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Carl Caufal

Persönliche Daten
Mitgliedschaften
Vita
Stellenwert
Werke
Primärquellen
Sekundärquellen
Anmerkungen
Persönliche Daten
* 05.12.1861 - † 24.11.1929
Geschlecht: m
Geburtsort: Olomouc
damaliger Name: Olmütz, Mähren
Land: Tschechien
damaliger Name: Kaisertum Österreich
Sterbeort: Wien
Land: Österreich
weitere Namen: Karl
Religionsbekenntnis: Röm. - Kath.
Berufsbezeichnung: Architekt
Familiäres Umfeld: Ehe mit Anna C. (*1869)
Sohn: Franz C. (*1893)
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Mitgliedschaften
ab 1891Allgemeiner Bautechniker-Verein Wien
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Vita
Carl Caufal wurde 1861 in Ölmütz, Mähren, das damals zum Kaisertum Österreich gehörte, geboren. Welche Ausbildung er erfuhr und wann er nach Wien kam, ist nicht bekannt. Caufal errichtete zwischen 1896 und 1913 in Wien etliche Wohnbauten und war auch im Immobiliengeschäft tätig. Im Jahr 1903 wurde er wegen schuldbarer Krida auf Grund „verunglückter Hausspekulationen“ zu drei Wochen strengem Arrest verurteilt (Arch. und Baumeisterzeitung 12.1903, S.6), was allerdings seiner beruflichen Laufbahn nicht weiter schadete.

Caufals bekanntestes Werk ist der sog. „Dogenpalast“, der im Stil der venezianischen Gotik in Wien 2, Praterstraße 70 errichtet wurde und ein Kuriosum des ausgehenden 19. Jahrhunderts darstellt.

Die übrigen Wohnhausbauten Caufals weisen keine derart außergewöhnliche stilistische Gestaltungsweise auf. Ab Beginn des Ersten Weltkriege sind keine weiteren Bauten von Caufal dokumentiert. Er starb im 68.Lebensjahr in Wien.
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Stellenwert
Carl Caufals bekanntestes Werk, der sog. „Dogenpalast“ in Wien 2, Praterstraße 70 (1896-1898) muss im Zusammenhang mit dem unweit gelegenen, im Jahr 1895 im Prater errichteten Vergnügungspark „Venedig in Wien“ gesehen werden. Hauptattraktion dieser Anlage waren die ein Kilometer langen Kanäle, auf denen Gondelfahrten mit eigens aus Italien engagierten Gondolieri möglich waren. Die Kanäle wurden von betretbaren italienischen Palazzinachbauten gesäumt, in denen Cafés und Unterhaltungsetablissements untergebracht waren. Bereits in der ersten Saison des sechs Jahre bestehenden Vergnügungsparks wurden rund 2 Millionen Besucher verzeichnet. Im Zuge dieser Italienbegeisterung entstand Caufals „Dogenpalast“, der allerdings keine Nachbildung des Originals in Venedig ist, sondern nach dem Vorbild der „Ca d’Oro“ am Canal Grande gebaut wurde. Das Gebäude war ursprünglich als Hotel geplant, fand dann aber als Wohnhaus Verwendung. Das gesamte Erdgeschoß wurde allerdings als Kaffeehaus genutzt.

Die Wohnhausbauten, die Carl Caufal um 1900 errichtete, sind teilweise mit sehr üppigem barockisierendem Dekor geschmückt. Insbesondere der Gebäudekomplex in Wien 6, Gumpendorferstraße 70 (1905) erhielt im Zusammenhang mit der weit ausladenden Eckrundung, dem durchgehenden Balkon mit plastischem Balkongeländer aus Betonguss sowie den geschwungenen Giebelaufsätzen ein äußerst repräsentatives Erscheinungsbild.

Ab dem Jahr 1910 nimmt Caufal das barockisierende Dekor zugunsten einer einfacheren Formensprache zurück. Die Fassaden werden vor allem durch Nutungen oder Riffelfelder akzentuiert, Dekor wird nur sehr sparsam in den Fensterparabeten angebracht. Beim Haus in Wien 5, Margaretengürtel 2 (1911) ist die Fassade im Sockelgeschoß durch Nutungen akzentuiert, die Hauptgeschosse werden durch große Rahmenfelder gestaltet. Während sich bei diesem Miethaus allerdings noch barockisierende Medaillonsfelder finden, weichen diese beim Haus in Wien 4, Paniglgasse 16 (1912-1913) - dem letzten bekannten Bauwerk von Caufal - kleinen geometrischen Feldern. Zusätzlich asymmetrisch angebrachte polygonale Loggien in der Art von Baywindows zeigen, dass Caufal sich nun in Richtung der gestalterischen Formen der Moderne bewegt.

Carl Caufals Bauten zeigen exemplarisch, dass unterschiedlichen formalen Gestaltungsmöglichkeiten um die Jahrhundertwende ein durchaus gleichwertiger Stellenwert eingeräumt wurde. Indem Caufal den Bogen seiner Formenwahl von einer in der Vergangenheit wurzelnden zur secessionistischen Dekorsprache spannte, erwies er sich als vielseitiger und mit dem vollständigen Repertoire seiner Zeit vertrauter Architekt.
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Werke

WOHN-/GESCHÄFTSBAUTEN:
1896-1898Wohnhaus „Dogenhof“, Wien 2, Praterstraße 70 / Mayergasse 1
1897Miethaus, Wien 7, Siebensterngasse 38
1905Miethaus, Wien 3, Hintzerstraße 3
1905Miethaus, Wien 3, Hintzerstraße 5
1906Miethaus, Wien 3, Dannebergplatz 12
1906Miethaus, Wien 3, Dannebergplatz 13
1910Miethausblock, Wien 6, Gumpendorferstraße 70
1911Miethaus, Wien 5, Margaretengürtel 2 / Blechturmgasse 1
1912-1913Wohn- u. Geschäftshaus, Wien 4, Paniglgasse 16
1927Arbeiterwohnblock "Rote Burg", Strasshof an der Nordbahn, Hauptstraße 142, NÖ (jetzige Adresse)
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Primärquellen

NACHLÄSSE UND ARCHIVE:
TUAW (zu Sohn); WStLA (Meldearchiv)
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Sekundärquellen

LITERATUR:
Anonym: Little Italy in der Leopoldstadt. In: Kurier, 7.9.2005
Anonaym: Palazzo wie am Canal Grande. In: Der Standard, 19.8.2005, S.9
Kunsthist. Arbeitsgruppe GeVAG: Wiener Fassaden des 19.Jahrhunderts. Wien 1976
ÖKT 44: G. Hajos: Die Profanbauten des III., IV., und V. Bezirks. Wien 1980

HINWEISE AUF WERKE:
WBIZ
13.1896, S.339, T.45 (Miethaus in Wien II, Kaiser Josefstr.)
16.1899, Bautenalbum S.2, T.6 (Wohnhaus Wien 7, Siebensterng. 38) / S.26, T.92 (Dogenhof in Wien)

NACHSCHLAGEWERKE:
Achl. III/1
Dehio Wien/2 (II.–IX.u.XX.Bez.)
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Anmerkungen
Der Dogenpalast wurde 2005 restauriert. Die Restauratoren kritisierten in harten Worten („krimineller Pfusch“), dass der Dekor nicht aus Stein, sondern in Betonguss hergestellt wurde (S. Gitterle, Kurier, 7.9.2005) – offensichtlich nicht wissend, dass es zur Zeit der Errichtung üblich war, Dekor in Betonguss herzustellten. Aus Kostengründen wäre damals eine so aufwändige Gestaltung wie beim Dogenpalast in Stein niemals realisierbar gewesen. Auch die – fälschliche – Angabe, dass von Caufal nur drei Bauten erhalten sind und dies „vielleicht auch besser so“ sei (G. Seebach, Der Standard, 19.8.2005), zeigt von einer merkwürdigen Einstellung zu diesem Architekten.
Eingegeben von: Inge Scheidl
Eingegeben am: 01.10.2006
Zuletzt geändert: 19.07.2019
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