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Rupert Diedtel

Persönliche Daten
Ausbildung, Studienreisen, internationale Aufenthalte
Mitgliedschaften
Vita
Stellenwert
Werke
Primärquellen
Sekundärquellen
Anmerkungen
Persönliche Daten
* 12.09.1873 - † 17.07.1913
Geschlecht: m
Geburtsort: Wien
Land: Österreich
damaliger Name: Kaisertum Österreich
Sterbeort: Wien
Land: Österreich
damaliger Name: Österreich-Ungarn
weitere Namen: Dietdel, Dittel, Dietel
Religionsbekenntnis: Röm. - Kath.
Berufsbezeichnung: Architekt
Familiäres Umfeld: Vater: Johannes D., Maurer
Mutter: Joahnna geb. Reis
Ehe (1898) mit Anna geb. Tauscher (1874-1962)
Sohn: Rupert D. (1899-1929), Bankbeamter
Bürogemeinschaft: ca.1896-1910 mit Karl Wolschner (Wien 3, Wassergasse 15)
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Ausbildung, Studienreisen, internationale Aufenthalte
1891Matura an der Staatsgewerbeschule Wien
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Mitgliedschaften
ab 1893Allgemeiner Bautechniker-Verein Wien
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Vita
Rupert Diedtel wurde im Jahr 1973 in Wien geboren und besuchte hier die Staatsgewerbeschule, die er im Jahr 1891 mit der Matura abschloss. Fünf Jahre später ging er mir Karl Wolschner eine Arbeitsgemeinschaft ein, bei der allerdings Karl Wolschner die führende Rolle zukam, da dieser nicht nur um zehn Jahre älter war, sondern auch eine akademische Ausbildung genossen hatte. Die beiden Architekten errichteten eine Reihe von Wohnhausbauten in Wien und Umgebung und nahmen auch an etlichen Wettbewerben, insbesondere für Schulneubauten, teil. Viele der Projekte wurden mit Preisen bedacht, so auch der Wettbewerbsentwurf für die Errichtung der evangelischen Abteilung mit einer Kirche auf dem Zentralfriedhof in Wien, den sie in den Jahren 1903-1904 dank der guten Kontakte Karl Wolschners zur evangelischen Gemeinde auch realisieren konnten. Mit der sog. West-Schule sowie der örtlichen Handelskammer konnte das Architektenteam in Klagenfurt zwei weitere Wettbewerbserfolge realisieren. Im Zuge der Ausführungsarbeiten lernte Karl Wolschner seine spätere Frau kennen und löste in der Folge die Arbeitsgemeinschaft im Jahr 1910 auf, um schließlich ganz nach Klagenfurt zu ziehen.

Im Jahr 1912 ging Diedtel mit Gustav Knell eine neue Arbeitsgemeinschaft ein. Im gleichen Jahr wurde er allerdings wegen Demenz in die Anstalt Am Steinhof eingeliefert, wo er im darauf folgenden Jahr im Alter von erst 40 Jahren an progressiver Paralyse verstarb. Sein Grab befindet sich am Zentralfriedhof in Wien.
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Stellenwert
Der Schwerpunkt des Architektenteams Rupert Diedtel und Karl Wolschner lag in der Errichtung von öffentlichen Gebäuden, für die sie zumeist bei den vorangegangenen Wettbewerben mit Preisen ausgezeichnet worden waren. Der erste große Auftrag war die Anlage der evangelischen Abteilung am Zentralfriedhof in Wien, die auch die Errichtung einer Kirche samt Friedhofsgebäuden mit einschloss. Letztere sind sehr schlicht gestaltet, nur die Kirche wird mittels einer Einturmfassade und stark reduzierten, romanisierenden Formen in der Art des „Rundbogenstils“ des frühen 19.Jahrhunderts hervorgehoben. Der eigenwillig geschwungene Turmhelm sowie die Gestaltung des axial angelegten Friedhofsportals zeigen, dass das Architektenteam auch moderne Einflüsse – Karl Wolschner war ein Jahr Schüler Otto Wagners gewesen – verarbeitete.

Die West-Schule in Klagenfurt hingegen ist, wie die Architekten ausführten, einem öffentlichen Schulgebäude entsprechend einfach als moderner Putzbau entworfen und es „wurde das Hauptgewicht auf eine gute Fenstergruppierung und eine kräftige, jedoch sehr einfache Silhouettenwirkung des Daches gelegt“. (WBIZ 1909, S.363) Wie die zahlreichen nicht realisierten Schulgebäude auch erhielt das Gebäude durch eine starke Durchformung des Baukörpers mittels Mansarden, Giebeln, Dachreitern sowie Ecktürmchen einen romantisierenden malerischen Duktus. Das Schwergewicht lag zweifellos auf der Innengestaltung, die tatsächlich modernen Grundsätzen entsprach, indem „hygienische und schultechnische“ Anforderungen bei der Anlage der Klassenzimmer berücksichtigt wurden.

Das erste Miethaus, das das Architektenteam in Wien 3, Wassergasse 15 (1905) errichtete, ist mit Ädikulafenstern, Pilastern sowie Balustraden vor den Fensterparapeten sehr plastisch strukturiert und mit barockisierenden sowie modifiziert klassizierenden Details belebt. Das nur ein Jahr später entstandene Miethaus Wien 7, Neustiftgasse 57 (1906) zeigt hingegen modernere Gestaltungsprinzipien. Die nunmehr flächigere Fassade ist durch polygonale Erker sowie Nutungen akzentuiert und erhielt nur wenige kleine, aber bemerkenswerte Dekorfelder, indem die plastisch hervortretenden barocken Blattmotive zu originellen, secessionistischen Dekorbändern modifiziert sind.

Festzuhalten ist, dass sämtliche Arbeiten vor allem Karl Wolschners Handschrift prägte. Da Rupert Diedtel nicht zuletzt aufgrund seines frühen Todes keine eigenständigen Werke ausführen konnte, kann eine Bewertung dieses Architekten im eigentlichen Sinn nicht erfolgen.
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Werke

WOHN-/GESCHÄFTSBAUTEN:
mit Karl Wolschner:
1905Miethaus, Wien 3, Wassergasse 15
um 1906Wohn- u. Geschäftshaus, Wien 3, Dietrichgasse 3a-7 (abgerissen)
1906Wohn- u. Geschäftshaus A. u.L. Kolbe, Wien 9, Säulengasse 10 / Sobieskiplatz 3 (Dekor entfernt)
1906Wohn- u. Geschäftshaus, Wien 7, Neustiftgasse 57-59
1908Einfamilienhaus Deutsch-Altenburg, NÖ

ÖFFENTLICHE BAUTEN:
mit Karl Wolschner:
1903-1904evang. Abteilung und Kirche auf dem Zentralfriedhof Wien 11, Simmeringer Hauptstraße 242, IV. Tor (1.Preis)
1903Kirche und Pfarrhaus der evangelischen Gemeinde Kronstadt, Siebenbürgen / Brasov, RO
1908-1910West-Schule Klagenfurt, Lerchenfelderstraße 35 (1.Preis)
1908-1910Handelskammer Klagenfurt (2.Preis, nicht erhalten)

NICHT REALISIERTE PROJEKTE:
mit Karl Wolschner
19016-klassige Mädchenvolksschule mit Turnhalle, Kronstadt, Siebenbürgen / Brasov, RO
1902Amtshaus Wien 20 (Wettbewerb)
1903Neubau Postsparkasse, Wien (Wettbewerb, in der Vorkonkurrenz ausgeschieden)
1903Schulgebäude in Teschen, Ö-Schlesien / Cesky Tesin, CZ (Wettbewerb, 1.Preis)
1903Gemeindeamt und Sparkassa Jablunkau (Österr. Schlesien) / Jablunkov, CZ (Wettbewerb, 2.Preis)
1903Stadthaus und Sparkassa in Suczawa, Bukowina / Suceava, RO (Wettbewerb, 2.Preis)
1903Doppelvolksschule in Graslitz / Kraslice, CZ (Wettbewerb, 2.Preis)
1903Volksschule Neugasse bei Olmütz, Mähren / Olomouc, CZ (Wettbewerb, 1.Preis)
1904Adaptierung d. evang. Kirche A.B., Wien 1, Dorotheergasse 18
1904Handels- u. Gewerbebank in Mährisch-Ostrau, Mähren / Ostrava, CZ (Wettbewerb, ein Ankauf)
1907Mädchenschule in Bodenbach a.d. Elbe, Böhmen / Podmokly, CZ (Wettbewerb, Ankauf)
1908Volksschule Waidhofen a.d. Thaya, NÖ (Wettbewerb, eine Anerkennung)
1908Volks - u. Bürgerschule in Eger, Böhmen / Cheb, CZ (Wetttbewerb, 1.Preis)
1908Kath. Kirche in Bodenbach a.d. Elbe, Böhmen / Podmokly, CZ (Wettbewerb, 3.Preis)
1908Knabenvolksschule Schwaz, Tirol (Wettbewerb, ein Ankauf)
1908Mozarthaus, Salzburg (Wettbewerb)
1909Sparkassa Judenburg, Stmk. (Wettbewerb)
mit Gustav Knell
1911Schutzhaus auf dem Anninger, Mödling, NÖ
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Primärquellen

NACHLÄSSE UND ARCHIVE:
WStLA (Meldearchiv, Verlassenschaftabhandlung); Pfarrarchive St. Karl Wien 1, St. Rochus Wien 3, St. Josef/Margareten Wien 5
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Sekundärquellen

LITERATUR:
Anonym: Der neue evangelische Friedhof in Wien, XI.Bezirk. In: Der Bautechniker 25.1905, S.189ff und S.209ff
Festschrift zur 50-Jahrfeier der techn.gew. Bundes-Lehranstalt Wien I. 1880-1930

HINWEISE AUF WERKE:
Der Architekt
8.1902, T.20 (Konk.Entw. Gymnasium Kronstadt)
10.1904, S.46 (Gemeindeamt u. Sparkassa Jablunkau)

Der Bautechniker
23.1903, S.269ff (Konk.Entw. Volksschule in Teschen) / S.869f (Entwurf Stadthaus u. Sparkassa in Suzcawa) / S.1005f (Pfarrhaus d. evangelischen Gemeinde in Kronstadt)
24.1904, S.81f (Konk. Entw. Doppelvolksschule Graslitz) / S.317ff (Konk.Entw. Volksschule in Neugasse bei Olmütz) / S.509ff u. S.533 ff (Konk.Entw. Handels- u. Gewerbebank Mährisch-Ostrau)
25.1905, S.189ff u. S.209ff (evangelischer Friedhof in Wien)
27.1907, S.277f (Wohn- u. Geschäftshaus Wien 9, Säuleng. 10 / Sobieskipl. 3) / S.321f (Wohn- u. Geschäftshaus Marie Lang, Wien 7, Neustiftg. 57-59) / S.857ff (Projekt zur Adaptierung d. evang. Kirche A.B. Wien 1, Dorotheerg. 18)
28.1908, S.269ff, T.19 (Konk.Entw. Volksschule in Schwaz) / S.489ff, T.25 (Konk.Entw. Volksschule Waidhofen a.d. Thaya)
29.1909, S.537ff, T.28 (Konk.Entw. Sparkassengebäude Judenburg) / S.674, T.35 (Einfamilienhaus in Deutsch-Altenburg) / S.825ff, T.43 (Konk.Entw. Mädchenschule in Bodenbach)

WBIZ
26.1909, S.363ff (Schulhaus in Klagenfurt)
27.1910, S.47ff (Konk.Entw. kath. Kirche in Bodenbach)

NACHSCHLAGEWERKE:
Achl. II; Achl. III/1
Dehio Wien/2 (II.–IX.u.XX.Bez.); Dehio Kärnten 2001
S. Waetzoldt: Bibliographie zur Architektur im 19.Jh. Nendeln 1977
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Anmerkungen
Eingegeben von: Inge Scheidl
Eingegeben am: 01.10.2006
Zuletzt geändert: 15.09.2008
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