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Heinrich Adam

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Persönliche Daten
Ausbildung, Studienreisen, internationale Aufenthalte
Beruflicher Werdegang, Lehrtätigkeit
Auszeichnungen und Ämter
Mitgliedschaften
Vita
Stellenwert
Werke
Sekundärquellen
Anmerkungen
Persönliche Daten
* 18.03.1839 - † 29.01.1905
Geschlecht: m
Geburtsort: Dierbach, Rheinpfalz
Land: Deutschland
damaliger Name: Königreich Bayern
Sterbeort: Wien
Land: Österreich
damaliger Name: Österreich-Ungarn
Religionsbekenntnis: Evang. H.B.
Berufsbezeichnung: Architekt
Familiäres Umfeld: Vater: Heinrich A. (1812-1881), „Küfer und Ackersmann“
Mutter: Katharina, geb. Wüst (*1819)
Ehe mit Beata A.
eine Ziehtochter
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Ausbildung, Studienreisen, internationale Aufenthalte
o.J.Gewerbeschule in Landau
1856-1861Polytechnikum München
1861-1862Akademie der bildenden Künste München (bei Ludwig Lange)
1867-1868Reisen nach Italien und Frankreich
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Beruflicher Werdegang, Lehrtätigkeit
ab 1862vermutlich Mitarbeit im Atelier Zenetti (Bauleitung beim Palais Württemberg, Wien)
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Auszeichnungen und Ämter
1886-1896Mitglied des Wiener Gemeinderates (Liberaler)
1892Jurymitglied der Konkurrenz um einen Generalregulierungsplan für Wien
o.J.Schätzmeister der Ersten Österreichischen Sparkassa
o.J.Württembergische Goldene Medaille f. Kunst u. Wissenschaft
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Mitgliedschaften
ab 1864Österr. Ingenieur- und Architektenverein
ab 1869Genossenschaft der bildenden Künstler Wiens
ab 1878Wiener Bauhütte
ab 1884Allgemeiner Bautechnikerverein Wien (unterstützendes Mitglied)
ab 1896NÖ Gewerbeverein
o.J.Architektenklub der Gesellschaft der bildenden Künstler
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Vita
Heinrich Adam wurde in Dierbach, einem Ort ca. 20km nordwestlich von Karlsruhe in Deutschland, geboren. Sein Architekturstudium absolvierte Adam in München. Als Philipp Herzog von Württemberg im Jahr 1862 den Münchner Architekten Arnold Zenetti mit der Errichtung eines Palais in Wien (1, Kärntner Ring 16) beauftragte, wurde der junge Adam, der gerade sein Studium an der Akademie der bildenden Künste in München abgeschlossen hatte, als Bauleiter für dieses bedeutende Projekt eingesetzt. Die Einreichpläne lassen erkennen, dass während der 3-jährigen Bauzeit an den ursprünglichen Plänen Zenettis einige Abänderungen nach Adams Vorstellungen durchgeführt wurden. Tatsächlich profilieren konnte sich der junge Architekt allerdings mit den dekorativen und eleganten Innenraumgestaltungen, die in seiner alleinigen Verantwortung ausgeführt wurden. Die Arbeiten Adams scheinen auch den Herzog beeindruckt zu haben, denn für die nächsten Aufträge – die Errichtung der „Villa Maria Theresia“, Altmünster, OÖ, und Umbau des Palais Mallmann, Wien 9, Strudelhofgasse 10 zur „Winter-Residenz“ – wurde nicht mehr Zenetti herangezogen, sondern Heinrich Adam betraut.

Bereits anlässlich seiner Beteiligung an der Errichtung des Palais Württemberg hat Adam seinen Wohnsitz nach Wien verlegt. In weiterer Folge gelang ihm der Aufstieg zum angesehenen Spezialisten für die Errichtung von vornehmen Wohnhäusern, und vor allem der Adel und Vertreter des Großbürgertums zählten zu seinen wichtigsten Auftraggebern. Einige Bauten, vor allem Schlösser, erbaute Adam auch in den benachbarten Kronländern, wie z.B. in Ungarn das Schloss für Vidor Csaky in Szepes-Görgö.

Adam entwarf auch Möbel und Schmiedeeisenarbeiten – die schmiedeeisernen Gitter bei der Zufahrt zum Palais Schwarzenberg beispielsweise wurden posthum nach seinen Entwürfen ausgeführt.

Adam engagierte sich zudem ab dem Jahr 1886 in der lutherischen Kirche „als Hausverwalter und Presbyter“ sowie als Liberaler in der Gemeindepolitik.

Heinrich Adam starb hoch angesehen im 66. Lebensjahr an einem Herzklappenfehler in Wien.
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Stellenwert
Der Beginn von Heinrich Adams Schaffenszeit fällt noch in die Epoche des strengen Historismus der 1860er und 70er Jahre. Dem entsprechend wählte Adam Formen der italienischen Neorenaissance, eine Architektursprache, die in Wien so weite Verbreitung gefunden hatte, dass damals die Bezeichnung „Neue Wiener Renaissance“ geprägt wurde. Adams Häuser dieser Zeit sind stets streng symmetrisch konzipiert. Die flachen Fassaden sind durch additive Fensterreihungen charakterisiert und Dekorationen werden vor allem auf Fensterüberdachungen beschränkt (z.B. Wien 1, Nibelungengasse 10).

Ab den 80er Jahren verwendete Adam auch barockisierende Motive, die sich zum Teil weiterhin auf die Fensterumrahmungen konzentrieren, zum Teil aber auch zwischen den Fenstern oder an den Parapeten aufscheinen. (Wien 4, Favoritenstraße 42). Beim Palais Wahliss, in Wien 4, Argentinierstraße 21 verwendete Adam für das in einem Park stehende Gebäude die zierlicheren Rokokoformen. Weiterhin ist für Adams Bauten jedoch ein stereometrisches Konzept kennzeichnend, allerdings wird nun zum Teil die Mitte der Fassade durch flache Erker oder Gitterbalkone, wie z.B. in Wien 1, Salzgries 16 akzentuiert. Bei Eckhäusern werden die Ecken durch flache Risalite betont, die auch geringfügig in die Dachzone hineinragen. Zur Nobilitierung der Fassaden finden sich nun auch Pilastergliederungen, so etwa jonische Riesenpilaster beim Haus Wien 4, Goldeggasse 29. Beim Habig-Hof, einem äußerst repräsentativen Gebäudekomplex, betonen korinthische Pilaster die Mitte der Fassade, durch symmetrisch angeordnete Runderker sind zusätzlich dekorative Akzente gesetzt.

Bei den Schlössern und sonstigen Gebäuden im freien Gelände bevorzugte Adam eine romantische Gestaltungsweise, die wiederum auf Formen der Neorenaissance (Villa Maria Theresia, Altmünster, OÖ) oder des Neobarock (Palais Graf Csaky, Preßburg) basierte.

Heinrich Adam hat beim Konzept seiner Bauten keine Experimente gewagt. Mit den symmetrischen Grundkonzeptionen sowie der Vereinigung einer zurückhaltenden, aber vielfältig detaillierten Dekorationsweise mit klassischen Motiven hat Adam stets elegante sowie repräsentative Ergebnisse erzielt und auf diese Weise den Erwartungen seiner vornehmen Klientel Rechnung getragen.
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Werke

WOHN-/GESCHÄFTSBAUTEN:
1862-1865Palais Württemberg, Wien 1, Kärntner Ring 16 (Bauleitung, Entw: Arnold Zenetti, 1872/73 von Ludwig Tischler und Carl Gangolf Kayser zum Hotel Imperial umgebaut, 1927 Aufstockung)
1869Miethaus, Wien 1, Nibelungengasse 10
1872-1875„Villa Maria Theresia“, Altmünster, OÖ (1878-1879 Umbau der Kapelle von Heinrich Ferstel)
1874Palais Württemberg, Wien 9, Strudelhofgasse 10 (ehem. Palais Mallmann von Ferdinand Fellner I., Umgestaltung zur „Winter-Residenz“, heute Schulungs- und Seminargebäude des ÖGB)
1874-1875Herrenhaus und Wirtschaftsgebäude, Paltram 12, Bruckhof bei Kirchstetten, NÖ (heute Klementinum, Niederlassung der Barmherzigen Schwestern von hl.Vinzenz, 1902/03 von Josef Schmalzhofer zu Krankenpflegeheim mit Kapelle umgestaltet)
1874Miethaus, Wien 4, Karolinengasse 14 / Mommsengasse 12 (mit Philipp Theiss)
1882-1883Wohn- u. Geschäftshaus Laura Scharman, Wien 1, Salzgries 16
1882-1883Palais Ernst Wahliss, Wien 4, Argentinierstraße 21 (früher Alleegasse, im Park des Bauherrn errichtet)
1884-1885Miethaus von Ernst Wahliss, Wien 4, Argentinierstraße 21 (früher Alleegasse, Miethaus an der Straßenfront des Parks)
1885Miethaus, Wien 4, Weyringergasse 28A-30 (mit Johann Sturany)
1886-1887Schloss für Vidor Csaky, Szepes-Görgö, H / Spissky Hrhov, SK
1886-1887Wohnhaus A. Freissler, Wien 4, Kolschitzkygasse 5
1887Miethaus, Wien 4, Favoritenstraße 54 (mit Eduard Frauenfeld)
1889-1890Wohnhaus Ernst Göpfert, Wien 9, Porzellangasse 20
1890Miethaus, Wien 4, Goldeggasse 29 (mit Eduard Frauenfeld)
1892Palais des Grafen Vidor Csaky, Preßburg / Bratislava, SK
1892-1897Doppelmiethaus „Habig-Hof“, Wien 4, Wiedner Haupstraße 15-17 (früher 25-27)
vor 1894Wohn- u. Geschäftshäuser, Wien 4, Favoritenstraße 42 und 46 (Nr.46 nicht erhalten)
1894Wohnhaus A. Francini, Wien 4, St.Elisabethplatz 6 / Argentinierstraße 42
1894Miethaus, Wien 8, Bennogasse 24
vor 1895Wohnhaus, Wien 19, Heiligenstädterstraße 160
1896-1897Michael Schäffersches Stiftungshaus, Wien 4, Wiedner Hauptstraße 16
vor 1897Wohnhaus Dr.V. Winter, Esseg, Kroatien / Osijek, HR
1898-1899Miethaus, Wien 5, Margaretenstraße 129 / Kohlgasse 51
1900Miethaus, Wien 6, Hofmühlgasse 22
1901Miethaus, Wien 4, Argentinierstraße 48 (früher Alleegasse, mit Eduard Frauenfeld)
1903Mietpalais, Wien 4, Schwindgasse 10 / Gußhausstraße 9 (Zubau des rückwärtigen Trakts)

ÖFFENTLICHE BAUTEN:
1874-1875Klementinum, Niederlassung der Barmherzigen Schwestern von hl.Vinzenz, Paltram 12, Gem. Kirchstetten (St.Pölten), NÖ (1902/03 von Josef Schmalzhofer zu Krankenpflegeheim mit Kapelle umgestaltet)
o.J.Rathaus in Groß-Kanizsa / Nagykanizsa, H

INDUSTRIE-/GEWERBEBAUTEN:
1899-1900Gußstahlwerk und Feilenfabrik Rudolf Schmidt & Co., Wien 10, Favoritenstraße 213 (heute Schmidtstahlwerke AG.)
1904-1905Maschinenfabrik Ernst Krause, Wien 2, Engerthstraße 151 / Weschelstraße 3

INNENRAUMGESTALTUNG/DESIGN:
1862-1865Palais Württemberg, Wien 1, Kärntner Ring 16
1882-1887Hutsalon P.&C. Habig, Wien 4, Wiedner Haupstraße 25 (denkmalgeschützt, heute Restaurant)
Entwürfe für Möbel und Schmiedeeisenarbeiten

NICHT REALISIERTE PROJEKTE:
1886Studie zur Adaptierung der Lutherischen Stadtkirche, Wien 1, Dorotheergasse 16
1907Ev. Markuskirche in Plauen, D (Wettbewerb)
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Sekundärquellen

LITERATUR:
Anonym: Nachruf. In: WBIZ 22.1905, S.133
W. Aichelburg: Das Wiener Künstlerhaus 1861-2001. Bd.1, Wien 2003
H. Breitschopf: Schloss Württemberg / Villa Maria Theresia des Herzogs Philipp v. Württemberg in Altmünster von Heinrich Adam. Dipl.Arb. Uni.Wien 2005
K. Eggert: Der Wohnbau der Wiener Ringstraße im Historismus. In: R. Wagner-Rieger (Hrsg.): Die Wiener Ringstraße. Bild einer Epoche Bd.7 Wiesbaden 1976
G. Frodl (Hrsg.): Gesch. d. bild. Kunst in Österreich, 19.Jh. Bd.5, München u.a. 2002
A. Kieslinger: Die Steine der Wiener Ringstraße. In: R. Wagner-Rieger (Hrsg.): Die Wiener Ringstraße. Bild einer Epoche Bd.4, Wiesbaden 1972
P. Kortz: Wien am Anfang d. 20.Jh.s, 2.Bd. Wien 1906.
C.v. Lützow / L. Tischler: Wiener Neubauten, 3 Bde. Wien 1876-1891
ÖKT 44: G. Hajos: Die Profanbauten des III., IV. und V. Bezirks. Wien 1980
M. Paul: Technischer Führer durch Wien. Wien 1910
R. Schmidt: Das Wiener Künstlerhaus 1861–1951. Wien 1951. S.51, 168
R. Wagner-Rieger (Hrsg.): Das Kunstwerk im Bild. In: Dies.: Die Wiener Ringstraße. Bild einer Epoche. Bd.1, Wiesbaden 1969
M. Wehdorn / U. Georgeacopol-Winischhofer: Baudenkmäler der Technik und Industrie in Österreich. Bd.1. Wien u.a. 1984
Wiener Neubauten im Style der Sezession. 5 Bde, Wien 1902ff

HINWEISE AUF WERKE:
Allgemeine Bauzeitung
53.1888, S.31, T.20f (Zinshaus des Herrn Ernst Wahliss, Alleeg. 21, in Wien 4) / S.88f (Villa Maria Theresia bei Gmunden)
55.1890, S.32, T.27f (Wohn- und Geschäftshaus in Wien 1, Salzgries 16)
58.1893, S.23, T.21 (Miethaus des Herrn A. Freissler in Wien I4, Kolschitzkyg. 5) / S.32, T.24f (Der Bruckhof [Gehöft] bei Kirchstetten)
59.1894, S.47, T.31f (Wohnhaus des Herrn E. Göpfert in Wien 9, Porzellang. 20)

Der Architekt
1.1895, S.36, T.60 (Wohnhaus eines Arztes Wien 19, Heiligenstädterstr. 160)
6.1900, S.21f, T.33 (Der Habig-Hof in Wien 4, Hauptstr. 25/27 und 29)

Architektonische Rundschau
3.1887, H.12, T.91f (Schloss des Grafen Vidor Csaky in Szepes-Görgö)
13.1897, H.10 (Wohnhaus des Dr. V. Winter in Esseg in Ungarn)

Deutsche Bauzeitung
13.1889, Nr.99, S.506 (Villa Maria Theresia in Gmunden)

Deutsche Konkurrenzen
1907, Bd.21, H.2. S.4f (Ev. Markuskirche in Plauen (Wettbewerb)

WBIZ
8.1891, T.67 (Hotel Imperial) / S.519, T.92 (Wohnhaus Salzgries 16)
11.1894, S.739, T.100 (Wohn- und Geschäftshaus in der Favoritenstr. in Wien 4)
12.1895, S.54, T.8 (Wohn- und Geschäftshaus in der Bennog. in Wien 8.)

ZÖIAV
16.1864, S.170f (Stadtpalais des Herzogs von Württemberg, Wien 1)

NACHSCHLAGEWERKE:
Achl. III/1
Dehio Wien/1 (I.Bez.); Dehio Wien/2 (II.-IX.u.XX.Bez.); Dehio NÖ
A. Eckstein (Hrsg.): Künstler-Album. Wien 1890
L. Eisenberg: Das geistige Wien. Wien 1893
Das geistige Deutschland. 1898
H. Kosel: Deutsch-österreichisches Künstler- und Schriftstellerlexikon. Wien 1902
S. Waetzoldt: Bibliographie zur Architektur im 19.Jh. Nendeln 1977

LEXIKA:
ThB; Czeike; ÖKL; AKL; ÖBL; Weihsmann 05
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Anmerkungen
Im ÖKL, Czeike, bei A.Eckstein und Weihsmann 05 ist Zenetti fälschlich Zanetti geschrieben.
Eingegeben von: Inge Scheidl
Eingegeben am: 01.05.2006
Zuletzt geändert: 18.08.2008
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