A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | Z
Friedrich Dietz v. Weidenberg

Persönliche Daten
Ausbildung, Studienreisen, internationale Aufenthalte
Beruflicher Werdegang, Lehrtätigkeit
Mitgliedschaften
Vita
Stellenwert
Werke
Primärquellen
Sekundärquellen
Anmerkungen
Persönliche Daten
* 27.10.1871 - † 09.12.1941
Geschlecht: m
Geburtsort: Wien
damaliger Name: Floridsdorf, NÖ
Land: Österreich
damaliger Name: Österreich-Ungarn
Sterbeort: Wien
Land: Österreich
damaliger Name: Deutsches Reich
Religionsbekenntnis: Röm. - Kath.
Berufsbezeichnung: Architekt und Baumeister
Familiäres Umfeld: Vater: Friedrich D.v.W., Stadtzimmermeister und Inhaber einer Fa. für Bauholzhandel
Ehe (1899) mit Josie, geb. Schwaiger
Sohn: Friedrich D.v.W. jun. (*1900)
top
Ausbildung, Studienreisen, internationale Aufenthalte
1891Matura Staatsgewerbeschule Wien
1891-1895Praxisjahre
1895-1898Akademie der bildenden Künste Wien (bei Otto Wagner)
1900Baumeisterprüfung
top
Beruflicher Werdegang, Lehrtätigkeit
1899-1902Mitarbeit Adolf Ritter v. Inffeld (Wagnerschüler) im Atelier Dietz
1900Baumeisterkonzession
top
Mitgliedschaften
ab 1906Genossenschaft der Bau- und Steinmetzmeister in Wien
top
Vita
Friedrich Dietz v. Weidenberg wurde 1871 als Sohn eines Stadtzimmermeisters in Floridsdorf, damals einer Vorstadt von Wien, geboren. Nach der Matura an der Staatsgewerbeschule in Wien absolvierte er fünf Praxisjahre und studierte anschließend an der Akademie der bildenden Künste bei Otto Wagner Architektur.

Im Jahr 1900 erhielt Dietz v. Weidenberg die Baumeisterkonzession und ein Jahr später realisierte er bereits eine seiner bedeutendsten Arbeiten, den „Gisela-Hof“ mit den anschließenden „Gisela-Sälen“ in Wien 21, Frömmelgasse 42a. In der Folge erbaute er Miet- und Arbeiterwohnhäuser, wobei er vor allem in seinem Wohnbezirk Floridsdorf tätig war. In den ersten Jahren, in denen Dietz ein selbständiges Büro führte, war Adolf Ritter von Inffeld, ein weiterer Wagner-Schüler, vielleicht als Mitarbeiter, jedenfalls als Zeichner bei ihm beschäftigt.

Etliche Publikationen von Entwürfen kleiner Wohnhäuser mit Zimmer-Küche- bzw. Zimmer-Kabinett-Küchewohnungen zeigen Dietz’ Beschäftigung mit den Wohnungsproblemen der Arbeiterklasse. Paradoxerweise reüssierte er in weiterer Folge jedoch als Hausarchitekt der angesehenen Fabrikantenfamilie Mautner-Markhof und errichtete in dieser Funktion in den Jahren 1908-1909 eine repräsentative Fabrikantenvilla, das sog. Mautner-Markhof-Schlössel in Wien 21, Prager Straße 33 (heute nach Umbauten Bezirksmuseum Floridsdorf). Darüber hinaus war er etwa ab der Jahrhundertwende für die Erhaltung und Erweiterung der ab dem Jahr 1861 errichteten Fabriksanlagen der Familie Mautner-Markhof in Wien 11, Simmeringer Hauptstraße 101 (Mautner-Markhof-Gasse 39-41) verantwortlich.

Friedrich Dietz v. Weidenberg starb im Alter von 70 Jahren in Wien.
top
Stellenwert
Die neuen formalen Gestaltungskriterien, die Otto Wagner in seiner Meisterklasse an der Akademie der bildenden Künste lehrte, wurden vorerst nur durch Publikationen, die vor allem in der Fachzeitschrift „Der Architekt“ erschienen, bekannt. Friedrich Dietz v. Weidenberg gehörte zu den ersten Absolventen der Wagner-Schule, der die Möglichkeit hatte, die neuen Formulierungen auch real umzusetzen.

Wenngleich Dietz bei der konstruktiven Planung der Wohn- und Geschäftshäuser noch weitgehend der Typologie späthistoristischer Wohnhäuser folgte, erhielten die Gebäude durch den Einsatz secessionistischer Dekorelemente ein interessantes und neuartiges Erscheinungsbild. Einige Häuser sind durch die Publikation in diversen Musteralben, wie z.B. „Wiener Neubauten im Style der Secession“ bekannt, allerdings fehlt zumeist die genaue Adresse, so dass bei etlichen Werken eine Identifizierung nicht möglich ist. Bei einigen dokumentierten Häusern wiederum ist der Fassadendekor – etwa auf Grund von Kriegsschäden – nicht mehr vorhanden.

Insgesamt zeigt sich, dass Dietz die in der Wagner-Schule kreierten Dekorelemente sparsam und ausgewogen einsetzte. Das sog. „Sildhaus“ in Wien 21, Am Spitz 13 (1905) etwa erhielt seitliche Pylonen, die mit Lorbeerkränzen geschmückt und von durchbrochenen Schmiedeeisengloben bekrönt sind. Die Fassade selbst ist durch punktuell angebrachte farbige Kacheln akzentuiert. Der „Gisela-Hof“ (21, Frömmelgasse 42a, 1901) wiederum ist durch secessionistische Dekor- und Putzbänderungen horizontal gegliedert. Die Fassade der anschließenden „Gisela-Säle“ erinnert mit einem schwungvollen Abschluss seitlicher Pylonen, einem dreiteiligen, mit einem großen Bogen abgeschlossenen Fenster, dessen Verlauf die Attikazone folgt, sowie mit Pfeilern im Eingangsbereich, die sich schwungvoll gebogen zum mittleren Portal verbreitern, an etliche der kühnen Entwürfe der jungen Wagner-Schüler, die zumeist jedoch unrealisiert geblieben sind.

Wenngleich Dietz v. Weidenberg mit seinen eleganten, secessionistisch geprägten Wohn- und Geschäftshäusern in Wien wichtige Zeugnisse der neuen, modernen Gestaltungsweise erstellte, kann er in gewisser Weise doch als „moderner Historist“ bezeichnet werden, der nach wie vor auf die assoziative Aussagekraft der entsprechenden Stile baute. Während er nämlich im Wohn- und Geschäftshausbau durchwegs einer modernen Gestaltungsweise den Vorzug gab, modifizierte er für das sog. „Mautner-Markhof-Schlössel“, dem Palais des einflussreichen und bekannten Fabrikanten Mautner-Markhof, Formen des Barock – ein Stil, der mit Macht- und Prunkentfaltung assoziiert wurde. Bei den Neubauten der Fabriksanlage Mautner-Markhofs hingegen folgte er ohne wesentliche stilistische Erneuerungen dem Ende des 19.Jahrhunderts üblich gewordenen und den Fabriksbau kennzeichnenden Gestaltungskanon, der im schlichten Sichtziegelbau seinen Niederschlag fand.
top
Werke

WOHN-/GESCHÄFTSBAUTEN:
1901„Gisela-Hof“, Wien 21, Frömmelgasse 42a (nicht erhalten)
1905Miethaus „Sildhaus“, Wien 21, Am Spitz 13
1905Arbeiterwohnhaus, Wien 21, Pilzgasse 2 (Dekor entfernt)
1905Arbeiterwohnhaus, Wien 21, Leopoldauer Straße 43 (Dekor entfernt)
1908-1909„Mautner-Markhof Schlössl“, Wien 21, Prager Straße 33 (heute nach Umbauten Bezirksmuseum Floridsdorf)
1915Miethaus, Wien 19, Solingerstr. (Nr.unbek., Entw. u. Ausf.)

ÖFFENTLICHE BAUTEN:
1906Dampf-, Wannen- und Brausebad Floridsdorf, Wien 21 (Adr.unbek.)
1903Gasthof Baumann, Wien 21, Leopoldauerplatz 93 (Umbau)
1913Kinderschutzstation, Wien 21, Gerichtsgasse (Entw. und Ausf.)

INDUSTRIE-/GEWERBEBAUTEN:
1926-1928Brennhaus, Vereinigte Hefefabriken Mautner-Markhof und Wolfrum GmbH, Wien 11, Mautner Markhof-Gasse 39-41
1930Ehem. Essigabfüllanlage, Faßbinderei und -wäscherei, Vereinigte Hefefabriken Mautner-Markhof und Wolfrum GmbH, Wien 11, Mautner Markhof-Gasse 39-41

NICHT REALISIERTE PROJEKTE:
1898Modernes Hotel
1900Volksschule in Korneuburg, NÖ (Wettbewerb)
1901Volksschule in Königsberg a.E. (Wettbewerb)
1901Rathaus in Floridsdorf (Wettbewerb)
1902Kaiser Franz-Josef Stadtmuseum (Wettbewerb)
1910Tribünenbauten des Wr. Trabrennvereins, Krieau, Wien 2, Trabrennstraße / Nordportalstraße (Wettbewerb)
o.J.Brücke in Budapest
top
Primärquellen

NACHLÄSSE UND ARCHIVE:
Archiv der ABK; WStLA (Personalakte, Verlassenschaftsabhandlung)
top
Sekundärquellen

LITERATUR:
Anonym: Der Internat. Wettbewerb um Entwürfe f. zwei Staats-Straßenbrücken über die Donau in Budapest. In: Deutsche Bauzeitung 28.1894, Nr.58; S.353f
F. Borsi / E. Godoli: Wiener Bauten der Jahrhundertwende. Stuttgart 1985
Facaden und Details. Wien 1900
Festschrift zur 50-Jahrfeier der techn.gew. Bundes-Lehranstalt Wien I. 1880-1930
O.A. Graf: Die vergessene Wagnerschule. München 1969
H. Haberkalt: Dreigurtige Fachwerke (Schwurplatzbrücke in Budapest). In: Österr. Wochenschr. f.d. öffentl. Baudienst 10.1904, S. 143.
A. Lehne: Jugendstil in Wien. Wien 1989
Moderne Kleinbauten. Kleinere Wohn- und Geschäftshäuser, Villen, Schulen, Gasthäuser, Serie 1-3. Wien 1909-1911
A. Moravansky: Die Erneuerung der Baukunst. Wien 1988
M. Pozzetto: Die Schule Otto Wagner: 1894–1912. München 1980
Wiener Neubauten im Style der Sezession. 3 Bde. Wien 1902-1906

HINWEISE AUF WERKE:
Der Architekt
6.1900, T.90 (Wohn- und Geschäftshaus in Floridsdorf)
7.1901, S.7, T.15 (Rathausprojekt Wien-Floridsdorf) / S.52, S.8, T.94 (Projekt eines Wohnhauses in Wien-Floridsdorf) / T.72 (Wohnhaus mit Saal)
8.1902, T.85a (Wohnhaus mit Saal in Floridsdorf)

Architektonische Monatshefte
6.1900, S.21, T.43 (Volksschule in Korneuburg) / S.6f, T.13 (Wohnhaus Dr. A. Schaar in Floridsdorf) / T.86 (Kleines Wohnhaus) / S.28 (Landhaus) / S.13 (Entwurf Cantine der St. Georgs-Brauerei in Floridsdorf)
7.1901, T.19 (Kleine eingebaute Wohnhäuser) / T.49 (Volksschule in Königsberg a.E)

Neubauten und Concurrenzen
5.1899, T.77 (Entwurf für ein modernes Hotel) / H.12, T.89 (Doppelwohnhaus in Floridsdorf)

Neubauten in Österreich. 3 Bde, Wien o.J.
3.Band, T.41c (Wien 21, Floridsdorf; Wien 9, Porzellang. 7)

Neue Architektur-eine Auswahl der beachtenswertesten Neubauten moderner Richtung aus Deutschland und Österreich. Serie 1-6, Leipzig/Wien o.J. [1901-1910]
Serie 1, Bl.10 (Wohnhaus, Wien, Floridsdorf) / Bl.19 (Giselasäle) / Bl.57 (Giselasäle, Eingangsseite)

Schweiz. Bauzeitung
24.1894, S. 52 (Brückenkonkurrenz in Budapest)

NACHSCHLAGEWERKE:
Achl. III/1
Dehio Wien/3 (X.-XIX.u.XXI.-XXIII.Bez.)
S. Waetzoldt: Bibliographie zur Architektur im 19.Jahrhundert. Nendeln 1977

LEXIKA:
AKL; Weihsmann 05
top
Anmerkungen
Eingegeben von: Inge Scheidl
Eingegeben am: 01.07.2007
Zuletzt geändert: 23.03.2011
top
  A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | Z
 
© Architekturzentrum Wien
Mit freundlicher Unterstützung des FWF
Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung