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Franz Singer



Persönliche Daten
Ausbildung, Studienreisen, internationale Aufenthalte
Beruflicher Werdegang, Lehrtätigkeit
Auszeichnungen und Ämter
Mitgliedschaften
Vita
Stellenwert
Werke
Primärquellen
Sekundärquellen
Ausstellungen
Anmerkungen
Persönliche Daten
* 08.02.1896 - † 05.10.1954
Geschlecht: m
Geburtsort: Wien
Land: Österreich
damaliger Name: Österreich-Ungarn
Sterbeort: Berlin
Land: Deutschland
Religionsbekenntnis: Mosaisch
Berufsbezeichnung: Architekt und Designer
Familiäres Umfeld: Ehe (1917 oder 1921) mit: Emmy Heim (1885-1954), Sängerin
Sohn: Michael
Bürogemeinschaft: 1920-1931 Zusammenarbeit mit Friedl Dicker, Büro Wien 9, Wasserburggasse 2
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Ausbildung, Studienreisen, internationale Aufenthalte
1905-1906Kunstgewerbeschule Wien (Kinderzeichenkurs bei Alfred Roller)
1914-1915Schüler bei dem Maler Felix Albrecht Harta in Wien
1915-1917Militärdienst
1916-1919Studium der Philosophie in Wien
1917-1919Kunstgewerbeschule Wien (bei Johannes Itten)
1919-1923Bauhaus Weimar (Klasse Johannes Itten)
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Beruflicher Werdegang, Lehrtätigkeit
1920-1924als Bühnenausstatter in Zusammenarbeit mit Friedl Dicker für die Schauspielhäuser in Dresden und Berlin tätig
1923-1926Gründung der „Werkstätten Bildender Kunst“ in Berlin, mit Friedl Dicker
1925-1931Architekturbüro Singer & Dicker in Wien, 9. Wasserburggasse 2
1931-1938als freier Architekt in Wien
ab 1934in London als Konsulent für den John Lewis Konzern und als freier Architekt (in Zusammenarbeit mit Hans Biehl, später Hedy Schwarz-Abraham) tätig
1935für das Commitee des Londoner Country Council Exposé zur Lösung der Wohnungsfrage in London erstellt
1938-1954Tätigkeit für den Nursery-Furniture Blackboard & Toycupboard, London, daneben freiberuflicher Architekt
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Auszeichnungen und Ämter
1927Auszeichnung, „Berliner Kunstschau“
1929Auszeichnung, „Moderne Inneneinrichtungen“, Wien
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Mitgliedschaften
1916-1919Mitglied der Kunstschau
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Vita
Singer stammte aus einem bürgerlich-jüdischen Milieu. Seine Zeichenbegabung wurde früh erkannt und gefördert, bereits als Kind erhielt er bei Alfred Roller Zeichenunterricht, die für seinen weiteren Werdegang prägend war. Nach Abschluss der Schule setzte er seine Ausbildung bei dem Maler Felix Harta fort. Im Ersten Weltkrieg eingerückt, begann er noch während seines Militärdienstes ein Philosophiestudium und besuchte die Privatschule von Johannes Itten, wo er Friedl Dicker kennen lernte, mit der er über Jahre eine private und berufliche Gemeinschaft einging.

Nach Ende des Ersten Weltkriegs gingen Franz Singer und Friedl Dicker mit ihrem Lehrer Johannes Itten nach Weimar ans neu gegründete Bauhaus, wo sie mit zahlreichen Künstlern Kontakt hatten, unter anderen Walter Gropius, Oskar Schlemmer und Paul Klee. Franz Singer ging in dieser Zeit eine Ehe mit der Sängerin Emmy Heim ein, setzte aber seine Beziehung mit Friedl Dicker fort. Bereits während ihrer Ausbildung arbeiteten Franz Singer und Friedl Dicker als Bühnenausstatter für mehrere Schauspielhäuser in Berlin und Dresden, insbesondere für Berthold Viertels Truppe im Berliner Lustspielhaus. Anfang der 20er Jahre zogen sie nach Berlin und eröffneten die „Werkstätten bildender Kunst“, die Inneneinrichtungen, kunsthandwerkliche Objekte und Bühnenausstattungen entwarfen.

Nach rund zwei Jahren Tätigkeit in Berlin kehrten Franz Singer und Friedl Dicker nach Wien zurück und betrieben gemeinsam das „Atelier Singer- Dicker“. Ihre Mitarbeiter waren unter anderen Bruno Pollak und Hans Biehl. Das erfolgreiche Atelier, das Auftraggeber in ganz Mitteleuropa hatte, fertigte zahlreiche Wohnungseinrichtungen, Möbel und Textilien an, führte aber auch einige bemerkenswerte Bauten aus. Außerdem übernahmen Singer-Dicker mehrmals Aufträge für das Sozialprogramm der Gemeinde Wien. Neben der Ausstattung von Kindergärten arbeiteten sie am Projekt „Jugend am Werk“ mit, das sich mit der Resozialisierung Jugendlicher durch handwerkliche Ausbildung befasste. Intellektuell engagiert gehörten Franz Singer und Friedl Dicker dem Künstlerkreis um Hans Moller, Adolf Loos und Max Ermers an. Anfang der 30er Jahre stieg Friedl Dicker nach einer Reihe von privaten Konflikten aus der Arbeitsgemeinschaft aus und Singer führte das Atelier alleine weiter. Daneben arbeitete er ab 1934 bereits zeitweise in London für diverse Firmen, wo er sich insbesondere mit Fertigbauweisen und sozialem Wohnbau befasste, aber auch freiberuflich einige Einfamilienhäuser und Inneneinrichtungen ausführte. Als nach dem „Anschluss“ Österreichs 1938 sein Wiener Büro aufgelöst wurde, blieb er endgültig in England, wo er während des Krieges vorübergehend interniert war. In der Nachkriegszeit nahm Singer seine Tätigkeit als Architekt und Designer wieder auf. Ein Schwerpunkt in diesen Jahren wurde für Singer die bereits in Wien begonnene Beschäftigung mit kindergerechten Möbeln und pädagogisch wertvollem Spielzeug.

Anfang der 50er Jahre kehrte Franz Singer für kurze Zeit nach Salzburg und später Berlin zurück, wo er im 59. Lebensjahr verstarb.
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Stellenwert
Franz Singer und seine Kollegin Friedl Dicker gehörten zu den ganz wenigen Wiener Architekten, die ihre Ausbildung am Bauhaus selbst erhielten und dementsprechend die Errungenschaften des „Neuen Bauens“ in ihrer Heimatstadt umsetzten.

Obwohl das architektonische Werk der beiden sehr klein und praktisch nicht erhalten ist, umfasst es doch so beispielgebende Bauten wie das Tennisclubhaus Heller (Wien 13, Leopold Müllergasse) und das Gästehaus Herriot (Wien 2, Rustenschacher Allee 30). Beide Projekte zeichneten sich durch eine transparente, fast schwebende Beton-Glasarchitektur aus, die Funktionalität mit höchsten ästhetischen Ansprüchen zu verbinden wusste. Singers Einfamilienhäuser, die er in seiner Emigrationszeit errichtete, sind von einer unprätentiösen Zweckmäßigkeit geprägt.

Der Schwerpunkt von Singers und Friedl Dickers Tätigkeit war jedoch die Einrichtung von Geschäftslokalen und Wohnungen, wobei sie sich insbesondere auf die Konzeption von billig herzustellenden, möglichst raumsparenden Einrichtungsgegenständen, wie Klappmöbel und stapelbare Stühle, konzentrierten. Singer selbst erklärte „die Ökonomie der Zeit, des Raumes und des Geldes“ zum „modernen Wohnprinzip“. Neben der funktionalistischen Bauhausästhetik brachten sie auch unter Einfluss der Farbenlehre Johannes Ittens die Farbe als gestaltendes Element mit ein. Alle diese Kriterien setzten sie unter Verwendung des Baukastensystems auch bei Kindermöbeln und Spielzeug um. Ihre Einrichtung des Kindergartens im „Goethe-Hof“ (Wien 22, Schüttaustraße) nach den Erkenntnissen der Montessori-Pädagogik gilt bis heute als Pionierarbeit auf dem Gebiet des kindergerechten Designs. Generell blieb die Beschäftigung mit Kinderspielzeug ein zentrales Thema Franz Singers bis in die Zeit seiner Emigration in England, wo er das noch in den Wiener Jahren konzipierte „Phantasius-Spiel“ ständig weiter entwickelt hat.
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Werke

WOHN-/GESCHÄFTSBAUTEN:
1931Gartenhaus Alice Moller, Wien 19, Starckfriedgasse (mit Friedl Dicker)
1934Gästehaus Heriot Wien 2, Rustenschacherallee 30 (abgerissen, mit Friedl Dicker)
1931Confiserie „Garrido & Jahne“, Wien 1, Operngasse 10 (nicht erhalten, mit Friedl Dicker)
1929Modesalon „Lore Kriser“, Wien 1, Gluckgasse 2 (nicht erhalten, mit Friedl Dicker)
um 1950Restaurant und Pavilion Hotel, Scarborough, GB
diverse Einfamilienhäuser in England

ÖFFENTLICHE BAUTEN:
1928Tennisclub Heller, Wien 13, Leopold-Müllergasse / Reichgasse (abgerissen, mit Friedl Dicker und Jacques Groag)

INNENRAUMGESTALTUNG/DESIGN:
1916-1919Wiener Kunstschau
1921-1923Bühnenausstattungen für Berthold Viertel (u.a. „Kaufmann von Venedig“; mit Friedl Dicker)
1927Kunstschau Wien
1927Wohnung Hugo u. Alice Moller, Wien 1 (mit Friedl Dicker)
1927Wohnung Dr. Koritscher Wien 4, Johann-Strauß-Gasse (mit Friedl Dicker)
1929Wohnung Dr. Reisner Wien 19, Koschatgasse (mit Friedl Dicker)
1930Montessori-Kindergarten im „Goethe-Hof“, Wien 22, Schüttaustraße 1-39 (mit Friedl Dicker)
1930Ausstellung Wiener Raumkünstler
1930Wohnung Dr. Reimers-Münz, Wien 4, Goldeggasse (mit Friedl Dicker)
1931Schlafraum Anny Moller, Wien 18, Starckfriedgasse 19 (mit Friedl Dicker)
1933Wohnung Dr. Epstein, Wien 4 (mit Friedl Dicker)
um 1937Wohnung in der Laubenheimstraße ?
1937Wohnung Franz Neumann, Prag
1937Umbauten in den Peter-Jones-Warenhäusern, London
zahlreiche Wohnungseinrichtung , Kindergärten, Typenmöbel, Baukasten für Kindermöbel, Spielzeug, etc.

NICHT REALISIERTE PROJEKTE:
1936Arbeiterwohnsiedlung in Palästina (mit Hans Biehl)
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Primärquellen

NACHLÄSSE UND ARCHIVE:
Architekt Georg Schrom, Wien (Nachlass des Ateliers Dicker-Singer); Bauhaus-Archiv, Berlin
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Sekundärquellen

LITERATUR:
A. Becker u.a. (Hrsg.): Architektur im 20.Jh. Österreich (Ausst.Kat.). München u.a. 1995
Ch. Benton: A different world. Emigre architects in Britain 1928-1958 (Ausst.Kat.). London 1995
C. Blauensteiner: Das moderne Wohnprinzip, zur Ausstellung Franz Singer-Friedl Dicker. In: Bauforum 22.1989, S.11f
D. Guardigli / A. Maniscalo: Franz Singer e Friedl Dicker, architetture e arredi 1924-1934. In: Domus 1992, S.76ff
H. Hildebrandt: Die Kunst des 19. und 20.Jh.s. Wildpark-Potsdam 1931
W. Holzbauer (Hrsg.): Franz Singer – Friedl Dicker (Ausst.Kat.). Wien 1989
G. Koller / G. Withalm: Die Vertreibung des Geistigen aus Österreich. Wien 1985
E. Makarova: Friedl Dicker-Brandeis (Ausst.Kat.). Wien/München 1999
G.A. Platz: Wohnräume der Gegenwart. Berlin 1933
W. Schmied (Hrsg.): Geschichte der bildenden Kunst in Österreich, 20. Jahrhundert. Bd.6, München u.a. 2002
P. Wilberg-Vignau (Hrsg.): Friedl Dicker – Franz Singer (Ausst.Kat.). Darmstadt 1970

HINWEISE AUF WERKE:
Deutsche Kunst und Dekoration
61.1927/28, S.76 (Kunstschau 1927)
66.1930, S.266 (Einraummöbel)

Innendekoration
45.1934, S.233 (Wohnmöbel im Schrank)

Der Wiener Kunstwanderer
1933, H.6, S.22ff (Gartenhaus Moller)

Österreichische Bau und Werkkunst
8.1932, S.65f (Montessori-Kindergarten)

NACHSCHLAGEWERKE:
Handbuch der österreichischen Autoren und Autorinnen jüdischer Herkunft, Bd.3. München 2002

LEXIKA:
Vollmer; ThB 31; DBE 9.Bd.
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Ausstellungen
1970Friedl Dicker – Franz Singer, Bauhausarchiv, Berlin
1988Franz Singer – Friedl Dicker, Hochschule für angewandte Kunst, Wien
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Anmerkungen
Eingegeben von: Ursula Prokop
Eingegeben am: 01.11.2005
Zuletzt geändert: 20.12.2012
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