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Hans Adolf Vetter

Persönliche Daten
Ausbildung, Studienreisen, internationale Aufenthalte
Beruflicher Werdegang, Lehrtätigkeit
Auszeichnungen und Ämter
Mitgliedschaften
Vita
Stellenwert
Werke
Primärquellen
Sekundärquellen
Anmerkungen
Persönliche Daten
* 13.07.1897 - † 08.05.1963
Geschlecht: m
Geburtsort: Wien
Land: Österreich
damaliger Name: Österreich-Ungarn
Sterbeort: Pittsburgh, PA
Land: USA
Religionsbekenntnis: Evang.
Berufsbezeichnung: Architekt und Fachpublizist
Familiäres Umfeld: Vater: Hofrat Dr. Adolf V. (1867-1942), Sektionschef
Mutter: Elise, geb. Rusch (*1867)
1. Ehe (1924) mit Lydia Guevrekian (*1898)
2. Ehe (1930) mit Jadwiga Orsul
3. Ehe (1952) mit Maria Malpi
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Ausbildung, Studienreisen, internationale Aufenthalte
1913-1914Studium an der Kunstgewerbeschule Wien (u.a. bei Oskar Strnad und Heinrich Tessenow)
1914-1918Kriegsdienst als Leutnant
1918-1920Fortsetzung des Studiums an der Kunstgewerbeschule Wien (bei Oskar Strnad und Josef Frank)
o.J.kurzfristig Besuch der Akademie der bildenden Künste Wien
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Beruflicher Werdegang, Lehrtätigkeit
1920-1923als freiberuflicher Architekt und Fachpublizist in Wien tätig
1923-1926lebt in Paris, Zusammenarbeit mit Robert Mallet-Stevens und Gabriel Guevrekian
1932-1936Herausgeber der Kunstzeitschrift „profil“
1934-1938Lehrauftrag an der Kunstgewerbeschule Wien (anfangs als Assistent Oskar Strnads, dann als provisorischer Leiter der Klasse Josef Hoffmanns)
1934Patentierung des Systems einer Kreuzblockverbauung
1938Dienstenthebung und Emigration nach London, wo er sich publizistisch betätigt
1948-1963Lehrauftrag am Carnegie Institute of Technology in Pittsburgh, USA
1952Gründung der Sommer School of Architecture in Salzburg
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Auszeichnungen und Ämter
1925Bronzemedaille für den Österreich-Beitrag der Pariser Kunstgewerbeausstellung
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Mitgliedschaften
ab 1908Deutscher Werkbund
1914-1934Österreichischer Werkbund (Gründungs- und Vorstandsmitglied)
ab 1927Zentralvereinigung der Architekten Österreichs
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Vita
Hans Vetter stammte aus gehobenem bürgerlichen Milieu. Schon der Großvater hatte das honorige Amt eines kaiserlichen Gartenarchitekten inne. Sein Vater war Direktor des k.u.k. Gewerbeförderungsamtes und nach dem Zerfall der Monarchie der erste Chef der Österreichischen Bundestheater in der neuen Republik. Die Familie wohnte in einer von Josef Hoffmann errichteten Villa am Kaasgraben in Wien-Döbling, wo viele Künstler und Intellektuelle verkehrten.

Vetter, der durch die Stellung seines Vaters schon früh mit den wichtigsten Protagonisten des Wiener Kunstgewerbes, insbesondere Josef Hoffmann und Oskar Strnad, in Kontakt gekommen war, erhielt seine Ausbildung an der Kunstgewerbeschule in Wien, wo er sehr von den Theorien Heinrich Tessenows beeinflusst wurde. Des weiteren prägte der Künstlerkreis um Josef Frank sein liberales Denken und ließ ihn zum Vordenker eines schlichten, humanen Bauens werden. Nach Abschluss seines Studiums, das vom Militärdienst unterbrochen worden war, und einem kurzen Intermezzo in Wien ging er nach Paris, wo er in den Ateliers von Robert Mallet-Stevens und Gabriel Guevrekian (dessen Schwester Lyda er heiratete) arbeitete. Mitte der 20er Jahre kehrte er wieder nach Wien zurück und war als Architekt und Fachpublizist tätig. Vor allem machte sich Hans Vetter einen Namen als Fachphilosoph. Als charismatische Leitfigur verkehrte er in zahlreichen Kaffeehauszirkeln und hat sich auch dichterisch betätigt.

Im Rahmen seiner umfangreichen publizistischen Tätigkeit fungierte Vetter auch als Herausgeber und Chefredakteur der Kunstzeitschrift „profil“. Ab Mitte der 30er Jahren unterrichtete er an der Kunstgewerbeschule als Assistent von Oskar Strnad und Josef Hoffmann. Als Vetter nach dem „Anschluss“ Österreichs an NS-Deutschland aufgrund politischer Unverlässlichkeit und seiner Ehe mit einer Jüdin (seiner zweiten Frau Jadwiga Orsul) entlassen worden war, emigrierte er nach London, wo er von dem Fachjournalisten und Begründer der „Bimini-Werkstätte“ Fritz Lampl unterstützt wurde. Ende der 40er Jahre erhielt er einen Lehrauftrag am Carnegie Institute of Technology in Pittsburgh. In den USA war Vetter ausschließlich als Architekturtheoretiker und Fachpublizist tätig. Daneben widmete er sich auch der Lyrik, ein Großteil seiner Manuskripte blieb jedoch unveröffentlicht. Anfang der 50er Jahre initiierte er in Salzburg, analog zu Oskar Kokoschkas Malkursen, die Summer School of Architecture.

Vetter, der auch in den USA die Kontakte mit zahlreichen österreichischen Emigranten aufrecht hielt, verstarb im 66. Lebensjahr an einem Herzinfarkt.
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Stellenwert
Hans Vetters architektonisches Œuvre ist sehr schmal und seine wenigen Bauten wurden außerdem oft in Teamarbeit realisiert, so dass eine eigene Handschrift kaum zu identifizieren ist. Seine eigentliche Bedeutung liegt in seiner Tätigkeit als wichtiger Vordenker und Publizist der Wiener Moderne der Zwischenkriegszeit.

Vetter, der dem künstlerischen Umfeld um Josef Frank und Oskar Strnad angehörte, ist vor allem als einer der wichtigen Mentoren der Wiener Werkbundsiedlung anzusehen. Nicht nur dass er mittels seiner zahlreichen in- und ausländischen Kontakte – insbesondere nach Paris – die notwendige internationale Ausrichtung ermöglichte, unterstützte er das Unternehmen auch tatkräftig als Publizist. In zahlreichen Veröffentlichungen widmete sich Vetter dem Werk der Architekten der Werkbundsiedlung und deren Zielsetzung eines menschengerechten, unprätentiösen Wohnbaus. Dieser Linie folgte auch das von ihm errichtete Haus in der Woinovichgasse 11.

Diese Haltung Vetters fand ihre Fortsetzung im Rahmen seiner Tätigkeit als Herausgeber und Chefredakteur des „profil“, wo es ihm gelang, entgegen der reaktionären Kulturpolitik des österreichischen „Ständestaates“, diese Kunstzeitschrift, trotz gewisser Einschränkungen, zum Forum einer zeitgenössischen, weltoffenen Moderne zu machen. Vetters gute Kontakte zu dem politisch einflussreichen Clemens Holzmeister, für den er zeitweise auch als Bauleiter tätig war, waren hier zweifellos hilfreich. Viele der bereits gesellschaftlich an den Rand gedrängten jüdischen Kollegen Vetters fanden hier noch eine Möglichkeit, ihr Werk zu veröffentlichen. Bezeichnenderweise wurde die Zeitschrift nach dem mit NS-Deutschland abgeschlossenen „Juliabkommen“ von 1936, das die österreichische Kulturpolitik mit Deutschland gleichschaltete, eingestellt.

Auch in seiner Emigration blieb Vetter seiner Positionierung als Vordenker einer humanen, auf das Wesentliche reduzierten Architektur treu und versuchte dies sowohl in seiner neuen Heimat als auch im Nachkriegsösterreich zu vermitteln.
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Werke

WOHN-/GESCHÄFTSBAUTEN:
1925Haus Dr.Garay, Mödling, Goethegasse 15
1925WHA d. Gem. Wien, Wien 21, Pragerstraße 56-58 (mit Felix Augenfeld und Karl Hoffmann)
1928-1930WHA d. Gem. Wien, Wien 2, Wehlistraße 309
1932Wohnhaus Werkbundsiedlung Wien 13, Woinovichgasse 11
1932Haus Gerzabek, Wien 19, Paul Ehrlichgasse 8
1936Palast König Feisals, Bagdad (Projektleiter für Clemens Holzmeister)
1946-1947Zubau Haus Ehrenfeld, Surrey, England

INNENRAUMGESTALTUNG/DESIGN:
1933Einraumwohnung (mit Walter Sobotka)

NICHT REALISIERTE PROJEKTE:
1932zwei Wohnhaustypen für 4-5 Personen
um 1930zwei Wohnhausentwürfe in Kreuzturmverbauung (mit Max Fellerer)
1931Siedlung Froschberggründe Linz (Wettbewerb, 1.Preis, mit Max Fellerer)
1934Österreich-Pavillon, Weltausstellung Brüssel (Wettbewerb, Ankauf)
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Primärquellen

PUBLIKATIONEN:
H.A. Vetter: Zu Tessenows Abschied von Wien. In: Der Architekt 22.1919, S.277ff
H.A. Vetter: Lilli (Gedichtband) 1920 (publiziert?)
H.A. Vetter: Das Landhaus. In: Moderne Welt 1924/25, H.2, S.17f
H.A. Vetter: Vom Intérieur. In: Moderne Welt 1924/24, H.8, S.17ff
H.A. Vetter: Kleine Einfamilienhäuser. Wien 1932
H.A. Vetter: Bausparer und Architekt. In: Das Wüstenrot-Eigenheim 1933, S.7f
H.A. Vetter: Moderne Gaststätten. In. Heraklith-Rundschau 1934/35, H. 5, S.2f
H.A. Vetter: Burgen und Schlösser. In: Heraklith-Rundschau 1934/35, H.7
H.A. Vetter: Wohnräume von Emmerich Revesz. In: Innendekoration 1937, S.53ff
H.A. Vetter: Kreuzblockverbauung. Berlin 1939
H.A. Vetter: English History at a Glance. London 1948
H.A. Vetter: Achitecture’s prehistoric heritage. In: Architectural Record 1955, S.194ff
H.A. Vetter: Die schönsten Häuser der Welt; History of The World on the representaive Method; Visual Education; Londoner Sonette, alle um 1950 (nicht publiziert)

zahlreiche kleinere Artikel in: profil, 1932-1936
diverse Artikel in : Carnegie Review 1969
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Sekundärquellen

LITERATUR:
M. Boeckl (Hrsg.): Visionäre und Vertriebene (Ausst.Kat.). Berlin 1995
M. Dubrovic: Veruntreute Geschichte. Wien/Hamburg 1985
M. Ermers: Die Werkbundsiedlung Wien Lainz. In: Bauwelt 23.1932, H.24, Beil, S.1ff
J. Frank: Zur Entstehung der Werkbundsiedlung. In: Bau- u. Werkkunst 8.1901/32, S.169ff
J. Frank: Die Werkbundsiedlung Wien. In: Innendekoration 43.1932, S. S.273ff
A. Gmeiner / G. Pirhofer: Der österreichische Werkbund. Salzburg/Wien 1985
K.M. Grimme: Die Werkbundsiedlung Wien. In: Die Kunst 66.1932, S.268ff
Das neue Wien (Hrsg. Gemeinde Wien), Bd.3. Wien 1927
O. Kapfinger / A. Krischanitz: Die Wiener Werkbundsiedlung. Wien 1985, S.88f
G. Koller / G. Withalm: Die Vertreibung des Geistigen aus Österreich. Wien 1985
Kommunaler Wohnbau in Wien Aufbruch 1923–1934 Ausstrahlungen (Ausst.Kat.). Wien 1978
I. Meder: Offene Welten: Die Wiener Schule des Einfamilienhausbaus 1910-1938. Diss. Stuttgart 2003
H. Weihsmann: Das Rote Wien. Wien 2002
O. Uhl: Moderne Architektur in Wien von Otto Wagner bis heute. München 1966

HINWEISE AUF WERKE:
Bau- u. Werkkunst
7.1930/31, S.300 (Entwurf der Siedlungsanlage Froschberggründe Linz)

profil
2.1934, S.33 (Einraumwohnung)

NACHSCHLAGEWERKE:
Achl. III/1; Achl. III/2; Dehio 2; Dehio 3
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Anmerkungen
Eingegeben von: Ursula Prokop
Eingegeben am: 01.11.2005
Zuletzt geändert: 16.02.2007
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