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Julius Hermann

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Persönliche Daten
Ausbildung, Studienreisen, internationale Aufenthalte
Beruflicher Werdegang, Lehrtätigkeit
Auszeichnungen und Ämter
Mitgliedschaften
Vita
Stellenwert
Werke
Primärquellen
Sekundärquellen
Anmerkungen
Persönliche Daten
* 02.05.1848 - † 01.03.1908
Geschlecht: m
Geburtsort: Wien
damaliger Name: Hietzing bei Wien
Land: Österreich
damaliger Name: Kaisertum Österreich
Sterbeort: Wien
Land: Österreich
damaliger Name: Österreich-Ungarn
Titel: Oberbaurat
Religionsbekenntnis: Röm. - Kath.
Berufsbezeichnung: Architekt, Dombaumeister
Familiäres Umfeld: Ehe mit Sophie, geb. Mully
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Ausbildung, Studienreisen, internationale Aufenthalte
o.J.Polytechnikum (der späteren Techn. Hochschule) Wien
1865-1870Akademie der bildenden Künste Wien
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Beruflicher Werdegang, Lehrtätigkeit
1870-1875Bauführer bei Kirche Maria v.Siege, Wien 15, Mariahilfer Gürtel (von Friedrich v. Schmidt)
1876-1880Restaurierungs- und Ausbauarbeiten im Stift Klosterneuburg, NÖ
1877Dombauhütte St.Stephan, Wien
1891Dombaumeister zu St.Stephan, Wien
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Auszeichnungen und Ämter
1894Ritter d. Franz Josefs-Orden
1898Baurat
1903Oberbaurat
1907Ehrenbürger von Steyr, OÖ
o.J.Gold. Verdienstkreuz
o.J.Ritter d. päpst. Sylvester-Orden
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Mitgliedschaften
1868Wiener Bauhütte (1906 Ehrenmitglied)
1877Österr. Ingenieur- und Architektenverein
1892Genossenschaft der bildenden Künstler Wiens (1898-1900 Obmann, Mitglied d. Architektenclubs, Club bildender Künstler Alte Welt)
o.DJk.k. Zentralkommission f. Kunst- u.historische Denkmale
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Vita
Julius Hermann wurde als Sohn eines Bäckermeister im Revolutionsjahr 1848 in Wien-Hietzing geboren. Nach den Pflichtschuljahren besuchte er das Polytechnikum, den Vorläufer der späteren Technischen Hochschule in Wien. Anschließend inskribierte er an der Akademie der bildenden Künste und lernte zunächst bei Rösner und August Siccardsburg, später in der Meisterschule von Friedrich v. Schmidt. Nach Abschluss seiner Studien trat er in Schmidts Atelier ein, zu einem Zeitpunkt, als dessen Tätigkeit ihren entscheidenden Aufschwung nahm.

Schmidt betraute den jungen Architekten mit der Bauführung der Fünfhauser Pfarrkirche Maria vom Siege. Im Anschluss daran übernahm Hermann die Leitung der Restaurierungsarbeiten an der Stiftskirche Klosterneuburg, wobei er an denen des Kreuzganges, der Freisinger- und der Agnes-Kapelle entscheidenden Anteil hatte. Zu seinem wichtigsten Tätigkeitsbereich entwickelte sich jedoch die Dombauhütte St.Stephan. Friedrich v. Schmidt, der seit 1863 Dombaumeister war, hatte in Hermann den geeigneten Mitarbeiter für die umfangreichen Restaurierungsarbeiten des Domes gefunden. Auf Grund seiner ausgezeichneten Kenntnisse der mittelalterlichen Baukunst wurde ihm auch ein immer größer werdender Anteil an der Leitung dieser Arbeiten anvertraut. Nach Schmidts Tod im Jahr 1891 folgte Julius Hermann ihm als Dombaumeister von St.Stephan nach. Ein Großteil seiner Tätigkeit lag in der Durchführung der von Schmidt eingeleiteten Arbeiten. Einige wurden von ihm jedoch auch selbständig begonnen und ausgeführt, wie die Westfassade des Domes mit den Heidentürmen und die Renovierung fast sämtlicher Epithaphien und Votivbildwerke. Außerdem lieferte er auch den Entwurf für einen Reliquien-Altar für St.Stephan.

Zu den selbständigen Arbeiten, die Dombaumeister Hermann außerhalb Wiens durchführte, zählt vor allem die Restaurierung der Stadtpfarrkirche Steyr, deren Turm noch Schmidt aufgebaut hatte. Hermann wurde in Würdigung seiner Verdienste die Ehrenbürgerschaft von Steyr verliehen. Darüber hinaus restaurierte er die Pfarrkirchen von Hauskirchen sowie Mistelbach, beide NÖ, und für Silbertal in Vorarlberg entwarf er ein Kirchenprojekt. In Wien wurde er außerdem mit der Durchführung der von Viktor Luntz begonnenen Restaurierungsarbeiten an der Minoritenkirche betraut, für die er den Oberbaurattitel erhielt.

Julius Hermann war ein eifriges und tätiges Mitglied in den verschiedenen Standesvereinigungen. Als Mitglied der Zentralkommission zur Erforschung und Erhaltung der Baudenkmale Österreichs hielt er Referate über mittelalterliche Baukunst. Seine profunden Kenntnisse auf dem Gebiet der Kirchenbaukunst und auch der hohe Prestigewert als Dombaumeister ließen ihn zu einer Instanz in Fragen mittelalterlicher Sakralarchitektur aufsteigen. Er wurde zu Gutachten bei Kirchenrestaurierungen herangezogen. Knapp vor seinem 60.Geburtstag starb er. Nach feierlicher Einsegnung an seiner Wirkungsstätte in St.Stephan unter Teilnahme zahlreicher Honoratioren wurde er in der Familiengruft am Helenen-Friedhof bei Baden beigesetzt.
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Stellenwert
Julius Hermann widmete sein ganzes Schaffen der Sakralarchitektur. Seine gesamte Bautätigkeit, waren es nun Restaurierungen, Renovierungen, Umbauten oder Neuschöpfungen, spielte sich ausschließlich im sakralen Bereich ab. Bei seinem Lehrer Friedrich v. Schmidt hatte er nicht nur eine profunde Detailkenntnis der mittelalterlichen Architektur erworben, die er bei der Mitarbeit an den großen Restaurierungsprojekten seines Lehrers noch vertiefen konnte, er lernte auch dessen Arbeitsweise bei der Restaurierung mittelalterlicher Bauwerke kennen. Schmidts Restaurierungstechnik war vom künstlerischen Standpunkt des Historismus geprägt und „kann im Grunde nicht als Restaurierung im heutigen Sinne gelten, sondern ist als Neuinterpretation des mittelalterlichen Bauwerkes ... zu bezeichnen“ (Kitlitschka, 1984). Auf historische Authentizität wurde damals kein besonderer Wert gelegt, man empfand vielmehr die allmählich gewachsenen und vielfachen Veränderungen ausgesetzten alten Bauten ästhetisch als nicht befriedigend. Die vorhandene Bausubstanz sollte durch umfangreiche Änderungen und Eingriffe in „reinem“ mittelalterlichen Stil ersetzt werden, wie es bei der Stiftskirche Klosterneuburg geschah.

Auch Julius Hermann war im Sinne Schmidts bemüht, die romanischen oder gotischen Kirchen „stylgerecht“ zu restaurieren. Manch ursprünglich geplantes Konzept konnte dann aber doch nicht ausgeführt werden. So nahm man beim Dom St.Stephan von der „stylreinen“ Gestaltung des romanischen Riesentores – noch eine Planung Schmidts, für die sich Hermann sehr eingesetzt hatte und die eine Entfernung des vorgelagerten Spitzbogens aus dem 15.Jahrhundert verlangt hätte – Abstand. Bei seinen eigenen Restaurierungsarbeiten folgte der Dombaumeister jedoch weitgehend dem Vorbild und den Vorstellungen seines Lehrers. So wurden bei der Pfarrkirche von Hauskirchen (1897-1899) dem romanischen Langhaus Spitzbogenfenster mit Maßwerk zwischen kräftigen Strebepfeilern eingesetzt, um es dem gotischen Chor und dem spätgotischen Portal anzupassen. Auch ein achtseitiger Turm mit Spitzhelm und polygonalen Treppentürmchen wurden aufgeführt, um den Bau in der Idealvorstellung von „gotischer“ Stilreinheit und -einheit zu präsentieren. Ebenso wurde in Mistelbach (1902) verfahren, wo der spätgotischen Pfarrkirche eine neogotische Westfassade mit mächtigem dreiteiligem Portalvorbau dazukomponiert wurde. Bei den Innenausstattungen war Hermann ebenfalls um die weitgehende Umgestaltung im Sinne eines idealisierten Gesamtkonzepts bemüht und sorgte, wie in Steyr (1885-1889), für eine möglichst einheitliche, neogotische Einrichtung und Ausstattung.

Seine Stellung als Dombaumeister bedeutete für Hermann sowohl Auszeichnung wie auch Verantwortung. Die Wertschätzung, die man ihm damit entgegenbrachte, hatte er durch seiner Tätigkeit als Restaurierungsfachmann erlangt. Seine Restaurierungen waren von umfassender Fachkenntnis, von Stilverständnis und Pietät gegenüber dem Bauwerk gekennzeichnet. Von großer Bedeutung waren auch die wissenschaftlichen Bauaufnahmen, die während der Restaurierungsarbeiten des Stephansdomes laufend durchgeführt und in der „Wiener Bauhütte“ vielfach veröffentlicht wurden.
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Werke

ÖFFENTLICHE BAUTEN:
1876-1891Restaurierung Stift und Stiftskirche Klosterneuburg, NÖ
1877-1903Restaurierungen am Dom St.Stephan, Wien
1885-1889Restaurierung d. Stadtpfarrkirche Steyr, OÖ
1892Pfarrkirche Silbertal, Vbg. (nach Plänen von Friedrich v. Schmidt ausgeführt)
1897-1899Restaurierung und Neugestaltung Pfarrkirche Hauskirchen, NÖ
1902Neugestaltung der Westfassade und des Portals d. Pfarrkirche Mistelbach, NÖ
1902Restaurierung Minoritenkirche, Wien

INNENRAUMGESTALTUNG/DESIGN:
1900-1904Neogot. Reliquienaltar Hl.Kosmas und Damian, St.Stephan, Wien 1
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Primärquellen

NACHLÄSSE UND ARCHIVE:
Archiv der ABK
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Sekundärquellen

LITERATUR:
Anonym: Nachruf. In: Wr. Bauhütte 2.1908, S.28f
Anonym: Die Restaurierungsarbeiten am Stephansdom (Wien). In: WBIZ 6.1889, S.150, 210, 289, 330, 411
F. Aichelburg: Das Wiener Künstlerhaus 1861-2001. Bd.1 Wien 2003
Hist. Museum d. Stadt Wien (Hrsg.): Friedrich v. Schmidt. Ein got. Rationalist. (Ausst.Kat.) Wien 1991
W. Kitlitschka: Historismus u. Jugenstil i. Niederösterreich. St.Pölten-Wien 1984
R. Schmidt: Das Wiener Künstlerhaus 1861-1951. Wien 1951
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Anmerkungen
Eingegeben von: Jutta Brandstetter
Eingegeben am: 01.07.2007
Zuletzt geändert: 27.08.2007
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