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Otto Rudolf Polak-Hellwig

Portraitbild
Persönliche Daten
Ausbildung, Studienreisen, internationale Aufenthalte
Beruflicher Werdegang, Lehrtätigkeit
Mitgliedschaften
Vita
Stellenwert
Werke
Primärquellen
Sekundärquellen
Ausstellungen
Persönliche Mitteilungen
Anmerkungen
Persönliche Daten
* 24.05.1885 - † 26.12.1958
Geschlecht: m
Geburtsort: Wien
Land: Österreich
damaliger Name: Österreich-Ungarn
Sterbeort: Sidney
Land: Australien
weitere Namen: Polak Otto
Religionsbekenntnis: Mosaisch
Berufsbezeichnung: Zivilingenieur
Familiäres Umfeld: Vater: Dr. Rudolf P., Hofbaumeister
Kinder: Otto Heinrich (1911-1996); Wolfgang (*1915) Architekt
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Ausbildung, Studienreisen, internationale Aufenthalte
um 1903Matura, Gymnasium Wien VIII
1903-1908TH Wien (bei K. Mayreder, K. König und K. Holey)
1908-1909Akademie der bildenden Künste Wien (bei F. Ohmann)
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Beruflicher Werdegang, Lehrtätigkeit
o.J.Mitarbeit in den Büros Walcher v. Moltheim, Fellner & Helmer
o.J.Mitarbeit bei Viktor Kovacic, Agram / Zagreb, HR
1913-1915Leiter des Stadtbauamtes Mödling, NÖ
ab 1918Technischer Sekretär der Österr. Werk- und Siedlungsgesellschaft, Wien
o.J.Direktor des Österr. Instituts für Bildstatistik
1937Ernennung zum technischen Baurat
1939Emigration nach Sydney, AUS
ab 1940Tätigkeit f. die staatlichen Wohnbaustellen und Eisenbahn in Adelaide und Hobart, Tasmanien, AUS
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Mitgliedschaften
ab 1909Österr. Ingenieur- und Architektenverein
ab 1920Zentralvereinigung der Architekten Österreichs
ab 1920Österr. Werkbund
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Vita
Otto Polak wurde 1885 in Wien als Sohn des Hofbaumeisters Dr. Rudolf Polak geboren. Vermutlich kam es während seines Studiums zu der Namensänderung auf Polak-Hellwig. Nach Abschluss seines Studiums an der Technischen Hochschule bei Mayreder, König und Holey besuchte er 1908-1909 die Meisterschule bei Friedrich Ohmann an der Akademie der bildenden Künste in Wien.

Danach arbeitete er in den Büros Walter von Moltheim, Fellner & Helmer sowie bei dem Wagner-Schüler und Loos-Freund Viktor Kovacic in Agram. 1913-1915 leitete er das Stadtbauamt in Mödling, NÖ. Nach Ende des Ersten Weltkriegs war Polak-Hellwig technischer Sekretär der Österreichischen Werk- und Siedlungsgesellschaft und danach Direktor des Österreichischen Instituts für Bildstatistik.

Otto Polak-Hellwig baute für die gemeinnützige Wohnbau-Genossenschaft „Heim“ und beschäftigte sich mit rationeller Wohnungs- und Haushaltsplanung, wie zum Beispiel der Planung von Kleinküchenentwürfen unter dem Aspekt „Die neue Frau – die neue Wohnung“.

Ab den späten zwanziger Jahren trat Polak-Hellwig, Mitglied des Österreichischen Werkbundes und des Verbandes für Wohnungsreform, mit Artikeln in Fachzeitschriften, die die Prinzipien des Neuen Bauens propagierten, an die Öffentlichkeit und er hielt Vorträge, u.a. 1929 auf der Tagung für wirtschaftliches Bauen in Wien, über rationelle Grundrisse für Klein- und Kleinstwohnungen.

Das Familien-Einküchenhaus „Heimhof“, Wien 15, Pilgerimgasse 22-24, wurde 1921-1922 nach seinen Plänen für berufstätige Ehepaare gebaut, 1923 mit 24 Wohnungseinheiten eröffnet und in genossenschaftlicher Selbstverwaltung geführt. Die zentrale Küche dieses einzigen Einküchenhauses in Wien sollte berufstätigen Frauen die Hausarbeit erleichtern, häusliche Arbeiten wurden von Angestellten verrichtet, die von den MieterInnen bezahlt werden mussten. Außerdem waren moderne Einrichtungen wie Zentralheizung, ein moderner Speiseaufzug, eine Zentralwäscherei und ein Müllschacht vorhanden. Im gemeinsamen Speisesaal fanden auch wissenschaftliche und politische Vorträge und unterhaltsame Veranstaltungen statt. Neben Vorplätzen und dem Hof stand den BewohnerInnen auch ein Dachgärten zur Verfügung. 1926 umfasste der Hof insgesamt 246 Wohneinheiten und beherbergte auch einen Kindergarten. Diese Vergenossenschaftlichung der Hausarbeit wurde von der Initiatorin der Anlage und fortschrittlichen Vordenkerin Therese Schlesinger-Fickert wiederholt eingefordert. Das Einküchenhaus blieb jedoch ein isoliertes Experiment und das Zentralküchenhaus wurde 1938 durch die Nationalsozialisten funktionell aufgelöst. Von der einstigen Idee ist heute nur noch der Name geblieben.

Neben Wohnhausanlagen errichtete Otto Polak-Hellwig Weekendhäuser sowie größere Ferienhäuser und richtete 1932 das von Josef Wenzel in der Wiener Werkbundsiedlung errichtete Haus ein (13, Veitingergasse 111-113).

1939 emigrierte Polak-Hellwig nach Australien und war in Sydney als selbständiger Architekt tätig. Während seines Aufenthaltes in Australien war er auch in Tasmanien bei den staatlichen Wohnbaustellen sowie beim Ausbau der Eisenbahn in Adelaide und Hobart beschäftigt. Nach Abschluss seiner Tätigkeiten in Tasmanien hielt er sich wieder in Sidney auf, wo er im Jahr 1958 im Alter von 73 Jahren verstarb. Sein Sohn Wolfgang lebte nach dem Zweiten Weltkrieg als Architekt in Salzburg.
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Stellenwert
Otto Polak-Hellwigs fortschrittliches Denken zeigt sich vor allem in den Wohnhausanlagen, wobei ihm die Verwirklichung einer neuen Lebensform besonders im „Heimhof“ gelang. In seiner heutigen Form ist der „Heimhof“ allerdings das Ergebnis mehrer Erweiterungen. Den Kern der Anlage stellt der dreigeschossige schmucklose Trakt in der Pilgerimgasse dar, in dessen Mitte sich auch der Haupteingang befindet. Die Kleinstwohnungen bestanden aus ein oder zwei Zimmern, wobei die häuslichen Arbeiten in den Gemeinschaftsanlagen verrichtet wurden.

Bei den Ferienhäusern, die Polak-Hellwig plante, folgte er meist dem Konzept einer konstruktiven Sachlichkeit. L-förmige Weekendhäuser wurden durch vorgelagerte Terrassen zu einem Rechteck ergänzt und die glatten, ornamentlosen Baukörper wurden durch Flachdächer abgeschlossen. Er entwarf auch zwei Einfamilienhäuser mit ähnlichem Grundrissschema, die dem klassisch-wienerischen Typus des zur Gartenseite hin L-förmigen Hauses mit vorspringendem Teil und Obergeschoß-Balkonen entsprachen. Der kleinere Entwurf der beiden Häuser stellt ein Musterbeispiel des Wiener-Einfamilienhauses der frühen 30er Jahre dar.

Ein klassisch-konservatives Beispiel einer seiner Villen ist das 1936 erbaute Gutshaus Thonet in Mähren. Der Grundriss ist mit einer tragender Querwand und den gartenseitig gereihten Wohnräumen am Schema der Stuttgarter Schule orientiert. Der Aufriss der Gartenseite ist betont symmetrisch angelegt und der in Summe gediegene Baukörper von einem Walmdach mit Gauben bedeckt.

In dem biedermeierlich wirkenden Bau der Wohnhausanlage Wien 17, Hernalser Hauptstraße/Bergsteiggasse aus den Jahren 1924-1925 war die Besonderheit der 35 Wohnungen die eingebaute „Wirtschaftsnische“, ein Wiener Vorläufer der Frankfurter Küche. Moderne Einrichtungen wie z.B. Gasherd mit über Dach entlüftender Dunsthaube, ein ins Freie entlüftender Speisenschrank, klappbare Arbeitsplatten, Heißwasserautomat, eine vom Vorraum herausziehbare Mistkiste etc. waren auf nur 6,5 Quadratmeter Fläche untergebracht.

Otto Polak-Hellwig erlangte vor allem Bedeutung durch die fortschrittlich geplanten Wohnhausanlagen, in denen ihm ein bedeutsamer Schritt in der Rationalisierung der Hauswirtschaft gelang.
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Werke

WOHN-/GESCHÄFTSBAUTEN:
1921-1926Familien-Einküchenhaus „Heimhof“, Wien 15, Pilgerimgasse 22-24 (mit Carl Witzmann)
1924-1925WHA d. Gem. Wien, Wien 17, Hernalser Hauptstraße 54 / Bergsteiggasse 28
1928„Schlosserhof“, Wien 1, Seilerstätte 22 (Erneuerung der Fassade, im Inneren als Bankgebäude adaptiert)
o.J.Wohnhaus, Wien 23, Kriegergasse 73

ÖFFENTLICHE BAUTEN:
1929Messepavillon f. Insulite Holzfaser-Isolierplatten der Reichraminger Holzindustrie AG, Wiener Herbstmesse (zerstört)
um 1938Schloss Schieleiten, Stmk. (Umbau)

INDUSTRIE-/GEWERBEBAUTEN:
1936Gutshaus Thonet, Mähren, CZ (bei Bistritz oder Korytschan)

INNENRAUMGESTALTUNG/DESIGN:
1932Haus Wiener Werkbundsiedlung, Wien 13, Veitingergasse 111-113 (E: Josef Wenzel)

NICHT REALISIERTE PROJEKTE:
1909Friedhofsanlage in Bielitz, Ö.Schlesien / Bielsko-Biala, PL (Wettbewerb, 2.Preis)
1928-1929diverse Weekendhäuser
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Primärquellen

PUBLIKATIONEN:
P. Hellwig: Die Einzimmerwohnung. In: Zeitschrift f. Innendekoration 39.1928, S.261
O. Polak: Flaches oder geneigtes Dach? In: Der getreue Eckhart 1.1928/29, S.27ff
O. Polak: Die Wohnung für das Existenzminimum. In: Die Wohnungsreform 11.1929, S.7ff
O. Polak: Rationelle Grundrisse für Klein- und Kleinstwohnungen. In: Die Wohnungsreform 12.1929, S.10ff
O. Polak: Ein österreichisches Institut für Wohntechnik In: Die Wohnungsreform 3.1930, S.6
O. Polak: Wohnungsreform im Künstlerhaus. In: Die Wohnungsreform12.1930, S. 15f
O. Polak: Die neue Frau-die neue Wohnung. In: Die Wohnung 1930, S.6f
O. Polak: Küchengestaltung. In: Die Wohnung 3.1933, S.9
O. Polak: Wie die Küche, so die Wohnung. In: Das Wüstenrot-Eigenheim 1933, S.10ff
O. Polak: In: Profil 7.1933, S.14f (Schlafgelegenheiten im Wochenendhaus) / S.230ff (Wesen und Eigenart des Wochenendhauses) / S.381ff (Die Wohnung nach Maß)
O. Polak: In: Profil 12.1933, H.12, S. 16 (Der Weg zu uns selbst ) / S.3ff (10 ernste Gebote) / S.14f (Die Wohnung für Jedermann)
O. Polak: Wohntechnik. In: Profil 1.1934, S.7
O. Polak: Gesund wohnen. In: Die Wohnung 1934, S.58/106
O.P. Hellwig: Behagliche Wohnung und praktischer Haushalt. Wien 1934

NACHLÄSSE UND ARCHIVE:
Archiv der ABK; TUWA
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Sekundärquellen

LITERATUR:
L. Neumann: Der Haushalt des 20. Jahrhunderts. In: Das Wohnungswesen in Österreich. Wien 192, S.299ff
H. Weeh / F. Wiser: Inneneinrichtungen. In: Unser Eigenheim. Wien 1930, S.111ff
H. Weihsmann: Das Rote Wien. Wien 2002

HINWEISE AUF WERKE:
Der getreue Eckhart
1.1935, Beilage: Das neue Heim S.14 (Möbel im Raum)

Deutsche Bauzeitung
61.1927, S.737ff (Wr. Wohngrundriß-Experimente, Wien 17, Bergsteiggasse 28)

NACHSCHLAGEWERKE:
Achl. III/2
Dehio Wien/3 (X.-XIX.u.XXI.-XXIII.Bez.)
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Ausstellungen
1929Wohnungen und Siedlungen, Linzer Ausstellung, OÖ
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Persönliche Mitteilungen
Von Dr. Otto Hellwig, dem Enkel des Architekten, 2008
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Anmerkungen
Eingegeben von: Petra Schumann
Eingegeben am: 01.05.2006
Zuletzt geändert: 05.04.2008
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