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Alfred Schmid

Persönliche Daten
Ausbildung, Studienreisen, internationale Aufenthalte
Beruflicher Werdegang, Lehrtätigkeit
Mitgliedschaften
Vita
Stellenwert
Werke
Primärquellen
Sekundärquellen
Ausstellungen
Anmerkungen
Persönliche Daten
* 25.11.1894 - † 29.04.1969
Geschlecht: m
Geburtsort: Bruck a.d. Mur, Stmk.
Land: Österreich
damaliger Name: Österreich-Ungarn
Sterbeort: Wien
Titel: Dipl. Ing., Dr. tech.
weitere Namen: Alfred Carl Otto
Religionsbekenntnis: Röm. - Kath., 1919 ausgetreten
Berufsbezeichnung: Architekt
Familiäres Umfeld: Vater: Dr. Karl Sch., prakt. Arzt
Mutter: Amalia Monschein
1.Ehe (1922) mit Maria Kiesewetter
2.Ehe (?) mit Anita Sch. (Musikerin)
3.Ehe (1959) mit Charlotte Giannoni
Sohn: Peter
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Ausbildung, Studienreisen, internationale Aufenthalte
1912Oberrealschule Graz (Matura mit Auszeichnung)
1912/13Technische Hochschule Graz, Stmk.
1913-1917Technische Hochschule Wien (Abschluss mit 2.Staatsprüfung)
1922/23Akademie der bildenden Künste Wien (Meisterschule Peter Behrens)
1951Dissertation an der Technischen Hochschule Wien (Erfindungen auf dem Gebiet des Hochbaus – Einsatz von Stahlbetonfertigteilen)
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Beruflicher Werdegang, Lehrtätigkeit
1916-1918in der Bauabteilung d. Militärkommandos in Wien tätig (diverse Militäreinrichtungen in NÖ errichtet)
1918Baumeisterprüfung an der steirischen Statthalterei
ab 1919Leiter der Bauabteilung der Böhler-Werke (Leitung zahlreicher Bauvorhaben in Deutschland und den Nachfolgestaaten der Monarchie)
1926Erfindung der Böhler-Bauweise (Bautechniken in Stahlbeton)
1927Patent für ein drehbares Haus
ca.1930-1950Generaldirektor der Böhler-Werke für Deutschland und Österreich
ab ca.1935Gesellschafter der Böhler-Werke
zw.1926-1949Entwicklung zahlreiche Patente für Baukonstruktionen
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Mitgliedschaften
ab 1918Österr. Ingenieur- und Architektenverein
ab 1920Zentralvereinigung der Architekten Österreichs
o.J.Mitglied des Wiener Golf- und Landklubs
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Vita
Alfred Schmid wurde 1894 als Sohn eines Arztes in der Steiermark geboren. Er besuchte die Realschule und kurzfristig die Technische Hochschule in Graz, wechselte aber bald an die Technische Hochschule in Wien. Bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs musste er sein Studium unterbrechen und war während seines Militärdienstes in der Bauabteilung des Militärkommandos in Wien tätig, wo er mit der Errichtung diverser militärischer Einrichtungen in Niederösterreich befasst war. Er konnte dennoch sein Studium während des Krieges abschließen und nach einiger Zeit des Praktikums auch die Baumeisterprüfung ablegen.

Nach Kriegsende erhielt Schmid eine Anstellung als Leiter der Bauabteilung der Böhler-Werke. Ein kurzfristig angefangenes Studium an der Akademie der bildenden Künste in der Meisterschule von Peter Behrens brach er offensichtlich aus Zeitmangel bald wieder ab. Für die Böhler-Werke war er mit zahlreichen Projekten (insbesondere Industrieanlagen) in Österreich, Deutschland und den Nachfolgestaaten der Monarchie befasst. Daneben konnte er aber auch als Privatarchitekt diverse Bauvorhaben in Wien und Niederösterreich, vor allem auch in Berlin, realisieren. Im Rahmen seiner Tätigkeit für die Böhler-Werke beschäftigte sich Schmid insbesondere mit der industriellen Rationalisierung des Hochbaus und entwickelte zahlreiche Patente auf dem Gebiet des Stahlbetonbaus. Schmid veröffentlichte auch immer wieder Fachartikel über seine Neuerungen und präsentierte diese mehrfach auf diversen Baumessen. Anfang der 30er Jahre wurde er Direktor der Böhler-Werke mit Zuständigkeit für Deutschland und Österreich und einige Jahre später auch deren Gesellschafter. Schmid übte diese Funktionen, in deren Kontext er sich auch mit Reformen auf dem Gebiet der Betriebsorganisation befasste, über die Zeit des Zweiten Weltkriegs hinaus bis in die 50er Jahre aus.

1950 schrieb er bereits in fortgeschrittenen Jahren an der Technischen Hochschule in Wien eine Dissertation über den Einsatz von Stahlbetonfertigteilen und erlangte damit den Doktorgrad, wobei ihm das Rigorosum aufgrund seiner langjährigen fachspezifischen Tätigkeit und seiner hohen Kompetenz erlassen wurde. Schmid, der dreimal verheiratet war, ist im 73. Lebensjahr in Wien gestorben.
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Stellenwert
Alfred Schmid, der überwiegend als Bauingenieur tätig war, hat sich mit der Rationalisierung und der Entwicklung der Fertigteiltechnik auf dem Gebiet des Stahlbetonbaus beschäftigt. Beispielhaft war in diesem Kontext die Entwicklung eines genormten Stahlbetonhauses für den Siedlungsbau. Diese Fertigungstechnik, die relativ billig und dennoch sehr wetterresistent war, kam in der Folge bei verschiedenen, von der Firma Böhler vertriebenen Serientypen zur Anwendung. Des weiteren zeugt die Erfindung eines drehbaren Hauses unter optimaler Ausnutzung des Lichteinfalls von seiner innovativen Kreativität. Der Schwerpunkt seiner Bautätigkeit lag hingegen in der Errichtung von Industrieanlagen für die Böhler-Werke, insbesondere in Kapfenberg und in Waidhofen/Ybbs, wo er mit seinen Kraftwerksanlagen wegweisende Leistungen erbrachte.

Zumeist als Privatarchitekt errichtete Schmid außerdem eine Reihe von Wohnbauten im Umfeld von Berlin, allerdings ist aufgrund der ungenügenden Quellenlage nur eine geringe Zahl konkret auszumachen. Für die Gemeinde Wien errichtete er Mitte der 20er Jahre eine eher klein dimensionierte Wohnhausanlage (Wien 17, Rötzergasse 29-31), die sich in der formalen Durchgestaltung mittels architektonischer Details wie Spitzerker dem romantisch expressiven Duktus der Zeit anpasste. Auch städtebauliche Konzepte Schmids aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, wie die Neugestaltung des Stephansplatzes, sind eher einer traditionsverbundenen Ausrichtung verpflichtet.
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Werke

WOHN-/GESCHÄFTSBAUTEN:
Auswahl:
1925WHA d. Gem.Wien, Wien 17, Rötzergasse 29-31
um 1930Siedlung für Werksangehörige der Böhler-Werke, Kapfenberg, Stmk.
ohne Datum
Villa Grossmann, Wien 13 (Küniglberg)
Villa Friedmann, Waidhofen/Ybbs, NÖ
Landhaus am Sonntagsberg, Waidhofen/Ybbs, NÖ
Villa Kustos (Dr. Strohmer), Wien-Neuwaldegg
Landhaus in Igls, Tirol
Einfamilienhaus Barna, Pressburg / Bratislva, SK
WHA, Düsseldorf, D
Villa Dir. Kemperling, Berlin-Dahlem, D
Villa Dir. Dahlhausen, Berlin-Lichterfelde, D
Landhaus Zinke, Berlin-Rahnsdorf, D
Villa Hanel, Berlin-Lichterfelde, D
Villa Levrang, Falkensee bei Berlin, D
Villa Bolz, Berlin-Nikolassee, D
Villa Plattner, Berlin-Nikolassee, D
Landhaus Bruckhof, Berlin-Lichterfelde, D
Villa Dir. Bundzus, Berlin-Niederschönhausen, D
Landhaus Spenhof, Königswusterhausen bei Berlin, D
Villa Dr. Paulsen, Berlin-Wannsee, D
Landhaus Neumann, Schönwalde bei Spandau, D
Büro- und Wohngebäude der Böhler-Werke, Berlin-Charlottenburg, D
Landhaus Örtel, Finkenkrug bei Berlin, D
Landhaus in Vatneiry, Island

ÖFFENTLICHE BAUTEN:
1926Wochenendhaus auf der Ausstellung „Wien und die Wiener“, Wien, Messegelände
um 1930kath. Kirche, Böhlerwerk, Waidhofen/Ybbs, NÖ
o.J.Messepavillon der Böhlerwerke, Wien
o.J.Messepavillon, Leipzig
o.J.Ausstellungspavillon, Automobilausstellung Berlin (mit Raschka)
o.J.Bundesrealschule (Wiederaufbau) Wien 5, Reinprechtsdorferstraße 24

INDUSTRIE-/GEWERBEBAUTEN:
1916-1918Dampfkraftwerk für Truppenübungsplatz, Bruck/Leitha, NÖ
1916-1918Monturdepot in Klein-Schwechat, NÖ
1923-1925Kraftwerk der Böhler-Werke (jetzt VEW) Winkel, Kapfenberg, Kendlbachstraße 1
ab 1925Böhler-Werke (jetzt VEW) Kapfenberg (Toreinfahrt, diverse Betriebsstätten, verschiedenste Anlagen)
um 1925Messerfabrik der Böhlerwerke bei Waidhofen/Ybbs, NÖ
um 1925Werkzeugfabrik der Böhlerwerke bei Waidhofen/Ybbs, NÖ
um 1925Werkshaupteingang der Böhlerwerke, Waidhofen/Ybbs, NÖ
um 1930Verwaltungsgebäude (Firma unbek.), Mährisch-Ostrau / Ostrava, CZ
o.JForschungssanstalt der Thomasmehlerzeugung, Berlin-Dahlem, D

NICHT REALISIERTE PROJEKTE:
1921Neubau der Technischen Hochschule auf den Aspangbahnhofgründen in Wien (Wettbewerb, 3.Preis, mit Karl Hofmann)
1923Personenbahnhof Linz, OÖ (Wettbewerb, eine Anerkennung)
1924WHA d. Gem.Wien, Wien 16, Sandleitengasse (Wettbewerb, 2.Preis, mit Camillo Discher und Paul Gütl)
1926Regulierungsplan für Split / Spalato, HR (Wettbewerb, mit Erwin Böck, Max Theuer u. Friedrich Zotter, ein 1.Preis)
1926Hauptschule Kapfenberg, Stmk. (Wettbewerb)
1946Neugestaltung des Stephansplatzes in Wien (Wettbewerb, Ankauf)
1955Einfamilienwohnhaus in einer Gartenstadt (Wettbewerb, ein 3.Preis)
o.J.Verbauung der Marienwiese, Graz, Stmk. (geladener Wettbewerb)
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Primärquellen

PUBLIKATIONEN:
A. Schmid: Neue Wege im Wohnungsbau. In: Österreichische Bauzeitung 3.1927, S.363ff
A. Schmid: Wohnhäuser nach dem Stahlwandsystem. In: ZÖIAV 79.1927, S.174ff
A. Schmid: Großindustrielles Bauen. In: ZÖIAV 81.1929, S.213
A. Schmid: Erfindungen auf dem Gebiet des Hochbaus. Diss.TH Wien, 1950

NACHLÄSSE UND ARCHIVE:
TUWA (Dissertation und CV); Matrikenstelle d. Pfarre Graz-Seckau
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Sekundärquellen

LITERATUR:
Anonym: Die Industriebauten der Böhlerwerke von Alfred Schmid. In: Österr. Bau- u. Werkkunst 3.1926/27, S.35ff
Die Architektur der Klosterneuburger Strandbäder und Wochenendkolonien, Sonderband 2. Klosterneuburg 2007
M. Halfon: Das Wochenendhaus, Wien 1929
Dr.W. Kadletz: Ein Künstlerbuch. Leoben1929
Kommunaler Wohnbau in Wien. Aufbruch 1923–34 Ausstrahlungen. (Ausst.Kat.), Wien 1978
Das neue Wien (Hrsg. Gemeinde Wien), Bd.3. Wien 1927
R. Scharff: Das Wesen des Stahlhauses, Erfinder Alfred Schmid. In: Deutsche Bauzeitung 62.1928, S.91ff
Das ungebaute Wien 1800-2000: Projekte für die Metropole. (Ausst.Kat.) Hrsg. Historisches Museum der Stadt Wien, Wien 1999, S.369

HINWEISE AUF WERKE:
Deutsche Bauzeitung
59.1925, H.57, S.145ff (Entwurf Erweiterungsplan Spalato)

Österr. Bau- u. Werkkunst
1.1924/25, S. 48f (Konk. Volkswohnhäuser Sandleiten)

ZÖIAV
78.1926, S.10ff (Regulierungsplan für Spalato)
80.1928, S.295ff (Wasserkraftanlage Sophienhütte im Böhlerwerk)

NACHSCHLAGEWERKE:
Achl. II; Achl. III/2
Dehio Wien/3 (X.-XIX.u.XXI.-XXIII.Bez.)
Wer ist wer in Österreich (Hg. Verl. Huttern). Wien 1951

LEXIKA:
H. Weihsmann: In Wien gebaut. Wien 2005
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Ausstellungen
1926„Wien und die Wiener“, Wien, Messegelände (Wochenendhaus)
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Anmerkungen
Eingegeben von: Ursula Prokop
Eingegeben am: 01.07.2007
Zuletzt geändert: 06.07.2009
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