb, übernahm sein Mitarbeiter Ludwig Dillmann die Weiterführung des Projekts. Gegenüber Brodhag, der die Ausführung des Gebäudes als Eisen-Monier-Konstruktion vorgesehen hatte, wurde von Dillmann insofern eine Umplanung vorgenommen, als die Errichtung der Fabrik nunmehr als Stahlbetonkonstruktion im sog. System Hennebique erfolgte. Diese neue Konstruktionsweise, die sich vor allem auf die Ausführung der Geschoßdecken und Unterzüge auswirkte, erlaubte eine besondere Ausbildung der Deckenlager, wodurch bei den Fenstern der Lichteinfallwinkel in den Innenräumen vergrößert werden konnte.

Ausgewogene Proportionen im Zusammenhang mit den verschiedenen Materialien verliehen der Fabrik insgesamt ein ästhetisches, repräsentatives Erscheinungsbild. Durch die von Dillmann vorgesehene neue Konstruktionsweise entstand darüber hinaus einer der ersten Stahlbetonbauten Wiens.

Bei dem Wohn- und Geschäftshaus in Wien 6, Mariahilfer Straße 115 (1899) präsentiert sich Brodhag demgegenüber als Vertreter des Späthistorismus. Die Fassade ist plastisch mit Erkerausbildungen durchgebildet und mit barock-sezessionistischem Dekor versehen. Auch bei diesem Gebäude zeigt sich Brodhags Talent für ausgewogene Proportionen, denn wie im Falle der Galvanisierfabrik ist auch hier ein ästhetisch ansprechendes, repräsentatives Gebäude entstanden.
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Werke

WOHN-/GESCHÄFTSBAUTEN:
1899Miethaus, Wien 6, Mariahilfer Straße 115

INDUSTRIE-/GEWERBEBAUTEN:
1902Argentor-Werke Wien 7, Wimbergergasse 24 (mit Ludwig Dillmann, 1989 teilweise Umwidmung zu Wohnzwecken)
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Primärquellen

NACHLÄSSE UND ARCHIVE:
Archiv ÖIAV; BG Neubau; WStLA (Todesfallsaufnahme)
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Sekundärquellen

LITERATUR:
Kunsthist. Arbeitsgruppe GeVAG: Wiener Fassaden des 19. Jahrhunderts. Wien 1976
M. Paul: Technischer Führer durch Wien. Wien 1910
M. Wehdorn / U. Georgeacopol-Winischhofer: Baudenkmäler der Technik und Industrie in Österreich. Bd.1 Wien u.a. 1984

NACHSCHLAGEWERKE:
Achl. III/1
Dehio Wien/2 (II.–IX.u.XX.Bez.)
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Anmerkungen
Eingegeben von: Inge Scheidl
Eingegeben am: 01.10.2006
Zuletzt geändert: 10.05.2007
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