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Alois Ignaz Göll

Persönliche Daten
Ausbildung, Studienreisen, internationale Aufenthalte
Beruflicher Werdegang, Lehrtätigkeit
Vita
Stellenwert
Werke
Primärquellen
Sekundärquellen
Anmerkungen
Persönliche Daten
* 29.07.1772 - † 16.03.1841
Geschlecht: m
Geburtsort: Tulln, NÖ
Land: Österreich
damaliger Name: Habsburger Monarchie
Sterbeort: Wien
Land: Österreich
damaliger Name: Kaisertum Österreich
weitere Namen: Aloysius; Ignaz Göll
Religionsbekenntnis: Röm. - Kath.
Berufsbezeichnung: Fortifikations- und bürgerlicher Baumeister, später Stadtbaumeister
Familiäres Umfeld: Vater: Johann Michael G., k.k. Militär-Bauinspektor
Mutter: Maria Anna Barbara, geb. Gerl (1743–1822)
Ehe (1800) mit Rosalia, geb. Wigand (*ca.1778)
1813 Scheidung
ab ca.1819 Lebensgemeinschaft mit Johanna Czerwinka
Kinder: Maria Josefa (1804–1846); Amalia (*1805), Nonne bei den Karmelitinnen; Aloisia (Ludovica) (1806–1879), Nonne, dann Oberin bei den Ursulinerinnen; Rosalia Ferdinanda (*1897); Rudolf Jakob (*1810)
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Ausbildung, Studienreisen, internationale Aufenthalte
1784–1787Baumeisterlehre bei Josef Ignaz (oder Liborius?) Gerl
1799Zeugnis für Maurerpolier
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Beruflicher Werdegang, Lehrtätigkeit
1800Aufnahme in die Baumeisterzunft
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Vita
Alois Ignaz Göll wurde 1772 als Sohn eines Bauinspektors in Tulln, NÖ, geboren. Er absolvierte 1784–1787 eine Baumeisterlehre bei Josef Ignaz (oder bei dessen Bruder Liborius) Gerl, und erhielt 1799 das Zeugnis als Maurerpolier. Ein Jahr später wurde er in die Baumeisterzunft aufgenommen und er betrieb in der Folge eine gut gehende Baumeisterfirma, wo er mit zahlreichen Adaptierungen bestehender Häuser, aber auch mit Neuplanungen betraut war.

Weniger erfolgreich scheint sich sein Familienleben gestaltet zu haben. Göll heiratete im Jahr 1800, 13 Jahre später ließ er sich wegen angeblicher „Verirrungen“ der Frau scheiden und ging ca. ab dem Jahr 1819 mit Johanna Czerwinka eine Lebensgemeinschaft ein. Die Beziehung zu seinen drei erstgeborenen Töchtern scheint sehr problematisch gewesen zu sein. Seine erste Tochter Maria, geboren 1804, schickte Göll zunächst zu den Ursulinerinnen als Kostfräulein, in den Jahren 1821–1839 hielt er sie sodann unter Hausarrest. Die zweitgeborene Tochter wurde Nonne bei den Karmeliterinnen in Graz und die dritte Tochter wurde Nonne, später sogar Oberin der Ursulinerinnen. Ob diese Töchter diesen Lebensweg aus Zwang oder Neigung gewählt haben, muss allerdings dahingestellt bleiben.

Im Jahr 1839 gelang es der Tochter Maria, aus dem Hausarrest zu entfliehen. Sie zeigte daraufhin ihren Vater an, dass er sie unter dem Einfluss der Lebensgefährtin „unter unwürdigen Umständen“ unter Hausarrest gehalten habe. Alois Göll und seine Lebensgefährtin wurden sodann tatsächlich zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt. Während der Verbüßung starb allerdings Alois Ignaz Göll im 68.Lebensjahr im Inquisitenspital an Schlagfluss (Schlaganfall). Als Universalerbe wurde der Polizeiagent Josef Spreitzer eingesetzt, der möglicherweise zur Befreiung der Tochter Maria beigetragen hatte.
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Stellenwert
Alois Ignaz Göll ist ein typischer Vertreter der Biedermeierzeit, in der ein großer Wohnungsbedarf die bürgerliche Baukunst belebte. Die wenigstens Häuser sind allerdings im Original erhalten. Die meisten wurden später verändert, vor allem aufgestockt, aber auch neu fassadiert.

Kennzeichnend für Gölls Häuser sind schlicht gestaltete Fassaden mit zumeist geraden Fensterüberdachungen und additiven Achsenreihungen. Zum Teil werden – sehr flache – Risalite ausgebildet, die dann durch Dreiecksgiebel als Fensterüberdachungen betont sein können (Wien 7, Kirchberggasse 37 / Zitterhofgasse 1, 1824).

Sehr häufig wendet Göll ein allgemein gängiges Biedermeiermotiv an, indem er einfache oder mehrfach abgestufte Rundbogen über geraden Fensterabschlüssen vorsah. Zum Teil sind diese Lünettenfelder dekoriert („Zur hl. Dreifaltigkeit“, Wien 8, Laudongasse 16, 1826), oftmals hat sich dieser Dekor jedoch nicht erhalten oder wurde aus Gründen der Sparsamkeit gar nicht geplant.

Bei Eckhäusern wurden die Ecken zumeist nicht extra betont, nur bei wenigen Häusern hat Göll die Ecken abgeflacht und mit einer Fensterachse versehen. Das Miethaus Wien 4, Margaretenstraße 44 / Heumühlgasse 1 (1825–1828) erhielt in der Beletage sogar einen kleinen Balkon mit Schmiedeeisengitterbrüstung.

Ein ganz anderes Vokabular wählte Göll bei einem vom Adel beauftragten Gebäude, dem Palais Salm, Wien 3, Salmgasse 2 / Rasumofskygasse 18. Das Haus ist zur Straße hin U-förmig konzipiert, die Schauseite jedoch zum Garten hin ausgerichtet. Ein flacher Mittelrisalit mit Giebelüberdachung sowie eine korinthische Pilastergliederung mit einem vorgesetzten Säulenportikus geben dem Gebäude durch klassizistische Motive ein repräsentatives Erscheinungsbild (der Anbau einer Terrasse und Glasveranda zur Rasumofskygasse erfolgte erst später). Bemerkenswert ist, dass die Bauherren Leonhard Waller und Wenzel Emanuel Brandler von Brandenstein kein Bedürfnis zeigten, sich mit dem Neubau dem Publikum zu präsentieren. Denn die Straßenfront ist sehr schlicht gestaltet und unterscheidet sich nicht wesentlich von biedermeierlichen Miethäusern.

Alois Ignaz Göll gehört zu den viel beschäftigten Baumeistern der Biedermeierzeit. Er verstand es, mit gut proportionierten Gebäuden und schlichter Gestaltungsweise das Bedürfnis nach intimem Wohngefühl zu visualisieren. Wenngleich dem spröden Klassizismus durchwegs eine Absage erteilt worden war, zeigt sich bei Aufträgen für den Adel, dass die klassizistischen Motive als Ausdruck von Repräsentanz und Noblesse hingegen immer noch Gültigkeit hatten.
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Werke

WOHN-/GESCHÄFTSBAUTEN:
1806Miethaus, Wien 3, Schlachthausgasse 48 (1821 Veränderung v. Josef Klee; 1825 Aufstockung von Göll)
1807Miethaus, Wien 3, Landstraßer Hauptstraße 66 (Umbauten; Haus 1800 v. Wipplinger erbaut)
1808Miethaus, Wien 9, Höfergasse 7 (Hausbesitzer, nicht erhalten)
1808Miethaus, Wien 3, Marxerstraße 10 / Untere Viaduktgasse 47 (Umbauten)
1815Pfarrhof der Kirche St.Peter und Paul, Wien 3, Apostelgasse 2 / Erdbergstraße 62
1818–1819Miethaus, Wien 8, Albertgasse 42 (nicht erhalten)
1820Miethaus, Wien 3, Baumgasse 44 / Schimmelgasse 2 (nicht erhalten)
1820Miethaus, Wien 3, Hintere Zollamtsgasse 3 (1842 neu erb.)
1820Miethaus, Wien 3, Landstraßer Hauptstraße 159 / Schimmelgasse 20
1820Miethaus, Wien 3, Ungargasse 19 (nicht erhalten)
1820Miethaus, Wien 3, Landstraßer Hauptstraße 34 (Adaptierungen; 1880 Fassade erneuert)
1824Miethaus, Wien 3, Kölblgasse 13
1824Miethaus, Wien 3, Schlachthausgasse 50, Hoftrakt
1824Miethaus, Wien 7, Kirchberggasse 26
1824Miethaus, Wien 7, Kirchberggasse 37 / Zitterhofgasse 1
1824Miethaus „Zum goldenen Bären“, Wien 7, Kirchengasse 28 (1835 Änderung v. Lechner)
1825ehem. Palais Odescalchi, Wien 9, Berggasse 3 (Göll Besitzer?)
1825Miethaus, Wien 4, Mozartgasse 7 / Mozartplatz 3 / Neumanngasse 10 (Umbauten)
1825Miethaus, Wien 4, Wiedner Hauptstraße 53 / Mayerhofgasse 13 (nicht erhalten)
1825–1828Miethaus, Wien 4, Margaretenstraße 44 / Heumühlgasse 1
1826Miethaus, Wien 9, Berggasse 7 (Fassade abgeräumt)
1826Miethaus, Wien 9, Tendlergasse 10
1826Miethaus „Zur hl. Dreifaltigkeit“, Wien 8, Laudongasse 16 (Christliches Vereinshaus)
1826Miethaus „Zum Kaiser von Österreich“, Wien 9, Währinger Straße 18 / Berggasse 1 (1844 v. Prantl Änderungen, 1845 v. P.Gerl adaptiert; Besitzer)
1826Miethaus, Wien 9, Thurngasse 10
1826–1827Miethaus, Wien 5, Wiedner Hauptstraße 84 / Ziegelofengasse 1 / Hartmanngasse 2b (1970 abgerissen)
1827Miethaus, Wien 3, Erdbergstraße 36 (nicht erhalten)
1827ehem. Salm-Palais, Wien 3, Salmgasse 2 / Rasumofskygasse 18
1827Miethaus, Wien 4, Kettenbrückengasse 18 (1837 Zubauten von F. Reymund, 1873 Aufstockung)
1826Miethaus, Wien 4, Fleischmanngasse 2 / Wiedner Hauptstraße 48
1827–1828Miethaus, Wien 5, Kettenbrückengasse 15
1828Miethaus, Wien 8, Buchfeldgasse 17 (Umbauten; 1824 von Alois Hildwein)
1829Wohnhaus und Fabriksgebäude, Wien 5, Franzensgasse 27 / Rechte Wienzeile 45 (später verändert)
1833Miethaus, Wien 9, Berggasse 15
1836Miethaus, Wien 8, Josefsgasse 1 / Auerspergstraße 11 (mit ehem. Gasthof „Zur Stadt Belgrad“)

NICHT REALISIERTE PROJEKTE:
1827Niederösterreichisches Landhaus (Entwurf)
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Primärquellen

NACHLÄSSE UND ARCHIVE:
WStLA; Pfarrmatrik Rossau; Pfarrmatrik Alservorstadt; Archiv Baumeisterinnung
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Sekundärquellen

LITERATUR:
Bürgersinn und Aufbegehren. Biedermeier und Vormärz in Wien 1815–1848. (Ausst.Kat.), S.502. Wien 1988
ÖKT 44: G. Hajos: Die Profanbauten des III., IV. und V. Bezirks. Wien 1980
H. Pemmer / F. Englisch: Landstraßer Häuserchronik. Wien 1958 (Typoskript)
O. Wittenhofer: Die Fassaden der Wiener Wohnhäuser in der ersten Hälfte des 19.Jhs. Diss. Uni.Wien 1948
R. Wagner-Rieger: Das Wiener Bürgerhaus des Barock und Klassizismus. Wien 1957
R. Wagner-Rieger: Wiens Architektur im 19.Jh. Wien 1970
R. Wagner-Rieger: Geschichte der Architektur in Wien. Vom Klassizismus bis zur Secession. In: Geschichte der bildenden Kunst in Wien. Bd.3, Wien 1973

NACHSCHLAGEWERKE:
Dehio Wien/2 (II.–IX.u.XX.Bez.)

LEXIKA:
AKL
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Anmerkungen
Todesdatum im AKL und im WStLA (Biographische Sammlung) falsch, Geburtsdatum fehlt.
Eingegeben von: Inge Scheidl
Eingegeben am: 01.05.2012
Zuletzt geändert: 15.06.2012
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