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Martin Ziegler

Persönliche Daten
Ausbildung, Studienreisen, internationale Aufenthalte
Beruflicher Werdegang, Lehrtätigkeit
Auszeichnungen und Ämter
Mitgliedschaften
Vita
Stellenwert
Werke
Primärquellen
Sekundärquellen
Anmerkungen
Persönliche Daten
* 14.06.1896 - † nach 1940
Geschlecht: m
Geburtsort: Wien
Sterbeort: 1939 nach London emigriert, 1940 in die USA
Titel: Ing.
Religionsbekenntnis: Mosaisch
Berufsbezeichnung: Architekt
Familiäres Umfeld: Vater: Simon Z., Holzhändler
Mutter: Sali, geb. Frommer
Ehe mit Seraphine Steinfeld (*1910)
Tochter: Susanna
Bürogemeinschaft: 1921-1934 mit Josef Berger (zeitweise auch Mitarbeit von Arthur Berger)
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Ausbildung, Studienreisen, internationale Aufenthalte
o.J.Realschule Wien 19
1914-1917Militärdienst
1917-1921Technische Hochschule Wien (u.a. bei Franz v. Krauss u. Karl Mayreder, Abschluss mit 2.Staatsprüfung)
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Beruflicher Werdegang, Lehrtätigkeit
1921-1934als freier Architekt in Bürogemeinschaft mit Josef Berger tätig
1934-1938Weiterführung des Büros in alleiniger Verantwortung
1939Emigration nach England, wo er kurzfristig wieder mit Josef Berger zusammenarbeitet, nach der Bombardierung ihres Büros 1940 in London ging er mit seiner Familie in die USA
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Auszeichnungen und Ämter
ab 1919beeideter Sachverständiger und Schätzmeister
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Mitgliedschaften
ab 1925Bund österreichischer Architekten (Gründungsmitglied und im Vorstand)
ab 1922Österr. Ingenieur- und Architektenverein
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Vita
Martin Ziegler, der 1896 in Wien geboren wurde, stammte aus einer aus Galizien zugewanderten jüdischen Kaufmannsfamilie. Nachdem er die Realschule absolviert hatte, musste Ziegler bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs sofort einrücken und konnte daher erst gegen Kriegsende sein Studium an der Technischen Hochschule, wo Franz v. Krauss und Karl Mayreder zu seinen Professoren zählten, beginnen. Als er Anfang der 20er Jahre sein Studium abgeschlossen hatte, machte er sich in Arbeitsgemeinschaft mit seinem Studienkollegen Josef Berger selbständig, wobei dessen Bruder Arthur gleichfalls des öfteren an diversen Projekten beteiligt war. Berger Ziegler, die vor allem auf Wohnbauten spezialisiert waren, beteiligten sich auch an zahlreichen großen Wettbewerben, konnten aber praktisch keines dieser Vorhaben realisieren.

Sowohl Ziegler als auch die Brüder Berger waren in vielfältiger Hinsicht in der Wiener Kulturszene der Zwischenkriegszeit engagiert. So gründeten sie u.a. gemeinsam mit dem Architekten Otto Bauer Mitte der 20er Jahre den „Bund österreichischer Architekten“, nach dem Vorbild der deutschen Architektenvereinigung. Die Brüder Berger betrieben darüber hinaus mit ihrem Schwager, dem Schriftsteller Fritz Lampl, die „Bimini-Werkstätten“, die sich äußerst erfolgreich auf die Produktion von Möbel, dekorativen Glaswaren u.ä. spezialisiert hatten. Außerdem waren Josef Berger und Fritz Lampl, zu deren Freundeskreis auch die Architekten Paul Engelmann und Jacques Groag gehörten, ständige Mitarbeiter der Zeitschrift „Innendekoration“ und konnten der Bürogemeinschaft Berger Ziegler durch laufende Veröffentlichung ihrer Projekte eine gewisse Publizität verschaffen.

Als Josef Berger 1934 infolge der schlechten wirtschaftlichen Lage und der sich verschärfenden politischen Situation in das damalige Palästina ging, führte Ziegler das Büro in Wien in alleiniger Verantwortung weiter. Berger jedoch, dessen Hoffnung auf große Aufträge sich nicht erfüllt hatte, verlegte seinen Wohnsitz schon nach kurzer Zeit nach London, wo er eine weitere Zweigstelle des gemeinsamen Büros betrieb. Bald wurde auch Ziegler in Wien von den politischen Ereignissen überrollt und musste das Atelier aufgeben, da er als Jude im annektierten Österreich dem Berufsverbot unterlag. Im August 1939 emigierte Ziegler mit seiner Frau gleichfalls nach London. Nachdem jedoch Berger als „feindlicher Ausländer“ interniert und dessen Londoner Büro bei einem Bombenangriff 1940 zerstört worden war, hatten sich alle Hoffnungen, in England eine neue Existenz aufbauen zu können, zerschlagen und Ziegler wanderte schließlich mit seiner Familie in die USA aus, wo sich seine Spuren verlieren.
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Stellenwert
Martin Ziegler und sein Partner Josef Berger waren typische Vertreter einer gemäßigten Moderne, die sich in Wien in der Zwischenkriegszeit etabliert hatte. Neben ihrem Studium an der Technischen Hochschule, prägte insbesondere auch Adolf Loos, dessen Schüler Josef Berger kurzfristig gewesen war, ihr Werk.

Diese Ausrichtung manifestiert sich bereits an einem ihrer frühesten Projekte, der Wohnhausanlage Wien 3 Schlachthausgasse 2-6, die im Gegensatz zu dem meisten zeitgleichen Wohnbauten des “Roten Wien “ (landläufige Bezeichnung für das Wohnbauprogramm der sozialdemokratischen Wiener Stadtverwaltung der Zwischenkriegszeit) jegliches romantisch-expressive Pathos vermissen lässt. Die eher sachliche Außenerscheinung wird von einem kubisch durchgestalteten Baukörper bestimmt, der nur mittels treppenartig gestufter Erker und Balkone gegliedert wird und durch profilierte Gesimse eine horizontale Ausrichtung erhält.

Die Methode einen kubischen Baukörper durch Rücksprünge und Anbauten zu strukturieren, prägt auch die Villenbauten von Berger Ziegler, wie z. B. das Haus Schur (Wien 19, Formanekgasse 32). Auch hier werden mittels kleiner architektonischer Details, wie ein abgetrepptes Stiegenhausfester, nahezu dekorative Akzente gesetzt. Ziegler setzte diese Linie auch nach dem Weggang Bergers fort. Das Ende der 30er Jahre in alleiniger Verantwortung errichtete Wohnhaus in Wien 15, Sechshauser Straße 29 ist ein eher unprätentiöser Bau, der nur durch einen symmetrisch gesetzten Mittelerker gegliedert wird und dessen einziger dekorativer Akzent ein klassizierendes Konsolgesims darstellt.

Wie bei vielen Architekten, die in der Zwischenkriegszeit tätig waren, ist das architektonische Werk von Berger Ziegler infolge der schlechten wirtschaftlichen Lage eher schmal. Als Kompensation mussten Inneneinrichtungen und Möbelentwürfe dienen. Generell sind die Interieurs des Ateliers in ihrer Konzeption von der pragmatischen Haltung eine Adolf Loos geprägt. Das heißt, es kamen sowohl neue als auch bereits vorhandene Möbel zum Einsatz, die entsprechend den neuen Anforderungen arrangiert wurden. Auch bei den Möbelentwürfen selbst wurde der Trend zu einer gemäßigt modernen Haltung beibehalten, die weitgehend bürgerlich konventionellen Vorstellungen entsprach und in Kombination mit kostbaren Perserteppichen durchaus auch repräsentativen Ansprüchen entgegenkam.

Die Stellung Zieglers innerhalb der Partnerschaft ist schwer zu bestimmen. Aufgrund seiner technischen Ausbildung ist die Annahme, dass er eher für den architektonischen Bereich und die Brüder Berger dahingegen für das Design zuständig waren, nicht ganz unzulässig.
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Werke

WOHN-/GESCHÄFTSBAUTEN:
mit Josef Berger:
1926WHA d. Gem.Wien, Wien 3, Schlachthausgasse 2-6 / Ludwig-Kössler-Platz 3 (mit Arthur Berger)
1925Wohnhaus, Wien 12, Altmannsdorferstraße (Nr. unbek.)
1929WHA d. Gem.Wien, Wien 9, Alser Straße 52 / Hernalser Gürtel 26 (mit Arthur Berger)
1931Haus Hohenberg, Wien 12, Gaßmannstraße 39
1931Haus Freiberger, Wien 13, Geylinggasse 8
1932-1933WHA d. Gem.Wien „Grassinger-Hof“, Wien 15, Brünhildengasse 3 / Walkürengasse 12 (mit Arthur Berger)
1933Haus Dr. Schur, Wien 19, Formanekstraße 32
1933Dreifamilienhaus K., Wien 19, Straße unbekannt, Nr. 5
1934Haus A.G., Wien 19, Schreiberweg 79 (leicht verändert)
in alleiniger Verantwortung:
1937Wohnhaus, Wien 15, Sechshauser Straße 29
o.J.Miethaus, Wien 14, Rupertgasse 4 (verändert)

INNENRAUMGESTALTUNG/DESIGN:
Auswahl:
1923Auto-Ausstellungspavillon, Wien (mit Josef Berger)
1931Ausstellung „Die neuzeitliche Mietwohnung“, Wien
zahlreiche Wohnungseinrichtungen

NICHT REALISIERTE PROJEKTE:
1921Krematorium Wien (Wettbewerb, mit Karl Bernard)
mit Josef Berger:
1923WHA d. Gem.Wien, Wien 2, Lassallestraße / Vorgartenstraße (Wettbewerb, mit Arthur Berger)
1926Brückenkopf Köln, D (Wettbewerb)
1926Modelle für Typenhäuser
1927Völkerbundpalast, Genf, CH (Wettbewerb)
1927Trinkhallenanlage in Baden bei Wien, NÖ (Wettbewerb, 1.Preis)
1928Entwurf Geschäftshaus Prag / Praha, CZ
um 1928Haus Pr. in Kairo
um 1928Landhaus bei Hamburg
um 1928Landhaus in Ankara
um 1928Gästehaus in Polen
1928Hochhaus auf den Bürgerversorgungshausgründen in Wien 9 (Wettbewerb)
1932Verbauung des Kahlenberges in Wien (Wettbewerb)
um 1932städtebaulicher Entwurf für Antwerpen, NL
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Primärquellen

PUBLIKATIONEN:
M. Ziegler: Was vielen heutigen Bauherren fehlt. In: Deutsche Kunst und Dekoration 53.1923/24, S.99f
M. Ziegler / O. Bauer: Wohnungsbau in Wien. In: Wasmuth’s Monatshefte für Baukunst 1928, S.269

NACHLÄSSE UND ARCHIVE:
TUWA; IKG
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Sekundärquellen

LITERATUR:
Anonym: Der Wettbewerb für ein Volkswohnhaus in Wien. In: Bauwelt, 20.1929, H.26, S.613ff
Bundeswohnbauförderung in Wien. Wien 1932
M. Eisler: Die Ausstellung „Neuzeitliche Mietwohnung“ in Wien. In: Moderne Bauformen 30.1931, S.69ff
M. Eisler: Häuser und Räume von Berger und Ziegler. In: Moderne Bauformen 32.1933, S.265ff
H. und R. Hautmann: Die Gemeindebauten des Roten Wien 1919-1934. Wien 1980
Kommunaler Wohnbau in Wien. Aufbruch 1923-1934. Ausstrahlungen. (Ausst.Kat.), Wien 1978
F. Lampl: Bauten und Innenräume der Architekten Berger und Ziegler. In: Innendekoration 44.1933, S.220f
I. Meder: Offene Welten, Die Wiener Schule im Einfamilienhausbau 1910 -1938, Diss. Stuttgart 2003
H. Weihsmann: Das Rote Wien. Wien 20022

HINWEISE AUF WERKE:
Deutsche Kunst u. Dekoration
53.1923, S.99ff (diverse Interieurs)

Innendekoration
34.1923, S.28ff (diverse Möbel)
36.1925, S.81 (diverse Möbel)
38.1927, S.245ff (diverse Interieurs
40.1929, S.208ff (diverse Interieurs)
42.1931, S.111 u. S.120 (diverse Interieurs)
48.1937, S.388f (Haus A. G. in Grinzing)

Moderne Bauformen
25.1926, S.403ff (Einfamilienhaus Wien 13, Altmannsdorfer Str.) / S.411 (Modelle für Typenhäuser)
27.1928, S.224ff (Geschäfthaus Prag, WHA Schlachthausg., Haus Pr. in Kairo, Landhaus bei Hamburg) / T.22 (Landhaus bei Ankara u. Gästehaus in Polen)

Österr. Bau- u. Werkkunst
4.1928, S.112 (Wettbewerb Trinkhalle Baden) / S.188 (Hochhaus auf den Bürgerversorgungshausgründen)

NACHSCHLAGEWERKE:
Achl. III/1; Achl. III/2
Dehio Wien/2 (II.-IX.u.XX.Bez.); Dehio Wien/3 (X.-XIX.u.XXI.-XXIII.Bez.)

LEXIKA:
H. Weihsmann: In Wien gebaut. Wien 2005

INTERNETLINKS:
www.wien.spoe.at
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Anmerkungen
Eingegeben von: Ursula Prokop
Eingegeben am: 01.07.2007
Zuletzt geändert: 18.10.2007
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